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Nach dem Bilde JaHuWaHs geschaffen (vgl. 1Mo 1,26). Teil 3

Glaubensimpuls 559 von Gregor Dalliard

Der TaNaCH übermittelt uns das Wesen des JaHuWaH, in dessen Bilde wir geschaffen sind und in dessen Bilde wir den Sinn des Lebens finden. Nochmals erinnern wir uns an die Worte des grossen Propheten Jirmejahu: “Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Jer 6,16). Die Gute Nachricht übersetzt: “so wird euer Leben Erfüllung finden!”

Die Propheten und die unterschiedlichen Schreiber des TaNaCHs (“AT”) sind grossartige und einzigartige Zeugen der menschlichen Geschichte. Was sie uns mitteilen sind Erfahrungen von Menschen mit JaHuWaH, aber auch von Menschen ohne Gemeinschaft mit JaHuWaH aus vielen, vielen Jahrhunderten. Sie sind im Laufe vieler Jahrhunderte gesammelt worden. Es sind Erfahrungen, die aus dem praktischen Alltag heraus entstanden sind. Ich betone: aus dem praktischen Alltag. Es geht immer um den praktischen Alltag. Etwas anderes als den praktischen Alltag kann kein Mensch erleben, es sei denn Drogen, Phantasien oder Bewusstlosigkeit entführt ihn für eine Weile aus dem Alltag heraus.
War der praktische Alltag der Menschen zur Zeit des Propheten Jirmejahu vor rund 2'600 Jahren anders als heute? Ihre Lebensumstände waren ähnlich wie die der Menschen gegenwärtig in der Ukraine: konkreter wie in Mariupol, Donbas, Luhansk und anderswo in der Ukraine. Zerstörung, Zerstörung, Zerstörung! Es waren Zeiten zum Verzweifeln. Das auserwählte Volk erlebte die vielschichtigen Formen des Götzendienstes, die zu heftigen Konflikten innerhalb des Volkes führten. Gleichzeitig überfielen die mächtigen Babylonier Juda.
Deportationen, Folter, Mord und Verbrechen, vor allem an Frauen und Kindern, auseinandergerissene Familien, Versklavung einer Masse von Menschen, quälende Ungewissheiten und dazu die Zerstörung des Tempels, das Ende des Königtums Juda, alles das und noch viel mehr. Wie gesagt, Zeiten zum Verzweifeln! Wie geht ein einzelner Mensch damit um? Kann sich ein frommer Mensch einen schlimmeren konkreten Alltag vorstellen, wenn das überhaupt noch möglich ist?

Wie viele Juden und andere damals ihrem Leben ein Ende gesetzt haben, wissen wir nicht. Während der Nazizeit, als die christliche Ersatztheologie wie nie zuvor ihr wahres Gesicht offenbarte und den Alltag der Juden mit unerträglichem Leid überzog, haben viele Juden ihrem Leben und dem ihrer Kinder ein Ende gesetzt.
Wie soll ein so geplagter Mensch solche Worte, wie sie Jirmejahu in einer solchen gräulichen Zeit ins Volk hinein spricht als Botschaft zum Neubeginn verstehen? Wie sollten sich Menschen, die über alle Masse gedemütigt, geschändet und entwürdigt dahin vegetieren, für eine solche Botschaft überhaupt noch empfänglich zeigen können?

In dieser verzweifelten Situation, in der ein Mensch nur verstummen kann, gab es viele Überlebende. Die Holocaustüberlebenden wurden von getauften Politikern und getauften Kirchenführern noch Jahre nach dem Ende des Holocaust in ganz Europa umher gejagt. Das im 20. Jahrhundert! Solche Fakten sind unerträglich. Die Zeugnisse dieser alten Juden, die uns heute darüber erzählen, lassen uns verstummen. Was an schrecklichen Gräueln tun Menschen einander an
Und doch: es gab so viele Überlebende, die aus diesen Jahren der Hölle heraus fanden. Und das ist das ausserordentliche Wunder aus der Gemeinschaft mit JaHuWaH: Sie vertrauten JaHuWaH weiterhin, sie gingen ihr Leben weiterhin mit JaHuWaH. Umwerfend ist diese Tatsache.

Der Frage müssen wir uns stellen, immer und immer wieder, wenn wir über diese Ereignisse reden. Getaufte Menschen waren die Auslöser all dieser Gräuel am Volk JaHuWaHs. Sie waren in den letzten 2000 Jahren durchgehend die treibenden Kräfte für die schlimmsten Gräuel im Alltagsleben der Menschheit, obwohl sie von dieser Welt die Anerkennung ihrer moralischen Vorbildfunktion einfordern. Wenn uns eine solche Verblendung nicht fassungslos macht, was dann?
Ein Argument, das wir von aktiven Christen immer wieder zu hören bekommen: Diese Menschen waren eben nur getauft, aber keine wiedergeborenen Menschen, nur Namenschristen. Würden wir dieses Argument gelten lassen, dann müssten Christen das “NT” definitiv zumachen, denn es bezeugt die Wirksamkeit des Blutes Jesu ohne Mitwirkung des einzelnen Menschen, immer in Verbindung mit dem vollzogenen Taufritual und seiner Wirksamkeit, ohne Beteiligung des Menschen. Dann erinnern wir uns daran, dass alle Getauften, von ihrer frühesten Kindheit an, sowohl in den Grund- und weiterführenden Schulen als auch in den Sonntags- und Feiertagsgottesdiensten unerlässlich über das Christsein unterwiesen worden sind. Was ist da vermittelt worden? Die Ersatztheologie. Sie ist die “reinste” Form des Antisemitismus. Aus dieser Theologie sind die entsprechenden Früchte hervorgegangen. Anders kann das ja gar nicht sein. Die Geschichte bestätigt uns diese Tatsache. Wer will sie in Frage stellen?

Wir brauchen die Rückbesinnung auf die Urwerte des Lebens, die aus der Beziehung mit JaHuWaH zum Tragen kommen, auch in schwersten Zeiten. Wir brauchen den Appell des Propheten Jirmejahu: “Seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit”. Erst darin wird uns bewusst, wie sehr wir im Bilde JaHuWaHs geschaffen sind, d. h. wie sehr wir das Wissen um die Gedanken JaHuWaHs über uns, über dich und mich, brauchen: “….so wird euer Leben Erfüllung finden!”
Ehrlich, wenn Juden den Appell des Jirmejahu damals nicht ernst genommen hätten, es gäbe wahrlich schon seit Jahrtausenden keine Juden mehr. Wir würden noch im finsteren Mittelalter leben - ohne das Licht des Lebens, ohne Entwicklung für Leib und Seele. Wir würden die Erfüllung des Lebens nicht finden können. JaHuWaH hat dieses Volk extra zu diesem Dienst an die Völker, an uns, auserwählt: “Merkt auf mich, mein Volk, und meine Nation, hört auf mich! Denn Weisung geht von mir aus, und mein Recht werde zum Licht der Völker” (Jes 51,4).
Die Griechen, Römer, oder wer auch immer, wären nicht fähig gewesen, uns das Recht JaHuWaHs (das Leben im Licht) vermitteln zu können. “In Treue bringt er (der Knecht JaHuWaHs, Propheten und Volk) das Recht hinaus. Er wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden aufgerichtet hat. Und die Inseln warten auf seine Weisung. So spricht Elohim, JaHuWaH, der den Himmel schuf und ihn ausspannte, der die Erde ausbreitete und was ihr entsprosst, der dem Volk auf ihr den Atem gab und den Lebenshauch denen, die auf ihr gehen: Ich, JaHuWaH, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen, blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen und aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen. – Ich bin JaHuWaH, das ist mein Name. Und meine Ehre gebe ich keinem anderen noch meinen Ruhm den Gottheiten (Götterbildern)” (Jes 42,3-8).

Ist JaHuWaH für mich der Quell des Lebens, dann bin ich auch in SEINEM Bilde geschaffen und lebe darin und daraus. Das heisst dann konkret: Ich kann nie aus JaHuWaH herausfallen, was immer auch geschieht, an eigenem Versagen oder an Versagen der Mitmenschen. Mich kann nichts von IHM trennen, selbst denjenigen nicht, der die Schrecken der Babylonier erlebte und überlebt hat, selbst denjenigen nicht, der im Holocaust auf grausame Weise die Ermordung seiner Liebsten mit ansehen musste, aber auch denjenigen nicht, der an Krebs leidend, oder was immer es sein mag, das Ende dieses irdischen Lebens vor Augen hat.
Es ist das, wovon auch der Prophet Jeshajahu zu dem Volk JaHuWaHs in äusserster Not spricht: “Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen” (Jes 43,2). Der Prophet meint damit: Selbst wenn dich die Wasser töten, selbst wenn dich die Flammen verbrennen und du versengt wirst, JaHuWaH ist bei dir und geht mit dir. Und diejenigen, die das Wunder Des Überlebens solcher schwerer Ereignisse erfahren, werden nicht verzweifeln und aufgeben. Sie werden weiter ihren Auftrag erfüllen.
David sagt es so: “Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich” (Ps 23,4). Dieses Wissen “aus den Pfaden der Vorzeit” macht uns frei und fähig, nie aufzugeben: “….denn Du bist bei mir!” Und wenn es uns gut geht, dann wollen wir umso dankbarer leben.

Bleibt alle reich gesegnet in dem was jeder ist und jeder hat. Der Shabbat möge ein Tag des Dankes sein, sowohl für den der arbeiten muss, als auch für den, der so richtig entspannen darf. Shalom!

Herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 21. August 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.