Hiob interessierte sich weder für Torah [Opferbestimmungen] noch für Talmudim. Beide wurden zur Zeit seiner Abfassung erfunden: im oder nach dem Exil. Er lebte mit und in JHWH, das reichte ihm, und das reicht uns. Zwar opferte Hiob, aber da war kein Sühnopfer dabei; seine Opfer dienten dem vermeintlichen Schutz vor Ungemach wie überall im Heidentum sonst auch.
Ferner erkenne ich in Hiob eine prophetische Komponente: Im Exil wurde ihm [Israel] alles genommen und am Ende wird ihm alles vielfach wieder erstattet, und da stehen wir kurz davor, könnten es sogar noch miterleben.
Das Zeugnis des TaNaCHs sagt: “Der da vergibt alle deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten (Schuldgefühle)“ (Ps 103,3). Die Sache ist klar: JaHuWaH lehrt uns über SEINE Propheten, dass Schuldgefühle krank machen. Viele Menschen, vor allem gläubige Menschen leiden unter Schuldgefühlen. Sie klagen sich dauernd an, sie fühlen sich in dieser und jener Sache schuldig, tagein, tagaus. Das macht sie nervös und krank. Darum sind gerade innerhalb bestimmter christlicher Kreise so viele Menschen seelisch krank. Das hat meistens negative Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit und das menschliche Zusammenleben.
Den Gim 596 habe ich geschrieben: “Mit diesem Segen springen wir über Mauern. Ein Trainer weiss, wovon er spricht: “mit meinem Elohim überspringe ich Mauern” (Ps 18,30). Das ist eine Tatsache, die jeder in seinem Leben erfahren darf, wenn es ihm an Demut nicht fehlt. Das ist und bleibt wunderbar.”
Darauf hat mir eine Frau geschrieben, deren Namen nicht genannt sein will, wohl aber ihre tragische Erfahrung: “….das ist alles leichter gesagt als getan. Sie haben in den früheren Jahren oft in unseren Russland-Deutschen Baptistengemeinden Seminare und Tagungen abgehalten. Als Sie aber die Allaussöhnung lehrten [damals noch: Gott lässt keinen Menschen verloren gehen, weil Jesus Christus das Blut für alle Menschen vergossen hat 1Jo 2,2], sind Sie aus unseren Gemeinden rausgeschmissen worden. Der Kontakt mit Ihnen war uns verboten worden….
Wir sind eine grosse Familie, aber einer unserer Söhne hat seinem Leben freiwillig ein Ende bereitet. Wir waren und sind fassungslos. Wir haben uns gefragt, warum Jesus uns so straft. Wir hatten immer alles getan, was Jesus in der Bibel vorschreibt. Unsere Kinder haben wir alle gleich erzogen. Wir haben sie streng in der Zucht der Bibel erzogen und dann geschah dieses Schreckliche….”
Das Vertrauen JaHuWaHs annehmen, das ist der erste Glaubensschritt, den ein jüdisches Kind gehen lernt. Das Kind lernt das Bekenntnis sprechen: “Shema Israel, Adonai Eloheinu, Adonai Echad”, d. h. “Höre Israel: JaHuWaH ist unser Elohim (d. h. Erlöser). JaHuWaH ist EINZIG EINER” (5Mo 6,4; Jes 43,44; 44,6; 41,4; Hos 13,4 u. a. m. ). Der Prophet Jeshajahu sagt es so: “So spricht JaHuWaH, der König Israels und sein Erlöser, JaHuWaH Zebaoth: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und ausser mir gibt es keinen Elohim” (Jes 44,6).
Als Kind spricht es dieses Bekenntnis formell nach. Im Laufe des Lebens wird es (sollte es) dieses Bekenntnis stetig verinnerlichen, d. h. mehr und mehr über diese Aussage nachdenken. Schritt für Schritt wird es erkennen und verstehen lernen, was dieses Bekenntnis im Leben eines Menschen konkret bewirkt (bewirken kann). Es wird sich darin für das Leben zurüsten und zurüsten lassen.
Es kann aber auch sein, dass ein Kind dieses Bekenntnis einfach rein formell für wahr hält, einfach als solches übernimmt, aber in seinem Leben nie verinnerlichen wird. D. h. zu JaHuWaH entsteht und wächst keine Beziehung. Die Lebensweise seines Glaubens bleibt dann in der Beobachtung und Erfüllung religiöser Regeln stecken. Das ist bei vielen Juden (leider) der Fall. Das ist das völlig normale Verhalten der Menschen in den christlichen und islamischen Religionen zu ihrem Gott (Theos, Deus). Alles wird von den religiösen Führern so übernommen und so gemacht. Das wird in diesen Religionen mit Glauben und Zugehörigkeit zu ihrem Gott definiert.
“Lieber Gregor, wir kennen uns von früher… Vor einem Jahr sind wir auf deine Seite gestossen. Seither schnüffeln wir in Deiner Seite herum… Anfangs waren wir über deine Auslegungen geschockt, nicht weniger, was die Auferstehung betrifft, aber auch die geschichtlichen Hintergründe, die zum Holocaust geführt haben…
Klar, früher sind wir gelehrt worden, alles zu ertragen, alles zu erleiden, alles zu glauben. Den Lehren der Prediger und Pastoren mussten wir uns in allem unterwerfen, wollten wir in den Himmel kommen und unser ewiges Leben bei Jesus verbringen. Im Grunde genommen wusste keiner von uns, dass es die Gottheit Jesus nie wirklich gab. Kritische Fragen durften wir ja auf gar keinen Fall stellen, denn schliesslich hatten unsere Prediger eine Bibelschule besucht, waren diplomiert und offiziell ordiniert. Das machte Eindruck! Diese Einstellung gab uns Sicherheit und Kraft in schweren Momenten des Lebens. Von etwas anderem wussten wir ja nichts und wenn wir was hörten, was der Lehre unserer Pastoren widersprach, haben wir unsere Ohren zugemacht.
Komische Frage! Vielleicht müsste die Frage lauten: Weiss ich zu wem ich gehöre? Kein Mensch lebt für sich allein. Das ist gar nicht möglich. Jeder Mensch gehört zu anderen Menschen. Jeder Mensch ist auf Gemeinschaft angelegt. Jeder Mensch ist auf Wertschätzung angelegt.
Manche Menschen haben irgendwann im Leben nicht den Erwartungen entsprochen, die Ziele nicht erreicht, Schiffbruch erlitten, andere enttäuscht. Das fühlen sie so! Manche Menschen fühlen sich nicht geachtet, nicht geschätzt, nicht ernst genommen, nicht angenommen, ausgeschlossen. Andere Menschen kommen sich sehr wertlos oder unnütz vor. Manche spüren wie ihre nächsten Mitmenschen achtlos an ihnen vorübergehen. Wieder andere leiden unter der täglichen Kritik der Allernächsten. Nichts können sie ihnen recht machen, da können sie sich noch so viel Mühe geben und täglich mit neuen Vorsätzen starten. Es bringt nichts. Andere fühlen sich erschöpft. Ihre tägliche Präsenz und was sie täglich tun wird von ihren Mitmenschen als die selbstverständlichste Sache der Welt wahrgenommen, sie erfahren kaum Beachtung, keinen Dank. Wir könnten diesen Kranz der schmerzlichen Erfahrungen, Empfindungen Enttäuschungen und Leiden weiter winden, aber was brächte das dir und mir!
In den letzten Monaten war in den Glaubensimpulsen (Gim) immer wieder die Rede von 1Mo 12,3: “in dir sollen gesegnet werden….”.
Hören wir diesen Vers denken wir gleich an Abraham und seinen Glauben, auf sein Vertrauen zu JaHuWaH, aus dem alle Völker gesegnet werden sollen. Er hatte sich wohl schon längere Zeit zwischen den berühmten Gottheiten seiner Völker und JaHuWaH dem El Eljon auseinandergesetzt, dessen Priester Melchisedek war, der König und Priester von Salem. Er wollte raus aus einer nichtssagenden fruchtleeren Religion, die sich in ewig sich wiederholenden traditionsbeladenen Ritualen und einem ausgefeilten Opferkult zu Tode quälte und damit nicht vom Fleck kam.
Abraham wollte leben, Ausschau halten nach Leben, nach Sinn im Leben. Sein Vorbild war Melchisedek, der Priester des Höchsten, des El Eljon, der König und Priester von Salem. Melchisedek gehörte jener Priesterordnung an, die keinen Opferkult kannte, wie ihn die Heiden, das aaronitische Priestertum, das Christentum und andere pflegten und z. T. heute noch pflegen.
Diese Religionen basieren und funktionieren nur auf der Basis von Gewalt (Blutopfer). Götter wollen Blut. Diese religiösen Traditionen verhindern alle Zukunft, alles fruchtbringende Leben, sie verhindern den Frieden in den Herzen der Menschen und damit das verheissene Friedensreich. Sie kennen die Verheissung nicht: “in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde”, das heisst auch, alle Völker der Zukunft. Bei ihnen gibt es keinen Segen, d. h. keine Entwicklung, nur ein Festbleiben in den toten Blut-Ritualen, vor allem im Glauben der Getauften.
“Wir hatten nämlich zum König gesagt: die Hand Elohims ist zum Guten über allen, die IHN suchen….” (Esr 8,22).
Was Esra hier mit diesem Ausspruch bezeugt, ist einfach wunderbar. Wer JaHuWaH sucht, erfährt die Hand JaHuWaHs zum Guten. Mit “JaHuWaH suchen” ist ebenso die Tatsache einbezogen, JaHuWaH zu vertrauen. Diese Bereitschaft ist bereits Gemeinschaft mit JaHuWaH.
Gemeinschaft mit JaHuWaH ist immer der Weg zum Guten. Wer immer, in welche Situationen des Lebens auch immer hinein gerät, darf wissen: es gibt immer eine Lösung. Warum? Was sagt mir der Glaube der israelitisch-jüdischen Vorväter unmissverständlich? Schon vor meiner Geburt war ich bereits in JaHuWaH gegenwärtig: “Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und ich erkenne es sehr wohl. Nicht verborgen war mein Gebein vor dir, als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewoben in den Tiefen der Erde. Meine Urform sahen deine Augen. Und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war. Für mich aber – wie kostbar sind deine Gedanken, Elohim! Wie gewaltig sind ihre Summen! Wollte ich sie zählen, so sind sie zahlreicher als der Sand. Ich erwache und bin noch bei dir” (Ps 139,16-28).
Jeder einzelne Mensch, mit dem ich zu tun habe, ist geprägt von seiner Gene und Vergangenheit. Von Kind auf hat er eine bestimmte Prägung mitbekommen. Das ist eine Tatsache, die bei dir und mir nicht anders ist. Immer wieder realisieren wir Ärgerliches und Unmögliches an unseren Mitmenschen, selten aber an uns selbst. Eine Tatsache, die sich immer wieder bestätigt: Wir können erwachsene Mitmenschen nicht ändern.
Was wir aber können ist Folgendes: Wir können unsere Einstellung zu unseren Mitmenschen bewusst und gezielt ändern. Das ist möglich. Das ist eine ganz besondere Chance in deinem und in meinem Leben. Nehmen wir diese Chance wahr, können wir vieles in unserem Leben verändern.
Hier hilft uns das Wissen um die ungeteilte Liebe JaHuWaHs, in der wir selbst leben dürfen, sofern wir diese Liebe aus dem Zeugnis des TaNaCHs erkannt haben und in unserem ganz persönlichen Leben zulassen.
Denken wir immer wieder daran: Unsere Mitmenschen sind auch Geschöpfe JaHuWaHs, geschaffen in SEINEM Bilde (vgl. dazu 1Mo 1,26-31 aus dem ersten Schöpfungsbericht. Lies dazu Psalm 139,1-18).
Im letzten Lebensimpuls Limhabe geschrieben: “Mit den Wünschen Shalom und Lechaim drücken wir einem Mitmenschen das aus, was gemäss TaNaCH nie an Grenzen stossen kann…. Ich wünsche dem Gegenüber, dass sein Leben in JaHuWaH zur Fülle und zur Ruhe kommt, was immer auch kommen mag. Sollten wir in eine Lebenssituation hineingeraten, in der wir weder ein noch aus wissen, wird die mit Shalom oder Lechaim gesegnete Person im Schutze JaHuWaHs weder Panik noch Verzweiflung erleben…. Auf diese Begrüssung oder Verabschiedung wird ein aussergewöhnlicher Segen wirksam. Das hat nichts mit Magie zu tun….”
Zu meiner Aussage “wird die mit Shalom oder Lechaim gesegnete Person im Schutze JaHuWaHs weder Panik noch Verzweiflung erleben”, muss ich Folgendes ergänzen. Diese Aussage beruht auf der Tatsache der persönlichen Beziehung zu JaHuWaH, die der Wünschende lebt. Sagen wir einem Menschen im Geiste JaHuWaHs Shalom, dann wünschen wir ihm aufrichtig und von ganzem Herzen den inneren Frieden, der alles andere im Leben übersteigt.
Wir kannten oder kennen vermutlich alle Menschen in unserem Umfeld, die keinen inneren Frieden hatten oder haben. Wir alle kennen vermutlich auch Menschen, die möglicherweise unverschuldet in schwere Nöte geraten sind und Suizid begangen haben. Vielleicht haben wir versucht, sie davon abzubringen, für sie gebetet und ihnen oft Shalom und Lechaim gewünscht, doch dieser Versuch ist uns “misslungen”. Sie waren entschieden diesen Weg zu gehen. Aber es gibt auch Menschen, von denen wir wissen oder den Eindruck hatten, dass sie aus Verzweiflung die Flucht in den Tod ergriffen haben.