„.. der du ein wilder Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes teilhaftig geworden bist..“ (Röm 11,17)

Glaubensimpuls 79

Im Gim 77 habe ich auf mindestens zwei Grundpfeiler unseres Glaubens hingewiesen, die unumstösslich zum Wesen unserer Jahwehbeziehung gehören. Im letzten Gim 78 habe ich etwas über den esten Grundpfeiler geschrieben, nämlich über die einzigartige und aussergewöhnliche Stellung des israelitisch-jüdischen Volkes im Heilsplan Jahwehs, die niemand umstossen kann ohne sich selbst des Segens zu berauben und Schaden zu nehmen – für sich und für andere. Jahweh bestätigt uns diese Stellung seines Volkes in der geschichtlichen Vergangenheit, er tut es heute und wird es auch in Zukunft tun.

Der zweite heilsgeschichtliche Grundpfeiler, der zu einer echten Jahwehbeziehung gehört, ist die demütige und aufrichtige Bereitschaft uns in den geoffenbarten Heilsreichtum einpfropfen zu lassen. Dieser Heilsreichtum schliesst sowohl die Juden selbst als auch das ganze Offenbarungsgut mit ein. Das eine darf unter keinen Umständen vom andern gelöst werden, wie uns das die Kirchen – in ihrer Abneigung gegen die Juden –  fälschlicherweise eingemeisselt haben. Shaul betont diese Wahrheit den Hausgemeinden von Rom gegenüber ausdrücklich. Im Zuge des römischen Hasses gegen die Juden wollten sich jene Mashiachgläubigen die aus dem heidnischen Hintergrund kamen von jenen Juden die auch an Jahshua glaubten lösen um so der Verfolgung der Juden zu entgehen. Shaul wehrte sich mit aller Vehemenz dagegen. „..die Israeliten sind, deren die Sohnschaft ist und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Thoragebung (Lebensordnungen und -weisungen) und der Dienst und die Verheissungen; deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach (Josef) der Gesalbte (HaMashiach = Christus) ist. Der über allem ist Jahweh, der gepriesen sei in Ewigkeit“ (Röm 9, 4-5). Wir können uns ausserhalb dieses tiefsten heilsgeschichtlichen Kontextes nicht in Jahweh freuen und zu seinem Wohlgefallen glauben und leben.

Shaul musste als messianischer Jude deswegen sein Leben in Rom lassen. Die Römer haben ihn als messianischen Juden erkannt, ihn aber als Juden verstanden und hingerichtet, nicht als Kirchenchrist. Die Kirche enstand in ihrer Ausformung erst auf dem Konzilien von Nizäa und Konstantinopel im 4.Jh., als dieser geoffenbarte zweite Grundpfeiler des himmlischen Vaters Jahweh aus den Gemeinden beseitigt war. Shaul hatte diesen Grundpfeiler noch mit aller Kraft verteidigt. Natürlich gab es extreme Juden die ihm in Rom und anderswo widerstanden, so wie es welche gab, die auch Jahshua widerstanden, weil sie eigene Traditionen aufgebaut hatten, die nicht mit den Thora- und den Prophetenworten übereinstimmten (vgl Mt 15. 3.6.14; Apg 28, 23-24). Das aber tut nichts zur Sache.

In seinem Brief an die Hausgemeinden von Rom schreibt Shaul unmissverständlich klar: „Wenn aber das Erstlingsbrot (das Israel, das an Jahshua glaubt) heilig (ausgesondert) ist, so auch der Teig (das übrige Israel); und wenn die Wurzel (Berufung und Erwählung Israels durch Jahweh, Thora und Propheten) heilig ist, so auch die Zweige (Israel und das ihm Anvertraute und seine Lebenspraxis). Wenn aber einige der Zweige (wenige Juden) ausgebrochen worden sind und du, der du ein wilder (verwilderter, aus den zehn „verlorenen“ Stämmen) Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes teilhaftig geworden bist (Ölbaum hat immer mit den Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs zu tun), so rühme dich nicht gegen die Zweige (löse dich nicht von den Juden). Wenn du dich aber gegen sie rühmst (dich von ihnen und der Thora und den Propheten loslöst) – du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich (du trägst nicht die Juden und die Thora und Propheten, sondern die Juden und die Thora und die Propheten tragen dich).. du aber stehst durch den Glauben (d.h. die Beziehung, die Jahweh in dieser Ordnung zu dir hat, durch seine Gnade allein bist du hinzugekommen). Sei nicht hochmütig (verachte die Juden nicht), sondern fürchte dich (nimm das sehr, sehr ernst)! Denn wenn Jahweh die natürlichen Zweige nicht geschont hat (richtet), wird er auch dich nicht schonen (richten).. sonst wirst auch du ausgeschnitten werden“ (Röm 11, 16-18.20b.22b).

Shaul will den Hausgemeinden in Rom und damit auch uns sagen, dass wir nun der gleichen Beurteilung und den gleichen Gerichtskriterien unterworfen sind wie die Juden, weil wir Teilhaber desselben Heilsreichtums geworden sind, weil wir jetzt unter sie eingepfropft sind. Shaul selbst bezeichnet sich als Gesandter für die „verlorenen“ Schafe des  Hauses Israel, d.h. der (Israel-)Nationen. Er trat damit in die Fussstapfen Jahshuas, der betonte, dass er nur für die „verlorenen“ Schafe des Hauses Israel gekommen sei (vgl. Mt 15,24 u.a.m.). Seine Botschaft lautet darum wie die des Jahshua: „Die (Israel-)Nationen sollen nämlich Miterben und Mitteinverleibte sein und Mitteilhaber (nach) der Verheissung (Sendung und Botschaft) in dem (des) Mashiach Jahshua, durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade Jahwehs“ (Eph 3,6).

Viele beschäftigt natürlich die Frage wie werde ich dem Willen des Abba Jahweh, Jahshuas und der Apostel entsprechend eingepfropft? Bin ich Miterbe, Miteinverleibter, Mitteilhaber? Wenn ich das nicht bin, wie werde ich das? Was heisst das für mich konkret? Welche Konsequenzen hat das für mich im Alltag?, für mein Umfeld? Was ist mit der Dreieinigkeit, die als unantastbares alles überragendes Fundament eines katholisch denkenden und geprägten Kirchenmenschen gehört? Was ist mit der Sonntagsheiligung, was mit dem Shabbat? Muss ich jetzt Jude werden? Muss ich nach Israel auswandern? Fragen über Fragen, die jeden aufrichtig Suchenden anfänglich ganz schön durcheinander bringen können.

Meine Antwort lautet zuerst einmal so: Erstens einmal ist alles Gnade unseres Schöpfers, des Abba Jahweh, „damit niemand sich rühme“ (vgl. Eph Kap. 2). Zweitens fangen wir an auf den Glauben des Jahshua zu schauen. Folgen wir ihm darin nach. Beten wir nur den Vater an, genau so wie Jahshua dies auch tat. Folgen wir ihm darin ganz treu nach. Das ist schon ein erster Schritt der Mitteilhaberschaft, des Eingepfropftwerdens und der Wiederherstellung. Prüfen wir ganz genau das Verhalten Jahshuas der Bibel gegenüber, der Thora, den Propheten und den Schriften gegenüber. Wie verhielt er sich zu den vom Vater fest verordneten Weisungen und Ordnungen. Wir werden staunen. Keine dieser Ordnungen hat er angetastet, mit keinem Satz sie aufgehoben. Im Gegenteil! Einigen Juden, die sich von den Ordnungen Jahwehs in der Thora und den Propheten entfernt hatten wies er in aller Deutlichkeit zurecht: „Warum übertretet ihr die Thora (Gebot Gottes) um eurer Überlieferung willen? ..und ihr habt so die Thora (Gebot Gottes) ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Heuchler!“ (Mt 15,3.6.) Er bezeichnet diejenigen, die die Thora und die Propheten und Schriften und damit die bleibenden Verordnungen Jahwehs durch irgend andere Lehren und Ordnungen ersetzen und damit für ungültig erklären, blinde Leiter der Blinden, die zusammen in die Grube fallen (vgl Mt 15,14). Erst diese Ordnungen Jahwehs ermöglichen ein segensreiches und verantwortungsvolles Leben und erfreuen des Menschen Herz. Also folgen wir Jahshua nach, dann ergibt sich aus der Schrift eins nach dem andern und die vielen Fragen finden schrittweise eine Antwort.

Drittens ist zu beachten, wer die Ehre des Abba Jahweh wiederherstellen will muss bei den Anfängen der Bibel, beim Fundament beginnen, also bei der Thora, den Propheten und Schriften. Ein Haus kann nie vom Dach her gebaut werden. Immer muss zuerst das Fundament stimmen, dann wird eins nach dem andern aufgebaut. Es entsteht ein prächtiges geordnetes und wohnliches Haus mit den besten Einrichtungen. Darin lässt es sich friedlich leben, darin fühlt sich der Mensch geborgen und sicher zuhause. Eine solche Wohnstätte wird zur begehrenswerten Wohnstätte hier auf Erde. Genau so wollen wir die von Jahweh geplanten und entworfenen Heilszusammenhänge anschauen und erkennen. Das ist übrigens äusserst spannend und erfüllt uns mit Neugier und Respekt.

Dabei ist noch ein weiterer wichtiger Schritt notwendig, der uns anfänglich zuwider läuft. Der Apostel Shaul wird manchmal als Feind der Juden hingestellt. Umso mehr erstaunen uns seine Aussagen über unser Eingepfropftwerden unter die Juden. Die Frage ist hier berechtigt: Was haben die Kirchenväter, die die Bekenntnisschriften (BeS = NT) aus vielen unterschiedlichen Quellen zu einem biblischen Kanon zusammenfassten, so wie wir es heute in Händen halten, hinzugeschrieben, weggelassen oder umgedeutet? Diese Frage kann wie ein Schock auf katholisch geprägte Menschen wirken, vor allem in den Freikirchen.  Ab dem

  1. Jh. (unter Papst Damasus und Hieronymus) kam ein überarbeitetes, zusammengefasstes NT (BeS) heraus, das von da an nicht mehr überarbeitet werden durfte. Viele unterschiedliche Übersetzungen  wurden vorher vernichtet, vor allem lateinische. Darum sind wir heute verpflichtet und aufgefordert alles was wir in den Bekenntnisschriften (BeS = NT) lesen, anhand der Thora, der Propheten und der Schriften zu prüfen damit wir der Gerechtigkeit Jahwehs, Jahshuas und der Juden genüge tun. Wir sollten das mit grosser Freude und Danksagung tun, denn damit nehmen wir teil an der Wiederherstellung der Ehre unseres  himmlischen Vaters Jahweh und seines Willens. Etliche Zitate, die sich in den BuS (AT) auf Jahweh beziehen werden von den Kirchenvätern in den BeS (NT) auf Jahshua bezogen! Jahshua und die Apostel haben vor jeder Abweichung des biblischen Kanons gewarnt (vgl. Mt 5,17-19). Die Betreffenden fügen sich selbst und anderen schweren Schaden zu!

Die Bekenntnisschriften (BeS = NT) sind in bewusster Abgrenzung zu den Juden als neuer Kanon dem eigentlichen Kanon der Thora, den Propheten und Schriften als Kanon hinzugefügt worden, obwohl Jahwheh dies niemals geboten hat. Jahshua und die Apostel glaubten, lehrten und bezeugten nur das was in der Thora, in den Propheten und Schriften uns als Kanon gegeben ist. An etwas anderem hätten sie nie gedacht. Die Kirchenväter hätten die Bekenntnisschriften (BeS = NT) als äusserst wichtige  Zeugnisschriften sammeln sollen, ohne an ihnen herumzumachen. Darum können viele Bibelleser mit verschiedenen widersprüchlichen Aussagen in den uns heute noch vorliegenden BeS (= NT) nicht fertig werden. Die Widersprüche heben sich aber auf, wenn wir alles im prophetischen Kontext der Thora, der Propheten und Schriften, also im Lichte der Bundesschriften (BuS = AT), prüfen und erarbeiten und das was Kirchenväter hinzugefügt oder verändert haben in diesen Kontext einordnen.

Nehmen wir ein Beispiel. In der Apostelgeschichte wird uns mitgeteilt, dass Jahshua selbst und die Mashiachgläubigen, jene Juden, die an Jahshua und seine Sendung glaubten, täglich im Tempel anzutreffen waren. Jahshua durfte an Pessach sogar feierlich in den Tempel einziehen. Der Zugang zum Tempel war ihnen aber nur möglich weil sie eine herzliche Verbundenheit mit der Priesterschaft und den meisten führenden Juden verband. Im Johannesevangelium, das rund hundert Jahre nach der Geburt Jahshuas entstanden ist, wird uns aber in manchen Aussagen genau das Gegenteil über das Verhältnis der Juden zu Jahshua geschildert. Ich habe in meinen Gims 42 und 76 darüber geschrieben, darum gehe ich jetzt nicht weiter darauf ein.

Mit grosser Freude und Hingabe dürfen wir diesen tiefen Reichtum unserer Heilsgeschichte ganz neu entdecken, daran teilhaben und miteinander teilen. Gehen wir Schritt für Schritt vor. Prüfen wir das geoffenbarte Wort in seinem Zusammenhang. Schauen wir uns alles gut und interessiert an, wir werden nur gesegnet werden. Shaul kann darum den Hausgemeinden von Rom schreiben: „Jahweh ist gerecht und rechtfertigt den, der des Glaubens des Jahshua ist“ (Röm 3,26b), d.h. der die Weisungen Jahwehs in der Thora, in den Propheten und Schriften ernst nimmt, sich damit gerne auseinandersetzt und so die Beziehung zu Jahweh, wie Jahshua dies gemacht hat, vertieft und pflegt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Gimlesern gesegnete Zeiten und ein herzliches Shabbat Shalom.

Gregor Dalliard