Wer erschuf die Welt?

Glaubensimpuls 368

“Ja und jetzt”, so fragt ein Gimleser, “was soll ich nun glauben, hat nun Jesus Christus die Welt erschaffen oder Gott, jener Gott an den die Juden glauben und den wir Christen Gott den Vater nennen?” Der aufrichtige Bibelleser weist auf die Widersprüche innerhalb seiner Bibel hin. Dabei gehört zu seiner Bibel zweifellos auch das sogenannte Neue Testament. Für ihn steht das sogenannte Alte Testament eben zum alten Bund und ist damit für Christen eigentlich nicht mehr verbindlich. Nur darin kann er sich erklären, dass die Schreiber des Neuen Testamentes Jesus Christus als den Schöpfer Himmels und der Erde lehren und nicht den himmlischen Vater wie das die Schreiber der Thora, die Propheten, Psalmen und die übrigen Schriften der Bibel tun.

In der letzten Zeit ist er auf verschiedene dogmatische Lehraussagen der Kirche gestossen. Sie machen ihm sehr zu schaffen. Denn einerseits spricht die Kirche von der Bibel der Juden, dem Alten Testament, als von einem vergänglichen Gesetz, aber trotzdem erklärt sie die Schriften der Juden, Thora, Propheten, Psalmen und die übrigen Schriften des Alten Testamentes für alle Christen als verbindlich. Sie erklärt sie als zur christlichen Bibel gehörend? Das brachte ihn in Bezug auf die Erschaffung der Welt in einen argen Zwiespalt.

Ich möchte hier nun nicht mehr die ganze Palette von geschichtlichen und theologischen Entwicklungen aufzeigen, die zu diesem Wirrwarr innerhalb der christlichen Bibel- und Heilslehren führten. Das haben wir schon oft getan. Einige Hinweise mögen genügen. Es ist inzwischen jedem aufrichtigen Bibelleser klar geworden, dass zwischen dem Zeugnis der Thora, Propheten, Psalmen und Schriften und der Bibel der Kirchengründer, dem sogenannten Neuen Testament, unüberbrückbare Widersprüche herrschen. Die Gründer des Christentums schufen aus dem Rabbi und Pharisäer Jahushua von Nazareth eine Gottheit. Nach der Zerstörung Jerushalajims wurde Jahushua von Nazareth in langwierigen theologischen Auseinandersetzungen schrittweise den römischen, bzw. den griechisch-hellenistischen, Gottheiten angepasst. Innerhalb dieser Gottheiten gab es verschiedene Schöpfer der Welt oder Schöpfer verschiedener Bereiche der Welt. Die neue Christusgottheit, die sich die Kirchenväter im Laufe der ersten Jahrhunderte schufen, in der stetigen Anpassung an die römischen, bzw. hellenistisch-griechischen Staatsgottheiten, stieg im 4. Jh. relativ schnell in die obersten Ränge dieser Götter auf.

Ab 325 n. u. Z. nahm die Gottheit Jesus Christus schliesslich den obersten Rang aller Gottheiten Roms ein, auch über JaHuWaH, den Schöpfer Himmels und der Erde, den Erlöser Israels und der Juden. Die Juden und ihr Glaube wurden auf diesem ersten Konzil der Christen 325 n. u. Z. in Nizäa verdammt. Die Juden wurden vom Heil ausgeschlossen, sollten sie sich nicht der neuen Staatsgottheit Jesus Christus unterwerfen. Das taten unter oft schwersten Verfolgungen alle heidnischen Religionen und Kulte, nicht aber die Juden. Das Konzil leitete damals der römische Kaiser. Er galt als die Inkarnation der obersten Gottheit im Reich.

Damit war sofort klar, dass “Paulus” und die anderen Gründer des Christentums, sich nicht mehr länger auf das Zeugnis der Bibel (der Juden) berufen konnten und wollten. Das wäre ein Staatsverbrechen gewesen. Seit dem Frühjahr 311 trat das von Kaiser Galerius und den mitherrschenden Kaisern im römischen Reich verordnete Toleranzedikt schrittweise in Kraft. Bis dahin waren die Christen schwer verfolgt worden. Aus Dankbarkeit für das Ende dieser sehr schweren Zeit waren sie bereit das prophetische Wort umzupolen, preiszugeben. Die Juden, und mit ihnen JaHuWaH, wurden von den Christen vollends verraten und von da ab von den Christen grausam verfolgt – bis ins 20. Jahrhundert, in unsere Zeit herein.

Sämtliche Aussagen und Bekenntnisse des auserwählten Volkes zur Erschaffung von Himmel und Erde durch JaHuWaH (vgl. 1Mo 1 u.a.m.) wurden nach antiker traditioneller Weise auf die neue heidnische Gottheit, den griechischen Christus-Logos (Erschaffer der Welt), übertragen. Das sollte uns nicht erstaunen. Entsprechend lehrt Paulus: “Denn in ihm (Christus) ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er vor allem, und alles besteht durch ihn” (Kol 1,17-18). “….durch den er auch die Welten gemacht hat” (Hebr 1,2b). “Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht”. (Joh 1,10). Dieser Christus-Logos hat mit dem Juden Jahushua von Nazareth gar nichts zu tun.

“So wurden der Himmel und die Erde und all ihr Heer vollendet. Und JaHuWaH (Gott) vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und JaHuWaH segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das JaHuWaH geschaffen hatte, indem er es machte. Dies ist die Entstehungsgeschichte der Himmel und der Erde, als sie geschaffen wurden” (1Mo 2,1-4). Eine wunderbare Metapher, die jedem Christus-Logos, mit seinem Rattenschwanz an Verkehrtheiten, ein Ende setzt.

Allen wünsche ich einen gesegneten Shabbat. Mit einem herzlichen Shalom!

Gregor Dalliard