“Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt” (Gal 3,19a-b).

Glaubensimpuls 134

Shaul schreibt ganz klar, dass das Gesetz der Übertretungen wegen hinzugefügt worden ist (vgl. auch Röm 5,20). Etwas ist zu einem bereits Bestehenden, Grösseren, hinzugefügt worden. Was ist dieses bereits Bestehende? Das Bestehende ist die Thora, d.h. der Bund Jahwehs mit Abraham, das Herzstück der Thora. Dazu gehören alle Verheissungen und Verpflichtungen, die Segnungen und Gerichte Jahwehs die zum Wesen und zu den Ordnungen unseres Schöpfers gehören. Darin eingeschlossen sind alle Lebensweisungen Jahwehs, die eine Beziehung zu Jahweh, ein persönlich segensreiches Leben und das menschliche Zusammenleben auf der Basis der Jahweh- und Nächstenliebe erst ermöglichen.

Dazu enthält, gibt und ordnet die Thora Erziehung und Bildung, Recht und Medizin, Wissenschaft und Technik, Wirtschaft, Entwicklung und die Bewahrung der Schöpfung. Wer in der Thora immer wieder mit Herz liest und darin forscht wird laufend staunen über den umfassenden Lebensreichtum der in der Thora grundgelegt ist und sich uns erschliesst. Alle Lebensbereiche sind darin abgedeckt, so dass selbst im Umgang mit modernen Entwicklungen und Fragen neue Wege abgedeckt und beschritten werden können, ohne mit der Thora in Konflikt zu geraten. Das ist gerade das Faszinierende an der Thora. Das ist, so möchte ich es sagen, typisch Jahweh. Einfach einzigartig und wunderbar! Darum ist der ständige Gedankenaustausch über das was wir aus der Thora erkennen und wie wir im Lichte der Thora mit den modernen Entwicklungen und Fragen umgehen können so herausfordernd, gesund und fördernd.

Die grossen Ordnungen des menschlichen Zusammenlebens auf dieser Welt beruhen auf den Fundamenten der Thora, ohne dass sich die Menschheit dessen bewusst ist oder bewusst sein will. Wo Israeliten, bzw. Juden, hingekommen sind brachten sie diesen Segen Jahwehs mit. Die Menschen lernten von ihnen, kopierten sie, aber sie nutzen sie auch aus, verwendeten das von ihnen Gelernte gegen sie, verkehrten es ins Gegenteil, missbrauchten sie und brachten die meisten von ihnen um – daran hat sich bis heute auch nichts geändert und es wird sich bis zur anbrechenden Herrschaft der Heiligen Jahwehs, d.h. des auserwählten Volkes unter der Führung Jahwehs (vgl. Dan 7,18.22.27; Sach 14,4-5) auch nichts ändern.

Natürlich sind von Jahweh abgedriftete Juden auch führend im Dienste finsterer Engel-Mächte, wie könnte es auch anders sein? Die Thora spricht ja klar und deutlich von ihrer Führerschaft, sowohl im Guten wie im Schlechten (vgl. 5Mo 28ff), was sich bis heute auch bestätigt hat! Nicht nur die einflussreichen führenden Dichter und Denker sind israelitisch-jüdischer Abstammung oder sind Juden, sondern in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens schuf die Thora die Basis der sich entwickelnden Intelligenz.

Damit ist klar, dass mit Vers 19a unter dem Wort Gesetz nicht die Thora als solche gemeint ist, die von den Kirchen und christlichen Gemeinschaften in schändlicher Weise als das Gesetz gelehrt wird, das Jahshua angeblich vollendet und verworfen haben soll und mit dem wir angeblich nichts mehr zu tun haben sollen. Warum hätte Jahshua den Bund mit Abraham, das Kennzeichen der Thora und die wunderbaren Weisungen im Umgang mit Jahweh und der Menschen untereinander verwerfen sollen? Das macht überhaupt keinen Sinn. Solche Gedanken und Lehren sind äusserst verwerflich!

In diesem Vers 19a spricht Shaul vom Gesetz der Tieropfer und der dabei peinlichst genau zu erfüllenden rigorosen Ordnungen die Jahweh nach den Ereignissen am Fusse des Sinai vorschrieb. Diese hatte er durch seine Boten (Engel) nach den Ereignissen am Fusse des Sinai verordnet. Unter dem Begriff Engel kann ein menschlicher Bote, eine Vision oder eine sonstige Führung gemeint sein, eine Situation, die sich plötzlich zum Besten verändert.

Seine Boten können aber auch Engel sein, die als Gerichtsbringer und -vollstrecker handeln, sogar solche, die z.B. das Blut von Menschen- und Tieropfern fordern, damit die Opfernden mit ihnen in Verbindung treten und ihnen gefügig werden, was schauerlich ist!: „..angeordnet durch Engel“ (Gal 3,19c). Wer oder was immer unter Engel zu verstehen ist, eines ist klar, dass das strenge, rigorose Priester- und Opfergesetz, das allgemein als das Zeremonialgesetz bezeichnet wird, von Jahweh nie gewollt war. Er hat es nie gefordert (vgl. Jer 7,21-22; Hos 6,6; 1Sam 15,22; Mi 6,6-8; Ps 40,7). Es ist aber von ihm als Gericht für eine bestimmte Zeit genehmigt und streng geordnet worden.

Das Zeremonialgesetz macht einen recht grossen Teil der Thora aus. Dieses Gesetz „wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt –, angeordnet durch (Engel = Boten) in der Hand eines Mittlers“ (Gal 3,19b). Wie kam es zu diesem strengen Zeremonialgesetz für Priester und Volk?

Die Tragweite dessen was damals am Fusse des Sinai geschah vermögen wir wohl kaum zu erfassen. In den Augen Jahwehs und der damals anwesenden treuen und im Glauben Abrahams gerechtfertigten Israeliten war das ein Gräuel. Jahweh hatte sein erwähltes Volk gerade aus den Fesseln des gewaltigen Machtblockes Ägypten und ihrer Götter erlöst und befreit.

Durch aussergewöhnlichste Wunder und Zeichen, wie sie die Welt bis heute nicht wieder gesehen hat, erlöste und befreite er die Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Jakobs. Durch seinen Boten Mose wirkte er diese Wunder aller Wunder, diese Zeichen aller Zeichen. Umso unvorstellbarer ist der gräuliche Rückfall vieler Israeliten am Fusse des Sinai. Er kann uns fassungslos machen. Doch wir sollten vielmehr über unseren eigenen Götzendienst fassungslos werden!

Viele Israeliten fielen am Fusse des Sinai in den alten heidnischen ägyptischen Götzenkult zurück. Und zwar genau zu der Zeit als Jahweh oben auf dem Berg zu Mose – und damit zu seinem Volk – redete und ihm die Weisungen für ein gesegnetes Leben übermittelte. Sie verleugneten in äusserst verletzender und schmerzlicher Weise ihren Befreier, ihren Erlöser Jahweh und gaben den Elementen dieser Welt, den Dämonen, ihr Vertrauen, ihre Ehre und ihre Anbetung durch Brand- und Heilsopfer.

Der Ruf lautete: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten herausgeführt haben.. Ein Fest für den Herrn (Baal) ist morgen! So standen sie am folgenden Tag früh auf, opferten Brandopfer und brachten Heilsopfer dar. Und das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken. Dann standen sie auf, um sich zu belustigen“ (2Mo 32,4b-6).

Bei solchen Opfer- und Festgelagen, wie sie am Fusse des Sinai geschahen, wurde zumindest ein Menschenopfer dargebracht, ein Säugling, ein Kind, eine Jungfrau oder ein erstgeborene Sohn. Bei solchen Opfer- und Festgelagen opferten sich Menschen in ihrem Götterrausch oft selbst den Göttern. Das Vorgefallene hatte alle Bosheit die man sich vorstellen kann übertroffen.

Wären bei diesen Brand- und Heilsopfern, wie sie im Heidentum üblich waren, keine Menschen geopfert worden, dann wäre das Geschehen noch nachvollziehbar gewesen. Jahweh, Mose und die treuen Israeliten hätten für das soeben aus dem götzendienerischen Ägypten ausziehende Volk Verständnis aufbringen können. Über vierhundert Jahre lang lebten die Nachkommen Abrahams unter dem Einfluss der Ägypter. Das ist eine sehr lange Zeit. Sie waren unterschiedlichsten Göttern- und Götzenritualen ausgesetzt gewesen.

Das mitziehende Mischvolk nahm Einfluss auf die ausziehenden Israeliten (vgl. 2Mo 12,38; 4Mo 11,4), was ein so schwerwiegendes Vergehen allerdings in keiner Weise rechtfertigt.

Es ging am Fusse des Sinai um einen solchen tiefen Fall, der Mose in eine tiefe Krise (Depression) stürzte. Er bittet Jahweh: „..so lösche mich denn aus deinem Buch, das du geschrieben hast, aus“ (2Mo 32,32b). Doch Jahweh bleibt bei seinem geschriebenen Buch, d.h. alles was sich Jahweh vorgenommen hat führt er aus, zu Ende. Das ist umwerfend, kaum zu fassen, nach allem was geschehen war! Aber das ist typisch Jahweh, das ist sein Wesen, denn Jahweh hat über uns nur „Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil“ (Jer 29,11).

Doch jeder Ungehorsam, jede Ignoranz, jeder Abfall von Jahweh hinterlässt Folgen, manchmal recht schwerwiegende, zumindest für eine bestimmte Zeit, doch gereichen diese Dinge dem Demütigen sowohl als Einzelner als auch als ganzes Volk zur Erziehung und zur Wiederherstellung der Beziehung mit Jahweh (vgl.Jer), wenn solche Gerichte wie das Gesetz sehr demütigend waren.

Bedenken wir folgendes: gebildete Griechen hatten sich bereits von jeder Form von Menschen- und Tieropfern gelöst, obwohl sie ihren philosophischen Götterwelten verfallen blieben. Das auserwählte Volk sollte über die Beziehung Jahwehs zu Abraham und umgekehrt schon sehr früh lernen von all diesem dämonischen Opferkult loszuwerden und zwar zur Ehre Jahwehs und zum Segen der im Heidentum verankerten Völker. Es sollte darin führend werden. Nun fiel es zur Schande und zur Unehre Jahwehs zum Spott gebildeter Griechen in diese Dinge zurück!

Jahweh lässt nun sein Volk, seinen Gerichten entsprechend, seinen Wegen der Wiederherstellung entsprechend, der Neubesinnung und Umkehr entsprechend, den demütigen Weg des aussergewöhnlich strengen Opferkultes, des Gesetzes gehen. Darum hassten die Griechen die Israeliten, bzw. die Juden. Der griechische Seleukidenkönig Antiochus Epiphanes schändete darum 165 v.u.Z. zu ehren des Sonnengottes ganz bewusst die Opferstätte im Tempel zu Jerusalem um sie von diesem widersinnigen Opfer- bzw. Zeremonialgesetz mit Gewalt abzubringen. Für einsichtige, gerechtfertigte treue Juden, wie etwa die Propheten und viele andere muss die Tatsache, dass ein heidnischer Herrscher sie mit Gewalt von ihrem Gericht befreien wollte sehr demütigend. Es war einfach blambel! Doch ausser viel Blutvergiessen und schrecklichem Leid erreichte Epiphanes nichts, denn es war Jahwehs beschlossene Sache den Opferkult (dieses Gesetz) solange aufrecht zu erhalten „bis der Nachkomme käme, dem die Verheissung galt“ (Gal 3,19c), der dieses Gericht beenden würde.

Darüber möchte ich im nächsten Gim etwas schreiben. Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard