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Propheten gegen den Opferkult. Götter haben nichts zu fordern. Teil 12

Glaubensimpuls 542 von Gregor Dalliard

Aus dem Gesamtzusammenhang dessen, was wir bis hierher aus der Thora, den Propheten und den übrigen Schriften verstehen durften, ist uns klar geworden: Der Opfer- und Blutkult kommt nicht von Elohim JaHuWaH, dem El Eljon. Er ist nie von IHM gefordert worden. Melchisedek, Abraham, die Propheten, David und viele andere Zeugen aus dem israelitisch-jüdischen Volk hatten diese Tatsache erkannt. Elohim JaHuWaH, der El Eljon, der Höchste, wäre nicht der Elohim JaHuWaH, der El Eljon, der Höchste, wenn die Gemeinschaft mit IHM über diese primitiven Mittel, mit Menschen- und Tierblut, nötig wären.

Inzwischen wissen wir: nur Götter (oder Götzen) fordern von ihren Anhängern Blutopfer, Blut von einer göttlichen Person oder von Tieren. Der Gott der Christen (Theos, Deus, Gott, Herr) forderte sogar ein Menschenopfer. Diese Forderung gehörte in der Antike und im Altertum zu allen Gottheiten. Sie war der Inbegriff des Heidentums. In irgendeiner Form war sie allgegenwärtig. Ohne sie war es nicht möglich, mit den Göttern Gemeinschaft zu haben. Ohne sie gab es nur Rache und Strafe. Im Vertrauen auf JaHuWaH überwand das Judentum diese heidnischen Traditionen, während das Christentum bis heute in ihnen stecken geblieben ist. Mit dem Vollzug dieses Schrittes verbunden ist der verheissene Segen an Abraham, der allen Geschlechtern der Erde zugedacht ist. Jeder Glaube, der seine Erlösung auf das Blut eines Menschen oder eines Tieres aufbaut, verhindert den Lauf dieses verheissenen Segens in der Welt.

Das auserwählte Volk hat von JaHuWaH folgenden Auftrag bekommen: alle Menschen sollen in die Beziehung mit JaHuWaH geführt werden. Daraus fliesst der Segen, der von JaHuWaH für alle Geschlechter der Erde bereit steht. Hartnäckig und mit allen erdenklichen Mitteln und Wegen verwehren sich die Getauften diesen Durchblick selbst. (Johannes der Täufer konnte gar nicht taufen; er war ein aaronitischer Priester.) Diese selbst auferlegte Blindheit führte letztlich zum Holocaust. Darum sollten wir mit solchen Formen der geistligen Blindheit nicht leichtfertig umgehen.

Die Opfergaben, die JaHuWaH fordert, sind Recht und Gerechtigkeit. Das ist die zentrale Aussage der Propheten, der wir im TaNaCH durchgehend begegnen. Abraham wurde aufgrund seines Vertrauens gerecht gemacht, d. h. zum Vater jener, die ihr Leben nach der Ordnung JaHuWaHs in Recht und Gerechtigkeit ausrichten und leben. Wir wiederholen: “Der Gerechtigkeit und nur der Gerechtigkeit sollst du nachjagen, damit du lebst und das Land in Besitz nimmst, das JaHuWaH, dein Elohim, dir gibt” (5Mo 16,20). “Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Grundfeste. Gnade und Treue gehen vor deinem Angesicht her. Glücklich ist das Volk, das den Jubelruf kennt! JaHuWaH, im Licht deines Angesichts wandeln sie” (Ps 89,15; vgl. dazu Jer 7,4-14; Jes 58,3-12; 5Mo 10,15-19 u. a. m. ).

JaHuWaH gab den Menschen Verstand. Neben den Naturtrieben haben wir Menschen den Verstand erhalten. “Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, und durch Verstand wird es befestigt” (Spr 24,3). Gemeint ist der Verstand, der in Gemeinschaft mit JaHuWaH aktiv ist. Einem Menschen ohne Gemeinschaft mit JaHuWaH wird sein Verstand zum Verhängnis. Die Menschheitsgeschichte zeigt uns mehr als genug auf, wie die Menschen immer schon Erfahrungen gesammelt haben. Aus den Erfahrungen heraus wurden und werden neue Entscheidungen getroffen, Entscheidungen, die das Leben bereichern, Entscheidungen, die das Leben schützen, Entscheidungen, die aus guten Gründen JaHuWaH-treue Menschen vor diesem und jenem Verhalten warnen und zurückhalten. Das alles tun wir nicht etwa, um uns selbst das Leben zu erschweren. Das Gegenteil ist der Fall. In dieser Weise bauen wir an dem verheissenen und existierenden Segen mit, der in der Ausübung von Recht und Gerechtigkeit gewurzelt ist, den der Elohim JaHuWaH Abraham zugesprochen hat: “und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!

Wir halten noch einmal fest: Die Thora will und muss in jeder Epoche neu gefragt und interpretiert werden, und zwar sehr gewissenhaft, d. h. sie muss im Leben der JaHuWaH-treuen fliessend bleiben. Würde diese Gegebenheit im Umgang mit der Thora nicht mehr wahr- und ernst genommen werden, dann würden wir JaHuWaH, und was SEIN Name aussagt, nicht ernst nehmen: “Da sprach Elohim zu Moshe: ‘Ich bin, der ich bin’. Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der ‘Ich bin’ hat mich zu euch gesandt” (2Mo 3,14).
Die Thora würde zu einem toten Buchstaben verkommen, zu einem Buchstaben, der uns in unserer Eigenverantwortung und Entwicklung lähmen würde. Ein solcher Glaube würde absterben, er würde zur Formsache verkommen. Er würde jede Beziehung zu JaHuWaH in den Herzen der Menschen verhindern oder zerstören. Die Thora wäre dann ein Buch, das Leben verhindert, statt Leben zu fördern, Leben hervor zu bringen. Wir wollen also über den Namen JaHuWaH nicht verfügen, selbst wenn uns manches in unserem Leben absolut nicht passt. Wir wollen mit JaHuWaH durch diese Zeit gehen, denn ER ist da, mitten unter uns. Keinem Menschen könnte etwas Besseres passieren!

Gross sind die Herausforderungen, denen wir heute im digitalen Zeitalter ausgesetzt sind, vor allem Eltern und Verantwortliche unter Kindern und Jugendlichen. Wie sich jede Generation ihren jeweiligen Herausforderungen stellen musste, so tun wir das heute auch. JaHuWaH geht mit uns durch die Zeit. Er überfordert uns nicht. Wenn wir uns überfordert fühlen, dann sind wir es selbst, die sich überfordern.
ER schliesst uns in der modernen Zeit immer neue Wege des Umgangs in und mit diesem Leben auf, wobei wir das Bleibende, Unveränderbare, Bestehende allezeit vom anderen unterscheiden lernen wollen, nach der Weisung: “Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt nichts davon wegnehmen, damit ihr die Weisungen JaHuWaHs, eures Elohim, haltet, die ich euch gebiete!” (5Mo 4,2). Darum muss immer und immer wieder im Geiste der Thora über das Verhältnis zum modernen Leben diskutiert und debattiert und nach Lösungen gesucht werden. Ein solcher Umgang mit dem TaNaCH erlöst und befreit uns von einer Buchstabentreue, die lebensfeindliche Interpretationen hervor bringen. Das entspräche nicht dem Wesen und dem Willen JaHuWaHs, wie uns das die Propheten durchgehend im TaNaCH aufzeigen.

Wer JaHuWaH kennt, behält das Wohl der Menschen im Allgemeinen und das seiner Nächsten im Besonderen allezeit im Auge. Ich erinnere an Mk 12,29-33. Ein solcher Mensch sucht nicht seine Selbstverwirklichung. Ich weiss von JaHuWaH-treuen Menschen, die sich unter Umständen von einem ihrer allernächsten Menschen lösen mussten, wollten sie nicht total zugrunde gerichtet werden. Jeder trägt Verantwortung, auch für sein ganz persönliches Leben. Bei aller JaHuWaH-treue bleibt der Mensch immer noch Mensch. Wenn JaHuWaH den Menschen als Menschen mit seinen Begrenzungen geschaffen hat, dann nehmen wir jeden Menschen innerhalb seiner begrenzten Beschaffenheit wahr. Als solchen nehmen wir ihn auch an. Wir sollten uns aber nicht eigenwillig oder gut gemeint einreden lassen, dass wir diese von JaHuWaH begrenzten Beschaffenheiten, diese Grenzen, die in jedem Menschen stecken, zu verändern vermögen. Dazu sind wir nicht ausgestattet. Jede Annahme stösst an ihre Grenzen, spätestens dann, wenn unsere seelische und körperliche Gesundheit gefährdet ist.

Mit den tieferen Zusammenhängen, mit all den Entwicklungen, die zum Opferkult führten und zum Kampf, den die Propheten mit den Priestern führten, hat sich unser lieber Bruder Zoltan Köpe eingehend auseinandergesetzt und dargelegt: Melchisedek; Abraham; der Engel JaHuWaH; zweierlei JaHuWaHs; das Priestertum des Aaron; JaHuWaH, der El Eljon zieht nicht mit; die Kananiter; die Midianiter; der Einfluss des Jetro und dessen Sohnes auf Israel; David und vieles mehr. Ich möchte nochmals auf seine ausführliche Arbeit hinweisen (hier klicken).
Wir begegnen JaHuWaH in der Weise, wie wir als Menschen - eben, als Menschen - SEINER bedürfen. Das gibt unserem Leben den Sinn, den wir ganz einfach brauchen. Bescheiden und doch voller Leben und Zuversicht wollen wir die Jahre dieses irdischen Lebens aus der Lebensfülle des JaHuWaH leben und geniessen. Alles andere wäre vertane Zeit! Das ist und bleibt wunderbar!

Allen wünsche ich einen Shabbat des Segens. Shalom und herzliche Grüsse!

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 19. Juni 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.