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Propheten gegen den Opferkult! Bleibendes und Prozesse der Entwicklung. Teil 8

Glaubensimpuls 538 von Gregor Dalliard

Jemand hat die Frage gestellt: “In 5 Mo 4:2 und 13:1 steht doch geschrieben: ‘Das ganze Wort, das ich euch gebiete, das sollt ihr bewahren, um es zu tun. Du sollst zu ihm nichts hinzufügen und nichts von ihm wegnehmen’. Dann müssen wir uns doch daran halten?”
Die letzten Gims sollten eigentlich bereits eine hinführende Antwort auf diese Frage sein.
In JaHuWaH gibt es allezeit Bestehendes, Unveränderbares, immer Bleibendes. Daneben gibt es die Bereiche des Lebens. Sie sind den Prozessen der Entwicklung unterworfen. Mit diesem Wissen, werden wir den TaNaCH (“AT”) immer im Sinne JaHuWaHs zu unserem Nutzen und Segen einordnen können. Wir haben früher schon darauf hingewiesen: Es gibt im TaNaCH immer Bestehendes, Unveränderbares, immer Bleibendes wie z. B. das Shma Jisrael, das Ereignis von Pessach, das Zehn-Wort (die zehn Gebote), oder die ungeteilte Liebe zu JaHuWaH und zum Nächsten, denn er ist wie du und ich, er hat die gleichen Grundbedürfnisse wie du und ich. Diese Unterscheidung gehört zum Wesen, sagen wir, zur Grundbedingung, die uns zum Verständnis des TaNaCHs (des “ATs”) und zu einem Leben aus und in der Gnade und des Segens führt.

Abraham war gestern noch Heide, geprägt und abhängig von Göttern, von Priestern, die ihnen dienten, von Mitmenschen, die in diesen Riten und Traditionen lebten. Ihnen war all das absolut heilig. Sie konnten sich kein anderes Glaubensleben vorstellen, ohne dabei den Zorn der Götter auf sich zu ziehen. Am anderen Tag lebte Abraham aus der Gnade JaHuWaHs allein, aus der unverbrüchlichen Gnade (vgl. 1Mo 12,1-9; 15,6 u. a. m.). Merken wir uns: Der Weg aus dem Heidentum und das Wachsen hinein in die geschenkte Gnade, ein Leben aus der Gnade, war immer schon einem langen Prozess unterworfen. Abraham konnte seine fromm anerzogenen heidnischen Gewohnheiten nicht einfach so über Bord werfen. Er durchlief Prozesse der Entwicklung, aber immer innerhalb der Gnade, in und aus der Gnade JaHuWaHs allein.
Er sagte sich los von den mächtigen Göttern der damaligen Zeit, die mit sehr wenigen Ausnahmen, alle Menschen beherrschten. Statt seinen Sohn der Verheissung, schlachtete er die Gottheit Chnum, den Widdergott, den Erlösergott und Bewahrer des Lebens, der in jenen Tagen allüberall gegenwärtig war (vgl. 1Mo 22, 13-19): Weg vom Glauben an die Götter und deren Dienst, hin zu JaHuWaH, zum Vertrauen auf IHN und zu SEINEN Verheissungen. Das war kein einfacher Weg, aber ein Weg im Schutze der hundertprozentigen Gnade und damit des verheissenen Segens. Wunderbar! Was könnte einem Menschen Besseres passieren?

Das Volk Israel lebte gestern weitgehend abhängig von den Göttern Ägyptens. Auf die Weisung des Moshe hin sagte sich das Volk von den Göttern los, indem es in einer Nacht die Götter Ägyptens opferte, in Form des männlichen Lammes Chnum. Es sollte sie sogar verspeisen und verbrennen (vgl. 2Mo 12). Damit wandte es sich bereitwillig JaHuWaH zu und vertraute IHM. Darauf hat JaHuWaH seine unverbrüchliche Gnade und allen SEINEN Segen gelegt. Damit ist es in SEINE Gnade eingetaucht worden.
Der Weg aus dem Heidentum heraus aber, und das Wachstum hinein in die immer bleibende und unveränderbare Annahme JaHuWaHs, d. h. der Gnade, vollzog sich innerhalb des Volkes über Jahrhunderte hindurch, bis im Jahre 70 u. Z. auch der zweite Tempel zerstört war.

Irgendwann in der Geschichte machte die Priesterschaft Aarons den Opferkult zu einer festen Einrichtung. Die Anfänge dieses Irrweges setzen bereits am Sinai ein, als das Volk zu Aaron sagte: “Auf! Mache uns Götter, die vor uns herziehen…. Und Aaron sagte zu ihnen: Reisst die goldenen Ringe ab, die an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter sind, und bringt sie zu mir!…. Als Aaron das sah, baute er einen Altar vor ihm, und Aaron rief aus und sagte: Ein Fest für JaHuWaH ist morgen! So standen sie am folgenden Tag früh auf, opferten Brandopfer und brachten Heilsopfer dar” (2.Mose 32,1-6). Aaron, der Hohepriester, hatte nicht widerstanden.
Hier vollzog sich eine schreckliche Vermischung JaHuWaHs mit den Göttern Ägyptens. Aaron formte aus dem Gold keinen Widder, sondern einen Stier. Vom Widdergott, dem Schöpfergott der Ägypter, hatten sie sich zwar losgesagt, aber es zog sie einfach zu den übrigen Göttern Ägyptens zurück. Diese schändliche Tat geschah fast sicher auch durch den Einfluss des Schwagers von Moshe, dem Midianiter Hobab (vgl. 4Mo 10,29-32). Die Reaktion des Moshe ist entsprechend radikal (vgl. 2Mo ,7ff; Kap. 32 und 33).
Als Moshe von Aaron Rechenschaft forderte “denn Aaron [der Priester] hatte es zuchtlos werden lassen” (2Mo 32,25), redete sich dieser geschickt raus. Obwohl Aaron als erster hätte getötet werden müssen, hören wir in diesem Zusammenhang weiter nichts Negatives über ihn. In Bezug auf Aaron ist es so, als wäre am Sinai nichts Nennenswertes geschehen. Aus dem ganzen Zusammenhang erkennen wir, dass die Thora von der späteren Priesterschaft überarbeitet worden ist, gegen den Willen der Propheten. Das ist zwar nichts Neues. Das aber erfordert unsere Bereitschaft, den TaNaCH in seiner Komplexität verstehen und unterscheiden lernen zu wollen, ohne den Respekt und das vermittelnd Wichtige aus den Augen zu verlieren. Daraus wird unser Glaubensleben mächtig profitieren. Auch ich persönlich musste diesen Entwicklungsprozess durchlaufen. Er war manchmal schmerzhaft, der Segen aber blieb in meinem Leben nicht aus.

Wer hat die Thora überarbeitet? Wohl Esra. Er war Priester und Nachkomme des ersten Hohepriesters Aaron. Esra lebte im babylonischen Exil. Während der persischen Herrschaft des Kyrus durften alle von den Babyloniern verschleppten Völker wieder in ihre Heimat zurückkehren. Das taten auch viele Juden. Esra folgte später, nachdem schon ein Grossteil der Juden nach Jerushalajim zurückgekehrt war. Er war innerhalb der Juden im persischen Weltreich hoch angesehen, denn er hatte am persischen Hof das Amt eines Staatssekretärs für religiöse Angelegenheiten der Juden inne. Er schuf Recht und Ordnung, setzte in den jüdischen Gemeinden Richter ein. Er überarbeitete jene Texte der Thora, die von der Priesterschaft und dem Opferkult sprechen. Dabei wurde die Priesterschaft Aarons und der Opferkult in ein neues besseres Licht gestellt. In diesem Rückblick wird Moshe zum Paten Aarons gemacht. Die Propheten gingen dagegen an, hatten aber wenig Erfolg, bis JaHuWaH die Priesterschaft und den Opferkult wegraffen liess. Damit bekamen die Propheten Recht.
Der Prophet Jirmejahu sprach Worte gegen den ersten Tempel in einem etwas anderen Zusammenhang, doch letztlich ging es um dasselbe Problem, als die Assyrer vor den Toren Jerushalajims standen: “Und verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Der Tempel JaHuWaHs, der Tempel JaHuWaHs, der Tempel JaHuWaHs ist dies! Denn nur wenn ihr eure Wege und eure Taten wirklich gut macht, wenn ihr wirklich Recht übt untereinander, den Fremden, die Waise und die Witwe nicht unterdrückt, kein unschuldiges Blut an diesem Ort vergiesst und nicht anderen Göttern nachlauft zu eurem Unheil, dann will ich euch an diesem Ort, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe, wohnen lassen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Siehe, ihr verlasst euch auf Lügenworte, die nichts nützen. Wie? Stehlen, morden und Ehebruch treiben, falsch schwören, dem Baal Rauchopfer darbringen und anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt! Und dann kommt ihr und tretet vor mein Angesicht in diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, und sagt: Wir sind gerettet [Sühnung durch das Blut der Opfer, anstelle von Umkehr], – um all diese Gräuel weiter zu verüben! Ist denn dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle geworden in euren Augen? Doch ich, siehe, ich habe das alles gesehen, spricht JaHuWaH. Denn geht doch hin zu meinem Anbetungsort, der in Silo war, wo ich früher meinen Namen wohnen liess, und seht, was ich mit ihm getan habe wegen der Bosheit meines Volkes Israel! Und nun, weil ihr all diese Taten getan habt, spricht JaHuWaH, und ich zu euch geredet habe, früh mich aufmachend und redend, ihr aber nicht gehört habt, und ich euch gerufen, ihr aber nicht geantwortet habt; so werde ich mit diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, worauf ihr euch verlasst, und mit dem Ort, den ich euch und euren Vätern gegeben, ebenso verfahren, wie ich mit Silo verfahren bin”. (Jer 7,4-14).

Ich grüsse alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 20. Februar 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).