"...denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben" (2Mo 33,20). Die reiche Bildsprache der Propheten. Teil 1
Glaubensimpuls 777 von Gregor Dalliard am
Im Gim 772 haben wir uns mit der Thematik: “Der Segen und der Fluch” etwas auseinander gesetzt. Es ist ein Thema, das recht vielen zu Herzen geht. Darum möchte ich auf diese Thematik noch einmal eingehen. Der TaNaCH (“AT”) spricht einerseits von Strafe, Gericht und Zorn JaHuWaHs, wenn das auserwählte Volk JaHuWaH untreu war, anderseits aber wird bezeugt, dass es JaHuWaH selbst ist, der die Herzen der Menschen beschneidet (5Mo 29,3; 5Mo 30,6). Wie soll das in Einklang miteinander stehen oder gebracht werden? Wenn JaHuWaH ein drohender und rächender Gott wäre, dann würde ER sich nicht von den Göttern der Heiden unterscheiden, dann wäre ER doch gar nicht der El Eljon, der Höchste und Allwissende. Widmen wir uns weiter diesem Thema in diesem und auch im nächsten Gim.
Vorerst möchte ich an den Gim 771 erinnern. Wir sagten: wir dürfen alle guten und gut gemeinten Verhaltensregeln und -normen der Menschen niemals auf den Elohim (“Gott”) JaHuWaH, den El Eljon, den Höchsten übertragen, und die Menschen danach lehren und beurteilen. Das heisst im Klartext: “mein Angesicht darf nicht gesehen werden” (2Mo 33,23), über meine Gedanken und Wege darf kein Mensch verfügen: “Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht JaHuWaH” (Jes 55,8).
Damit wir diese vermeintlichen Widersprüche im TaNaCH in Einklang bringen können, gehen wir von 2Mo 33,20 aus: “Dann sprach JaHuWaH: Du kannst es nicht ertragen, mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben”. Ein zweiter wichtiger Pfeiler in diesem Zusammenhang bleibt das Einfühlen in die überaus inhaltsreiche Bildsprache, die von den israelitisch-jüdischen Propheten und Weisen benutzt wird. Menschen wie wir, die wir abgrundtief von der babylonisch-griechischen, bzw. griechisch-römischen Denkstruktur durchdrungen sind, haben enorme Mühe, die reiche Bildsprache der israelitisch-jüdischen Propheten in ihrem Zusammenhang zu verstehen. Selbst gewisse jüdische Glaubensrichtungen haben damit Mühe, die im Laufe der langen Vergangenheit unterwandert worden sind. Die Christen bilden sich ein, mit ihrer griechisch-römischen Denkstruktur das Wort “Gottes” besser zu verstehen als die Propheten Israels und meinen sie müssten den Juden die Aussagen der Propheten erklären. Welch eine Niederträchtigkeit, Zynismus und Bigotterie (Scheinheiligkeit) ist das. Die christliche Ersatztheologie ist die Frucht daraus, die im 6./7. Jahrhundert den Islam hervorbrachte und später den Holocaust mit all den schrecklichen Folgen bis zu diesem Tag. Sowohl der hebräische Elohim als auch der griechische Theos wurden mit “Gott” übersetzt, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben.
“Niemand kann den Elohim JaHuWaH, den El Eljon, den Höchsten sehen”. Das ist die eine Grundlehre, die Moshe dem auserwählten Volk vermittelte. Daran gibt es nichts zu rütteln. Mit diesem ersten Zeugnis ist das zweite Zeugnis unlösbar verknüpft, und zwar mit der Bildsprache, die uns im TaNaCH durchgehend begleitet: “und am Leben bleiben”.
Ist dann JaHuWaH eine Fantasiegestalt? Im Gegenteil: die Fantasiegestalt ist der christliche, griechisch-heidnische Theos. Vor allem in den Psalmen wird die herrliche Gegenwart JaHuWaHs, des El Shaddais, des Allmächtigen, der Himmel und Erde geschaffen hat vielfältig und berauschend besungen. Wer Augen und Ohren hat wird mit hineingenommen und heilend erquickt.
Noch vielmehr als die Erquickung in SEINER Schöpfung wird uns SEINE Existenz in den bewährten Erfahrungen im TaNaCH vermittelt, und das in guten und in bösen Tagen. Diese Erfahrungen werden uns vielfältig berichtet, so z. B. auch im Psalm 23, der für unzählige Menschen bis zu dieser Stunde zum täglichen Gebet geworden ist. Gesunde und Kranke, Enttäuschte und Vergessene, und, und, und… vertiefen sich täglich und nächtlich in diesem Zeugnis. Sie nehmen sich bewusst die Zeit. Sie nehmen diese Zusammenhänge bewusst tief in sich auf, wie ein tägliches Medikament, das sie täglich schlucken müssen. Und siehe da, neue Lebenshoffnung und -freude steigt in ihren Herzen auf.
Darum gilt für Moshe und alle israelitisch-jüdischen Propheten das Grundprinzip des Lebens: JaHuWaH suchen und IHN finden (Siehe Gim 589): “Aber in ihrer Bedrängnis kehrten sie um zu JaHuWaH (vertrauten IHM neu), dem Elohim (falsche Übs.: “Gott”) Israels; und sie suchten ihn, und er liess sich von ihnen finden” (2Chr 15,4).
“Dann werdet ihr von dort aus JaHuWaH, deinen Elohim (“Gott”), suchen. Und du wirst ihn finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst” (5Mo 4,29). Das gilt auch für uns, die wir uns vom Götzendienst (von falschen Hirten) gelöst haben und dem El Eljon von Herzen vertrauen und als unserem Hirten folgen. Wer JaHuWaH vertraut, darf alle verheissenen Segnungen für sich beanspruchen, wenn wir denn wollen.
Die Grundbasis bleibt das Vertrauen durch dick und dünn, d. h. in guten und schlechten Zeiten. Dieses Vertrauen veränderte das Leben Abrahams und seiner Leute schrittweise. Seinem Vertrauen folgten bis heute unzählige Menschen, ein grosses Volk, wie das Abraham verheissen wurde: “Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein grosses Licht. Die im Land der Finsternis wohnen, Licht leuchtet über ihnen” (Jes 9,1). “Ich, JaHuWaH, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand (Jes 42,1-6).
JaHuWaH kann nicht in Tempeln wohnen, das macht keinen Sinn im gesamtprophetischen Wort. Das gilt auch für katholische Kirchen, Basiliken, Dome etc. ER wohnt auch nicht in den katholischen Sakramenten und den aufgepflusterten Würdenträgern und Pastoren. Ein Tempel, oder der Tempel, Kirchen, Dome etc. sollten nur Versammlungsräume sein, in denen sich Gleichgesinnte versammeln, das kann auch ein Wohnzimmer sein. Entscheidend ist für jeden Menschen die persönlich gepflegte Beziehung zu JaHuWaH und die Frucht die daraus erwächst (Gim 768). Fortsetzung folgt.
Herzlich grüsse ich alle mit dem wunderbaren Zuspruch, den der Prophet Jeshajahu in einer katastrophalen und grauenvollen Zeit dem von JaHuWaH erwählten Volk zuruft: “Seht, das ist mein Knecht, den ich halte” (Jes 42,1). “…und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen” (Jes 42,6). “…er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen” (Jes 42,1). Shabbat Shalom.
Gregor Dalliard
Ankündigungen
Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen (Videokonferenz) in Finsterhennen ein. Wir treffen uns am 18. Oktober 2026 um 14.00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger in 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2 (tel.: 032 396 34 03), k.hunzinger@sunrise.ch. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!