Wir aus den (Israel-)Nationen! „..gaben Jakob und Kepha und Jochanan, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir unter die (Israel-)Nationen gingen, sie aber unter die Beschnittenen“ (Gal 2,9).

Glaubensimpuls 109

In verschiedenen seiner Briefe bezeichnet sich der Apostel Shaul als jener Apostel, der zu den „verlorenen“ zehn Stämmen gesandt ist. Diese Stämme wurden damals nicht die „verlorenen“ zehn Stämme genannt, sondern die (Israel-)Nationen. Sprach man von den Nationen, dann wusste jeder Jude, dass die „verlorenen“ zehn Stämme als Nationen gemeint waren. Dies im Unterschied zu den Heiden oder den übrigen Völkern. Doch abtrünnige Übersetzer die kaum oder nicht hebräisch verstanden und ebenso wenig bis nichts von den wunderbaren biblischen Zusammenhängen verstanden, warfen in ihren griechischen und später lateinischen Übersetzungen diese Begriffe und Inhalte völlig durcheinander. So chaotisch sind sie auch in unseren gängigen Übersetzungen überliefert. Luther selbst spricht von seiner schlechten Übersetzung und weist darauf hin, dass die hebräischen Gedankengänge und Zusammenhänge nicht verstanden werden können, wenn der Übersetzer nicht aus dem hebräischen Denken kommt.

Wir können darum nur schrittweise und mit viel Demut und Geduld, durch ein ernsthaftes Studium der Thora, der Propheten und Schriften, aus dem Zusammenhang heraus erkennen wann in den Bekenntnisschriften (BeS = NT) die ins Heidentum abgefallenen „verlorenen“ Israel-Nationen gemeint sind, die bleibend die Verheissung Abrahams in sich tragen (vgl. Röm 9,4-5) oder die übrigen heidnischen Völker.

Shaul schreibt den Galatern: „..gaben Jakob und Kepha und Jochanan, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir unter die (Israel-)Nationen (die „verlorenen“ zehn Stämme) gingen, sie aber unter die Beschnittenen (abgefallenen, oberflächlichen, gleichgültigen Juden)“ (Gal 2,9). Allen sollte gepredigt werden, dass Jahshua vom Vater allein dazu gesalbt und gesandt war, die „verlorenen“ Schafe des Hauses Israel wieder einzupfropfen, d.h. zu sammeln und zur Anbetung des einzig EINEN zu führen (vgl. Mt 15,24 u.a.m.). Dieses gewaltige Ereignis, auf das alle gerechtfertigten und Jahweh treu gebliebenen Juden so sehr warteten und das sie so sehr von Jahweh erflehten, war mit Jahshuas Sendung und Dienst angebrochen. Die Propheten hatten diese Zusammenführung solcher aus allen zwölf Stämmen, die Jahweh allein und ungeteilt anbeten würden, vor dem Kommen des endzeitlichen Mashiach verkündet.

Die gerechtfertigten, treuen Juden wussten, dass ein Prophet auftreten würde gleich Mose (vgl. 5Mo 18,15;18; Jo 5,39-46; Apg 3,22 u.a.m.). Darum sprach Philipp zu Nathanael: „Wir haben den (Propheten) gefunden, von dem Mose in der Thora geschrieben hat und die Propheten, Jahshua, den Sohn des Josef, von Nazareth“ (Jo 1,45). Jahshua, der Sohn des Josef von Nazareth, wurde als derjenige erkannt, der die (Israel-)Nationen wieder zusammenführen würde. Darum wurden die alten israelitisch-jüdischen Gebete die diese Erwartungen in Psalmen und andern Texten zum Ausdruck bringen in die Textsammlung des Lukasevangeliums aufgenommen und später Mirjam (vgl. Lk 1,46-55) und Zacharias (Lk 1,67-79) in den Mund gelegt.

Manchmal sind die Aussagen in den Bekenntnisschriften (BeS = NT) über die Sendung Jahshuas und die des endzeitlichen Mashiach ganz schön durcheinander gewirbelt. Dieses Thema ist ein sehr heisses Thema, dem wir uns ehrlich und redlich stellen müssen, wollen wir nicht der Hure Babylon angehören. Die Kirchenväter und Bischöfe von Rom (später rückwirkend Päpste genannt), haben dies bei der Sammlung, Sondierung, Überarbeitung und Zusammenfassung der Schriften und der vielen Evangelien (vgl. Lk 1,1) auf vier Evangelien bewusst so gemacht, weil sie den Juden damit einen Strich durch die Rechnung zu machen glaubten und sie als von Jahweh verworfen vermitteln wollten.

Mit dem Ausdrücken oder den Formulierungen, „den Mashiach (Christus) predigen“, den Mashiach (Christus) annehmen“, „den Mashiach (Christus) in sein Leben aufnehmen“, „an den Mashiach (Christus) glauben“ und Ähnliches, hiess ganz einfach der Sendung und dem Dienst des Mashiach glauben, Sendung und Dienst Jahshuas annehmen, anerkennen, und sich mit ganzer Hingabe ungeteilt dem himmlischen Vater Jahweh zuwenden. Zum Vater umkehren, ihn allein anbeten und ihn lieben wie Jahshua dies getan hat, „aus deinem ganzem Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft“ (vgl. Mk 12,30).

Die zentrale Sendung und Botschaft Jahshuas und der Apostel formuliert Shaul so: „Die (Israel-)Nationen sollen nämlich Miterben, Mit-Leib (Miteinverleibte) sein und Mitteilhaber nach der Verheissung (die an Abraham, Isaak und Jakob ergangen ist) durch die Botschaft Jahshuas, dessen Diener ich geworden bin durch das Geschenk der Gnade von Jahweh, der mir diesen Dienst durch seine Kraft gegeben hat“ (Eph 3,6).

Die „verlorenen“ (Israel-)Nationen sollen wieder zu einem Leib mit den jahwehtreuen Juden kommen, darum  gebraucht Shaul den Ausdruck Mit-Leib und spricht von unserem Einpfropftsein unter sie (vgl. Röm 11,16ff). Das auserwählte Volk ist der Sohn Jahwehs (vgl. 2Mo 4,22-23); ihm allein gehört die Sohnschaft (Röm 9,4). Folgerichtig gehört das ganze Zwölfstämmevolk und seine Nachkommen, aus denen viele Nationen hervorgegangen sind, zum Leib Jahwehs. Zu diesem Leib des Vaters gehören logischerweise alle Söhne. Durch den Abfall von Jahweh standen die zehn „verlorenen“ Stämme, unter dem Gericht der Jahwehlosigkeit, d.h. sie (wir) lebten im frommen Götzendienst (vgl. Hosea). Sie (wir) waren wie tote Glieder, tote Söhne, Söhne des Ungehorsams (vgl. Eph 2,1-3), am Leibe Jahwehs. Das Leben Jahwehs durchströmte sie (uns) nicht mehr. Sie (wir) waren ohne Jahweh in der Welt (vg. Eph 2,1;).

Wir können jetzt die Formulierungen Shauls verstehen: „..auch uns (als Nachfahren der abgefallenen Söhne, darum sind auch wir Söhne), die wir in den Vergehungen tot waren hat er mit dem Mashiach (Christus) lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet“ (Eph 2,5). Shaul identifiziert uns mit aller Selbstverständlichkeit als Söhne Jahwehs, weil er uns als Nachfahren der damals abgefallenen Söhne sieht. Ihnen und ihren Nachkommen ist die Sohnschaft bleibend zugesprochen.

Er bestätigt dies auch in seiner Aussage: „Wenn ihr aber des Mashiah (Christus) seid, so seid ihr damit Abrahams Samen (Nachkommenschaft) und nach der Verheissung Erben“ (Gal 3,29). „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Jahweh den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, d.h. Vater“ (Gal 4,6). Der Abba hat uns den gleichen Geist in unsere Herzen gegeben wie er ihn auch Jahshua ins Herz gegeben hatte und dieser Geist betet nur den Abba an. Daran können wir erkennen wer den Geist des Mashiach hat und wer nicht. Wer einen Jesus anbetet, als Jesus oder als Gott Sohn und wer einen hl. Geist als Gott den hl. Geist anbetet, der hat weder den Geist des Abba noch den Geist Jahshuas in sich. Das will mit dem Bekenntnis „der da ruft Abba“ deutlich und unmissverständlich gesagt sein. Es ist eine andere, aber ebenso klare Formulierung des Bekenntnisses: „Shma (Höre) Israel: Jahweh ist unser Erlöser, Jahweh ist einzig EINER“ (5Mo 6,4). Wir sollen Jahsua in der ungeteilten Anbetung des einzig EINEN gleichförmig werden (vgl. Röm 8,29).

Nun, wir werden von Shaul so sehr in der Sohnschaft unserer Vorväter gesehen, dass er das Versagen unser Vorväter als unseren  Zustand bezeichnete und von uns und von sich selbst sagen konnte, „auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren“. Einfach umwerfend!

Bedenken wir einmal wie entstellt der zwölfstämmige Leib des Vaters in dieser Welt dargestellt war und ist! Zehn Stämme und die daraus erwachsenen Nationen hingen und hängen als erschlaffte, tote Glieder am Leibe des Vaters! Die gerechtfertigten und treu geblieben Juden, die Jahweh und der Thora und den Propheten immer treu geblieben sind, litten und leiden darunter furchtbar. Wir können darum verstehen, dass sie nichts mehr und sehnlicher erwarten als die Wiederherstellung der „verlorenen“ Nationen, der Söhne, der Glieder am Leibe des Vaters, auf dass der Vater in seiner ganzen Schönheit und Herrlichkeit von allen Menschen und Mächten im Himmel und auf Erden gesehen und verherrlicht werde. Darum ersehnen sie das Kommen des endzeitlichen Mashiach. Dann wird Jahweh den ganzen Leib wieder herstellen und die ganze Welt wird evangelisiert werden.

Momentan noch sucht sich der Vater, neben den gerechtfertigten und treuen Juden, einzelne Anbeter aus den zehn „verlorenen“ Stämmen heraus. Das Heil war immer bei den gerechtfertigten und treuen Juden. Es war nie irgendwo sonst zu finden. Jahshua bestätigt das zum Ärger vieler Mitglieder in Kirchen und Freikirchen: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir (die treuen und gerechtfertigten Juden, Jahshua rechnet sich dazu) beten an, was wir kennen, denn das Heil ist bei den Juden (mit den Juden zusammen und nie ohne Juden)“ (Jo 4,22).

Jahshua führt die auf den Mashiach wartende Halbjüdin am Jakobsbrunnen schrittweise auf seine Sendung zu, indem er ihr sagt: „Es kommt aber die Stunde und ist jetzt (mit ihm angebrochen), da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden (wie die gerechtfertigten und treuen Juden anbeten), denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter“ (Jo 4,23). Seit dem Kommen Jahshuas sucht der Vater solche und die Suche geht noch weiter. Über die unterschiedlichsten Wege, so auch über die Verkündigung, öffnet er die Herzen jener, die in Demut und Dankbarkeit hören, wie die Frau am Jakobsbrunnen, wie die Lydia und viele andere, wie du und ich. Darum wachsen wir in der Anbetung in Geist und Wahrheit, d.h. wir dürfen die Grösse Jahwehs und sein wundervolles Heilswirken für alle seine Werke mehr und mehr erkennen und darin aufgehen. Wir wollen uns dieser hohen Verantwortung bewusst werden und bleiben. Viel Freude und Dankbarkeit will uns dabei erfüllen und begleiten.

Es gibt also keinen andern Leib als der Leib Jahwehs, die Versammlung und Gemeinschaft Jahwehs, die Gemeinde Jahwehs. Was heisst das? Der Leib ist vom Kopf abhängig und funktioniert nur vom Kopf aus. Der Leib ist absolut auf den Kopf ausgerichtet, der Kopf auf den Leib. Das heisst für uns, dass wir völlig auf Jahweh ausgerichtet sein sollen und müssen, weil er völlig auf uns ausgerichtet ist. Darum geben wir ihm allein alle Anbetung und erwarten alles allein von ihm.

Die Beziehung des Vaters zum Leib des Sohnes und umgekehrt, war im israelitisch-jüdischen Denken etwas völlig Normales und sehr Verständliches. Man dachte und denkt in einer äusserst tiefen Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit, die wir so nicht kennen und auch nicht formulieren. Der Sohn geht aus dem Leib des Vaters hervor. So sagte David über seinen Sohn Abshalom, der sich gegen ihn erhoben hatte: „Siehe, mein Sohn, der aus meinem Leib hervorgegangen ist..“ (2Sam 16,11; Spr 31,11). Der Sohn hat einen Leib oder ist Leib, weil der Vater ihm aus seinem Leib einen Leib gegeben hat. Von der Mutter ist selbstverständlich dasselbe gesagt (vgl. Jes 49,15).

So war, ist und bleibt das auserwählte Volk Sohn, weil es aus dem Leibe Jahwehs hervorgegangen ist, d.h. es ist von ihm gezeugt und geboren worden (vgl. 5Mo 32,18; 5Mo 7, 6-8). Es allein hat seinen Geist und alle seine Verheissungen (vgl. Röm 9,4). Einen andern Leib als das Zwölfstämmevolk hat Jahweh nicht hervorgebracht. Dieser Leib bleibt immer zusammen, es dürfen sich keine Teile von ihm entfernen oder von ihm entfernt werden.  Obwohl unser Abba der Schöpfer aller Menschen ist, will er mit diesem Sohn, dem erstgeborenen Sohn, sich alle von ihm abgefallenen Menschen wieder einverleiben, indem er sie aus der Vielgötterei zur ungeteilten Anbetung führt.

Diese Beziehung, dieses Verhältnis des Sohnes zum Vater, greift auch der Jude Shaul in seinen Briefen an die Römer und Korinther auf. Er schreibt: „..so sind wir, die vielen, ein Leib in dem Mashiach (Christus), einzeln aber Glieder voneinander“ (Röm 5,4). Shaul meint als Jude damit keineswegs etwa eine von den Juden losgelöste Gemeinschaft, Körperschaft, die in irgend einer Weise unabhängig von den gerechtfertigten und treuen Juden etwas zur Ehre Jahwehs wirken könnte. Das meinen und lehren allerdings die meisten Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften bis zu dieser Stunde!

Diese Irrlehre, die Jahweh gegenüber sehr schändlich ist, wurde von abgefallenen Kirchenvätern aus einem wachsenden tiefen Judenhass im römischen Reich entwickelt. Auf den Konzilien setzten sie diesen Gräuel durch, indem sie die Bibelorientierten (Zugehörigkeit zu den Juden) unter Druck setzten, einschüchterten und sogar mit dem Tod bedrohten und schliesslich von ihnen trennten (Abfall) und sie verfolgten. Mit Hilfe verschiedener römischer Kaiser erhoben Bischöfe diese Irrtümer zum unveräusserlichen und heilsnotwendigen Glaubensfundament aller und liessen sie durch die Kaiser als bindende Staatsgesetze für alle römischen Bürger verankern.

Was Shaul im israelitisch-jüdischen Kontext unter Leib meint, können wir am Besten verstehen, wenn wir einen Blick auf Hebr 3,1-4 werfen. Der Schreiber sieht sowohl Sendung und Dienst des Mose als auch Sendung und Dienst Jahshuas als das ihnen jeweils zugewiesene Haus an das sie bauen. Beide werden in der Ausführung ihres Erlösungswerkes Jahweh gegenüber als treu erachtet. Beide haben als jeweilige Brüder unter den Söhnen einen Auftrag (Haus, Leib gebaut) Jahwehs erfüllt, jeder zu seiner Zeit. Doch der beide Häuser erbaut, der den ganzen Leib baut, ausmacht, ist Jahweh (V4), d.h.von ihm allein geht jede Erlösung aus (V4). Darum gibt es ausserhalb von Jahweh kein unabhängiges Haus, keinen unabhängigen Leib, als den sichtbaren Leib Jahwehs, nur den des auserwählten Volkes. Darum schreibt Shaul, dass wir unter sie eingepfropft sind (Röm 11,16), und Mitteinverleibte sind (Eph 3,6).

Der Leib, das Haus des Mashiach (Christus), d.h. das Herausrufen einer bestimmten Zahl (Apg 15,13-17; Röm 11,25) von jahwehlosen Söhnen (aus den Israel-Nationen) in die jahwehvolle Vater-Beziehung läuft weiter bis Jahwehs Füsse auf dem Ölberg stehen werden (vgl. Sach 14,4). Dann wird unser Lehrdienst zusammen mit den gerechtfertigten und treuen Juden globale und kosmische (himmlische) Ausmasse annehmen (vgl. Sach 14,16; 8,21-23).

Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat mit einem ebenso herzlichen Shalom u vracha!

Gregor Dalliard