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Aus dem Glauben des Jahushua von Nazareth. Teil 1

Glaubensimpuls 477 von Gregor Dalliard

Wir nehmen unsere Verantwortung wahr! Über den Glauben des Jahushua von Nazareth haben wir uns in den letzten Jahren immer wieder intensiv auseinandergesetzt. Das war nicht immer einfach. Es ist gerade so wie bei der Besteigung des Matterhorns. Die ersten Etappen des Aufstiegs können recht mühsam sein, doch je näher sich jemand dem Ziel nähert, desto intensiver wird er mit neuen Kräften beflügelt und die letzten Etappen werden mit einer ungeahnten Freude bewältigt. Ja, warum befassen wir uns denn so intensiv mit dem Glauben, den Jahushua von Nazareth lebte? Wir kommen fast ausnahmslos alle aus einem christlichen Hintergrund. Das Christentum behauptet von sich im Glauben und in der Lehre des Jahushua von Nazareth zu leben. Dieser Glaubenshintergrund vermittelt den Christen die Vorstellung, dass der Jude Jahushua von Nazareth eine Mensch gewordene Gottheit gewesen sei. Durch die angebliche Auferstehung sei er zu der Gottheit Jesus Christus umgewandelt worden (vgl. Röm 1,1-4; 2Kor 5,16). Später wurde er von den Kirchenvätern zu der zweiten Gottheit (2. Gott-Person) innerhalb der drei christlichen Gott-Personen gemacht (vgl. die Dogmen, die Lehrdefinitionen der Konzilien von Nizäa, 325 und Konstantinopel, 381). Damit machten ihn die Christen zum Begründer des Christentums.

Ein engagierter Christ wird diese Lehren des Paulus und der Kirchenväter wohl kaum jemals von sich aus in Frage stellen. Das wäre für ihn ein Sakrileg, einfach undenkbar, ein Angriff auf seine religiös-kulturellen Prägungen und Gewohnheiten, die für ihn das Allerheiligste sind. Es ist etwa dasselbe, was Moslems empfinden, wenn Mohammed in Frage gestellt wird. Wer von uns sollte dieses Verhalten nicht verstehen können, ist es manchem von uns doch ähnlich ergangen. Im Leben des Juden Jahushua von Nazareth (Jahushua BarJosef) stand aber der TaNaCH (“AT”) einwandfrei im Mittelpunkt. Aus dem Shma Jisrael (vgl. 5Mo 6,4+ff), der Liebe zum Nächsten (vgl. 3Mo 19,18; Mk 12,29-33), d. h. aus dem Zehn-Wort (zehn Weisungen) (2Mo 20,1-17) wuchs sein Glaube, baute er seine Beziehung zu JaHuWaH auf. Er richtete sein Leben entsprechend danach aus. In diesem Glauben wurde er von den Römern exekutiert.
Wie gesagt, dieser Tatsache wollen sich Christen im Allgemeinen nicht stellen. Ängstlich, kategorisch und hartnäckig stellen sie sich dagegen. Es sind wenige, die sich diesem Faktum ehrlich und redlich stellen und die längst fälligen Schritte folgen lassen. Sowohl engagierte wie säkulare christliche Kreise können solchen Christen das Leben sehr schwer machen. Die Angst sitzt oft sehr tief. Nun, über all das habe ich in früheren Gims viel geschrieben.

Was fasziniert uns an Jahushua von Nazareth denn so sehr? Es ist einerseits sein uneingeschränktes Bekenntnis zur Thora, andererseits seine fortschrittliche Auslegung der Thora, die er – jüdischen Traditionen gemäss – in Gleichnisreden zu vermitteln verstand. Seine Auslegungsweise schien dem TaNaCH (“AT”) gelegentlich zu widersprechen, so war es aber nicht. Er vermochte den TaNaCH dem Leben und den Bedürfnissen seiner Zeit entsprechend auszulegen. Darum entsprach seine Auslegung nicht immer den Vorgaben der Priesteraristokratie am Tempel. Längst schon begnügten sich diese mit der strengen Einhaltung der Opfergesetze. Alles andere nervte sie. Dass es auch innerhalb der Pharisäer Auslegungsunterschiede gab und gibt, ist völlig normal. Wir denken hier an die anerkannten und berühmten Pharisäer und Schriftgelehrten Hillel und Shammai. Niemals aber hätte einer von ihnen die umfassende, nicht auszuschöpfende Lebensfülle des “TaNaCHs” verlassen oder verworfen, oder jemals seine pharisäischen Mitgelehrten verworfen. Jahushua von Nazareth war Schüler Hillels gewesen. Seine Gesinnung entsprach der seines früheren jüdischen Lehrers Rabbi Hillel.

Was aber führte zu der folgenschweren Trennung zwischen den Juden und den Anhängern Jahushuas, die aus der griechischen Umwelt kamen, die später Christen genannt wurden? Während Jahushua von Nazareth für die meisten Juden ein eifriger und hingebungsvoller Thora-treuer Rabbi, Pharisäer und Schriftgelehrter war und es in seinem kurzen Leben auch immer geblieben war, d. h. auf dem Boden des jüdischen Glaubens stand, wurde er später von seinen griechischen Anhängern aus dem Judentum herausgerissen und zu einer griechischen Gottheit entwickelt, zur Gottheit Jesus Christus. Das aber hätten seine jüdischen Anhänger niemals gemacht. Viele Juden hielten Jahushua anfänglich für den jüdischen Messias. Niemals aber hielten sie ihn für eine Gottheit, die sowohl Mensch als auch Gott war. Das aber taten die griechischen Anhänger Jahushuas von Nazareth.
Als er aber von den Römern hingerichtet worden war, erkannten seine jüdischen Anhänger, dass er nicht der Messias sein konnte, denn aus den Schriften der Thora und der Propheten geht klar hervor, dass der Messias, wenn er einmal gekommen sein wird, nicht wieder sterben kann, d. h., wenn das Messianische Reich einmal angebrochen sein wird, dann kann es nicht wieder untergehen. Das ist die unantastbare zentrale Lehre der Propheten.
Die frühchristlichen griechischen Theologen hatten aus ihm nicht nur eine Gottheit gemacht, sie interpretierten seine Gleichnisreden systematisch in antijüdische Reden um, die sie Jahushua von Nazareth, als der neuen Gottheit Jesus Christus, in den Mund legten. Damit entstanden völlig neue Situationen und Geschichten, die dem jüdisch-prophetischen Denken widersprechen, die ihm sogar grundsätzlich entgegengesetzt sind. Wir finden sie in den uns noch erhaltenen Briefen des Paulus, aber auch in den späteren Evangelien und Schriften des “Neuen Testamentes”.

Wir wollen uns heute eines solchen Ausschnittes annehmen: Mt 23, 1-12. Aus Platzgründen belasse ich es mit dem Hinweis auf die Stelle. In diesem Abschnitt begegnen wir einer durchaus heftigen innerjüdischen Auseinandersetzung. Für Jahushua wäre dieses Problem aber niemals ein Grund gewesen, sich von seinen jüdischen Brüdern, von seinem jüdischen Glauben und von der Thora abzusetzen und eine Sekte, eine christliche Kirche zu gründen. Im Gegenteil, der jüdische Glaube, die jüdische Beziehung zu dem Elohim JaHuWaH, dem El Eljon, dem Höchsten, dessen Name JaHuWaH ist, bedeutete Jahushua von Nazareth ein und alles.
Wir müssen etwas Wichtiges klarstellen: Die Sadduzäer waren die Priester am Tempel, nicht die Pharisäer. Die Priesteraristokratie hatte offensichtlich die Beziehung zu JaHuWaH weitgehend verloren. Ihr Herz war auf die Beobachtung ritueller und zeremonieller Regeln und Spitzfindigkeiten am Tempel fixiert. Damit verloren sie den rechten Umgang zu den Menschen und zu ihren Nöten im praktischen Alltag. Die Pharisäer waren jene, die sich mit Herz und Einfühlungsvermögen der Menschen annahmen, vor allem auf dem Lande. Auseinandersetzungen gehörten zum innerjüdischen Alltagsleben, aber nicht in der Weise wie sie von den Christen, den Griechen, in Mt 23 geschrieben worden sind.

Die Juden lehnten verständlicherweise die Erlösung durch ein Menschenopfer kategorisch ab. Die endgültige Verwerfung und Verdammung des auserwählten Volkes durch JaHuWaH war für die Getauften damit eine unumkehrbare Tatsache. Sie, so glaubten die Getauften gemäss der Lehre des Paulus, seien nun als Erben des verheissenen Segens eingesetzt worden. Dazu würden nur alle jene gehören, die sich dem “Evangelium” des Paulus unterwerfen und sich damit im Glauben an das Blutopfer von Golgatha taufen lassen. Die Juden würden fortan nur noch Fluch und Tod erben. Diese Irrlehre der Getauften, diese Theologie der Verwerfung der Juden, wird Ersatz- bzw. Enterbungstheologie genannt. Das “Neue Testament” ist nichts anderes als eine Verfluchung der Juden.
Diese Fluchreden gegen die Juden durchziehen das ganze “Neuen Testament”. Wie gesagt, die griechischen Schreiber des “NT” nutzten solche Auseinandersetzungen als Beweis für die JaHuWaH-losigkeit und Verdorbenheit aller Pharisäer und Schriftgelehrten. Das stimmt so nicht. Jahushua von Nazareth hatte seine Auseinandersetzungen mit den Sadduzäern, mit der Priesteraristokratie, aber keinesfalls mit den Pharisäern. Als das “Neue Testament” geschrieben wurde, gab es keinen Tempel mehr. Als der Tempel verschwunden war, war auch das Priestertum verschwunden, und damit auch die Sadduzäer. Also ersetzten die griechischen Schreiber des “Neuen Testamentes” die sadduzäische Priesterschaft, die nicht mehr existierte durch die Pharisäer, die Jahrzehnte nach dem Tode Jahushuas von Nazareth die führende Rolle unter dem zerstreuten jüdischen Volk einnahmen, es sammelten und lehrten.
Darum lesen wir im “NT” immer wieder: die Pharisäer. Das ist ein schändlicher Missbrauch der Fakten, weil die Pharisäer zur Zeit der Sadduzäer, als der Tempel noch existierte und Jahushua von Nazareth lebte und lehrte, nichts zu sagen hatten. Das ist Rufmord, mit nicht enden wollenden Folgen: Seht mal her, so sind sie, die Pharisäer, die Juden. Die Christen schlucken und verteidigen diesen Rufmord bis zu dieser Stunde, ohne sich jemals nur im Geringsten ihrer Verantwortung über die Folgen dieser schrecklichen Irrlehren bewusst zu werden.
Schon allein die Aussage in Vers 3a, beweist, dass den meisten Pharisäern – und so auch Jahushua –, die Thora als absolut unantastbare Grundweisung des Glaubens galt, die aber allezeit aus den zeitbedingten Zusammenhängen heraus ausgelegt werden musste – und muss: “Alles nun, was sie (die Pharisäer) euch sagen, tut und haltet.." Wenn die Pharisäer alle doch so falsch lagen, wie das die späteren griechischen Schreiber ihrer Erlösergottheit Jesus in den Mund legen und die Christen entsprechend lehren, wie nur hätte dann Jahushua seinen Schülern auftragen können: alles was die Pharisäer lehren zu tun und zu halten?
Wie kommt es, dass die Christen sich bis heute weigern dem Befehl und dem Auftrag des Jahushua von Nazareth nachzukommen? Sie weigern sich kategorisch Jahushua Folge zu leisten. Sie widerstehen ihm rundum: “Alles nun, was sie (die Pharisäer) euch sagen, tut und haltet..”? Hier werden wir zur Verantwortung gezogen, denn: “Er verkündete Jakob sein Wort, Israel seine Ordnungen und seine Rechtsbestimmungen. So handelte er an keiner Nation” Ps 147, 19-20). Allen wünsche ich eine besinnliche Shabbatzeit. Shalom und herzliche Grüsse

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein auf Samstag, den 17. Dezember 2022 um 14.00 Uhr. Martin und Kornelia Hunzinger, 2577 Finsterhennen, Allmenhag 2, 032 396 34 03, k.hunzinger@sunrise.ch). Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.