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Propheten gegen den Opferkult. Die nächste Katastrophe, die zum Ziele führt! Teil 9

Glaubensimpuls 539 von Gregor Dalliard

Wir wissen also, dass uns im TaNaCH (“AT”) Bleibendes, Unveränderbares, Bestehendes aufgeschrieben ist, worauf es ankommt. Vieles aber wird gelehrt und gelebt, obwohl es nie von JaHuWaH verordnet worden ist. Auf solche Dinge weisen die Propheten hin, das zeigen sie uns auf. Die Schreiber der Thora haben die laufenden Entwicklungen, die sich unter dem auserwählten Volk zugetragen haben, Gutes und Böses, in die Thora aufgenommen. Nach der Zerstörung des ersten Tempels und nach der Rückkehr aus Babylon haben Priester die Thora überarbeitet, so ist etwa der Name JaHuWaH nur noch bei äusserst zentralen Zusammenhängen im TaNaCH erwähnt, wie etwa in 2Mo 3,13-15:
“Moshe aber antwortete Elohim: Siehe, wenn ich zu den Söhnen Israel komme und ihnen sage: Der Elohim eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mich fragen: Was ist sein Name?, was soll ich dann zu ihnen sagen? Da sprach Elohim zu Moshe: ‘Ich bin, der ich bin.' (oder „Ich werde sein, der ich sein werde“). Dann sprach ER: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der ‘Ich bin’ hat mich zu euch gesandt. Und Elohim sprach weiter zu Moshe: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: JaHuWaH (JHWH), der Elohim eurer Väter, der Elohim Abrahams, der Elohim Isaaks und der Erlohim Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name in Ewigkeit, und das ist meine Benennung von Generation zu Generation” (2Mo3,13-15). “Ich bin JaHuWaH (JHWH), das ist mein Name. Und meine Ehre gebe ich keinem anderen” (Jes 42,8:).
Obwohl JaHuWaH über Moshe ausdrücklich gebot, von Generation zu Generation allein diesen Namen zu nennen, haben sich die jüdischen Priester bei der Überarbeitung der Thora erlaubt, diesen Namen JaHuWaH aus dem Gedächtnis des Volkes Israels zu verdrängen. So wurde der wunderbare Name JaHuWaH (JHWH) ersetzt mit Adonai (mein HERR) der Ewige oder “HaShem”. Das aber sind keine Namen, das sind bloss Bezeichnungen. Der Name vermittelt das Wesen, die Absicht und das Ziel, die Beziehung und das Vertrauen, das Leben in seiner Fülle. Im Namen JaHuWaH (JHWH) ist das Wesen als des EINZIG EINEN, als des EINZIG EINEN Schöpfers, Gebers und Erhalters des Lebens klar und unmissverständlich gegeben.
Die Absicht der Priester mag in Anbetracht der damaligen schrecklichen Situation gut gemeint gewesen sein, denn sie waren nach der Zerstörung des Tempels durch die Babylonier am Boden zerstört. Den Grund, der die Priester dazu veranlasst hatte, erkannten sie im leichtfertigen Umgang der Juden mit dem Namen JaHuWaH (vgl. 2Mo 20,7). Also verboten sie, den Namen JaHuWaH (JHWH) zu nennen, von Generation zu Generation. Sie ersetzten ihn, obwohl ER weit über 6000 Mal genannt ist und JaHuWaH von Generation zu Generation so genannt sein will. Dennoch bleibt diese Aktion der Priester anmassend, wenn nicht schändlich.
Was können wir darin erkennen? Die führenden Priester hatten in jenen Tagen die Beziehung und das Vertrauen zu JaHuWaH bereits weitgehend verloren. Sie waren vollends mit ihrem Status beschäftigt und mit der Ausführung von religiösen rituellen Vorgaben, die ihre existenzielle Grundlage sicherte. Alles war miteinander vermischt, ethische und nicht ethische Prinzipien, Wahres und Falsches. Sie glaubten in strengen rituellen Ausführungen JaHuWaH zu gefallen und SEINEN Willen zu erfüllen, IHM zu entsprechen. Damit aber waren sie in grossen Teilen zurückgefallen in heidnische Denkstrukturen und heidnische Praktiken, so wie Heiden mit ihrem HERRN umgehen. Ihr Verhältnis zu JaHuWaH und damit auch zum Volk war immer mehr von einem magisch-rituellen Verhalten bestimmt worden.
Damit sind die Rechtsbestimmungen JaHuWaHs im Umgang mit den Mitmenschen in eine zunehmende Schieflage geraten. Die Folgen waren schwerwiegend. Das lässt uns den permanenten Konflikt der JaHuWaH-treuen Propheten mit den Priestern verstehen. Das war der wahre Grund, der zur Umdeutung des Namens JaHuWaH in Adonai (mein HERR) “der Ewige” oder “HaShem” führte? Es war der Mangel ihrer persönlichen Beziehung zu JaHuWaH wie Henoch, Noah, Melchisedek, Abraham, Moshe und die JaHuWaH-treuen Propheten sie hatten und pflegten. Anstatt ihre Beziehung zu JaHuWaH und den Umgang mit den Mitmenschen zu ändern, straften sie unbewusst JaHuWaH (JHWH), indem sie SEINEN Namen aus der Thora entfernten (siehe dazu z. B. Jer 7,4-14, im letzten Gim 538 zitiert).

Das war und ist höchst anmassend, mochte diese Aktion noch so gut gemeint gewesen sein. Vergessen wir aber nicht: es war nicht die Beziehung zu JaHuWaH, die sie in dieser verkehrten Haltung immer weiter von JaHuWaH entfernte. Sie verloren das Vertrauen zu JaHuWaH. Sie glaubten das Vertrauen JaHuWaHs mit eigenwilligen religiösen Vorschriften und Aktionen sichtbar machen zu können. Das aber war genau das Gegenteil dessen, was JaHuWaH wollte und was sie zu erreichen glaubten. Die Angst vor JaHuWaH, vor neuen bösen und schrecklichen Erfahrungen, trat immer stärker in den Vordergrund. Hätten sie die tiefe Beziehung zu JaHuWaH allezeit aufrichtig gesucht, bewahrt und entschieden gepflegt, wäre die nächste Katastrophe abgewiesen gewesen.
Vor lauter Angst, JaHuWaH gegenüber zu versagen, taten sie genau das Gegenteil dessen, was JaHuWaH wollte. Wir können die Aussagen des Propheten Maleachi im Konflikt mit den Priestern verstehen: “ihr Priester, die ihr meinen Namen verachtet” (Mal 1,6). Das aber wollten sie ja eigentlich gar nicht. “Denn die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis bewahren, und Weisung sucht man aus seinem Mund; denn er ist ein Bote des JaHuWaH Zebaoth (der Heerscharen). Ihr aber, ihr seid abgewichen vom Weg, ihr habt viele durch falsche Weisung zu Fall gebracht” (Mal 2,7-8).
Das sind knallharte Vorwürfe. Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Wir dürfen sie nicht überlesen! Über Paulus und seine Leute wiederholt sich später dasselbe Muster, das als Christentum die Welt einfängt. Achten wir gut auf die vielen, z. T. unterschiedlichen Lehren und Forderungen des Christentums.

In aller Deutlichkeit greift der Prophet Maleachi dieses Problem auf, indem er bereits auf die nächste Katastrophe hinweist, sollten die Priester ihr Verhalten nicht ändern. Die Priester sollen Erkenntnis lehren. Sollten sie es nicht tun, wird der kommende Bote, der Engel JaHuWaHs, der zu seinem Tempel kommt, gnadenlos dreinschlagen: “Seht, er kommt!, spricht JaHuWaH Zebaoth. Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint”? (Mal 3,2). Lies auch die folgenden Verse, zumindest bis und mit Vers 6.
JaHuWaH sagte damals, als der Priester Aaron das Volk durch Götzen- Opferdienst “zuchtlos werden liess” (vgl. 2Mo 32,25): “Denn ich werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen – du bist nämlich ein halsstarriges Volk –, damit ich dich nicht auf dem Wege vernichte.” (2Mo 33,3) “Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, damit er dich auf dem Weg bewahrt und dich an den Ort bringt, den ich für dich bereitet habe. Hüte dich vor ihm, höre auf seine Stimme und widersetze dich ihm nicht! Denn er wird euer Vergehen nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm” (er handelt in meinem Namen, in meiner Autorität) (2Mo 23,20-21).

Der Prophet Maleachi schreibt nicht von ungefähr, er weiss, wovon er spricht: “Siehe, ich sende meinen Boten und er wird den Weg vor mir her bereiten. Und plötzlich kommt zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr herbeiwünscht, siehe, er kommt, spricht JaHuWaH Zebaoth” (Mal 3,1). “meinen Boten”, das ist der Engel JaHuWaHs, der die Vergehen nicht verzeiht; “der Herr, den ihr sucht” ist nicht JaHuWaH. Sie suchen den Götzendienst. Was ist mit “der Engel des Bundes” gemeint? Durch die Katastrophe, die er in Gang setzt, macht er den Weg für den Bund mit JaHuWaH frei. Mit der Zerstörung des Zweiten Tempels, der Priesterschaft und des Opferkultes erschliesst er den Weg für die wahre Beziehung mit JaHuWaH und zu SEINEM Bund am Sinai, den sie mit Aaron gebrochen hatten. Damit eröffnet er den Weg zum gesegneten Umgang mit den Mitmenschen in Recht und Gerechtigkeit, nach der Ordnung JaHuWaHs.
Das ist der Bund, von dem die JaHuWaH-treuen Propheten immer sprachen: “Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Elohims JaHuWaH bleibt in Ewigkeit. Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erhebe deine Stimme mit Macht, Jerushalajim, du Botin der Freude! Erhebe deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Siehe, da ist euer Elohim JaHuWaH. Siehe, Elohim, der JaHuWaH, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Siehe, sein Lohn ist mit ihm und sein Ertrag geht vor ihm her. Wie ein Hirte weidet er seine Herde, auf seinem Arm sammelt er die Lämmer, an seiner Brust trägt er sie, die Mutterschafe führt er behutsam” (Jes 40,8-11; vgl. Jer 31, Jer 31,31-40 u. a. m.).

Im Jahre 70 führten die Römer die unvorstellbare, grauenvolle und für die Priester nicht zu fassende Zerstörung des Zweiten Tempels aus. Damit war das Ende des Opferkultes und der Priesterschaft gekommen. Maleachi fragt in Anbetracht dieser kommenden schrecklichen Geschehnisse: “Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen bei seinem Erscheinen”? (Mal 3,2). Jene Tage waren schrecklich und unerträglich, so wie sie der Prophet in den folgenden Versen schildert (vgl. Mal 3,2-3). Was aber wird sein? Die Juden werden ab jener grauenvollen und schmerzerfüllten Zeit “JaHuWaH Opfergaben in Gerechtigkeit darbringen” (Mal 3,3), d. h. nach dem Recht und der Gerechtigkeit, wie sie JaHuWaH über SEINE Propheten allezeit von SEINEN Priestern und SEINEM Volk forderte.
“Dann wird die Opfergabe Judas und Jerushalajims JaHuWaH angenehm sein, wie in den Tagen der Vorzeit und wie in den Jahren der Vergangenheit” (Mal 3,3-4). Die Juden und alle Menschen die JaHuWaH suchen und mit IHM volle Gemeinschaft haben werden und alle, die zu IHM umkehren, werden keinen Menschen- oder Tieropferkult benötigen, weder das Blut von Tieren noch das Blut eines Menschen, um mit JaHuWaH in voller Gemeinschaft leben zu können. Sie werden allezeit einen freien und persönlichen Zugang zu JaHuWaH haben, sie werden mit JaHuWaH in einer direkten, persönlichen Weise reden und umgehen dürfen, so wie Moshe “von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet” (2Mo 33,11).
Lasst uns im nächsten Gim 540 über das Verhalten der Schreiber des TaNaCHs (“des ATs”) reden, etwas, das uns tief beeindruckt, was wir an ihnen hoch schätzen und wofür wir allezeit dankbar sind und sein werden. Also, lasst uns, wie Moshe mit JaHuWaH, “von Angesicht zu Angesicht umgehen, wie ein Mann mit seinem Freund redet” (2Mo 33,11). Das ist der Bundesschluss, der sein Ziel erreicht hat!
Tief berührt von dieser Beziehung grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen Shabbat der inneren Ruhe und des Friedens. Shalom!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 21. August 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.