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Messias

Glaubensimpuls 658 von Gregor Dalliard

Der Messias, wer ist er und wann kommt er? Fragen, die fast alle Menschen beschäftigen, die sich mit dem Glauben Abrahams, dem TaNaCH (“AT”) oder dem Neuen Testament beschäftigen. Wer oder was ist mit Messias gemeint? Für viele ist die Antwort sonnenklar. Für die Getauften ist das der von Paulus entjudaisierte Jude Jahushua von Nazareth (vgl. 2.Kor 5,16), den er zur obersten griechisch-römischen Gottheit verwandelt hatte (vgl. Röm 1, 3-6). Gemäss ihrer Schriften (NT) kann das gar nicht anders sein. Sie sind sich dabei aber nicht bewusst, dass sie hier Opfer einer missbräuchlichen Auslegung der israelitisch-jüdischen prophetischen Schriften des TaNaCHs (des “ATs”) sind, und zwar schlimmsten und folgenschwersten Ausmasses.
Wir erinnern uns: Paulus hatte den überzeugten und eifrigen Juden Jahushua von Nazareth entjudaisiert, indem er ihn in eine auferstandene heidnische Gottheit namens Jesus Christus umdeutete und ihn fälschlicherweise als den von den israelitisch-jüdischen Propheten angesagten Messias (besser: angesagte messianische Zeit) verkündete und lehrte. Dabei predigte er überall seine gleich bevorstehende Wiederkunft, die gleichzeitig alle nicht getauften Menschen mit einem harten Höllengericht bestrafen und verdammen würde, vor allem die Juden, die seine Irrtümer aufdeckten und ihm erfolgreich widerstanden.

Dieses hartnäckig den prophetischen Schriften des TaNaCHs (des “ATs”) widersprechende “Evangelium” des Paulus beängstigte einerseits Massen von Menschen im ganzen römischen Reich, vielmehr aber gab es diesen Massen eine Hoffnung, eine neue Hoffnung. Warum das?
In der Antike und im Altertum ging es den meisten Menschen sehr schlecht. Krankheiten, Epidemien, Naturkatastrophen, Erdbeben, Hungersnöte und Kriege waren an der Tagesordnung. Die schlimmste aller Hoffnungslosigkeiten existierte im Sklavendasein. Ganze Familien, ja die Bewohner ganzer Dörfer und Städte waren der Willkür und Gewalt gewisser Herren ausgeliefert. Für die grosse Masse von Menschen gab es keine Rechte, keine Gerechtigkeit, tagein, tagaus nur harte Sklavenarbeit. Ihr Leben war das Leben von Ausgebeuteten, ohne jeden Schutz, ohne jeden Sinn, ohne eine Hoffnung auf Veränderung. Zahllose Menschen, vor allem Witwen und Waisen, litten unter einem ständigem Missbrauch, unter einer himmelschreienden Rechtlosigkeit; es herrschte die reinste Willkür und Verzweiflung.
Das war der allerbeste Nährboden für eine solche neue heidnische Lehre, eben für das “Evangelium” des Paulus. Welcher ausgebeutete, verzweifelte Mensch, wollte einen solchen Messias, den Paulus im ganzen römischen Reich predigte, nicht willkommen heissen, sich auf ihn taufen lassen und zu ihm gehören, ihm befreit angehören und sogar sein Leben im Martyrium für ihn geben? Paulus wusste diese Not auszunutzen, indem er den Menschen nach dem Tod ein neues Leben, ein Weiterleben in absoluter Sorglosigkeit, Freiheit, Herrlichkeit und Herrschaft mit dem Gott Jesus Christus predigte. Ein solches “Evangelium” musste über die Volksmassen seinen Siegeszug antreten und das trotz der grausamen Verfolgungen in seinen ersten Jahren seiner Verkündigung durch die römischen Herrscher.
Ungeachtet der Tatsache dessen, dass diese Gottheit Jesus Christus zur angesagten Zeit nicht gekommen war, wurde dieses “Evangelium”, dieser Irrsinn, in aller Hartnäckigkeit weiter gepredigt, selbst als die Wiederkunft zur angesagten Zeit ausblieb. Aber es gelang den führenden Getauften durch den Aufbau eines ausgeklügelten klerikalen Systems mit immer strenger werdenden religiösen und weltlichen Gesetzten, in den Köpfen der Menschen ein Umdenken zu bewirken.
So erreichte dieses “Messias-Evangelium” des Paulus, voll gespickt mit Judenhass und allen möglichen frommen Erpressungen und Drohungen (Hölle) im 4./5. Jahrhundert sein angestrebtes Ziel in der Macht und der Herrschaft des Papsttums. Der Bischof von Rom erhob sich zum sichtbaren Christus auf Erden, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist. Als der sichtbare Christus auf Erden repräsentierte er sich als die Verwirklichung des wiedergekommenen “Christus-Messias”. Als Vicarius Christi riss er schliesslich die weltliche Macht im römischen Reich an sich und übertrug sich selbst den Titel “Pontifex Maximus” der römischen Kaiser (Pontifex Maximus = der oberste Wächter des altrömischen Götterkults). Der Papst in Rom ist nicht nur das einende Symbol aller Getauften, er ist vielmehr der Inbegriff dessen, was die Taufe ist und was sie unter Umständen bewirken kann. Also: Hände weg vom Irrsinn dieser äusserst folgenschweren christlichen Messias-Ideologie. Die Geschichte widerspricht sich nicht!

Was wir unbedingt hervorheben müssen: Die Beziehung zu “Gott”, dem Elohim JaHuWaH, dem El Eljon, dem Höchsten, wie sie uns von den israelitisch-jüdischen Propheten vermittelt wird, steht ausserhalb jeder Religion. Ein Grossteil des Judentums ist in seinem Denken und aus seiner Glaubenspraxis heraus als Religion zu bewerten, genau so, wie die andern beiden Welt-Religionen, die christliche und islamische. Warum?
Es geht ihnen nicht in erster Linie um die gelebte Beziehung in und aus JaHuWaH und einem Leben im Umgang mit den Mitmenschen. Das aber ist das entscheidende Kriterium der israelitisch-jüdischen Propheten, das aufzeigt, ob jemand einer Religion oder “Gott”, dem Elohim JaHuWaH, dem El Eljon, dem Höchsten und damit keiner Religion angehört.
Eine gelebte Beziehung zu dem “Gott” JaHuWaH, und den Mitmenschen ist ihnen weniger wichtig als die Zugehörigkeit zu einer religiösen Tradition, einer religiösen Organisation oder das Hören auf eine religiöse Autorität. Ebenso ist ihnen das Einhalten der Lehren und das ständige Erfüllen der Rituale wichtiger, als das Hören auf das zusammen hängende prophetische Wort. Damit gehören sie in den Bereich einer Religion und das ist sehr gefährlich. In diesem religiösen Denken erwarten sie einen Messias, der mit grosser Autorität und Macht, mit Gericht und Herrlichkeit vor allen Menschen dieser Welt ihre (eigene) Religion, ihr System sichtbar machen wird.

Ich möchte hier noch einmal daran erinnern, dass selbst weite Kreise des Judentums im Laufe der Jahrtausende diesem Irrsinn verfallen sind. Dementsprechend erwarten sie ihren Messias, der aber genau so wenig kommen wird, wie derjenige der Getauften, Jesus Christus, und wie derjenige der Moslems, der Mahdi, ein Nachkomme Mohammeds.

Für das traditionelle Christentum, die traditionellen Kirchen, ist der Messias Jesus Christus im (klerikalen) System (in der Hierarchie) der jeweiligen Kirche erschienen und präsent. Die sogenannten “freien” Christen, Kirchen und Gemeinschaften, die sich von den traditionellen Grosskirchen gelöst haben, erwarten jeden Tag einen Messias Jesus Christus in Menschengestalt.
Diese Menschen haben irgendwann den folgenschweren religiösen Widerspruch und Leerlauf der traditionellen kirchlichen Institutionen bemerkt und darauf reagiert. Sie entdeckten das Neue Testament mit seinen Inhalten ganz neu. Sie meinten, darin die Wahrheit und die Lösung zu finden. Davon waren und sind sie aufrichtig und felsenfest überzeugt. In ihrer Aufbruchstimmung haben sie nicht weiter und tiefer nach den Quellen des prophetischen Wortes gefragt und gesucht. Sie sind in der paulinisch-kirchlichen Theologie/Ersatztheologie stecken geblieben (siehe vor allem die Briefe des Paulus). In ihrem Wesen sind sie katholisch geblieben. Darum sind sie besessen von der bevorstehenden Ankunft ihres Messias.

Zu ihnen gehörte auch ich einige Jahrzehnte lang, und das voller Begeisterung und Hingabe, nachdem ich aus der katholischen Kirche rausgeschmissen worden war. Aber, wie schon oft gesagt, haben uns die Quellen des prophetischen Wortes aus diesen verheerenden religiösen Utopien herausgeführt.
Wenn in Zukunft jemals ein Mensch als Messias (Gott-Mensch) auftreten sollte, dann wird es ein gnadenloser, grausamer Herrscher sein. Halten wir uns an die Worte des Jahushua von Nazareth. Er hielt sich an die Worte der Propheten JaHuWaHs, die uns die Quellen des Lebens erschliessen:
“Jahushua antwortete ihm: Das erste ist: ‘Höre, Israel: JaHuWaH, unser Elohim, ist ein EINZIGER (der EINZIG EINE, nicht dreieinig); und du sollst JaHuWaH, deinen Elohim, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!’ Das zweite ist dies: ‘Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (er ist wie du)!’ Grösser als diese ist keine andere Weisung (Gebot). Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist EINER (nicht drei), und es ist kein anderer ausser ihm; und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben, denn er ist wie ich, ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer”. (als alle Traditionen, Rituale, Lehrer und ihre Lehren). Den Nächsten zu lieben, d. h. ihm all das zu wünschen, was ich mir selber wünsche und das zu tun, was ich mir selber Gutes tue, das ist nicht so einfach und wird immer eine Herausforderung bleiben, aber es ist möglich und macht glücklich! Darauf liegt ein aussergewöhnlicher Segen.
Wer das tut, der liebt “Gott”, den Elohim JaHuWaH, den El Eljon, den Höchsten. Ein solcher Mensch lebt bereits mitten im Herzen JaHuWaHs. Mehr kann es nicht geben.
Darüber freue ich mich mit euch allen und grüsse alle herzlich. Shabbat Shalom.

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 16. Juni 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.