„Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich JaHuWaH über die, die mit ihm leben.“ (Ps 103,12).

Glaubensimpuls 230

Die Psalmen 103, 51 und 32 stammen ziemlich sicher von David. Sie sind ein lebendiges Zeugnis darüber wie ein im Glauben Abrahams gerechtfertigter und wiedergeborener Mensch nach einer schweren Verfehlung – unter Schmerzen – das Erbarmen JaHuWaHs erleben darf. Sie geben das wieder, was im Inneren eines solchen Menschen vor sich geht. David vergriff sich nie gegen den Gesalbten (hebräisch: Ha Mashiach, lateinisch: Christus, griechisch: Messias), JaHuWaHs, den König Shaul, als dieser ihm nachstellte und ihn aus Eifersucht immer wieder versuchte zu töten. David hatte mehrmals die Gelegenheit dazu (vgl. 1Sam 24,7-8; 26,23). Auch fiel David nie von der Gemeinschaft (Glauben) mit JaHuWaH ab. Er betete JaHuWaH allein an. Er suchte Hilfe, Rettung und Vergebung nur bei JaHuWaH. Auch in andern Situationen begegnen wir seinem ergebenen Wesen. Das zeichnet David in ganz besonderer Weise aus.

Es ist ein Geschenk, das ihm zuhause, in der Erziehung aus dem Geist der Thora, vermittelt worden war (vgl. 5Mo 6,4ff). </strong> David lebte von Jugend auf in einer sehr sensiblen und innigen Beziehung mit JaHuWaH und seinen Ordnungen. Doch dann geschah etwas das von ihm nicht vorgeplant war. David fiel in Sünde mit der Nachbarin Batsheba. Sie wurde schwanger. Er plante dieses Vergehen zu vertuschen. Doch sein Plan ging nicht auf. In seiner Verlegenheit, vielleicht war es auch Verzweiflung, beging er ein schweres Vergehen. Er ordnete den Tod Urijahus an (vgl. 2Sam 11 u. 12). Sein Inneres wurde völlig aufgewühlt. Seine Schuld trieb ihn beinahe in den Wahnsinn. Hören wir sein Bekenntnis:

„Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommergluten“ (Ps 32,3-4). (In diesem Zusammenhang schrieb ich im Gim 203, vom 6. August 2015 und im Gim 204, vom 13. August 2015). Sein Inneres war total zerrissen, er wusste sich aber nicht zu helfen, er war zu verzagt: „Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, und tilge alle meine Schuld! Erschaffe mir, JaHuWaH, ein reines Herz, und erneuere in mir einen festen Geist!“(Ps 51,11-12). Darum erhörte JaHuWaH sein Schreien und Flehen und sandte Natan zu ihm. JaHuWaH begegnete ihm über den Propheten Natan.

Über den Weg eines Gleichnisses wies er David auf sein schweres Vergehen hin. David versuchte sich nicht herauszureden. Er liess nicht seine Machtposition spielen. Im Reden Datans erkannte er sofort die Zuwendung JaHuWaHs, die ihn zur Wiederherstellung der Ehre JaHuWaHs einlud und aufforderte. Für David war es wie eine Erlösung, die Entbindung einer Last, die er sich aufgeladen hatte und die er zu tragen nicht mehr fähig war. Tiefer Schmerz und tiefe Reue erfassten ihn. „So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will JaHuWaH meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde“ (Ps 32,5). Er unterwarf sich den schweren Folgen, die aus seinem Vergehen entstanden waren und die nun sein ganzes Leben begleiten sollten. Tiefe Reue, Umkehr und das öffentliche Bekenntnis lösten einen nachhaltigen Segen aus. Er ist heute noch wirksam. Damit fand David schrittweise zum inneren Frieden zurück.

Er begehrte nicht auf gegen die Folgen seiner Sünde, die ihn nun zeitlebens begleiten sollten. Er war bereit sich vollkommen damit abzufinden und das Beste – gemeinsam mit der Hilfe JaHuWaHs – daraus zu machen. Die öffentliche Busse und die damit verbundene Entlastung dieses Vergehens, mit den zu tragenden Konsequenzen, war für ihn leichter zu ertragen als die versteckte Sünde. David wusste: „Die Opfer für JaHuWaH (das, was JaHuWaH zur Hilfe bewegt) sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, JaHuWaH, nicht verachten“ (Ps 51,19).

Das ist der Weg zum inneren Frieden. Darum kann der erlöste und befreite David im Psalm 103 das Lob auf JaHuWaH anstimmen und verkünden. Er preist die Barmherzigkeit und Vergebung in JaHuWaH. Er weiss, wovon er hier redet. In den Versen 1-2 fordert er seine bis dahin so sehr geplagte Seele, d.h. sich selbst, auf, JaHuWaH zu preisen: „Preise JaHuWaH, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten! Der da vergibt alle deine Sünde, der da heilt alle deine Krankheiten (die mit der Schuld verbundenen Leiden). Der dein Leben erlöst aus der Grube, der dich krönt mit Gnade und Erbarmen“ (Ps 103,2-3). Davids Schlussfolgerung und Rat für jeden der aus einer tiefen Beziehung mit JaHuWaH lebt und irgendwie versagt oder versagt hat:

„Deshalb soll jeder Fromme (in Beziehung zu JaHuWaH Lebender) zu dir beten, zur Zeit, da du zu finden bist (gerade in der Zeit einer Not ist er zu finden); gewiss, bei grosser Wasserflut – ihn werden sie nicht erreichen. Du bist ein Bergungsort für mich; vor Bedrängnis behütest du mich; du umgibst mich mit Rettungsjubel. Ich will dich unterweisen und dich lehren den Weg, den du gehen sollst; ich will dir raten, meine Augen über dir offenhalten. Seid nicht wie ein Ross, wie ein Maultier, ohne Verstand; mit Zaum und Zügel ist seine Kraft zu bändigen, sonst nahen sie dir nicht. Viele Schmerzen hat der JaHuWaHlose (Gottlose); wer aber auf JaHuWaH vertraut, den umgibt er mit Gnade. Freut euch an JaHuWaH, und frohlockt, ihr Gerechten (Gerechtfertigten), und jubelt, alle ihr von Herzen Aufrichtigen!“ (Ps 32,6-11).

Wie wohl kaum ein anderer Mensch dieser Erde hat David die nicht zu fassende Gnade und Barmherzigkeit des JaHuWaH in seinem Leben erfahren und begriffen. Nicht umsonst bekennt er: „Er hat uns nicht getan nach unseren Vergehen, nach unseren Sünden uns nicht vergolten. Denn so hoch die Himmel über der Erde sind, so übermächtig ist seine Gnade über denen, die mit ihm leben. So fern der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Vergehen. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich JaHuWaH über die, die mit ihm leben“(Ps 103,10-13).

Das ist eine Frucht aus dem Segen Abrahams, eine Frucht des Segens aus dem Bund den JaHuWaH mit Abraham schloss! Wer im Glauben Abrahams gerechtfertigt ist, der ist mit Abraham Teilhaber des Bundes geworden. Ein solcher Mensch wird, wie David und Abermillionen Menschen aus dem israelitisch-jüdischen Volk, die Gnade und Barmherzigkeit, die Vergebung von Schuld und Sünde, persönlich erfahren dürfen. Das ist der wunderbare Weg der Gnade und Barmherzigkeit den uns JaHuWaH bereitet hat. Diesen Weg lasst uns gehen, wenn wir uns – als Gerechtfertigte und Wiedergeborene, im Glauben Abrahams – in irgendeiner Weise verfehlen.

Gewiss stehen wir nicht in der öffentlichen Lebensposition und in den gleichen Lebensumständen wie ein David. Dennoch mag es in unserem Leben immer wieder zu gewissen ungereimten Begebenheiten kommen oder gekommen sein. Es wird in den kleinen alltäglichen Beziehungen und Dingen auch immer wider dazu kommen. Manche Spuren und Folgen früherer Begebenheiten mögen immer sichtbar bleiben, uns anhaften. In der Erinnerung mögen uns gewisse Umstände gelegentlich noch sehr zusetzen. Doch eines ist gewiss, bei JaHuWaH finden wir vollkommene Hilfe und Vergebung. Bei ihm ist ein absoluter Neuanfang möglich. In jeder Situation spricht uns die Bibel so an als wäre sie der zu uns gesandte „Prophet“ JaHuWaHs. JaHuWaH „schickt“ ihn zu uns und er spricht uns an. Den inneren Frieden in und mit JaHuWaH finden, das lässt JaHuWaH geschehen, denn nichts kann uns von ihm scheiden, wie auch David durch nichts von ihm geschieden werden konnte.

„Hört auf mich, die ihr Gerechtigkeit kennt (gerechtfertigt seid), du Volk, in dessen Herzen meine Thora (meine Liebe) ist: Fürchtet nicht die Schmähung der Menschen und erschreckt nicht vor ihren Hohnreden! Denn wie ein Kleid wird die Motte sie verzehren und wie Wolle die Schabe sie verzehren. Aber meine Gerechtigkeit (die Wiedergeburt in mir) wird in Ewigkeit bestehen und mein Heil von Generation zu Generation“ (Jes 51,7-8). Das durfte David erleben, das dürfen wir erleben – das ist Gnade und Barmherzigkeit. Wunderbar! Hallelujahu!

„So spricht JaHuWaH, der König Israels und sein Erlöser, der JaHuWaH der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und ausser mir gibt es keinen Retter. Und wer ist wie ich? Er rufe und verkünde es und lege es mir dar! – Wer hat von Urzeiten her das Kommende hören lassen? Und was eintreten wird, sollen sie uns verkünden! Erschreckt nicht und zittert nicht! Habe ich es dich nicht schon längst hören lassen und es dir verkündet? Und ihr seid meine Zeugen: Gibt es einen Retter ausser mir? Es gibt keinen Fels, ich kenne keinen“ (Jes 44,6-8).

Das ist schier unglaublich, aber es ist so! Das ist das Einssein mit unserem Vater im Himmel. Jeder von uns kann wie jeder Prophet, wie David, wie jeder gerechte israelitisch-jüdische Mensch – und auch Jahushua von Nazareth –, bekennen: Der Vater und ich sind eins. Ich bin eins mit dem Vater. Lasst uns mit allen diesen Gerechten, Gerechtfertigten, JaHuWaH allezeit loben und preisen und seine Gnade und Barmherzigkeit in unseren Herzen bewahren und wie ein Panier, in allen Versionen des Lebens, hochhalten! Hüten und pflegen wir diesen Schatz mit ganzer Freude, als den Schatz aller Schätze dieser Welt. Shalom und von Herzen einen gesegneten Shabbat.

Gregor Dalliard