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Nach dem Bilde JaHuWaHs geschaffen (vgl. 1Mo 1,26). Teil 4

Glaubensimpuls 560 von Gregor Dalliard

In den letzten Wochen sind wir immer wieder dem Weckruf des grossen Propheten Jirmejahu begegnet, der da lautet: “Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Jer 6,16). Wie wir sagten, übersetzt die Gute Nachricht: “so wird euer Leben Erfüllung finden!”

Verliert ein Mensch das ihm Vertraute, seine bisherige Geborgenheit, dann verliert er seine (vermeintliche) Sicherheit. Die Reaktionen darauf fallen entsprechend aus. Das Umfeld nimmt dies wahr. Der Verlust von Sicherheit oder der Sicherheit kann durch Enttäuschungen, Krankheit, den Verlust der Eigenständigkeit, den Tod eines lieben Menschen, Arbeitslosigkeit, Behinderung etc. ausgelöst werden. Reaktionen seines Zustandes können sein: Aggressivität, Bitterkeit, Passivität, Flucht in den Alkohol, in Drogen oder was da alles in diesem Bereich so kreucht und fleucht.
Für uns Menschen gibt es sicher keine schlimmeren Erfahrungen, als Enttäuschungen, den Verlust von Vertrautem, von Geborgenheit, von Sicherheit. Wir Menschen brauchen einfach Geborgenheit, das Vertraute, das uns reale und emotionale Sicherheit gibt. Sicherheit ist Leben.
Sicherheit finden viele Menschen in der vertrauten Religion, in die sie hineingeboren und erzogen worden sind. Schwere Einbrüche im späteren Leben wecken das Bedürfnis nach Religion. Religion ist etwas Eingeübtes, etwas Angewöhntes, etwas das gleichsam mit der Muttermilch aufgenommen worden ist. Es sitzt in uns drin. Religion vermittelt eine Sicherheit, die aber täuscht. Sie schafft keine Beziehung zu JaHuWaH und darum auch keine Beziehung zum wirklichen Leben.

Jahrhunderte lang hatten Christen die Pflicht, unbeaufsichtigte jüdische Kinder in einer Schnellaktion mit etwas Wasser zu bespritzen und dabei ganz schnell zu sprechen: “Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes”. Von diesem Augenblick an hatten die jüdischen Eltern das Recht auf ihre Säuglinge und Kinder verloren. Sie wurden ihnen im Namen Jesu brutal entrissen und meistens in extra dafür eingerichteten Kinderheimen unter strengster Aufsicht von Priestern und Nonnen katholisch erzogen. Später wurden sie in extra Häusern oder Klöstern antijüdisch abgerichtet.
Was wurde dabei klar und deutlich sichtbar? Diese jüdischen Kinder hatten als junge Erwachsene keine Beziehung zu den Juden und damit auch nicht zu JaHuWaH. Sie wussten meistens nicht einmal, dass sie als Juden geboren worden waren. Nachdem sie antijüdisch abgerichtet worden waren, empfanden sie als Getaufte nur Abscheu gegenüber ihren Volksgenossen. Sie hatten kein Bedürfnis, die Wurzeln ihres Glaubens kennen zu lernen, obwohl sie als Juden geboren worden waren. Die Juden, ihre eigenen Leute, waren ihnen völlig fremd und sie lehnten sie ab und verfolgten sie, wie ihnen die Getauften das beigebracht hatten.
Während des Zweiten Weltkrieges sind in ganz Europa viele jüdische Säuglinge und Kinder christlichen Eltern übergeben worden. Nur sehr wenige haben später einen Zugang ihrem jüdischen Glauben gefunden. Zutiefst waren sie von dem christlichen Glauben geprägt. Daran waren sie gewöhnt worden, nun waren sie darin beheimatet. Im Leben eines Menschen setzen sich die früh praktizierten Glaubensgewohnheiten tief fest. Sie bleiben tief innen haften und wirksam, mehr als sich Menschen dessen bewusst sind.

Es ist darum von absoluter Wichtigkeit, nach den Anfängen des Glaubens zu fragen. Die grossen Zeugen des TaNaCHs lebten vom lebendigen Zeugnis aus den Anfängen. Ihnen wurde weit mehr geschenkt als eine Ansammlung und Beobachtung religiöser Gewohnheiten und Traditionen. Wir sagten im letzten Gim: “Ehrlich, wenn Juden den Appell des Jirmejahu damals nicht ernst genommen hätten, es gäbe wahrlich schon seit Jahrtausenden keine Juden mehr. Wir würden noch im finsteren Mittelalter leben - ohne das Licht des Lebens, ohne Entwicklung für Leib und Seele. Wir würden die Erfüllung des Lebens nicht finden können”.
Nach einer schrecklichen Katastrophe besannen sich viele wieder neu auf das Wesen des JaHuWaH und auf seine Zusprüche. Neu wurden sie vom Bewusstsein erfasst, nach dem Bilde JaHuWaHs geschaffen zu sein (vgl. 1Mo 1,26). Nach einer schrecklichen Katastrophe blickten sie wieder neu auf den Felsen, aus dem sie gehauen sind (vgl. Jes 51,1). In schweren und schwersten Zeiten erinnerten die Propheten das Volk wieder an diese Quelle des Lebens.

“Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr JaHuWaH sucht! Blickt hin auf den Felsen, aus dem ihr gehauen, und auf den Brunnenschacht, aus dem ihr gegraben seid! Blickt hin auf Abraham, euren Vater, und auf Sara, die euch geboren hat! Denn ich rief ihn als einen Einzelnen, und ich segnete ihn und mehrte ihn. Denn JaHuWaH tröstet Zion, tröstet alle seine Trümmerstätten. Und er macht seine Wüste wie Eden und seine Steppe wie den Garten JaHuWaHs. Jubel und Freude findet man darin, Lobpreis und Stimme des Gesanges. Merkt auf mich, mein Volk, und meine Nation, hört auf mich! Denn Weisung geht von mir aus, und mein Recht werde zum Licht der Völker” (Jes 51,1-4). Ja, “….so wird euer Leben Erfüllung finden!”

Im Bilde JaHuWaHs geschaffen sein, der Fels, aus dem du gehauen bist. Den Felsen, der dich gezeugt, der Elohim, der dich geboren, sind das nicht wunderbare Zusprüche, die uns hier in Bildern vermittelt werden. Sie sprechen von meiner umfassenden Beheimatung und Sicherheit in JaHuWaH. Das ist meine geistliche Heimat aus der ich komme, in der ich bin und in der ich auch in Zukunft leben darf. Daraus will ich leben, daraus darf ich schöpfen so viel ich will. Jeden Tag will ich mich durch diese Zusprüche JaHuWaHs aufbauen lassen und mich von Herzen freuen.
Ist JaHuWaH das Vertraute, die Geborgenheit in unserem Leben geworden, dann sind wir für immer in das Vertraute eingegangen. Nichts und niemand vermag diese Geborgenheit, diese Heimat, diese Sicherheit zu erschüttern oder rückgängig zu machen, genau so, wie sein einmal erwähltes Volk durch nichts und niemand wieder zum nicht erwählten Volk gemacht und ersetzt werden könnte, wie das die Christen in frevelhafter Weise immer noch lehren. JaHuWaH bekennt: “Mein erstgeborener Sohn ist Israel” (2Mo. 4, 22). Daran hat, kann und wird sich nie etwas ändern. Das Zeugnis Davids in Ps 23 ist eine wahre Erquickung.

Herzliche Grüsse und einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 21. August 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.