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Und dennoch Frieden im Herzen

Lebensimpuls 9 von Gregor Dalliard

Ja, Wünsche und Erwartungen bleiben im Leben auf der Strecke. Jeder von uns unterscheidet sich von der Herkunft, Veranlagung und Prägung vom anderen. Das zu realisieren ist schon eine Leistung! Dennoch sind wir alle Menschen. Wir haben gemeinsame Grundbedürfnisse, Wünsche und Erwartungen. Erwartungen haben wir vor allem an die anderen, an die Allernächsten daheim, an die Nachbarn, an die Mitarbeiter am Arbeitsplatz, an die Steuerbehörde usw. usf. Entsprechen sie unseren Erwartungen, dann geht es uns gut, wenn nicht, dann rumort es in unserem Innern, manchmal ganz heftig!
Aber, abgesehen davon, bleiben manche unserer Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen im Leben auf der Strecke. Wer kennt diese Tatsache nicht? Manchmal aus den härtesten Erfahrungen heraus, die wir gemacht haben! Enttäuschungen bleiben keinem Menschen erspart. Das sagt sich nicht einfach so daher, das weiss nämlich jeder aus seiner eigenen Erfahrung. Nicht jede Enttäuschung bleibt in unserem Inneren für immer negativ haften. Je nach dem wohlwollenden Umfeld in dem wir leben, sind sie irgendwann wieder wie vergessen. Manche Enttäuschungen zeigen sich später als Segen.

Aber es gibt kürzere oder längere Lebensabschnitte in denen lang anhaltende Enttäuschungen unser Leben prägen. Ihnen auszuweichen ist erst gar nicht möglich. Sie sind da. Sie können einem Menschen von Innen her langsam aber sicher den letzten Hauch von Lebensmut nehmen. Wie reagieren wir? Wut, Bitterkeit und Depressionen sind oft die Antwort auf Enttäuschungen, auf unerfüllte Erwartungen und Vorstellungen. Der Schuldige ist meistens gleich ausgemacht. Schuld sind die anderen. Das mag tatsächlich sehr oft so sein. Was hülfe mir aber dieses Wissen, wenn ich damit nicht umzugehen weiss? Die Frage ist doch, was mache ich damit, solange ich die Sache noch in der Hand habe? Dies ist die Frage, die mich umtreiben muss.
Das Verharren in meiner Wut, in meiner Bitterkeit, in meiner ständigen Anklage anderen gegenüber, muss ein Ende haben. Ich muss (darf) doch so weit kommen, dass ich über alle meine persönliche Enttäuschungen so reden kann, ohne dass in mir Bitterkeit jemals wieder die Oberhand gewinnt. Ja, das ist möglich, wenn ich will. Ich persönlich trage die Verantwortung dafür. Für mein Verhalten kann ich nicht JaHuWaH oder Menschen verantwortlich machen. JaHuWaH macht mir aber Angebote. Ich kann die Angebote JaHuWaHs rechtzeitig zu Hilfe nehmen. Trinken wir aus SEINEN Quellen des Lebens! – ein wunderbares und wirkungsvolles Angebot. Was wir daraus trinken, hat eine verändernde Wirkung auf mein Gemüt, auf meine Mitmenschen.

Israel und Juda durchlebten gerade bittere, ja bitterste Zeiten. Was macht der grosse Prophet Jeshajahu (Jesaja)? Er wirft die Flinte nicht ins Korn. Er gibt nicht verzweifelt auf. Er spricht dem am Boden zerstörten Volk Lebenskraft zu. Inmitten der aussichtslosen Situation, die alles verschliesst, die gerade alles andere als Hoffnung zulassen will, schlägt er eine gehörige Bresche. Er schlägt sie in die Dunkelheit der Herzen, die voller Bitterkeit und Hoffnungslosigkeit sind. Das Licht durchbricht das Dunkel in den Herzen seiner Leute, reisst die finsteren Wolken in ihren Herzen auseinander. Obwohl sich ihre Situation konkret noch lange nicht verändern wird: Die Botschaft ist angekommen und zeigt in den Herzen der Menschen ihre Früchte, aus der viele leben werden.
Wie macht er das? Er vertraut mit seiner ganzen Existenz JaHuWaH. Er stellt sein Vertrauen, seine Beziehung zu JaHuWaH, jeder dagegen sprechenden Argumentation entgegen. Das hat er wohl von Kindesbeinen an so gelernt und bewahrt. Also ruft er in diesem Geist des JaHuWaH dem verzweifelten Volk zu: “Der Geist JaHuWaHs, des El Eljon, ist auf mir; denn JaHuWaH hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen…” (Jes 61,1).
Aber damit nicht genug! Der Prophet lässt die treibenden Kräfte der Feinde Israels, die Verursacher dieses grausamen Elends, die so viel Leid über das auserwählte Volk brachten, nicht einfach so “ungeschoren” davonkommen. JaHuWaH übt in seiner Gnade Gerechtigkeit. Gnade ist erst dann Frucht bringende Gnade, wenn sie die Gerechtigkeit sucht und bewirkt. Alles andere wäre frommes Geschwätz von Menschen, die das Wesen und die Lebensgabe des JaHuWaH nicht kennen. Das wäre kein Trost für den geschändeten, missbrauchten, ungerecht behandelten Menschen. Rache dient und nützt aber keinem etwas. Rache würde nur neue Rache erzeugen. Das mag gnadenlosen Menschen eigen sein, die, wie schon gesagt, das Wesen und die Lebensgabe des JaHuWaH nicht kennen. Mit Rache wäre jenem Menschen, der ein Übel verursacht, verursacht hat, auch nicht geholfen. Mit der biblischen Gnade untrennbar verbunden ist Einsicht und Umkehr.

Darum ruft der Prophet: “…und den Tag der Rache (der Wiederherstellung) für JaHuWaH, unsern El Eljon, zu trösten alle Trauernden, den Trauernden Zions Frieden, ihnen Kopfschmuck statt Asche zu geben, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie Terebinthen der Gerechtigkeit genannt werden, eine Pflanzung des JaHuWaH, dass er sich durch sie verherrlicht” (Jes 61,2). Seien wir jetzt nicht schockiert, wenn wir das Wort “Rache” lesen. Das Wort “Rache” gibt leider nicht das wieder, was der biblische Kontext meint. Gemeint ist der Weg der Wiederherstellung, der über Einsicht und Umkehr erfolgt. Das ist lebensspendende Gnade, aus ihr wächst innere Heilung, so wie sie dem Wesen des JaHuWaH entspricht.
Was weiss ich, was mit Menschen geschieht oder geschehen ist, an denen ich schuldig werde oder schuldig geworden bin? Einsichtig will ich tun was ich kann. Das, was ich nicht tun kann, weil es mir nicht mehr möglich ist, lege ich getrost – getröstet – in die Hände des JaHuWaH. Mögen das andere auch so halten, wenn sie an mich oder an dich denken! So tragen wir Frieden im Herzen: Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes.

Ankündigungen

Voranzeige: Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein, am 19. September 2021 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, info@imkerei-hunzinger.ch. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).