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In der Mündigkeit JaHuWaHs leben.

Glaubensimpuls 665 von Gregor Dalliard

Ich bin jeden Tag dankbar und freue mich, dass wir heute in aller Ruhe und Gelassenheit in JaHuWaH (im Ruach) leben dürfen (gemäss 5Mo 10,12; Mi 6,8 u. a. m.), wobei in diesen Zeugnissen einige Formulierungen im Sinne der Propheten und nicht der Priester verstanden und übersetzt werden müssten, wie z. B. hören statt fürchten; mächtig statt furchtbar; allmächtig statt furchtgebietend usw. Und das dürfen wir trotz der Wahrnehmung unserer Verantwortung und Erfüllung unserer täglichen Aufgaben.
Die Wahrnehmung unserer Verantwortung wird ja gerade darin sichtbar, dass wir nicht mehr die Wege der drei christlichen Gott-Personen oder irgendwelcher anderer Götter gehen. Durch das prophetische Wort sind wir vom Götzendienst frei gemacht worden. Wir verurteilen keinen Menschen, der einen TaNaCH (“AT”) besitzt, darin liest und daraus zitiert, trotzdem aber, nach wie vor, davon überzeugt ist, dass Götzendienst kein Götzendienst ist. Nun ja, unser Rausschmiss oder Austritt aus dem Dienst der drei Gott-Personen provoziert natürlich.
Heute lässt man uns trotzdem leben. Fast 2 Jahrtausende lang war das nicht so. Es war Praxis der Christen bis ins 18., in gewissen Gebieten bis ins 20. Jahrhundert hinein, Menschen, die sich von den drei Gott-Personen lossagten, also von den drei Gottheiten und ihren Dienern befreiten, zu ermorden. Das taten sie damals in der vollen Überzeugung dessen was Paulus und Johannes lehren: “Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten (hineinführen); denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen” (Joh 16,13). (vgl. Gim 248).

Also galt die Ermordung der “Abtrünnigen” von der Lehre der drei Gottheiten her als Botschaft, als Wille und Weg der Verherrlichung Jesu Christi: “Er wird mich verherrlichen”. Krass, nicht wahr! Verfolgung, Diskriminierung, Mobbing und Ähnliches ist in Westeuropa zwar immer noch möglich, aber vieles hat sich, und das möchte ich immer wieder hervorheben, durch die beharrliche Treue vieler Juden zu JaHuWaH, dem El Eljon als Recht in den europäischen Verfassungen niedergeschlagen. Das war nicht immer so. Einige von uns haben die Willkür der gesetzlosen Frommen noch erlebt.
Das war vor wenigen Jahrzehnten auch bei uns noch so. Darum möchte ich bewusst hervorheben: Ich bin jeden Tag dankbar und freue mich, dass wir heute in aller Ruhe und Gelassenheit in JaHuWaH leben dürfen (gemäss 5Mo 10,12; Mi 6,8 u. a. m.). Der Glaube, das Vertrauen der Propheten war allein in JaHuWaH gegründet - unerschütterlich, wie bei Abraham.

Von diesem unerschütterlichen Vertrauen waren die israelitisch-jüdischen Priester und Leviten nicht erfasst. Wohl gab es auch Priester und Leviten, die wie die Propheten JaHuWaH vertrauten, sie aber hatten keinen leichten Stand. Ihre Argumente wurden niedergeschrien, meistens verstummten sie, passten sich an, denn der Druck innerhalb der Priesterschaft wurde ihnen unerträglich.
Die Auseinandersetzung zwischen Propheten und Priestern eskalierte offenbar am Sinai. Sie ist uns als Auseinandersetzung mit bitteren Folgen in 2Mo 32, 1–29 berichtet. Der eigentlich Schuldige an dieser Katastrophe ist der erste Hohepriester Aaron aus dem Stamm Levi mit Erbrecht. Er ist der Begründer des Priestertums. Wie uns die späteren Schreiber aus dem Kreise der Priester überliefern, ist Aaron nicht von Mose, sondern von JaHuWaH selbst zum Priester mit Erbrecht erwählt worden (vgl. 2Mo 281ff), aber angeblich von Mose eingesetzt worden.
Die Schreiber (Endredakteure) wollen beiden Autoritäten gerecht werden (Propheten und Priestern), darum finden wir im TaNaCH diese Vermischungen beider Traditionen. Niemals hätte JaHuWaH, der El Eljon, der Höchste den heidnischen Priesterdienst unter seinem Namen gebilligt. Das gesamtprophetische Wort widerspricht dieser Art der Vermischung von Prophetenwort und Priesterkult. Das erklärt uns auch, warum Aaron als der Hauptschuldige am Sinai, nach der Opposition gegen Mose im Bericht der Priester ungestraft bleibt, während viele aus dem Volke grausam sterben müssen. Aaron war zu jener Zeit bereits ein einflussreicher Priester.
In Hazerot (4Mo 11,35; 33,15-18), der zweiten Station nach dem Aufbruch der Israeliten vom Sinai, wird die tiefe Auseinandersetzung der Priester mit dem Propheten Mose zu einem schier unlösbarem Problem. “Als sie in Hazerot waren, redeten Mirjam und Aaron gegen Mose….” (4Mo 12,1). Die Endredaktion der 5 Bücher Mose wurde ziemlich sicher nach der babylonischen Katastrophe vom Priester Esra vorgenommen. Das belegt uns vor allem das 5. Buch Mose. Esra war persischer Beamter, Priester und Nachkomme des ersten Hohepriesters Aaron.
Jedenfalls bestätigt uns der überarbeitete Bericht über das Geschehen am Sinai, dass die einflussreiche Priesterschaft (Esra u. a.) den Dienst der Priesterschaft, konkret den Dienst Aarons, nicht in ein schlechtes Licht stellen wollte. Die damaligen Ereignisse am Sinai gehörten zu den zentralen Erfahrungen die alle betrafen, sowohl jene auf der Seite der Priester als auch jene die auf die Propheten hörten. Sie wurden zuerst mündlich von einem Jahrhundert ins nächste kolportiert.
Aaron gehörte bereits zur einflussreichen Priesterkaste, während der Prophet Mose, der hart durchgegriffen hatte, wegen Versagens nicht in das gelobte Land eingehen durfte. Das ist ein priesterlicher Bericht.

Wo liegen die Wurzeln dieser folgenschweren Diskrepanz zwischen den Propheten, die JaHuWaH folgten und den Priestern, die sich im Laufe der Geschichte immer deutlicher dem Heidentum anpassten und daraus extremste Gesetze erliessen, die das Judentum auch heute wieder, in unseren Tagen, ins Chaos zu stürzen drohen?
Ganz einfach sei zuerst gesagt, dass es sich um die Frage des Vertrauens handelt. Vertraue ich JaHuWaH oder vertraue ich JaHuWaH und…. oder vertraue ich in Wirklichkeit überhaupt nicht auf JaHuWaH - ich gebe zwar vor, JaHuWaH zu vertrauen, tue es aber nur dem äusseren Schein nach, weil ich nun mal in eine solche Gemeinschaft hineingeboren worden bin, und es alle so halten. Dann habe ich zumindest nichts zu befürchten, denn ich tue, was alle anderen auch tun. Der äussere Schein ist vor den Menschen gewahrt, ich kann in Ruhe und Frieden leben.

Das ist eine Haltung, die von den Propheten JaHuWaHs durch alle Jahrhunderte (Jahrtausende) hindurch, sogar mit dem Einsatz ihres Lebens, bekämpft worden ist. Diese Überzeugung durchzieht den ganzen TaNaCH. Sie wussten klar und deutlich, dass nur eine solche Einstellung, wie sie JaHuWaH vermittelt, eine menschliche Gemeinschaft gesund und glücklich erhalten kann. Darum das Zeugnis: “Glücklich das Volk, dessen ‘Gott’ (Elohim) JaHuWaH ist!” (Ps 114, 15b).
Nun aber kann ein Volk JaHuWaH seinen Gott nennen und so tun, als gehörte es zu JaHuWaH, aber sein religiöser Kult und seine Taten sprechen völlig dagegen. D. h. die Forderungen JaHuWaHs werden durch äusserst strenge Vorstellungen und religiöse Regeln ersetzt, die so kaum oder nicht zu erfüllen sind, es sei denn, der Mensch wird zu einem perfekten Heuchler oder frommen Schauspieler vor JaHuWaH, dem El Eljon, dem Höchsten umfunktioniert. Wird einem Menschen in diesem Zustand das Wort des Propheten zugesprochen: “Glücklich das Volk, dessen Gotts (Elohim) JaHuWaH ist!” (Ps 114, 15b), so ist das ein böser Missbrauch des prophetischen Wortes.
Ein Mensch betrügt (aus Unkenntnis über die Bedeutung und Wirkung des prophetischen Wortes) seinen Mitmenschen. Er betrügt nicht nur sich selbst, sondern auch den Mitmenschen, der einer religiösen Autorität vertraut, die ihm solches sagt. Aus Unkenntnis bringen sich beide um viel Segen, der eigentlich für sie bereit stünde.
Der Rabbi, Priester oder Prediger hat einen solchen Menschen betrogen, irregeführt. Das beabsichtigen diese religiösen Autoritäten zwar nicht, aber sie tun es in ihrer Unwissenheit doch. Wiederum: ohne das beabsichtigt zu haben, haben sie einem solchen Menschen beigebracht, wie man sich vor JaHuWaH im Glauben verstellen kann, ohne dass JaHuWaH das angeblich merkt, weil alles so voller Hingabe geschieht. Die Hingabe gilt aber nicht JaHuWaH, dem El Eljon, dem Höchsten und SEINEN gesunden Lebensweisungen, sondern den Priestern, ihren Gottesvorstellungen und Vorschriften, ganz einfach dem Erhalt ihres religiösen Systems.

Manche Menschen können nicht leben, ohne in einem religiösen System eingebunden zu sein. Das gibt ihnen eine menschlich-soziale Beheimatung und Sicherheit. Ohne dieses religiöse System sind sie wie heimatlos.
Je tiefer wir in JaHuWaH eingewurzelt werden oder uns einwurzeln lassen, desto unabhängiger werden wir, desto mündiger und freier werden wir im Alltagsleben. Wo das nicht klappen will, gibt uns der TaNaCH eine ganz simple Anweisung, den besten Hinweis.
Wir haben bereits im Gim 659 darüber geschrieben: “Lernt Gutes tun, fragt nach dem Recht” (Jes 1,17). Heute aber möchte ich nur den ersten Schritt auf dem Weg zur Mündigkeit in JaHuWaH zitieren, und zwar aus Jes 1,17: “Lernt Gutes tun” (Jes 1,17), ohne auf ein Echo der Dankbarkeit zu warten. JaHuWaH wird antworten. Frag dich doch: Wo könnte ich heute (oder Morgen) konkret Gutes tun? Du wirst sehen und erfahren, wie viel Segen daraus hervorgehen wird. Das ist ein Experiment, das wir nicht ungenutzt lassen sollten.

Allen wünsche ich Menschen, die ihnen als Menschen etwas Gutes tun. Wir sind dran und bleiben dran.

Herzliche Grüsse und gesegnete Tage, Shabbat Shalom!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 21. Juli 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.