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Der berühmte Rabbi Hillel und der Weg, den auch Jahushua von Nazareth lehrte

Glaubensimpuls 642 von Gregor Dalliard

Jahushua von Nazareth war ein überzeugter Jude. Beschnitten und in allem jüdisch erzogen, folgte er der Glaubenshaltung des berühmten und unter Juden heute noch geschätzten Rabbi Hillel. (Zu Hillel siehe auch Gim 607).
Hillel ist im Jahre 9 u. Z. verstorben, einige Jahre bevor Jahushua von Nazareth von den Römern gepfählt wurde. Was das Herzstück der Lehre JaHuWaHs in der Thora ist, hat der einflussreiche und weise Pharisäer und Rabbi Hillel zusammengefasst und formuliert: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora und alles andere ist nur die Erläuterung; geh und lerne sie.“ (Der Babylonische Talmud: Lazarus Goldschmidt). Welch ein tiefes Erfassen dessen, was das Herz des TaNaCHs (“AT”) ist, was der Wille JaHuWaHs, des El Eljon, des Höchsten für uns Menschen auf diesem Planeten ist.

Wie gesagt: Jahushua von Nazareth kommt aus der berühmten Bibelschule (TaNaCH-Schule/Jeshiva=Talmud-Schule) des einflussreichen Pharisäers Hillel. Daran besteht heute kein Zweifel mehr. Über die Schule des berühmten und weisen Rabbi Hillel ist Jahushua von Nazareth in die tiefen Zusammenhänge der Lebensweisheiten, die uns im TaNaCH gegeben sind, unterwiesen und ausgebildet worden. Er lernte zu unterscheiden, was in der Thora, und im gesamten TaNaCH (“AT”) allezeit Gültigkeit hat, ja haben muss, was nicht aufgehoben werden darf und was zeitbedingt ist und damit für die späteren Generationen keine Bedeutung mehr hat, haben darf.
Im TaNaCH ist beides enthalten, solches das nicht aufgehoben werden darf und solches, das für uns heute bedeutungslos ist. Lehren und Traditionen, die sogar gegen den Willen JaHuWaHs im auserwählten Volk lange Zeit von Bedeutung waren und als von JaHuWaH verordnet gelehrt und praktiziert worden sind, müssen im Lichte der Grundanliegen JaHuWaHs heute als falsche Wege erkannt werden, wie etwa der ganze Opferkult und das Königtum. Solches heute befolgen oder beachten zu wollen oder zu müssen, macht absolut keinen Sinn und ist vielfach gar nicht möglich.
Innerhalb der Getauften gibt es sogar Kirchen und Gemeinschaften, die der festen Überzeugung sind, dass man die Bibel (sie meinen vor allem das “Neue Testament”) wörtlich nehmen und umsetzen müsse. Das ist ein Unsinn sondergleichen, denn in ihrem Alltag widersprechen sie ihrer eigenen Lehre, weil sie selbst gar nicht alles wörtlich ausleben, was darin gefordert ist. Zeitbedingtes muss als Zeitbedingtes beachtet werden. Zeitbedingtes heute leben zu wollen ist ohne Verstellung gar nicht möglich.
Ein solches Leben ist ein grosses Hindernis zu einer gesunden Entfaltung auf dem Weg in die Zukunft und zum inneren Frieden, den uns JaHuWaH bereit hält.
Dem schriftkundigen Hillel war das bewusst. Hillel hat hier einen unschätzbaren Beitrag auf dem Weg zur Glaubensmündigkeit und zum Wohle der Menschen geleistet. Er lehrte seine Schüler solche Unterscheidungen höchst gewissenhaft und verantwortungsvoll vorzunehmen und sie entsprechend zu lehren. Jahushua von Nazareth folgte darin seinen Weisheiten. Sogar im “Neuen Testament” sind uns solche Episoden überliefert, dort allerdings wo Jahushua als Jude, als Jahushua von Nazareth spricht, nicht aber in den Texten in denen er als paulinische Gottheit Jesus Christus spricht, die Juden verdammt und ihnen den Untergang wünscht.

Hillel war in seiner Jugendzeit aus Babylonien nach Jerushalajim heimgekehrt, noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer im Jahre 70 u. Z. Er wurde Oberhaupt der nach ihm benannten Jeshiva=Talmud-Schule. Ausgehend vom Shma Jisrael (“Höre, Israel”), (vgl. 5.Mo 6,4-9) und dem Zehnwort, den zehn Weisungen zum Leben (zehn Gebote) (vgl. 2Mo 20,1- 17), lehrte Hillel die Grundprinzipien des Lebens, wie sie in der israelitisch-jüdischen Gemeinschaft beim Auszug aus Ägypten und in der Offenbarung am Sinai zugrundegelegt worden sind (vgl. 5Mo 4,1-20).
Damit war und ist die Grundlage des Glaubens, die ungeteilte Liebe und Treue zu JaHuWaH, dem EINZIG EINEN und der Umgang mit dem Nächsten klar geoffenbart.
Konkret heisst das: JaHuWaH legt alles Gewicht auf die Grundwerte dessen, was ein menschliches Zusammenleben in Frieden und im Frieden mit sich selbst ermöglicht. Das ist das Einhalten SEINER Rechtsbestimmungen, die ER SEINEM Volk auf dem Weg zum Sinai und am Sinai gegeben hat. Dem Nächsten darf nichts angetan werden, von dem man selber wünscht, dass es einem nicht angetan wird. Daraus erwächst der innere Friede und die soziale Gerechtigkeit als Basis eines friedvollen Zusammenlebens der Menschen und Völker untereinander und mit JaHuWaH.
Hillel sah in den Propheten keine Übermenschen, die keine Fehler machen konnten (s. Gim 606; 604). Für Hillel aber war z. B. die Botschaft des Propheten Jirmejahu in Jer 7,21-28 diskussionslos unentbehrlich und allezeit wegweisend.
Wollen die Menschen den inneren Frieden und den Frieden untereinander finden, dann müssen sie den Weg einschlagen, der zu den Quellen des Lebens führt, auf den der Prophet Jirmejahu (Jeremia) so dringend hinweist. Dieses Ziel der Propheten kann erreicht werden, wenn wir vom Zeugnis in Psalm 36,10 erfasst werden: “Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht”.

Im Unterschied zu der Schule Hillels und dessen Auslegung der Thora und der Propheten gab es in jenen Tagen die einflussreiche Schule des ebenfalls berühmten Schriftgelehrten Shammai. Die Schulen standen in Konkurrenz zueinander. Die Schule des berühmten Rabbi Shammai legte den TaNaCH und die anstehenden Fragen des Lebens in einem strengen rückwärtsgewandten Sinne aus. Diese Art der Auslegung und des Umgangs mit den aktuellen Fragen des Lebens führte seine Anhänger immer tiefer in die strenge religiöse Gesetzlichkeit.
Wie wir bereits hörten, versperrt religiöse Gesetzlichkeit den Blick für die wirklichen Nöte und Bedürfnisse der Menschen in der Gegenwart. Sie verhindert im Allgemeinen eine ernste Auseinandersetzung mit den Realitäten des Lebens und die Suche nach Lösungen, die den Menschen aktuell beschäftigen, die er braucht und ihn aufrichten.
Man will und kann sich den Herausforderungen des Lebens nicht stellen, man kann damit nicht umgehen, weil darin angeblich eine Gefahr lauert, nämlich die Verunsicherung. Das, was man gerade glaubt und worin man sich absolut sicher weiss, könnte einem genommen werden. Darum geht man jeder seriösen und so notwendigen Auseinandersetzung aus dem Wege. Aber gerade diese Auseinandersetzungen, mögen sie anfänglich noch so sehr brüskieren und das bisherige “sichere” Glaubensgebäude erschüttern führen letztlich den Menschen in die von JaHuWaH gewollte Glaubensmündigkeit und -sicherheit hinein und schenken ihm den inneren Frieden. Aufrichtigkeit und Ausdauer sind hier die entscheidenden Merkmale.
Das Einhalten und Erfüllen religiöser Vorgaben scheint auf den ersten Blick einfacher zu sein als sich mit den ständigen Herausforderungen des Lebens auseinandersetzen zu müssen. Das aber ist ein Trugschluss, der Weg, der zu vielen Lieblosigkeiten führt, zu frommer Verstellung, Scheinheiligkeit, Vertuschung und Heuchelei.
Ein solcher Glaubensweg kann Menschen psychisch und physisch krank machen. Nicht selten treibt ein solcher Glaubensweg junge Menschen in den Tod. Hier spreche ich aus Erfahrungen in meinem Glaubensleben innerhalb der sogenannten unabhängigen christlichen Gemeinschaften und Freikirchen. Nach meinem Rausschmiss aus der katholischen Kirche war ich über dreissig Jahre lang in diesen Kreisen unterwegs und tätig.

In der Schule Hillels wurde den Menschen der Sinn des Jude-Seins, der Sinn des Mensch-Seins, der Sinn des Lebens erschlossen: “Denn ich habe nicht mit euren Vätern darüber geredet und ihnen nichts geboten über das Brandopfer und das Schlachtopfer an dem Tag, da ich sie aus dem Land Ägypten herausführte (hin zum Sinai); sondern dieses Wort habe ich ihnen geboten: Hört auf meine Stimme, dann werde ich euer Elohim sein, und ihr werdet mein Volk sein! Und geht auf dem ganzen Weg, den ich euch gebiete, damit es euch wohlgeht!” (Jer 7,22-23) “Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn!” (Jer 8,16). Als Schüler Hillels wies Jahushua mit erhobenem Finger auf den zentralen Inhalt des TaNaCHs (des “ATs”) hin, auf den Kern des TaNaCHs und damit auf den Kern des Lebens. Allein daraus lehrte er. Kein Jota der Thora durfte ignoriert werden, Was heisst das? Nichts soll und darf aus dem prophetischen Zusammenhang gerissen werden. Das würde uns und unseren Mitmenschen nur Schaden bringen. Jedes Thema des Lebens will im Lichte der Thora angegangen und studiert werden.
Wo das geschieht, gereicht uns der Wille JaHuWaHs zum Segen. Erst darin können wir den inneren Frieden finden, selbst dann, wenn in unserem Leben so manches schief und schräg gelaufen ist und das immer wieder tut (vgl. Mt 5,17-19; Mk 3,34-35; 12,29-33 u. a. m.). Im Bilde JaHuWaHs geschaffen sein, heisst auch, in allen Dingen Zuflucht und Verständnis bei JaHuWaH finden und sich immer und immer wieder aufrichten zu lassen (vgl. Spr 24,16).

Aus diesem Grunde schreibt der Psalmist: “Glücklich ist (der Mensch) das Volk, das den Jubelruf kennt! JaHuWaH, im Licht deines Angesichts (in deiner Geborgenheit) wandeln sie” (Ps 89,16). Wir wiederholen: “Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Grundfeste. Gnade (Verständnis) und Treue gehen vor deinem Angesicht her” (Ps 89,15).

Allen wünsche ich von Herzen inneren Frieden und Ruhe (loslassen). Wir wissen und bekennen: “JaHuWaH ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?” (Ps 27,1).

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 17. März 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.