„Heilige sie durch die Wahrheit: dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17,17).

Glaubensimpuls 048

„Der Umgang der christlichen Kirchen mit dem biblischen Offenbarungsgut ist sonderbar. Es ist ein nicht nachvollziebares Verhalten, das allen Regeln der Redlichkeit, des Anstandes und der Wahrheit widerspricht.“ Das sind Worte eines enttäuschten Katholiken, der eine leitende Funktion in der katholischen Kirche innehat. Er hatte sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wie viele Katholiken, vorgenommen, die biblische Offenbarung in ihrem geschichtlichen und heilsgeschichtlichen Zusammenhang zu studieren. Dabei entdeckte er die Thora, die Propheten und Schriften ganz neu und zwar in ihrem Zusammenhang. Die theologischen Hochschulen vermitteln offiziell ab dem 4. Jh., seit den Konzilien von Nizäa 325 und Konstantinopel 381, eine religiöse Ideologie, die aus einer Mixtur besteht. Hellenistisch-römisches Gedankengut, Philosophie, heidnische Praktiken, mit etwas Bibel vermischt, prägen seither das religiöse Denken, Lehren und Handeln der katholischen Kirche. Unterschiedlich stark sind die reformatorischen Kirchen und Freikirchen davon geprägt.

Nun, er und ich, wir haben unabhängig voneinander die gleiche Erfahrung gemacht. Er gibt mir gegenüber ganz offen zu, und das ist immerhin sehr zu schätzen, dass er die katholische Kirche, wegen seines engen sozialen Umfeldes und seiner seelischen Beschaffenheit, nicht zu verlassen vermöge. Er könnte die Konsequenzen nicht verkraften. Er ist übrigens nicht der einzige, der mir gegenüber dieses Geständnis machte.

Das Johannesevangelium vermittelt uns einen wunderbaren Gebetshymnus Jahshuas (Jesus). Immer wieder neu erfüllen uns bestimmte Aussagen dieses Hymnus mit Freude. Manchmal aber trifft uns eine Aussage mit einer solchen Wucht, so dass wir gleichsam genötigt werden unser Glaubensleben neu zu überdenken. Mit einer solchen Wucht trifft uns der Eingangs zitierte Vers. Seit ca. 1976 beschäftige ich mich mit der Bibel. Als katholisch erzogener kirchentreuer Mensch war mir die Bibel bis zu diesem Zeitpunkt suspekt. In der Primarschule (Grundschule) wurde uns in Form des katholischen Katechismus etwas vom Wesen der katholischen Kirche vermittelt. Daneben gab es die Schulbibel als Kurzformat. Sie bestand aus eindrucksvollen Bibelgeschichten die das israelitisch-jüdische Alltagsleben betrafen. Wir verstanden sie aber als katholische Geschehnisse. Warum wohl? Die Kirche vermied es unter allen Umständen uns das zusammenhängende Wort der Wahrheit, also die gesamte Botschaft unseres himmlischen Vaters Jahweh und die damit verbundenen Hintergründe, redlich und korrekt zu vermitteln. Daran hatte sie absolut kein Interesse. Die wesentliche Wahrheit des Wortes ist seit dem 4. Jh. aus seinem israelitisch-jüdischen Zusammenhang herausgerissen vermittelt.

Das Volk der Juden war grundsätzlich immer das böse Volk. Wir, die Kirche, gehörten ganz selbstverständlich immer zum braven Volk, das nichts als das göttliche Wort hört, das die Päpste, Bischöfe und Priester in aller Demut – gemäss Offenbarung der Bibel – treu verkündigen, und wenn es darauf ankommen sollte, sogar bereit wären dafür zu sterben. Es gibt ja inzwischen auch eine unüberschaubare Zahl von heiliggesprochenen Märtyrern, die für diese  „Wahrheit“  ihr Leben gelassen haben. Nun, manche von ihnen meinten es sicher aufrichtig. Woher hätten sie es wissen sollen, dass sie für die Unwahrheit Elend und Tod auf sich nahmen? Manche waren nie katholisch, wie etwa die jungen Männer der Thebäischen Legion aus Oberägypten. Diese rund tausend Männer starben im 4. Jh. hier im Wallis, in Matigny, in Treue zum biblischen Wort. Die Liebe zur göttlichen Wahrheit schätzten sie über alles. Gerade diese Liebe zum Wort der Wahrheit hinderte sie daran sich nach der gängigen götzendienerischen Tradition vor dem Gottkaiser (vgl.Papst heute) anbetend niederzuwerfen. Ihre Treue zum biblischen Wort bezahlten sie mit dem Tod. Sie wurden in der Nähe von Martigny, im heutigen St. Maurice (St. Moritz, Wallis), verscharrt. Der Vatikan hat sie später vereinnahmt und gibt sie seit dem 6. Jh. verlogenerweise als papsttreue Katholiken aus, die angeblich für die katholische Lehre ihr Leben gelassen haben sollen. Das ist  mehr als unredlich!

Zurück in unsere Schulzeit. Interessanterweise standen wir also immer auf der Seite der grossen israelitisch-jüdischen Propheten wie  Shmuel (Samuel), Elijah u.a.. Ohne uns darüber Gedanken zu machen, wie sollten wir auch, verehrten wir sie als unsere Leute. Wir sind in der irrigen Meinung gross geworden, dass die Juden, aus welchen die Kirche später Heilige und Gottheiten machte, und die darum in den Kirchen als Erlösergottheiten angebetet und angerufen werden, katholisch waren. Ich denke an die Vergöttlichung  des Juden Jahshua von Nazareth als zweite Gottperson. Dies geschah nach griechisch-hellennistischem Muster, was dem Wort der biblischen Wahrheit in Thora, Propheten und Schriften völlig widerspricht. Ebenso denke ich an die Vergöttlichung  der jüdischen Mirjam (lateinisch Maria) als immerwährende Jungfrau, vor, während und nach der Geburt Jahshuas. Ich denke an die sogenannte unbefleckte Empfängnis dieser Jüdin (d.h. ihre Sündenlosigkeit in der Zeugung ihrer Eltern (Glaubesdogma von 1850 n.u.Z.) und an die dogmatische Erklärung, dass die Jüdin Mirjam die Mutter von Gott sei (Maria Gottesgebärerin, Glaubensdogma von Ephesus 431 n.u.Z.) und als Gottheit leiblich in den Himmel aufgenommen worden sei (Glaubensdogma von 1950).

Wir könnten hier noch andere Volljuden nennen, die als Katholiken vermittelt wurden und werden. Zacharias, Elisabeth, Johannes der Täufer und die Apostel. In den Kirchen werden diese Juden und Jüdinnen entweder als Götter angebetet oder als  sogenannte Heilige angebetet und verehrt. Ihnen übergibt man sich in den Taufritualen und in den unterschiedlichsten Zeremonien. Es gibt überall in der christlichen Welt Dome, Basiliken, Kathedralen, Kirchen und Kapellen, die nach diesen  Juden und Jüdinnen benannt und ihnen geweiht sind. Wir denken an die vielen Wallfahrtsorte, die zu Ehren der Jüdin Mirjam (Maria) und anderer Juden, erbaut wurden und werden. Die christliche Welt ist voller Gedenkstätten dieser Juden. Sie alle waren Juden. Keiner von ihnen ist jemals christlich im kirchlichen Sinn gewesen. Sie wussten sich allein dem prophetischen Wort, dem Wort des himmlischen Vaters, verpflichtet. So auch Jahshua, der ein Volljude war und blieb, bis in seinen Tod hinein. Nur als Volljude und echter Rabbi durfte Jahshua im Tempel lehren.

In diesem wunderbaren und eindrucksvollen Gebetshymnus Jahshuas (vgl.Joh 17) sind wichtigste Kernwahrheiten des göttlichen Offenbarungsgutes zusammengefasst vermittelt. Er nennt hier seinen und unseren himmlischen Vater Heiliger Vater (Joh 17,11b). Heiliger heisst hier ausgesondert von allen Göttern, Götzen und deren Namen. Wie sehr bat er seinen und unseren Heiligen Vater, dass wir alle doch in des Vaters Wort bleiben mögen, dass wir im Bleiben des Wortes geheiligt werden, d.h. ausgesondert bleiben.

Denken wir daran, Israeliten oder Juden, die der Vatikan, die orthodoxen Kirchen oder andere Organisationen durch Vergöttlichung oder Heiligsprechung ihrer Persönlichkeit, Stellung und Zugehörigkeit beraubt haben, macht gemäss profetischem Offenbarungswort der Bibel noch keine Katholiken oder Christen im kirchlich-hellenistischem Sinn. Götzendienst und Menschenkult ist gläubigen Juden ein Greuel – gemäss dem Wort der Wahrheit. Götzendienst und Menschenkult sind aber gerade der Inbegriff des kirchlich-christlichen Glaubenssystems. Abgeschwächt finden wir diese Traditionen auch in den unterschiedlichen kirchlich-christlichen Tochterkirchen.

Lasst uns darum mit grossem Eifer und tiefer Dankbarkeit die Wurzeln unseres Glaubens erforschen und bekennen, damit wir Jahshua in der Treue zum Wort seines Vaters immer ähnlicher werden. Dabei ist von uns viel Mut gefordert, doch der innere Friede mit dem Geber des Wortes ist wichtiger als die Freundschaft mit der Welt (Weltkirche).

Mit einem freudigen Shabbat Shalom grüsse ich alle ganz herzlich.

Gregor Dalliard