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Steht Israel vor einem Abgrund? Der grosse Konflikt innerhalb des aktuellen Judentums. Teil 8

Glaubensimpuls 629 von Gregor Dalliard

Die jüdischen Festtage zeigen einmal mehr, dass selbst Millionen säkularer Juden das Jüdischsein (die Jiddischkeit) nicht aufgeben wollen. Sie führen zwar einen säkularen Lebensstil, viele von ihnen einen sehr unmoralischen, sei das in der Wirtschaft oder in anderen Bereichen des Lebens wie etwa die Organisation und Teilnahme an der Love Parade in Tel Aviv. Sie alle aber wollen Juden bleiben.
Damit provozieren sie die ultraorthodoxen Juden, vor allem die Charedim, die Israel als ein Heiliges Land sehen, das nach dem Talmud und damit nach der Lehre HaShems (nicht von JaHuWaH) nur von Heiligen bewohnt sein darf. Erst dann kann der Messias, der verheissene David endlich kommen. Erst dann wird HaShem das schon seit 2000 Jahren verhängte Gericht zu Ende führen, weil Hashem das so bestimmt hat.
Das ist natürlich eine Illusion der Ultraorthodoxen. In ihrem bildreichen Kontext meinen die Propheten das auch nie so. Dass HaShem nicht JaHuWaH, der El Eljon sein kann, wird damit klar. Der Austausch des Namens JaHuWaH (JHWH) in Adonai, HaShem u. a. m., der zur Zeit der babylonischen Katastrophe vollzogen worden war, ist bereits Ausdruck einer zunehmenden Beziehungslosigkeit der Priester zu JaHuWaH und einer tieferen Hinwendung zu den heidnischen Religionen und deren Götterwesen (vgl. Gim 627).

Obwohl ihre ultraorthodoxen Vorfahren noch streng nach der Lehre des Talmuds lebten, können die meisten säkularen Juden diese Überzeugung heute nicht mehr teilen. Viele ihrer ultraorthodoxen Verwandten halten sich immer noch streng an die Lehren des Talmuds, die so oft missverstandenen prophetischen Texten entspringen. Sie wollen Israel in einen religiösen Staat umwandeln. Damit provozieren sie ihrerseits die säkularen Juden. Diese kämpfen gegen den religiösen Lebensstil der Charedim. Sie wollen in Israel keine religiösen Gesetze, wie sie im Talmud als bindend vorgegeben sind.
Sie beachten zwar die jüdischen Feiertage. Sie würden sich auch nie gegen den Shabbat stellen, aber sie wollen den Shabbat anders leben als die ultraorthodoxen Juden das tun. Das zeigt sich nicht nur in den aktuellen Auseinandersetzungen, ob eine öffentliche Bahn am Shabbat fahren darf oder nicht. Hier und in vielen anderen Fragen nehmen die Auseinandersetzungen gefährliche Ausmasse an. Die Wurzeln liegen in der Geschichte (vgl. Gim 494).
Der Talmud beruft sich in seinen Auslegungen und Lehren auf die schriftliche und die mündliche Thora. Viele säkulare Juden suchen im TaNaCH nach dem Sinn des Lebens. Mit aller Vehemenz aber lehnen sie die religiösen Überzeugungen der Charedim (Ultraorthodoxen) ab und zwar mit der Begründung, dass JaHuWaH mit den Juden und den Menschen durch die Zeiten geht und gegangen ist, von Generation zu Generation.
Die laufenden Lebensumstände im Lichte JaHuWaHs und Seiner Weisungen zu ergründen und danach zu leben ist viel herausfordernder als unablässig strenge Rituale zu erfüllen. Ersteres fordert den Einsatz der Gabe JaHuWaHs, den Verstand und eine hohe Wahrnehmung der persönlichen Verantwortung. Letzteres schaltet den Verstand aus. JaHuWaH ist immer und immer mit den Menschen mitgegangen.

Es ist wahr: Das jüdische Volk ist nie untergegangen, obwohl es wie kein anderes Volk gezielt und bewusst verfolgt worden ist. Die Ägypter, die Assyrer und die Babylonier blieben erfolglos, auch Antiochus (die Griechen) und die Römer hatten keinen Erfolg. Selbst die Gründer des Christentums, die vor 2000 Jahren einen theologischen Grund für die Ausrottung der Juden legten (vgl. Gal 1,8-9) haben bis heute keinen Erfolg gehabt. Selbst die Muslime, von der christlichen Theologie inspiriert, hatten keinen Erfolg. Selbst Hitler, der in seiner Jugend ein eifriger Katholik war und als Führer dem Geist der Gründer des Christentums zu neuer Blüte verhelfen wollte, scheiterte. Trotz des Reichskonkordates (Einigungsabkommen gegen die Juden), das er mit der Mutter aller Getauften (Vatikan) am 20. Juli 1933 abgeschlossen hatte, scheiterte. Sie alle scheiterten.
Jerushalajim war seit eh und je ein Stemmstein, an dem sich alle wund gerissen haben, die ihn hoch stemmen wollten (vgl. Sach 12,2-3). Dabei geht es nicht um die Stadt und den Tempel, sondern um das Volk, das seinen Hauptsitz in Jerushalajim hat. Menschen brauchen Orte zum leben. JaHuWaH hat diesem Volk gerade dieses Land und diese Stadt gegeben, damit ER SEINE Ziele in dieser Welt verwirklichen kann.
Die Weisungen JaHuWaHs gehen von den Bewohnern dieses Landes und dieser Stadt aus. Darum heisst es: “Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort JaHuWaHs von Jerushalajim” (Jes 2,3). Das Ziel ist die Verwirklichung der Weisungen JaHuWaHs in den Herzen aller Menschen (vgl. Ps 89,15). Ist dieses Ziel erreicht, nehmen Land und Stadt wieder jene Ordnung ein, wie sie allen anderen Ländern und Städten beschieden ist. Die in JaHuWaH veränderten Menschen werden im Segen JaHuWaHs leben (vgl. Jer 31,34; Jes 2,4-5). Ist das eine Illusion?
Das ist das, das wir schon heute dürfen. Darum pflegen wir diesen Segen Tag für Tag sorgfältig und verantwortungsbewusst. Das auserwählte Volk wird seinen Auftrag an den Menschen erfüllen. An uns hat es seinen Auftrag bereits erfüllt. HalleluJaHu!
“Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht” (Ps 36,10).

Herzliche Grüsse und Shabbat Shalom

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 17. März 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.