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Steht Israel vor einem Abgrund? Der grosse Konflikt innerhalb des aktuellen Judentums. Die Bildsprache der Propheten. Teil 4

Glaubensimpuls 625 von Gregor Dalliard

Den letzten Gim habe ich mit einem aussergewöhnlichen zukunftsweisenden Wort des Propheten Jirmejahu (Jeremia) beendet. Wir wollen uns diesen Text noch einmal zu Herzen führen: “Ich JaHuWaH lege meine Weisung (Gesetz) in ihr Inneres und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Elohim sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt JaHuWaH! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Grössten, spricht JaHuWaH” (Jer 31,33-34; vgl. auch Jes 2,2-5).
Dazu möchte ich noch folgenden Text aus Jeremia 23,5-6 lesen: “Siehe, Tage kommen, spricht JaHuWaH, da werde ich dem David einen gerechten Spross erwecken. Der wird als König regieren und verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit im Land üben. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: ‘JaHuWaH, unsere Gerechtigkeit’”.

Das sind ergreifende Worte des Propheten Jirmejahu an seine Mitmenschen. Wir müssen erstens Folgendes beachten und uns fragen: Wann machen denn solch ergreifende Worte einen Sinn? Wohl dann, wenn sich die Hörenden in einer äusserst prekären und katastrophalen Lage befinden. In jenen Tagen waren die Juden am Boden zerstört (siehe dazu Gim 494). Was bisher an Erlebtem mit JaHuWaH geschehen war, schien für immer vernichtet zu sein. Was nun?
Zweitens ist aus dem Zusammenhang der Erwählung, Berufung und Sendung Israels folgende Tatsache zu erkennen und die ist absolut wichtig: JaHuWaH wirkt immer mit den Menschen zusammen, niemals ohne sie. Keine Verheissung erfüllt sich einfach so vom Himmel herab. Sie geschieht im schrittweisen Aufbau durch die Menschen.

Dieses Faktum unterscheidet die beiden grossen zionistischen Judengemeinschaften, die säkulare und die religiöse, die den Aufbau des Staates Israel vorantreiben, von der grossen einflussreichen ultraorthodoxen Bewegung der Charedim/Naturei Karta und ähnlichen in Israel und weltweit. Gegenwärtig prallen diese zwei Überzeugungen in Israel und überall in der Welt heftig aufeinander wo Juden leben. Zahlenmässig sind sie ziemlich gleichauf. Die ultraorthodoxen Charedim/Naturei Karta bauen seit längerem gezielt Kontakte mit den Palästinensern auf, denn nach einem eventuellen Bürgerkrieg würde das Land Israel in einen demokratischen Staat verwandelt werden.
In diesem Staat, der ein Staat wie jeder andere demokratische Staat auf Erden sein würde, würden alle, gläubige ultraorthodoxe Juden (Charedim), ultraorthodoxe religiöse und säkulare Zionisten friedlich zusammen mit den Palästinensern, den Arabern, den Christen und allen anderen leben.
Bevor es den Staat Israel gegeben habe, hätten die Juden überall auf der Welt mehr oder weniger friedlich mit den anderen Volksgemeinschaften der Welt gelebt. Still hätten sie ihren Glauben gelebt und bewahrt und sich, wie wir bereits sagten, nach der Weisung des Propheten Jirmejahu unter den jeweiligen Völkern eingeordnet: “Suchet der Stadt Bestes” (Jer 29,7). Das taten und tun sie in Demut, im Wissen, dass sie immer noch unter dem Gericht Gottes stehen würden.
Dieses gemeinsame friedliche Leben verschiedenster Religionen und Volksgruppen unter den demokratischen Vorgaben eines säkularen Staates Israel würde sich erst dann verändern, wenn JaHuWaH selbst dem Gericht, das ER vor 2000 Jahren über die Juden verhängt hatte, beenden würde. Das würde dann so weit sein, wenn im Auftrag JaHuWaHs der Messias, der neue König David auftreten würde. Dann würden alle, die in dem säkularen Staat Israel leben und darüber hinaus, sich freiwillig JaHuWaH zuwenden und sich bekehren, selbst die Araber und andere Völker (vgl. Sach 8,22-23; Micha Kap 4; Jes 2,2ff; 9,7; Sach 6,13 u. v. m.).
Also hoffen sie, wie auch immer, dass die religiösen zionistischen Juden und die säkularen zionistischen Juden von den Arabern oder wem auch immer bald aus dem Land Israel geschmissen werden, damit die Erlösung anbrechen kann. Der neue David, der Messias, könne nur dann kommen und nur dann das messianische Friedensreich aufbauen, wenn Israel frei von den säkularen (unbekehrten) und religiösen Zionisten sein wird. Nach Überzeugung der Charedim/Naturei handeln selbst die religiösen Zionisten gegen das oben zitierte Wort des Propheten Jirmejahu, da sie den Aufbau des säkularen Staates Israel seit 1948, zusammen mit den säkularen Zionisten erzwingen und mitgestalten - und nicht auf den verheissenen Messias warten.

Wir haben in den letzten Jahren immer wieder von der reichen Bildsprache der Propheten und ihrer prophetischen Texte gesprochen, die unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert. Wir glaubten früher auch wie die Charedim/Naturei Karta, dass solche prophetischen Texte wörtlich zu verstehen seien. Im Unterschied zu den gläubigen Juden glaubten wir allerdings nicht an das Kommen eines neuen Davids als Messias, sondern an den angeblich auferstandenen und wiederkommenden Gott Jesus Christus. Doch der ist zur angesagten Zeit nicht gekommen! Er wird auch nie kommen! So darf z. B. Jer 31,33-34; 23,5-6 nicht wörtlich verstanden werden, etwa so, als sollten die Juden die Hände mal in den Schoss legen, d. h. das über 2000 Jahre lange Gericht weiterhin im unerschütterlichen Glauben erdulden, in der Hoffnung, dass JaHuWaH dieses verheissene Wort zu SEINER Zeit, vom Himmel herab geschehen lassen würde.
Ohne unser Dazutun wird JaHuWaH nichts tun. ER wird zusammen mit Israel und uns Israel aufbauen und der Welt den Frieden geben. Alle aber müssen sich Rechenschaft darüber geben, mit welchen Methoden und Mitteln sie diesen Weg beschreiten.
Wo immer uns im TaNaCH JaHuWaH als der direkt Sprechende begegnet, wie in Jer 31,33-34 und in Jer 23,5-6, da reden die Propheten in der Bildsprache. Dass die Weisungen JaHuWaHs in unser Inneres gelegt werden, auf unser Herz geschrieben werden, dafür sind wir persönlich verantwortlich. Nehmen wir die Weisungen JaHuWaHs nicht in unser Herz auf, dann geschieht rein gar nichts, jedenfalls nichts Beständiges. JaHuWaH kommt und wirkt allein dann, wenn wir in unserem Leben nach JaHuWaH und SEINEN Weisungen suchen, uns ernsthaft mit ihnen auseinandersetzen und im täglichen Leben nach möglichen Konsequenzen suchen. Das ist das Ziel JaHuWaHs.

Mit den Worten des grossen Propheten Shmuel (Samuel) grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen Shabbat des inneren Friedens: “Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber JaHuWaH sieht auf das Herz” (1Sam 16,7). Das tut aber gut!

Im nächsten Gim wollen wir in diesem Zusammenhang der Frage nachgehen: Was ist mit der Aussage gemeint: “Lasst uns Menschen machen….” (1Mo 1,26)?

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 16. Juni 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.