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Sukkot: "Israel ist mein erstgeborener Sohn" (2Mo 4,22) Teil 6

Glaubensimpuls 528 von Gregor Dalliard

Führen wir uns noch einmal vor Augen: Die Babylonier nahmen dem Überrest des erstgeborenen Sohnes JaHuWaHs (12 Stämme) buchstäblich alles weg, was ihm neben JaHuWaH, dem El Eljon (dem Höchsten) als heilig und unantastbar galt. Das geschah innerhalb kürzester Zeit, zuerst durch die Babylonier und später durch die Römer. Sagen wir es genauer: Alles, was sie in jenen Tagen glaubten, lehrten und praktizierten, hielten sie ganz selbstverständlich als von JaHuWaH gewollt und gegeben. Dachten wir bisher nicht auch etwa so? Warum aber nahmen die Babylonier und später auch die Römer den Juden Glaubensordnungen weg, die sie für ganz selbstverständlich als von JaHuWaH gegeben glaubten, lehrten und praktizierten? Warum liess JaHuWaH diese schrecklichen Dinge geschehen? Was war Israel, bzw. Juda, in jenen Tagen heilig und unantastbar?

Da war zur Zeit der Babylonier das irdische Königtum. Hatte JaHuWaH aber jemals ein irdisches Königtum für seinen erstgeborenen Sohn Israel vorgesehen und gewollt? Die Antwort ist ganz klar: Nein! Bis zur Zeit des Propheten und Priesters Shmuel (Samuel) lebten die Stämme Israels ohne einen irdischen König. Mit JaHuWaH, ihrem König, bezwangen sie einen König, bzw. Stadt-König nach dem anderen, die sich ihnen beim Durchzug ins verheissenen Land feindselig in den Weg stellte.
Zur Zeit der Richter forderten die Ältesten vom Propheten Shmuel (Samuel) einen König. Trotz der Empörung des Propheten hatten sie darauf beharrt (vgl. 1Sam 8). Was machte ihnen der Prophet klar? Mit dieser Forderung würden sie ihrem König JaHuWaH, dem El Eljon (dem Höchsten) gegenüber, dem einzigen König des Himmels und der Erde, ihr Misstrauen aussprechen. Damit würden sie sich automatisch (vermehrt) dem Götzendienst ausliefern. (Warum schreibe ich “vermehrt”? Darauf komme ich später zurück.)
“Aber das Volk weigerte sich, auf die Stimme Shmuels (Prophet und Richter) zu hören. Und sie sagten: Nein, sondern ein König soll über uns sein, damit auch wir sind wie alle Nationen, und dass unser König uns richtet und vor uns her auszieht und unsere Kriege führt” (1Sam 8,19-20).

Die Schlechtigkeit der Söhne Shmuels diente den Ältesten als Argument (vgl. 1Sam 8,1-5); dieses ist für JaHuWaH absolut unangebracht. Es steht in keinem Verhältnis zu dem, wer JaHuWaH, der El Eljon (der Höchste) ist und was ER bewirken kann. Nicht etwa, dass JaHuWaH das Verhalten der Söhne Shmuels nicht aufs Äusserste missbilligt hätte. Es darf, soll und kann für das Volk des JaHuWaH aber nie ein Argument geben, das einen Schritt hin zu einem Gott (Theos, Deus, HERR/Herr und damit zum Götzendienst rechtfertigen würde, in der Meinung, damit könnte innerhalb des auserwählten Volkes ein Problem gelöst werden. Entstehen innerhalb des erstgeborenen Sohnes JaHuWaHs Probleme, müssen sie immer zusammen mit JaHuWaH gelöst werden, ausnahmslos immer, und nie ohne IHN.

Die Forderung nach einem König, neben dem KÖNIG JaHuWaH, erfolgt Jahrhunderte nach dem Tode des Moshe. JaHuWaH gab ihrer Forderung nach (vgl. 1Sam 8,22), wohl wissend um das Elend, das sie sich selbst und den kommenden Generationen damit antun würden (vgl. 1Sam 8,9). Das erstaunt uns, macht uns betroffen, weil wir aus dem Zeugnis des TaNaCHs vernehmen, dass sie damit JaHuWaH als den EINZIG EINEN KÖNIG verleugnet hatten und in diesem Bereich einem Gott oder Gottheiten dienten und entsprachen, nicht mehr ungeteilt JaHuWaH (vgl. 1Sam 8,8). Das heisst konkret, dass sie mit dem irdischen Königtum etwas Wesentliches einführten, dass JaHuWaH nie gewollt hatte, das SEINER unwürdig war und das sie SEINES Schutzes vermehrt beraubte (vgl. 1Sam 8,7).
“Wenn ihr an jenem Tage wegen eures Königs (als Folge des eingeführten Königtums) um Hilfe schreien werdet, den ihr euch erwählt habt, dann wird euch JaHuWaH an jenem Tag nicht antworten”. (1Sam 8,18). Die Sache mit JaHuWaH als dem EINZIG EINEN KÖNIG ist viel zu wichtig und zu umfassend, als dass man so damit umgehen könnte. Damit schnitt sich das auserwählte Volk früher oder später ins eigene Fleisch. Das geschah mit dem Beginn der ersten Eroberung Jerushalajims im Jahre 597 v. u. Z. und mit der Zerstörung des Königreiches Juda durch den babylonischen König Nebukadnezar II.
Jedes andere Königtum, ausserhalb dessen des JaHuWaH, wurde von einem Gott, Theos, Deus, HERR oder einem Engel Gottes in dieser Welt gestiftet. Das bestätigt ihre Forderung: “Nein, sondern ein König soll über uns sein, dass wir auch seien wie alle Völker, dass uns unser König richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe!” (1Sam 8,20). Wie konnten wir diese Tatsache so viele Jahre lang einfach übersehen?

Ohne das ungeteilte Hören (Gehorsam) auf JaHuWaH, ohne die ungeteilte Gemeinschaft mit JaHuWaH, kann, gemäss dem Shma Jisrael und dem Zeugnis der Propheten, keine Gemeinschaft mit JaHuWaH auf Dauer ohne dramatische Einbrüche funktionieren: “Höre, Israel: JaHuWaH ist der El Eljon (der Höchste), JaHuWaH EINER. Und du sollst JaHuWaH, den El Eljon, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft” (5.Mose 6,4; vgl. Mk 12,28-33). Diese Weisung impliziert automatisch die entschiedene Abwendung von jedem Gott (Theos, Deus, HERR), d. h. von den Götzen, von ihren Forderungen und Praktiken. Das ist uns in Abraham sehr verständlich und anschaulich vermittelt.
Meines Wissens lesen wir später an keiner Stelle des TaNaCHs, dass sich das Volk Israel jemals über sein schweres Fehlverhalten (Gott-Dienst = Götzendienst) JaHuWaH gegenüber Gedanken gemacht hätte und - in diesem Verhalten - zu JaHuWaH umkehrt wäre. Nachdem die Babylonier dem israelitisch-jüdischen Volk das Königtum genommen und es zerstört hatten, wurde es nie wieder eingeführt. Da hat sich in den Herzen des erstgeborenen Sohnes wohl etwas Wesentliches zugetragen.

Damit steht folgende Frage im Raum: Wie ist es dann möglich, dass JaHuWaH Gesetze für den König erlässt (s. 5 Mose 17,14-20), obwohl ER ohne Wenn und Aber dagegen ist und allezeit dagegen bleiben wird? Warum erliess ER diese Gesetze bereits Jahrhunderte, bevor überhaupt die Forderung nach einem König an den Propheten Shmuel herangetragen wurde, in einer Zeit in der innerhalb des auserwählten Volkes noch niemand an einen König dachte, niemand einen König haben wollte? Wie kam 5. Mose 17,14-20 überhaupt in die Thora, in das 5. Buch Mose hinein?
Unzweideutig erkennen wir, wie die Priesterschaft, die Verfasser des TaNaCHs, später solche Texte der Thora hinzufügten und sie einfach JaHuWaH in den Mund legten. Damit sollte das von JaHuWaH missbilligte Königtum, das nun einmal seit längerer Zeit schon zur festen Einrichtung geworden war, seit der Zeit des Propheten Shmuels, als von JaHuWaH gegeben legitimiert werden. “Ja”, so sagen manche Bibelleser, “JaHuWaH ist eben barmherzig. ER hat es einfach irgendwann übersehen, vergessen”.
Wie oben gesagt, bei solch wesentlichen Ereignissen und Folgen funktionieren solche Argumente nicht. Der TaNaCH entstand in einer Zeitspanne von vielen Jahrhunderten. Verschiedene gegebene Traditionen wurden von den Autoren jeweils berücksichtigt und darin aufgenommen. Das ist hoch zu schätzen, weil alle diese Texte Einblick in die jeweiligen Umstände und Entwicklungen geben. Sie aber beeinflussen oder ändern rein gar nichts an der wunderbaren Grundbotschaft des TaNaCHs (“AT”). Viele Autoren haben über eine lange Zeit hindurch daran gearbeitet, das ist uns klar und bereitet uns auch keine Probleme. Wie könnte es anders sein? Wie gesagt, damit würde der TaNaCH auch nie um sein Zeugnis gebracht werden, oder gebracht werden können. Einfach wunderbar, zu unermesslichem Dank motivierend.

Alle Tage unseres Lebens wollen wir uns an zwei Tatsachen festhalten, die uns im TaNaCH und in der Menschheitsgeschichte unumstösslich bezeugt sind: Erstens gibt es im Himmel und auf der Erde nur einen Namen und ein Königtum. JaHuWaH wollte, will und wird nie einen anderen Namen oder ein anderes Königtum neben sich dulden. Warum und weshalb? Nicht etwa weil JaHuWaH ein Gott ist, so wie alle anderen Gottheiten, die sich gegenseitig misstrauen und bekämpfen, wie das eben unter den antiken Gottheiten und ihren Namen üblich ist. So etwa zwischen der Gottheit der Christen, Jesus Christus und Satan, der von Paulus als der “Gott dieser Welt” bezeichnet wird (vgl. 2Kor 4,4). Sie sind dauernd miteinander im Klinsch. Nein; “denn JaHuWaH ist der El Eljon (der Höchste) und ein grosser König über alle Götter (über jeden Gott, Theos, Deus, HERR)” (Ps 95,3).
JaHuWaH, dem El Eljon, geht es um den Menschen, der allein in diesem EINZIG EINEN NAMEN und KÖNIGTUM am verheissenen Segen Abrahams umfassend teilhaben und zur Fülle des Lebens geführt werden kann. Nur in IHM findet der Mensch den inneren Frieden und die Ruhe, derer er als Mensch bedarf. Die Propheten definieren den EINZIG EINEN NAMEN und das EINZIG EINE KÖNIGTUM JaHuWaHs unmissverständlich klar. Nochmals: “Und JaHuWaH, der El Eljon (der Höchste), wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird der El Eljon (der Höchste) einzig sein und sein Name einzig” (Sach 14,9; Ps 10,16; 24,10; 93,1-3 u. a. m.). Das ist einfach unaussprechlich umwerfend. “Ich bin JaHuWaH, das ist mein Name. Und meine Ehre gebe ich keinem anderen noch meinen Ruhm einem Gott (Götterbildern)” (Jes 42,8). “Um meinetwillen, um meinetwillen will ich es tun – denn wie würde mein Name entweiht werden! –, und meine Ehre gebe ich keinem andern” (Jes 48,11). Das Shma Jisrael (5Mo 6,4–9) erfasst uns mit seiner ganzen Lebenskraft und -freude.

Als Paulus, und die ihm folgenden Gründer des Christentums, neben dem König JaHuWaH einen Menschen zu ihrem wahren Gott und König erklärten, übertrafen sie die Verwerflichkeit der Ältesten Israels zur Zeit des Propheten Shmuels. Sie schufen sich einen Gott und König, so, wie das in ihrer Zeit bei den Persern, Griechen, Römern und allen anderen antiken Völkern gang und gäbe war: “damit auch wir sind wie alle Nationen”. Sie formulierten diesen Satz nicht wörtlich, aber handelten und lehrten fortan genau auf diese Weise.
Doch nicht genug damit, anstatt zu den Weisungen JaHuWaHs umzukehren, überschritten sie das Mass der Verleugnung JaHuWaHs als König in einer Weise, wie das so beim Volk JaHuWaHs, den Juden, nie der Fall war. Sie missbrauchten JaHuWaH, den El Eljon, SEINEN Namen und SEINE Propheten in der allerschändlichsten Weise, indem sie lehrten, JaHuWaH wäre in ihrer Gottheit Jesus Christus Mensch geworden und wäre in dieser Gottheit Jesus Christus der König Israels und aller Menschen. Diesen Mensch gewordenen Gott (Theos, Deus, HERR), wahrer Gott und wahrer Mensch, hätten alle Propheten JaHuWaHs angekündigt. Alle Juden müssten sich ihrer Gottheit, dem König Christus Jesus (Theos, Deus, HERR) unterwerfen und sich auf dessen Namen taufen lassen, sonst würden sie für immer und ewig verdammt werden (vgl. Gal 1,8-9; 1Kor 16,21-22).

Entsprechend ramschten sich diese Theologen aus dem TaNaCH kreuz und quer alle ihnen passenden Aussagen zusammen und schufen sich eine Bibel, ein theologisch-philosophisches Lehrgebilde (Ersatztheologie), das Papst Damasus I., mit seinem Theologen Hieronymus, im 4. Jh. den Christen offiziell als das Neue Testament präsentierte und auferlegte. Neben manchen echten israelitisch-jüdischen Zeugnissen legten sie diesem Pseudokönig und Gott Jesus Christus die unmöglichsten heidnischen und antijüdischen Aussagen in den Mund, so etwa die folgenschwere Aussage des “Apostels” Johannes: “Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun” (Joh 8,44). Diese entsetzliche Lehre des Johannes brachte über den Zeitraum von fast 2000 Jahren unsägliches Leid über die jüdischen Menschen. Das “Evangelium” des Johannes wird bis zu dieser Stunde allen neu bekehrten Christen wärmstens empfohlen - und keine Umkehr zu JaHuWaH ist in Sicht!

Niemand darf und kann den Platz JaHuWaHs, den Platz des EINZIG EINEN NAMENS und KÖNIGS einnehmen, denn JaHuWaH, der El Eljon (der Höchste) ist kein Gott, Deus, Theos, HERR oder der Engel irgendeines Gottes. “JaHuWaH aber sprach zu Shmuel (Samuel): Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen! Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll” (1.Sam 8,7).

Damit kommen wir zu einer zweiten unumstösslichen Tatsache: JaHuWaH wird sein erwähltes Volk trotzdem nie aufgeben, egal was geschieht. Das steht in Fels gemeisselt, in seinem Herzen gegründet. Im nächsten Gim machen wir die Fortsetzung.

Allen wünsche ich einen gesegneten Shabbat voller Dankbarkeit. Shalom und herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Herzliche Einladung zu Vorträgen und Austausch in D-83317 Teisendorf / Achtal. Samstag, 20. und Sonntag, 21. November 2021. Die Veranstaltung findet in einer Pension statt. Günstige Bedingungen. Informationen und Anmeldung bitte telefonisch bei Marion Fischer unter 08666 2174973. Wegen Unterkunft bitte telefonisch anfragen.


Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 19. Dezember 2021 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!


In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).