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Wen oder was bezeichnet die Bibel als den kommenden Mashiach (Gesalbten, griechisch: Christos; lateinisch: Christus)? Teil 2

Glaubensimpuls 143 von Gregor Dalliard

aktualisiert: 30. 01. 2023
Die Diskussionen um den kommenden Mashiach, bzw. um das kommende Friedensreich, scheiden die Geister. Doch auch hier gilt der Grundsatz: Zurück zu den Wurzeln dieses Themas. Das heisst konkret: Zurück zum TaNaCH, zur Thora, den Propheten und Schriften: “Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht” (Ps 36, 10). Die zwölf Stämme und ihre Nachkommen arbeiteten im Laufe der Geschichte stets am Aufbau des Friedensreiches. Das Friedensreich bezieht sich zuerst einmal auf die Zukunft Israels. “Ich pflanze sie in ihr Land ein. Und sie sollen nicht mehr herausgerissen werden aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, spricht JaHuWaH, dein Elohim (Am 9,15). Die Propheten sprechen dann vom Anbruch des Friedensreiches, wenn der Überrest des zerstreuten israelitisch-jüdischen Volk wieder in seiner alten Heimat sein wird, aus der es niemals mehr herausgerissen werden wird. Dann sprechen sie vom kommenden Friedensreich für die ganze Menschheit (denn dazu sind sie von JaHuWaH, dem El Eljon, dem Höchsten erwählt, berufen, zubereitet und zu allen Menschen gesandt: “Siehe, mein Knecht (12 Stämme), den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen” (Jes 42,1). Bis zum Ende dieses Zeitalters werden sie daran arbeiten müssen. Nach diesem Plan war, ist und wird Heil und Segen für jeden Menschen wirksam, im Hier und Heute. Darin reift das Friedensreich heran, das auch das messianischen Reich genannt wird. “Merkt auf mich, mein Volk, und meine Nation, hört auf mich! Denn Weisung geht von mir aus, und mein Recht werde zum Licht der Völker” (Jes 51,4).

Die Propheten sprechen von den Prinzipien, die für alle Völker dieser Erde zum Frieden führen werden. Diese sind im Zehn-Wort (zehn Gebote) (2Mo 20, 1-17) und im Shma Jisrael (“Höre, Israel”) (vgl. 5.Mo 6,4-9) grundgelegt (vgl. dazu Jes 2,2-6 u. a.). Schritt für Schritt werden die Weisungen JaHuWaHs auf alle Völker übergehen. Die westliche Welt hat viele dieser Grundwerte bereits in ihren Verfassungen verankert. Dies Dank der Tatsache, dass viele Juden den Weisungen JaHuWaHs durch alle Zeiten hindurch treu geblieben sind, dies trotz der schrecklichster und grauenhaften Verfolgungen und Quälereien vonseiten der Getauften. Der Prophet Jeshajahu (Jesaja) sagt von den Juden: “Er (der Knecht Israel) wird nicht verzagen noch zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden aufgerichtet hat. Und die Inseln warten auf seine Weisung” (Jes 42,4). Danke! Wunderbar!

Ich kann mich nicht auf den TaNaCH (“AT”), berufen, d. h. auf die Thora, die Propheten und Schriften, dann aber den Vorgaben eines anderen Lehrers folgen. Berufen wir uns auf den TaNaCH, die Bibel des Jahushua von Nazareth, dann folgen wir keiner anderen Weisung als derjenigen des TaNaCHs. Das ist unser Glaubensfundament. Darin finden wir den Heilsplan JaHuWaHs für die gesamte Menschheit geoffenbart. Ohne diese Weisung ist alles vergebliche Mühe, mag ich noch so voller Hingabe sein. Ohne diese Weisung bauen wir am Haus der Widersprüche mit, sagen wir es so, am Turmbau zu Babel.

Ich möchte gerne noch einmal daran erinnern, dass das deutsche Wort “Gesalbter”, im Hebräischen “Mashiach” heisst, in der griechischen Sprache “Christos” in der lateinischen “Christus”. Die allerwenigsten Christen sind sich der folgenden Tatsache bewusst: Der TaNaCH spricht von einer ganzen Reihe verschiedener Gesalbten, übersetzt heisst das verschiedener Christusse. Die Getauften aber bezeichnen allein die Gottheit des Paulus als Mashiach, als Christus, als Gesalbter. Jesus ist für sie der einzige Gesalbte, also der Christus. Warum das? Die Gründer des Christentums haben den Namen Mashiach mit Gottheit verschmolzen.
Darum gibt es gemäss der Lehre des Paulus und damit gemäss der Lehre des NT ausserhalb der Gottheit Jesus Christus keinen Mashiach, keinen Gesalbten, keinen Christus. Wir wissen alle, was für eine immense Stellung diese Gottheit Jesus Christus im Christentum einnimmt. Diese Lehre aber widerspricht dem Zeugnis des TaNaCHs, der Bibel des Jahushua von Nazareth. Sie widerspricht dem Glauben des Juden Jahushua von Nazareth. Im TaNaCH ist die Rede von mehreren Gesalbten. Das ganze auserwählte Volk ist Mashiach, Gesalbter, übersetzt Christus. Im Hebräischen werden sie Meshichim genannt.

So wird auch der König Shaul Mashiach (Gesalbter, Christos, Christus) genannt (1Sam 24,7.11; 26,23), ebenso wird der Prophet Shmuel (Samuel) Mashiach (Gesalbter, Christos, Christus) genannt (1Sam 12,3). In unserer Sprache übersetzt sind sie Gesalbte, Christusse. Sogar der heidnische König Kyrus wird als Mashiach (Christus, Gesalbter) bezeichnet. Wie ist das möglich? Was ist denn ein Mashiach, (ein Gesalbter, ein Christus)?
Das ist jemand, der den Willen JaHuWaHs in Richtung Friedensreich tut. Viele Menschen tun den Willen JaHuWaHs, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, eben wie der heidnische König Kyrus. Er war sich dessen nicht bewusst. Ein solcher Mensch ist im Sinne des TaNaCHs ein Mashiach, ein Gesalbter, ein Christus. Bedenken wir: Kyrus wurde in seinem Handeln, ohne sich dessen bewusst zu sein ein Gesalbter JaHuWaHs. **Weil Kyrus dem auserwählten Volke unbewusst half den Willen des Vaters JaHuWaH zu erfüllen, wird er vom Prophet Jeshajahu (Jesaja) als einer bezeichnet, der von JaHuWaH gesalbt ist, also ein Gesalbter, ein Christus.
Er beauftragte die führenden Überlebenden Juden in Babylon wieder in ihre Heimat zurückzukehren, in das ihnen von JaHuWaH zugesprochene Land. Sie sollten Jerushalajim und den Tempel wieder aufbauen, zur Ehre ihres Elohims JaHuWaH, des EINZIG EINEN (Jes 45,1; 2Chron 36,22; Esr 1,1). Kyrus sah einerseits das Leid und den Schmerz seiner jüdischen Hofbeamten und des jüdischen Volkes in seinem Land. Er war von ihrer Treue zu JaHuWaH tief beeindruckt, auch von ihrer Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit mit der sie ihre Pflichten am persischen Hofe und im Land erfüllten. Ihre Lebensethik übertraf die aller übrigen Völker in seinem Riesenreich.
Anderseits brauchte er ein starkes Bollwerk zwischen seinem grossen Reich Babylon/Persien und Ägypten. Sein Interesse galt dem Aufbau eines sicheren Bollwerkes zwischen seinem Reich und dem grossen Feind Ägypten, der immer wieder in sein Reich einzudringen drohte.Das war der Hauptgrund warum er den Juden die Heimkehr und den Wiederaufbau Jerushalajims und des Tempels gestattete. Mit allen Mitteln trieb er dieses Bollwerk voran, tat aber damit den Willen JaHuWaHs in Richtung Friedensreich.
Die Propheten übergehen diese geopolitischen Hintergründe. Für sie war die Rückkehr in ihre Heimat entscheidend und ergreifend, denn damit war das israelitisch-jüdische Volk dem Auftrag und der Sendung JaHuWaHs für diese Welt wieder einen gewaltigen Schritt näher gekommen. Die Umstände, die dazu geführt haben sind für sie nebensächlich.
Kyrus wird mit seinem Handeln, das für ihn allein geopolitische Zwecke erfüllte, nicht aber für den Propheten, zum Mashiach, zum Gesalbten JaHuWaHs, m. a. W. zum Christos, zum Christus. In dieser unfassbaren Freude über die Heimkehr der Juden wird Kyrus vom Prophet Jeshajahu (Jesaja) als Werkzeug JaHuWaHs gepriesen. Der Prophet lässt JaHuWaH ergreifende Worte über Kyrus sprechen (vgl. Jes 44,28; 45,1-7). Durch sein Handeln ist er für die Juden zum Held, zum Mashiach, zum Christos, zum Christus JaHuWaHs geworden.

Die Propheten wurden wie das ganze auserwählte Volk von JaHuWaH Meshichim genannt Gesalbte d. h. Christusse. Sie mussten das auserwählte Volk immer und immer wieder an den Sinn und das Ziel seiner Auserwählung und Sendung erinnern. Sie mussten ermahnen, zurecht bringen, sie drohten Gericht an, ermutigten, trösteten, führten weiter, lehrten, predigten usw. Ihr Auftrag am Bau (Aufbau) des Friedensreiches brachte ihnen viele Leiden ein (vgl. Jes 52,13-15; 53,1-12, siehe Moshe, Elijahu u. a. m.). Manchmal bezahlten sie ihren Einsatz mit ihrem Leben, obwohl der Vater JaHuWah sagte: “Tastet meine Meshichim, (Gesalbten, Christusse) nicht an, tut meinen Propheten nichts Übles” (1Chron 16,22). Im Kontext von Psalm 105 wird in Vers 15 das ganze auserwählte Volk als der Mashiach, der Gesalbte, der Christus des Vaters JaHuWaH bezeichnet (vgl. Sach 2,12).

Unter dem auserwählten Volk war der Begriff Mashiach (Gesalbter, Christos, Christus) völlig selbstverständlich, so wie für uns das tägliche Essen und Trinken zum Selbstverständlichsten gehört. Nie aber hätte das israelitisch-jüdische Volk die hebräische Bezeichnung Mashiach mit der griechischen Bezeichnung “Christos” oder der lateinischen “Christus” ersetzt und verwendet.
Erstens waren solche Vorstellungen und Bezeichnungen in Israel und Judäa völlig unbekannt. Zweitens hätten die Juden nie einen solchen heidnischen Ausspruch wie “Jesus” oder “Christus” in den Mund genommen. Das auserwählte Volk mied in solchen Zusammenhängen grundsätzlich heidnische Begriffe, weil sie mit heidnischen Inhalten gefüllt waren. Sie waren mit Inhalten aus der Welt der Götter und der griechischen Philosophie gefüllt.

Den Juden war klar: Heidnische Kulte und Begriffe verstümmeln den wunderbaren zusammenhängenden Reichtum der Offenbarung JaHuWaHs. Das allgemeine Verständnis und die Bedeutung des Begriffes “Christos” oder “Christus” unter den Getauften entlarvt und bestätigt diese verworrene, ja abstruse Verkehrung des hebräischen Wortes Mashiach. Aus dem Juden Jahushua von Nazareth wurde von Paulus eine entjudaisierte griechisch-römische Gottheit namens Jesus Christus gemacht. Wir halten fest: Seit Paulus ist der israelitisch-jüdische Begriff Mashiach seines Sinnes und seines Inhaltes beraubt worden. Der Begriff Mashiach und der Begriff Christos, Christus, ursprünglich gleichbedeutend, sagen ab jenen Tagen nun völlig Unterschiedliches aus Mashiach, in der griechischen Sprache Christos ausgesprochen oder Christus in der lateinischen Sprache bezeichnet ab jener Zeit die zweite Gott-Person, die Erlösergottheit Jesus Christus, die mit ihrem Blut die Getauften angeblich vor Unglück und vor der Hölle bewahrt. Das ist eine Lehre wie wir sie von vielen Gottheiten in den heidnischen Traditionen kennen. Solche Entstellungen des israelitisch-jüdischen Begriffes Mashiach durch Paulus, haben in der Vergangenheit furchtbares Leid und Kriege zur Folge gehabt.

Die Feststellung, dass es innerhalb des israelitisch-jüdischen Volkes nicht nur einen einzigen Mashiach, ein Gesalbter, ein Christos, ein Christus gab, sondern das ganze auserwählte Volk von JaHuWaH als solches bezeichnet wird, ist für manche Christen eine sehr schmerzhafte Erfahrung, ja ein Schock. JaHuWaH spricht durch den Propheten: “Siehe, mein Knecht (mein auserwähltes Volk), den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen” (Jes 42,1).
Wir können diesen Schock sehr gut nachvollziehen, den meisten von uns ging es ja nicht anders. Nun, solange dieser Punkt nicht geklärt ist, werden wir auch nicht erkennen, wer oder was mit dem kommenden Mashiach gemeint ist. Im nächsten Gim folgt die Fortsetzung.

Von Herzen wünsche ich den aufmerksamen und aufrichtigen Gim-Lesern gesegnete Zeiten mit einem umfassenden Shalom.

Gregor Dalliard

Ankündigungen

Wir laden dich herzlich zu unserem nächsten Bibeltreffen in Finsterhennen ein. Wir treffen uns wieder am 16. Juni 2024 um 14,00 Uhr bei Martin und Kornelia Hunzinger-Schmid, Allmenhag 2, 2577 Finsterhennen. Wir freuen uns ganz fest auf die gemeinsame Zeit! Shalom!

In unregelmässigen Abständen publiziere ich Lebensimpulse (Lims).

Unter dem Kennwort Fragen Leserfragen (Lefs) möchte ich neu auf Leserfragen eingehen. Dabei werde ich auch aufschlussreiche und weiterführende Zusammenhänge anderer zu wichtigen biblischen Themen veröffentlichen.