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Pessach

Glaubensimpuls 552 von Gregor Dalliard

Die Befreiung der Israeliten von den Ägyptern steht im Zentrum von Pessach. Es geht hier nicht um eine Trennung zweier Völker, die bisher im selben Land miteinander einvernehmlich lebten. Die Israeliten wurden von den Ägyptern grausam gedemütigt und unterdrückt. Denken wir nur an die schreckliche Sache mit dem Ertränken der neugeborenen Israeliten im Nil. Die Leiden der israelitischen Mütter und Väter und ihrer Familien wird wohl kaum jemand von uns nachvollziehen können. Die Erinnerung an den Auszug ihrer Väter, der lange, beschwerliche und gefahrvolle Weg durch die Wüste, Hunger und Durst, kein Dach über dem Kopf, die feindlich gesonnenen Könige u. a. m. war das eine, das andere aber war die allgegenwärtige Bewahrung durch JaHuWaH, trotz aller Beschwernisse und Leiden. All das bleibt im Herzen und im Gedächtnis eines jeden Juden so tief verankert, als hätte er das alles selbst miterlebt. Eine solche Identifikation mit JaHuWaH und damit mit den Vätern, Müttern und den Familien jener Tage finden wir bei keinem anderen Volk dieser Erde auf diese Weise.

Getrieben von einer Hungersnot suchten die Söhne Jakobs in Ägypten Korn. Die periodisch auftretenden Hochwasser des Nils führten viel Schlamm mit. Damit war der Nil Garant einer sicheren Versorgung im Lande, aber auch für viele andere Völker und Stämme. Hier fand Jakob nicht nur Korn, er fand auch seinen totgeglaubten Sohn Josef wieder. An Pessach erinnert sich der Überrest der Juden, bzw. der Israeliten, also nicht nur an ihre geschichtliche Vergangenheit; denn ihr gegenwärtiges Leben knüpft an diesem vergangenen Ereignis an, ja, es lebt aus diesem Ereignis. Das hat dieses auserwählte Volk durch Jahrtausende so gehalten und durch alle grauenvollen Erlebnisse hindurch getragen - bis zu dieser Stunde.
Seitdem die Juden wieder ihre Heimat besiedeln und neu aufbauen, die JaHuWaH ihnen als SEIN Land gegeben hat, staunen wir alle mit. “Da wende ich das Geschick meines Volkes Israel. Sie werden die verödeten Städte aufbauen und bewohnen und Weinberge pflanzen und deren Wein trinken und Gärten anlegen und deren Frucht essen. Ich pflanze sie in ihr Land ein. Und sie sollen nicht mehr herausgerissen werden aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, spricht JaHuWaH, dein Elohim” (Am 9,15).
Wir sind begeistert über das Erblühen dieses Landes, das über viele Jahrhunderte verwüstet und nur spärlich bewohnt war. Eine Ausnahme bildeten verschiedene Städte und kleine Landstriche. Die Römer und später die Päpste, mit allen ihren Unterkirchen, verboten den Juden jeden weiteren Aufenthalt in ihrem Lande. Damit wollten Römer und Getaufte den Juden beweisen, dass ihre Götter (Theos, Deus, Jesus Christus) mächtiger sind als JaHuWaH.

Wir bringen unsere Freude und Dankbarkeit über die Existenz der Juden immer wieder zum Ausdruck. Nach all den Gräueln, die vor allem die Kirchenväter und das herrschende Christentum an ihnen verübt hat, bleibt diese Tatsache ein einzigartiges Wunder. Die vielen Absichten und theologisch “begründeten” Versuche, dieses Volk endgültig zu vernichten, schlugen alle auf wundersame Weise fehl. Warum? “Du (JaHuWaH) hast einen gewaltigen Arm, stark ist deine Hand, erhoben deine Rechte. Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Grundfeste. Gnade und Treue gehen vor deinem Angesicht her. Glücklich ist das Volk, das den Jubelruf kennt! JaHuWaH, im Licht deines Angesichts wandeln sie” (Ps 89,14-16).

An Pessach feiere ich mit den Juden. Ich, wir alle, haben allen Grund dazu. Als eifriger und brennender Katholik, als Getaufter, setzte ich früher mein Leben für die Sache der Kirchenväter und des Klerus ein. Unwissend, geistlich missbraucht und versklavt, ohne dass ich mir dessen bewusst war, setzte ich mein ganzes Sein für diese hirnverbrannte und so folgenschwere religiöse Ideologie ein. Durch den Verstand und den Einsatz meiner Frau fand ich schrittweise den Zugang zu der Quelle des Lebens, zum TaNaCH (“AT”): “Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht” (Ps 36,10).

Unweigerlich fand ich damit den Zugang zu den Zeugen des Lebens, der Propheten und ihrem weisen Lebensreichtum aus dem Geiste JaHuWaHs: “Nicht mehr wird die Sonne dir als Licht am Tage dienen noch als heller Schein der Mond dir leuchten; sondern JaHuWaH wird dir zum ewigen Licht sein und dein Elohim zu deinem Glanz. Nicht mehr untergehen wird deine Sonne, noch wird dein Mond abnehmen; denn JaHuWaH wird dir zum ewigen Licht sein” (Jes 60,19-20).
Wie sollten wir da den Juden nicht ewig dankbar sein? Mein Auszug aus meinem “Ägypten” hat Jahrzehnte gedauert, aber er hat stattgefunden. Niemand konnte mich daran hindern, selbst wenn durch liebe Menschen, deren Absichten aufrichtig waren, grosse Verzögerungen stattgefunden haben. Wie könnte ich es ihnen übelnehmen? Irregeleitet durch ihre geistlichen Führer, bleiben sie in deren frommen Ideologien gefangen. Deren Führer müssen sich ihre Ersatztheologie laufend und überzeugend schönreden, andernfalls würden ihnen alle ihre “Schäfchen” davonlaufen. Von dieser geistlichen Blindheit war auch ich befallen. Heute kann ich voll tiefer Dankbarkeit täglich und nächtlich bekennen: “Alle meine Quellen sind in dir”! (Ps 87,7).

Das Zeugnis der Propheten im TaNaCH führte mich zum Licht: “Loben will ich den Namen Elohims im Lied und ihn erhöhen mit Dank. Denn es wird JaHuWaH wohlgefälliger sein als ein Stier, ein Opferstier mit Hörnern und gespaltenen Hufen. Die Sanftmütigen haben es gesehen, sie werden sich freuen; die ihr Elohim sucht, euer Herz soll leben”! (Ps 69,31-33). “Die Sanftmütigen werden essen und satt werden; es werden JaHuWaH loben, die ihn suchen; leben wird euer Herz für immer” (Ps 22,27).

Und was steht noch aus? “Es werden noch Völker und Bewohner vieler Städte kommen; und die Bewohner der einen werden zur anderen gehen und sagen: Lasst uns doch hingehen, JaHuWaH um Gnade anzuflehen und den JaHuWah Zebaoth (der Heerscharen) zu suchen! Auch ich will gehen! Und viele Völker und mächtige Nationen werden kommen, um den JaHuWaH Zebaoth in Jerushalajim zu suchen und JaHuWaH anzuflehen” (Sach 8,21-22). Ist das nicht wunderbar und ergreifend?

Von Herzen wünsche ich allen Chag Pessach Sameach, ein fröhliches Pessachfest. Shalom!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 19. Juni 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.