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Den TaNaCH ("AT") studieren: "So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen" (Jer 6,16). Teil 2

Glaubensimpuls 591 von Gregor Dalliard

Den TaNaCH (“AT”) studieren, um die Ruhe für unsere Seelen zu finden? Das war ja für uns etwas völlig Neues, denn bisher glaubten wir es andersrum. Als Christen sollten wir den TaNaCH nicht studieren, und wenn wir es dennoch täten, dann sollten wir uns streng und konsequent die traditionellen kirchlichen, bzw. christlichen Auslegungen halten, damit wir die “Ruhe” in der Gottheit Jesus Christus und den Himmel nicht verlieren würden.
Was sollte der TaNaCH? Der war doch mit der Geburt der angeblichen Gottheit Jesus Christus in Bethlehem erfüllt und damit überholt. Der angeblich von den Propheten verheissene Retter der Welt, die Gottheit Jesus Christus, war nun da. Zudem sprach die Verfluchung der Juden durch Paulus Klartext (Gal 1,8-9; 1Kor 16,22; 2Thess 1,4-10; Mk 16,16 u. a. m.). Ebenso die daraus erwachsene Absicht der Getauften die Juden als Mörder ihres Gottes auszurotten (vgl. Neues Testament und die Vielzahl verbindlicher christlicher Dokumente).
Wir waren überzeugt davon, dass die Juden für ihren Unglauben, die Ablehnung des christlichen Gottes Jesus Christus als Messias, Retter und Erlöser der Welt, die von Gott (Theos, Deus) gerechte Strafe empfangen. Die Worte Jirmejahus in Jer 6,16 konnten nur Schnee von gestern sein. Konnte unser christlicher Glaube besser und einsichtiger verfasst sein? Das schien uns bis zu jener Zeit klar zu sein. Nicht einmal im Traum hätten wir daran gezweifelt.
Das war unser Glaube nach dem “Evangelium” des Paulus, auf dem später die “Evangelien” aufgebaut worden sind. Wir wurden über das “Evangelium” des Paulus und der Kirche folgendermassen gelehrt: “Denn das Endziel des Gesetzes (der prophetischen Worte, der Weisungen JaHuWaHs) ist Christus, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit” (Röm 10,4).
Was damit gemeint ist übersetzt die “Gute Nachricht” (Bibel 2018) ganz konkret: “Denn seit Christus ist das Gesetz (Thora, m. a. W. JaHuWaH, der El Eljon, SEINE Weisung, das Vertrauen auf IHN als Rechtfertigung vor JaHuWaH) nicht mehr der Weg zum Heil. Vielmehr gilt jetzt: Alle, die der (Gottheit Jesus) Christus vertrauen, werden vor dem Gericht Gottes (Theos, Deus) als gerecht anerkannt werden” (Röm 10,4, vgl. Mk 16,16). Von nun sollte also nicht mehr allein die Gnade JaHuWaHs das Heil bewirken, die im Vertrauen auf JaHuWaH wirksam ist und den Menschen im Hören und Befolgen der Weisungen JaHuWaHs verändert, wie Abraham verheissen wurde (vgl. 1Mo 15,6).
Ab jetzt schaffen mindestens drei Werke die Gerechtigkeit vor Gott (Theos, Deus, nicht Elohim JaHuWaH!), das Heil eines Menschen: Erstens ist es der Glaube an das Werk der Römer (der römische Vollzug der Hinrichtung durch den Statthalter des Kaisers = Pontifex Maximus), zweitens ist es der Glaube an das Werk des qualvoll hingerichteten Blutopfers, des Juden Jahushua von Nazareth, der sein Leben für das Recht und die Gerechtigkeit JaHuWaHs eingesetzt hatte und drittens ist es der Glaube an das Werk der Taufe, etwas das fast alle heidnischen Religionen lehren und praktizieren, z. B. die rituellen Waschungen der Hindus im Ganges.
Dazu braucht es JaHuWaH und seine Weisungen definitiv nicht mehr, obwohl das uralte Zeugnis über die Gnade JaHuWaHs weder von JaHuWaH selbst noch von einem der Propheten, noch von Jahushua von Nazareth jemals ersetzt oder aufgehoben worden ist: “Wendet euch zu mir und lasst euch retten, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Elohim und keiner sonst” (Jes 45,22). “Gedenkt des Früheren von der Urzeit her, dass ich Elohim bin! Es gibt keinen sonst, keinen Elohim gleich mir” (Jes 46,9). “Und ihr seid meine Zeugen: Gibt es einen Elohim ausser mir? Es gibt keinen Fels, ich kenne keinen” (Jes 44,8). “Denn wer ist Elohim (Erlöser) ausser JaHuWaH? Und wer ist ein Fels als nur unser Elohim (Erlöser)? Elohim umgürtet mich mit Kraft und vollkommen macht er meinen Weg. Das hat nichts mit Verfehlungen zu tun, die wir immer wieder begehen. SEINE Gnade macht meinen Weg vollkommen. “JaHuWaH lebt! Gepriesen sei mein Fels und erhoben der Elohim (Erlöser) meines Heils” (Ps 18,47). Das Vertrauen auf JaHuWaH würde nach der Lehre des Paulus auch gar keinen Sinn mehr machen.

Im TaNaCH aber sprechen sämtliche Prophezeiungen von der Zukunft Israels und der Zukunft der Völker dieser Erde unter der Führung JaHuWaHs. Ein Beispiel, das die Zukunft Israels betrifft: “In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: ‘JaHuWaH, unsere Gerechtigkeit’” (Jer 23,6).
Ein Beispiel, das die Zukunft der Nationen, bzw. der Völker betrifft: “Und es wird geschehen am Ende der Tage (damit ist nicht das Ende der Welt gemeint, sondern das Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen unter den Völkern und gegen die Juden), da wird der Berg des Hauses JaHuWaHs fest stehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel. Und alle Nationen werden zu ihm (JaHuWaH) strömen” (Jes 2,2). Damit ist nicht der Tempel oder die Stadt Jerushalajim gemeint, sondern die Weisungen JaHuWaHs, die alle Nationen erreicht haben werden und von vielen oder allen beherzigt werden. (Jes 2,2). “Und alle Nationen werden zu ihm strömen” heisst nichts anderes als dass alle Nationen die Weisungen JaHuWaHs beherzigen werden, egal wo sie leben. (Vergleiche dazu Jes 2,3-4 und Jer 31,31-34).

Die Propheten sprechen vom zukünftigen Frieden des auserwählten Volkes innerhalb der Grenzen seines angestammten Landes und sie sprechen vom Völkerfrieden, der aus dem Geist der Weisungen JaHuWaHs erwachsen wird. Der TaNaCH spricht durchgehend und eindeutig von der kommenden Rettung Israels und der Schaffung des Friedensreiches in, aus und mit JaHuWaH. Darum heisst es: “Und er (JaHuWaH) wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen für viele Völker” (Jes 2,4). Mit “er” ist immer JaHuWaH gemeint und SEINE Zeugen, d. h. jene Menschen, die SEINE Weisungen und SEIN RECHT in die Welt hinaustragen. Damit ist eindeutig keine Gottheit Jesus Christus oder sonst jemand (z. B. Kirche oder Freikirche) gemeint. “Auf mich (JaHuWaH) hoffen die Inseln, und auf meinen Arm warten sie” (Jes 51,5). Sie warten auf die Weisungen und das Recht JaHuWaHs). Dasselbe ist über Jer 31,31-34 zu sagen.
Das ist aus dem gesamten prophetischen Zusammenhang unbedingt zu erkennen und festzuhalten, wollen wir uns nicht gegen JaHuWaH den El Eljon und gegen sein zielsicheres Friedensreich stellen.

Die israelitisch-jüdischen Propheten und Schreiber haben ihre Worte und Botschaften in zahllosen Metaphern, Parabeln, Gleichnissen, Bildern und symbolischen Darstellungen vermittelt. Nach der griechischen Denkart, in der wir als Christen (als ehemalige Christen) erzogen und geprägt worden sind, und mit der wir den TaNaCH lesen, kann die Art der Vermittlung JaHuWaHs und SEINER Weisungen durch die Propheten nicht verstanden und nachvollzogen werden. Das wird gerade in den Paulusbriefen, den ältesten uns erhaltenen Schriften des Urchristentums eindeutig bestätigt und sichtbar. Darauf sind sämtliche Lehren des Christentums über die Erlösung des Menschen und den verbindlichen Glauben aufgebaut worden.

Wir erinnern uns: Die Hafenstadt Tarsus in Kleinasien war hellenistisch geprägt (griechische Philosophie und Gotteslehre). Paulus war griechisch sprechender Jude, hin- und hergerissen zwischen Judentum und der griechischen Philosophie, der Logoslehre. Er kannte den TaNaCH (“AT”) wohl nur in der griechischen Fassung. Als junger Mann und römischer Bürger war er sicher in unzähligen Gesprächen verwickelt, denn Tarsus war eine weltoffene hellenistisch geprägte Stadt. Irgendwann war er Eiferer für eine sehr strenge jüdische Richtung, dann aber warf er seine Überzeugung definitiv über Bord und er wurde Hellenist. Aus seinen uns bekannten Briefen im Neuen Testament zeigt sich eindeutig, dass er als Jude die Thora und die Propheten nur äusserlich kannte. Er konnte sie in ihrem tiefen Zusammenhang nie ergründen und fassen. Es könnte auch sein, dass sie ihm nie gründlich genug in ihrer Tiefe und in ihrem Zusammenhang vermittelt worden sind, obwohl er sich auf grosse Lehrer Judäas beruft, wie Gamaliel, was aber nicht stimmen kann (vgl. Apg 22,3).

Wie gesagt, den Schlüssel zu dieser Unterscheidung und damit zu diesem Schatz gab uns unter anderem der Prophet Jirmejahu (Jeremia) in die Hand: “So spricht JaHuWaH: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Jer 6,16). Ebenso Jeshajahu in Jes 46,9: “Gedenkt des Früheren von der Urzeit her (Melchisedek, Abraham usw.), dass ich Elohim (Fels, Erlöser) bin! Es gibt keinen sonst, keinen Elohim (Retter, Erlöser) gleich mir”.

Mit diesen Worten des Segens grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen genügsamen und segensreichen Shabbat Shalom!

Gregor Dalliard

Fortsetzung folgt!

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein auf Sonntag, den 19. Februar 2023 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.