Der Segen und der Fluch. "Dein Elohim ist mein Elohim" (Rut 1,16).
Glaubensimpuls 772 von Gregor Dalliard am
In der Ebene von Moab sprach Moshe zum Volk Israel: “Und es wird geschehen, wenn all diese Worte über dich kommen, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Nationen, wohin JaHuWaH, dein Elohim, dich verstossen hat, und du umkehrst zu JaHuWaH, deinem Elohim, und seine Stimme hörst nach allem, was ich dir heute befehle, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, dann wird JaHuWaH, dein Elohim, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen. Und er wird dich wieder sammeln aus all den Völkern, wohin JaHuWaH, dein Elohim, dich zerstreut hat. Wenn deine Verstossenen am Ende des Himmels wären, selbst von dort wird JaHuWaH, dein Elohim, dich sammeln, und von dort wird er dich holen. Und JaHuWaH, dein Elohim, wird dich in das Land bringen, das deine Väter in Besitz genommen haben, und du wirst es in Besitz nehmen. Und er wird dir Gutes tun und dich zahlreicher werden lassen als deine Väter” (5Mo 30,1-5).
Warum ist im TaNaCH (“AT”) immer wieder die Rede von Segen und Fluch? Das Wesen des Elohims JaHuWaH, des El Eljons, des Höchsten wird uns in den Tiefen des TaNaCHs (des “ATs”), als reine Liebe bezeugt. Genau das unterscheidet JaHuWaH von den rächenden Gottheiten der Völker dieser Erde. Anderseits lesen wir aber im TaNaCH immer wieder vom Fluch des Elohims JaHuWaH, der als Folge der Treulosigkeit SEIN auserwähltes Volk trifft oder treffen wird. Dann wird Er sie in alle Welt verstossen. Dort werden sie schreckliche Dinge erleben, aber ER wird sie wieder sammeln, wenn sie dort zu IHM umkehren.
Wir lesen: “und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Nationen, wohin JaHuWaH, dein Elohim, dich verstossen hat, und du umkehrst zu JaHuWaH, deinem Elohim, und seine Stimme hörst nach allem, was ich dir heute befehle, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, dann wird JaHuWaH, dein Elohim, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen” (5Mo 30,1).
Dann aber lesen wir im gesamten TaNaCH (“AT”) immer wieder: “Und JaHuWaH, dein Elohim, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, damit du JaHuWaH, deinen Elohim, liebst mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, dass du am Leben bleibst” (5Mo 30,6).
Moshe bezeugt aber auch: “Aber JaHuWaH hat euch bis zum heutigen Tag weder ein Herz gegeben zu erkennen, noch Augen zu sehen, noch Ohren zu hören (5Mo 29,3). Es wird also immer wieder bezeugt, dass es einzig und allein der Elohim JaHuWaH ist, der die Herzen des Volkes beschneidet, d. h. die Umkehr in ihnen bewirkt, damit sie IHN mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele lieben und so am Leben bleiben. Aber ebenso wird bezeugt, dass JaHuWaH es ist, der die Herzen der Menschen verstockt.
So ist uns im Umgang JaHuWaHs mit dem Pharao bezeugt: “Aber JaHuWaH verstockte das Herz des Pharao, sodass er nicht bereit war, sie ziehen zu lassen” (2Mo 10,27), obwohl sich Moshe im Auftrag JaHuWaHs alle erdenkliche Mühe gab, das Herz des Pharao zum Einlenken zu bewegen. Dann aber ist es wieder der Pharao selbst der sein Herz verstockt: “Aber der Pharao verstockte sein Herz auch diesmal und lies das Volk nicht ziehen” (2Mo 8,28).
Wie sollen wir diese angeblichen Widersprüche (dieses angebliche Tohuwabohu) innerhalb des TaNaCHs verstehen und einordnen? Wie kann JaHuWaH SEIN Volk Wege der Untreue zu IHM gehen lassen und sie bis an die Enden der Erde verstossen und sie Schreckliches erleben lassen, da ER es doch zulässt, dass sie ihre Herzen nicht in der Treue zu IHM bewahren.
Aus allen diesen scheinbaren Widersprüchen ist uns zumindest ein Zweifaches aufgezeigt: Erstens: Der Elohim JaHuWaH ist als El Eljon so unfassbar anders als jeder Mensch und jede von Menschen gemachte Gottheit (Theos). Das dürfen (oder müssen) wir zur Kenntnis nehmen, wollen wir in einer segensvollen Beziehung mit JaHuWaH leben, die uns jeden Morgen neu aufrichtet.
Als Moshe das Wesen JaHuWaHs bis ins letzte Detail erklärt haben wollte, erhielt er von JaHuWaH die Antwort: “Du kannst es nicht ertragen, mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen (ein Bild von mir machen, eine Lehre, eine Theologie über mich entwickeln) und am Leben bleiben” (2Mo 3,6; 2Mo 24,9; Ri 6,22; Ri 13,22; Jes 6,5). Ja, wer meint die angeblich widersprüchlichen Gedanken JaHuWaHs erfasst zu haben und sich anmasst, darüber eine Theologie, ein Glaubenssystem aufbauen zu können und die Menschen entsprechend zu lehren, bringt sich selbst und alle, die von der betreffenden Lehre indoktriniert sind, um die Fülle des Lebens. Es soll uns genügen: “Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht” (Ps 36,10).
Der Prophet Jeshajahu (Jesaja) lässt JaHuWaH sprechen: “Wer hat den Geist JaHuWaHs ermessen, und wer ist der Mann seines Rates, den er unterwiese? Mit wem beriet er sich, dass der ihm Einsicht gegeben und ihn belehrt hätte über den Pfad des Rechts und ihn Erkenntnis gelehrt und ihn über den Weg der Einsicht unterwiesen hätte?” (Jes 40,13).
JaHuWaH brauchte und braucht keinen Berater, keinen Helfer, der für IHN in die Lücke springt, und IHN besänftigen muss, weil ER angeblich in seinem Zorn unfähig geworden ist, die Menschen vor dem Abgrund der Hölle zu bewahren. Nach der christlichen Lehre aber hat der Menschen-Gott Jesus mit seinem Opferblut das geschafft, was der Elohim JaHuWaH, der “Gott” der Juden, angeblich nicht fähig war zu schaffen. Mit seinem Opfer, das der christliche Gott (Theos) von seinem Sohn Jesus forderte, hat dieser Menschen-Gott die Menschen vor der Hölle seines grimmigen Vater-Gottes (Theos) gerettet. Diesen Irrsinn lehren uns Paulus und seine Kirchenväter: “Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt” (1Jo 2,2). Das ist ein so folgenschwerer Irrsinn, der nur über das zusammenhängende Wort der israelitisch-jüdischen Propheten aufgedeckt werden kann. Es ist wahrlich kein einfacher Weg der Umkehr, aber einem aufrichtigen und bescheidenen Herz schenkt JaHuWaH ein Herz zu erkennen, Augen zu sehen, und Ohren zu hören.
Ich habe im letzten Gim 771 zitiert: “Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht JaHuWaH” (Jes 55,8). JaHuWaH verstösst nie jemanden, auch SEIN Volk nicht. Bei Jesus ist das anders: nur wer an ihn glaubt, den wird er nicht hinaus stossen, alle anderen schon. Im Kontext des TaNaCHs meint Moshe das nicht so, wie wir das bis vor wenigen Jahren noch verstanden und lehrten, denn JaHuWaH verstösst niemanden, der versagt, weil er jeden Menschen in SEINEM Bilde geschaffen hat (Siehe Gim 586. Die offenen Arme JaHuWaHs; vgl. Mk12, 29-31). Wenn Menschen die Beziehung zu JaHuWaH aufgeben, von JaHuWaH weglaufen, dann lässt ER sie gehen und die Folgen erleben. JaHuWaH aber verliert nie den Überblick, den Zusammenhang und die Beziehung zu dem betreffenden Menschen, weil ER jeden Menschen in SEINEM Bilde geschaffen hat.
ER führt den Menschen wieder zu sich zurück: “Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Elohim zurück, der ihn gegeben hat” (Pred 12,7). Wie ER das mit der Gerechtigkeit macht, das sind die Gedanken und Wege JaHuWaHs und das sind nicht unsere Gedanken (Theologien) und nicht unsere Wege (Heilslehren) (Gim 602 Hölle, da will niemand hinein). Es ist ein unmissverständliches Zeugnis. Und das eben, weil ER über allem steht und die Beziehung zu den Menschen, die ER in SEINEM Bilde geschaffen hat, untrennbar mit IHM verbunden sind.
Nichts ist JaHuWaH verborgen. Nichts geschieht ohne SEIN Wissen. Verlassen Menschen JaHuWaH hat das immer Folgen. Mitmenschen müssen oft unschuldigerweise durch solche Folgen mitleiden. Ein Leben von Menschen, die JaHuWaH nicht kennen hat auch seine Folgen und viele werden in diese Folgen mit hinein gezogen. JaHuWaH nimmt dieses Fehlverhalten von Menschen auf sich. Das bezeugt Moshe mit dem Ausspruch: “Aber JaHuWaH hat euch bis zum heutigen Tag weder ein Herz gegeben zu erkennen, noch Augen zu sehen, noch Ohren zu hören (5Mo 29,3). Kehrt ein Mensch zu IHM zurück, dann hat ER, JaHuWaH, diese Umkehr bewirkt.
So lernen wir über das Wesen JaHuWaHs das zu verstehen, was uns zu verstehen gegeben ist: Über meine Gedanken und Wege im Umgang mit Israel und überhaupt mit allen Menschen, darf kein Mensch verfügen. Wir Menschen haben alle die Neigung in uns, über andere Menschen zu verfügen und sie nach unseren anerzogenen religiösen Vorstellungen und Glaubenspraktiken zu biegen und zu erziehen. Enorme persönliche, familiäre und gesellschaftliche Probleme, ja sozusagen alle Kriege, haben darin ihren Grund.
Mit diesen angeblichen Widersprüchen in den Berichten der Tora und im gesamten TaNaCH (“AT”) wird uns zweitens die hohe persönliche Verantwortung eines jeden Menschen vor dem Elohim JaHuWaH dem El Eljon, dem Höchsten und den Mitmenschen gegenüber bewusst gemacht. Nur in der herzlich gepflegten Beziehung zu JaHuWaH, die die tiefsten Tiefen unseres Seins durchdringt, kann diese persönliche Verantwortung erträglich gelebt werden, so dass wir an den täglichen Herausforderungen und Enttäuschungen nicht zerbrechen.
Selbstverständlich versuchen viele Menschen ihre Kinder aufrichtig zu guten Menschen zu erziehen, was vor allem im digitalen und KI-Zeitalter (KI = Künstliche Intelligenz) äusserst schwer ist. Vor allem sind das Menschen, die einer religiösen Gemeinschaft angehören. Meistens tun sie das nach den traditionellen (“biblischen”) Glaubensregeln ihrer Glaubensgemeinschaft. Das Hauptanliegen ist immer, sie nach ihren Glaubenslehren zum ewigen Leben zu führen und damit vor der angeblichen ewigen Hölle zu bewahren. Klappt das nicht, geraten viele in Panik und versuchen über Drohungen und Erpressungen ihre Schützlinge und Mitmenschen auf den “rechten” Weg zu bringen, den sie aufrichtig als den einzig von “Gott” (Theos) gegeben Weg für wahr halten, weil sie eben so gelehrt worden sind. Heute funktioniert das so nicht mehr. Gerade heute, bei dem weltumspannenden digitalen Einfluss, brauchen die Kinder eine aussergewöhnliche Zuwendung und Begleitung und das täglich, die aber von den überforderten Eltern kaum zu erbringen ist.
Wir halten ganz einfach fest: weil wir von IHM in SEINEM Bilde geschaffen sind, haben wir die unverbrüchliche Gemeinschaft mit IHM in Zeit und Ewigkeit. Trotz unseres guten Willens, trotz unserer besten Absichten und Vorsätze, ja trotz unserer tiefen Beziehung zu JaHuWaH, trotz unseres Vertrauens auf JaHuWaH machen wir immer wieder Fehler und das, obwohl wir alle in SEINEM Bilde geschaffen sind (da ist nichts von Erbsünde!) Wie schon oft gesagt: das wusste und weiss JaHuWaH, gerade darum ist ER der Elohim JaHuWaH der El Eljon, der Höchste, der El Shaddaj (Allmächtige), der sich von jedem Gott (Theos), von jeder Religion und ihrer Theologie unterscheidet. SEINE Gnade und Liebe ist grenzenlos und vor allem immer wieder neu erfahrbar und wirksam. Bleiben wir uns dessen bewusst!
Ich denke hier an zahllose Vorbilder aus dem Volke Israel. Ich denke gerade an Josef und Naomi. Was hat der junge Josef für schreckliche Lebenserfahrungen gemacht?! Seine tiefe Beziehung mit JaHuWaH hat ihn durch alle Erlebnisse hindurch getragen und bewahrt. Er wurde nicht bitter, gab die Beziehung mit JaHuWaH nie auf. Im Gegenteil: durch die schweren Erlebnisse wurde diese Beziehung immer tiefer, so dass er seinen Brüdern ihr Verbrechen sogar verzeihen konnte. Dazu war er fähig, weil er sich tief in seinem Herzen vom Ruach des Elohims JaHuWaH des El Eljons, des Höchsten, des El Shaddajs, des Allmächtigen täglich ernährte: Er wusste, JaHuWaH wendet in meinem Herzen alles zum Besten, obwohl seine Brüder ihm (sehr) Böses taten. (Siehe Josef: Lim 37 und 38).
Ich denke auch an Naomi. Was hat diese Frau an Leidvollem erlebt. Sie nährte sich allezeit, oder immer wieder neu vom Ruach JaHuWaHs. Welch ein vorbildliches und nachahmenswertes Zeugnis, so dass ihre heidnische moabitische Schwiegertochter Ruth, die sich auch schon mit so mancher Enttäuschung herumschlagen musste, aus vollem Herzen bekennen konnte: “dein Elohim ist mein Elohim” (Ruth 1,16), mit anderen Worten: “dein Zuhause in JaHuWaH ist auch mein Zuhause geworden”. Einfach ergreifend und wunderbar.
“Doch dies will ich mir in den Sinn zurückrufen, darauf will ich hoffen: Ja, die Gnadenerweise JaHuWaHs sind nicht (nie) zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Gross ist deine Treue” (Kla 3, 21-23). Mit diesem Zeugnis grüsse ich alle ganz herzlich und wünsche euch einen freudvollen Shabbat, Shalom.
Gregor Dalliard
Ankündigungen
Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen (Videokonferenz) in Finsterhennen ein. Wir treffen uns am 20. September 2026 um 14.00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger in 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2 (tel.: 032 396 34 03), k.hunzinger@sunrise.ch. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!