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Schärft die Auseinandersetzung mit Widersprüchen im NT unseren Verstand und unser Vertrauen zu JaHuWaH? Teil 2

Glaubensimpuls 621 von Gregor Dalliard

Wo liegt denn der Unterschied zwischen den christlichen Führern und den israelitisch-jüdischen Propheten? Die christlichen Führer berufen sich alle auf den Geist der Wahrheit (Joh 16,13 und Apg 2). Er ist die dritte Gott-Person ihrer drei Gott-Personen, die sie anbeten. Sie begründen ihre Lehren auf die Führung dieser Gott-Person, die sie im NT als Geist der Wahrheit bezeichnen (vgl. Gim 520). Die Propheten sagen: “So spricht JaHuWaH”.
Wie können wir den Unterschied erkennen zwischen dem, was die christlichen Führer von der Führung durch den Heiligen Geist, d. h. den Geist der Wahrheit sagen und dem, was die Propheten im Namen des JaHuWaH sagen?
Wir halten an folgenden Grundprinzipien fest: Es sind immer Menschen, die über JaHuWaH oder irgendeinen Gott etwas Grundsätzliches aussagen.
Merken wir uns Folgendes: Sprechen diese Redenden von Dingen, die dem einzelnen Menschen helfen, in seinem Glaubensleben mündig zu werden, seinen Glauben unabhängig von Priestern und Predigern zu leben, tragen sie zur Wahrnehmung der Eigenverantwortung bei, fördern sie Recht und Gerechtigkeit, führen sie zum Wohlergehen aller Mitmenschen bei, dann sind sie immer aus dem Geist JaHuWaHs. Damit gilt der Ausspruch als von JaHuWaH gesprochen. Diese Wesensmerkmale JaHuWaHs vertreten die israelitisch-jüdischen Propheten durchgehend im TaNaCH. Das ist der Wille unseres Schöpfers JaHuWaH. Diesen Willen JaHuWaHs hat auch Jahushua von Nazareth in seiner kurzen Lebenszeit mit voller Hingabe ausgelebt und verteidigt.

Fordern die religiösen Führer hingegen die absolute Unterwerfung unter ihre Lehren, ohne Rückfragen stellen zu dürfen, fordern sie die Erfüllung von religiösen Ritualen und drohen mit der Hölle (vgl. Gal 1,7-8), wenn sich ein Mensch ihren Vorgaben nicht blind unterwirft, dann dürfen wir sicher gehen, dass es sich hier um Götzen und Götter von Menschen handelt, deren Vertreter (Priester, Prediger) sich als Sprachrohr des Geistes der Wahrheit ausgeben.

Wie uns der TaNaCH aufzeigt, hat JaHuWaH noch nie mit einem Menschen von Angesicht zu Angesicht gesprochen, so wie zwei Menschen von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen, miteinander reden.
Wenn aber solches im TaNaCH geschrieben steht, dann sind es immer bildliche Ausdrucksformen, mit denen die Propheten die absolute Wichtigkeit dessen hervorhoben, zu was sie sich absolut gedrängt wussten, vor allem dann, wenn die oben genannten Schätze des Lebens zu erodieren drohten. Das ist die eine Tatsache. Die andere besagt, dass nie jemand JaHuWaH gesehen hat, so wie zwei Menschen sich von Angesicht zu Angesicht sehen. Zusammengefasst besagt dieses Zeugnis: Das Kennzeichen JaHuWaHs, des El Eljon ist: Wir können IHN nicht fassen und auch nicht beschreiben, aber wir können IHM vertrauen und das Rechte tun. Diese Fähigkeiten sind in uns angelegt. Das ist das durchgehende Zeugnis der israelitisch-jüdischen Propheten.

Was hingegen ist das Kennzeichen von Göttern und Gottheiten? Götter und Gottheiten sind das Werk von menschlichen Phantasien. Warum? Weil sie, im Unterschied zu JaHuWaH, genau beschrieben werden können und entsprechend beschrieben werden. Sie können gesehen, gehört und betastet werden. Sie lassen sich sogar darstellen und herumtragen. Ihre Beschreibung und ihre Forderungen dürfen nicht hinterfragt und überprüft werden. Das verbieten ihre Vertreter. Ihren Forderungen muss um jeden Preis entsprochen werden. Selbst die Vertreter dieser Götter/Gottheiten dürfen von den Gläubigen auf keinen Fall hinterfragt und überprüft werden. Ihnen darf nichts entgegengesetzt werden. Im Unterschied zu JaHuWaH entmündigen sie den Menschen. Sie berauben ihn seiner Würde. Wie tun sie das?
Die erste Aufgabe der Götter und Gottheiten ist es, den Menschen die Gabe JaHuWaHs, die ihn zur Bildlichkeit JaHuWaHs macht, nämlich den Verstand zu nehmen, den Verstand auszuschalten. Damit wird dem Mensch der Same des Vertrauens auf JaHuWaH, der im Verstand angelegt ist, geraubt.
Das ist der Grund, warum es unter den Getauften in Glaubenssachen den Geist der Wahrheit gar nicht geben kann. Der Geist der Wahrheit existiert nur in ihrer Phantasie. Darum ist es so, wie ich im letzten Gim 620 sagte: “Also ist bei den Getauften ein Geist der Wahrheit gegen den anderen Geist der Wahrheit und wieder ein anderer Geist der Wahrheit gegen einen anderen Geist der Wahrheit. Das müsste allen zu denken geben. Hier ist unser Verstand gefragt, der JaHuWaH sucht”.

Der Geist JaHuWaHs hingegen verpflichtet und befähigt uns zu besonderen Schritten in unserem Glaubensleben. Gemäss unsere Ebenbildlichkeit mit JaHuWaH sollen wir lernen, alles das, was uns Menschen zu glauben vorgeben, was uns als “Wahrheit” gesagt und gelehrt wird, mit unserem Verstand und der Gabe des Vertrauens zu überprüfen und zu hinterfragen - und zwar gründlich. Das im Lichte JaHuWaHs, unseres Schöpfers. Verstand und Vertrauen, beides sind Gaben JaHuWaHs.
Genau das aber haben uns die religiösen Führer von Kindesbeinen an zu tun verboten. Besässen sie den Geist der Wahrheit, den Geist JaHuWaHs, dann hätten sie uns mit grosser Freude und Ernsthaftigkeit beigebracht, alle Glaubenslehren, die an uns herangetragen werden, zu überprüfen und wie wir dabei vorgehen müssen. Irgendwann haben wir uns als Kinder unserem religiösen Umfeld gebeugt und diese Gabe JaHuWaHs, die in jedem Menschen grundgelegt ist, nicht mehr genutzt. Sie konnte sich nicht entfalten. Die Nutzung dieser Gabe wurde und wird in diesen Kreisen als schwere Sünde taxiert. Sie ist abgemurkst worden. Damit sind wir geistlich vergewaltigt worden und verarmt.
Natürlich sagen viele: “Aber die Eltern und die religiösen Erzieher haben es doch gut gemeint. Sie wollten uns vor den Einflüssen der Sekten schützen….”. Das Christentum ist aber die grösste Sekte, da es die Ersatztheologie lehrt.

Wir lesen im TaNaCH immer wieder, dass Gläubige der israelitisch-jüdischen Gemeinde JaHuWaH suchten. Gläubige suchen JaHuWaH? Muss denn ein Gläubiger JaHuWaH suchen? Es geht hier nicht um die Suche nach dem richtigen Verhalten in einer schwierigen Alltagssituation.
Im Kontext geht es viel mehr um die Frage: wie kann in der Gemeinde Israel die Beziehung zu JaHuWaH gefördert und vertieft werden. Und zwar so, dass der Betreffende sagen kann: “So spricht JaHuWaH”. Was an Lehren, Praktiken und religiösen Traditionen hindert in der Gemeinde die Beziehung zu JaHuWaH? Damit sind wir wieder beim Konflikt der Sadduzäer und Pharisäer angekommen, bzw. der Priester und Propheten. Die meisten Sadduzäer (Priester) liessen keine Diskussionen zu, die Pharisäer hingegen, aus deren Kreise die meisten Propheten hervortraten, waren den ganzen Tag auf der Suche nach dem Willen JaHuWaHs, nach dem, was den einzelnen Menschen JaHuWaH und den Mitmenschen näher bringt. Zum inneren Frieden mit JaHuWaH und mit sich selbst gehört hinterfragen und gemeinsam mit anderen Menschen nach den Wegen des Lebens suchen. Das war, ist und wird immer dem Willen JaHuWaHs entsprechen.
Wann immer möglich, sollte das im ständigen Austausch mit anderen Menschen geschehen, die ebenfalls offen und bereitwillig JaHuWaH suchen. Der Geist JaHuWaHs lässt uns dabei nicht im Stich: “Glücklich sind, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen” (Ps 119,2).

Nochmals: “Sucht JaHuWaH und lebt” (Amos 5,6). “Eine Leuchte für meinen Fuss ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad” (Ps 119,105).
In dieser Freude grüsse ich alle herzlich und wünsche allen ebenso herzlich einen Shabbat Shalom.

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 21. Juli 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.