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Christen unter dem Gesetz! König Shlomo (Salomon) - der Bau und Sinn des Tempels

Glaubensimpuls 545 von Gregor Dalliard

Ist uns schon einmal aufgefallen, dass König Shlomo bei der Einweihung des imposanten Tempels zu Jerushalajim in keinem Satz die Opfer erwähnt. Auch von keiner Stellung der Priester im Tempel auf die Zukunft hin ist die Rede. Er spricht vom Tempel als Ort des Gebetes und “damit alle Völker der Erde erkennen, dass JaHuWaH Elohim ist und sonst keiner! Und euer Herz sei ungeteilt mit JaHuWaH, unserem Elohim, in seinen Ordnungen zu leben und seine Gebote zu halten” (1Kö 8,60-61).
Wenn wir dann noch die Verheissungen aller Propheten dazu nehmen, wie etwa die des Propheten Jeshajahu, dann ist alles klar: “und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des JaHuWaH, zum Haus des Elohims Jakobs, dass er uns aufgrund seiner Wege belehrt und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort JaHuWaHs von Jerushalajim” (Jes 2,3). Hier ist nichts mehr erwähnt vom Priestertum Aarons, auch nichts mehr von Opferkult und von Blut, auch nicht vom Glauben an das Blutopfer eines Gottmenschen, damit jemand Gemeinschaft mit JaHuWaH haben kann, damit jemand Erlösung und Frieden in seinem Leben finden kann, wie das im Christentum gelehrt wird.

Betrachten wir die ausführlichen Ordnungen und Bestimmungen für den Priester- und Opferdienst im 3. Buch Mose, dann sind wir überrascht, dass bei der Einweihungsrede dieses wundervollen Tempels die Priester und der Opferkult nicht erwähnt werden. Der Wahrheit wäre nicht gedient, würden wir sagen, Shlomo hat den Priester- und Opferkult im Tempel als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt.
Wer ernsthaft das 3. Buch Mose studiert, wird durch die Nichterwähnung der Priester und ihres Sühne-Dienstes bei der Einweihungsrede Shlomos irritiert sein, es sei denn der JaHuWaH-treue ist sich des anhaltenden Konflikts zwischen Priesterschaft, ihrem Sühnewerk und der Propheten bewusst. Dieser Konflikt brach immer wieder neu auf, bis sowohl der erste als auch der zweite Tempel verschwunden war.

In den Kapiteln 1-7 des 3. Buches Moses werden uns die genauen Bestimmungen für den Opferkult und seine Bedeutung vermittelt. In den Kapiteln 8-10 wird uns von der Einsetzung Aarons und seiner Söhne als Priester und vom Versagen zweier Söhne Aarons berichtet. In den Kapiteln 11-15 sind die Bestimmungen zur Heiligung und zur Vermeidung von Verunreinigungen festgehalten. In den Kapiteln 16-27 sind die Gebote zur Vermeidung von Unzucht und Götzendienst festgelegt und dann ist die Rede von den grossen Festen JaHuWaHs.
In Anbetracht aller dieser strengen und “heilsnotwendigen” Opferbestimmungen im 3. Buch Mose, erwarten wir doch eine besondere oder ausdrückliche Erwähnung der Priester und ihres Dienstes im neu eröffneten Tempel und für die Zukunft. Ohne diesen Blut-Kult gibt es nach der Lehre der Priester doch keine Sühne und keinen Zugang zu JaHuWaH, heisst es doch immer wieder: “So erwirke der Priester Sühnung für ihn wegen seiner Sünde, die er begangen hat, und es wird ihm vergeben werden” (3Mo 5,10). Im Geiste der Propheten weisen die Worte des Königs weit in die Zukunft hinein.
Weder die Priester noch die Opfer, durch die Sühne bewirkt werden soll, finden hier irgendeine Beachtung. Shlomo müsste sie unbedingt erwähnen, denn JaHuWaH wartet offenbar brennend auf den Geruch der Opfer, die zu IHM aufsteigen: “Und der Priester soll das Ganze auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen: ein Brandopfer ist es, ein Feueropfer als wohlgefälliger Geruch für JaHuWaH” (3Mo 1,9).

Für Shlomo ist und soll der Tempel kein Kulthaus sein, in dem Priester und Opferblut alle Aufmerksamkeit auf sich lenken, weg von JaHuWaH. Eigentlich ignoriert er das Priestertum und den Opferkult. Er kennt doch diese heidnische Praxis aus der Tradition der Völker aus seinem nachbarlichen Umfeld. Später werden ihn seine vielen ausländischen Frauen zu Fall bringen, kamen sie doch ausnahmslos alle aus dieser Opferkultpraxis. Der Tempel soll ein Haus des Gebetes sein, in dem jeder der JaHuWaH vertraut und zu IHM betet, vertrauensvoll auf die Gerechtigkeit JaHuWaHs blicken darf und soll:
“Und höre auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, das sie zu dieser Stätte hin richten werden. Du selbst mögest es hören an der Stätte, wo du thronst, im Himmel, ja, höre und vergib” (1Kö 8,30).

“….und er zu diesem Haus hin seine Hände ausbreitet, dann höre du es im Himmel, der Stätte, wo du thronst, und vergib und handle und gib jedem nach all seinen Wegen, da du sein Herz kennst – denn du, du allein kennst das Herz aller Menschenkinder” (1Kö 8,39). Der Priester und sein Blutopferkult, als Mittler zwischen dem Einzelnen und JaHuWaH ist in dieser Rede wie weggefegt, bedeutungslos. Trotzdem war gegen die Priester und ihre Macht, die in der Mittlerfunktion begründet war, bis zur Zerstörung des zweiten Tempels nicht beizukommen.

Nach der Zerstörung des ersten Tempels und den unfassbaren Folgen war es der Priester Esra, der mit unbegrenztem Eifer die Bücher die Moshe zugeordnet sind, neu überarbeitete. Aus seiner Feder stammen die Verordnungen zum Opfer- und Priesterkult im 3. Buch Mose. In Anbetracht der schrecklichen Zeiten und deren Folgen sahen Esra und seine Helfer diesen Schritt als gerechtfertigte Notwendigkeit an. Damit sollte gerettet werden, was noch zu retten war. Über diesen reaktivierten Opferkult sollten alle Juden, die aus Babylon heimgekehrt waren, das ein Zentrum der Opferkulte war, wieder aufgefangen, neu motiviert und geeint werden. Darüber sind sich heute alle ernsthaften Forscher einig.
Setzt sich jemand ernsthaft mit dem Ziel der Erwählung, Berufung und Sendung des auserwählten Volkes auseinander, dann wird gerade aus dem Kontext der Thora ersichtlich, was sich JaHuWaH für die Menschheit vorgenommen hat. Jeder möge für sich das Gebet des Königs Shlomo in 1Könige, Kapitel 8, lesen.

Shlomo betet: “….damit alle Völker der Erde erkennen, dass JaHuWaH Elohim ist und sonst keiner! Und euer Herz sei ungeteilt mit JaHuWaH, unserem Elohim, in seinen Ordnungen zu leben und seine Weisungen (Gebote) zu halten, wie es am heutigen Tag ist!” (1Kö 8,60-61). Es geht also nicht darum, dass alle Völker das aaronitische Priestertum und die sühnende Wirkung seiner Blutopfer kennen lernen und in die Praxis umsetzen. Vielmehr sollen alle Völker in das ungeteilte Vertrauen auf JaHuWaH und den persönlichen Einsatz für Recht und Gerechtigkeit geführt werden.

Natürlich brachten die Priester Opfer dar. Wie hätte es auch anders sein können: “Und der König und ganz Israel mit ihm brachten vor JaHuWaH Schlachtopfer dar. Und Shlomo schlachtete als Heilsopfer, das er dem JaHuWaH darbrachte, 22 000 Rinder und 120 000 Schafe. So weihten der König und alle Söhne Israel das Haus JaHuWaHs ein (1Kö 8,62-63; s. 1Kö 8,5-11). Es kann auch sein, dass dieser Text eine spätere Einfügung der Priester (des Priesters Esra) ist. Das ist möglich! Was ich sehr interessant finde, ist folgende Aussage: “….und die Priester konnten wegen der Wolke nicht hinzutreten, um den Dienst zu verrichten; denn die Herrlichkeit JaHuWaHs erfüllte das Haus des JaHuWaH” (1Kö 8,11). Weist diese Aussage nicht etwa darauf hin, dass die Gegenwart und Herrlichkeit JaHuWaHs durch nichts ersetzt werden kann, durch keinen Opferkult? Jedenfalls waren die Priester daran gehindert.

Im Gim 541 haben wir auf den wesentlichen Punkt hingewiesen, worin die Sendung Israels nie bestanden hat und nie bestehen wird: “Israel hat von JaHuWaH nie den Auftrag bekommen, den blutrünstigen Menschen- oder Tieropferkult als Sühne- oder Erlösungskult hinaus zu allen Völkern zu bringen. Niemals, denn in diesen Kulten lebten die Völker immer schon, bis heute.”

Wenn wir genau auf den Inhalt der Einweihungsrede von König Shlomo achten, dann wird uns die Berufung und Sendung Israels unumstritten klar gemacht. Vom Vertrauen auf JaHuWaH, das innerhalb Israels Gestalt annimmt, soll die ganze Menschheit ergriffen werden. Der Tempel ist, solange er besteht, reales Symbol der Gegenwart des EINZIG EINEN Elohim JaHuWaH, den alle Völker erfahren werden. Doch die schönsten Bauwerke bleiben Symbol, finden ihr Ende, denn JaHuWaH lehrt und führt die Menschen weiter. Noch einmal: “damit alle Völker der Erde erkennen, dass JaHuWaH Elohim ist und sonst keiner! Und euer Herz sei ungeteilt mit JaHuWaH, unserem Elohim, in seinen Ordnungen zu leben und seine Gebote zu halten” (1Kö 8,60-61). “….die werde ich zu meinem heiligen Berg bringen und sie erfreuen in meinem Bethaus. Sollen ihre Brandopfer und ihre Schlachtopfer mir ein Wohlgefallen sein auf meinem Altar? Denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker” (Jes 56,7).

“Ich lege meine Weisung in ihr Inneres und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Elohim sein, und sie werden mein Volk sein” (Jer 31,31). Das war die Botschaft des Königs Shlomo. Nun Paulus buchstabierte diese Botschaft zurück. Er blieb dem Blutkult eines Opfers, das Sühnung erwirkt, verhaftet. Ohne den Glauben an das Sühneblut des Jesus Christus gibt es für ihn keinen Zugang zu Theos, Deus, Ze’us, HERR. Wie wir aber schon sagten: Paulus verwechselt JaHuWaH mit seinem griechisch-mystischen Theos, Deus, Ze’us, HERR, der Jesus Christus in eine Frau zeugte. Sein verführerisches “Evangelium” fiel in der damaligen Zeit auf fruchtbarem Boden, auf dem Boden der allgegenwärtigen heidnisch-römischen Glaubensvorstellungen und -traditionen. Entsprechend schnell breitete sich sein “Evangelium” aus. Wie hätte es auch anders sein können?! Er führte das Christentum tiefer in die vorherrschenden uralten Blutkulte ein. Über seine Nachfolger und die Initiative der Kaiser führte sein “Evangelium” im ganzen römischen Reich zur Vereinheitlichung der vielen heidnischen Kulte bei. So kennen und erleben wir das gegenwärtige Christentum.

Die Worte der Propheten wirken mächtig befreiend. Ihre Botschaft hat auch uns erreicht, denn auch in unserem Leben ist die Freiheit angekommen. Nicht zum Eigenruhm schreibt der Prophet Jeshajahu einem am Boden zerstörten Volk: “Der Geist JaHuWaHs ist auf mir; denn JaHuWaH hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen” (Jes 60,1). Diese Worte nehmen wir auf, so wie die Erde im Frühjahr den Samen aufnimmt. Diese Worte lassen wir bewusst und entschieden in unseren Herzen aufgehen und wachsen. Lassen wir es zu. Die Frucht bleibt nicht aus.

Darin wünsche ich allen einen Shabbat der Freude. Shalom! Herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein am 16. Oktober 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.