“Sie gehen von Kraft zu Kraft” (Ps 84,8).

Glaubensimpuls 295

Wir kommen nicht darum herum: der Mensch braucht die Beziehung zu JaHuWaH. Will der Mensch in jedem Fall überleben, unbeschadet überleben, in den allerschlimmsten Dingen, die ihm in seinem Leben widerfahren können, unbeschadet überleben, braucht er die unerschütterliche Gewissheit, dass er von seinem Schöpfer als Geschöpf geschaffen worden ist. Der Schöpfer JaHuWaH hat dieses Grundbedürfnis in jedem seiner Geschöpfe angelegt. Alles was geschaffen ist, ist unmöglich einer unendlichen Vergänglichkeit ausgeliefert. Nichts ist aus dem reinen Zufall heraus geworden, selbst wenn uns vieles so erscheint. Das gibt schlichtweg keinen Sinn, denn zu vielfältig sind die Zusammenhänge aller Dinge und Wunder in der Schöpfung.

Zuviel von dem was als Schöpfung existiert ist für uns Menschen nicht erklärbar, nicht fassbar, ist uns nicht zugänglich. Gerade die modernen Wissenschaften und Errungenschaften wollen uns mit ihren immer neuesten Erkenntnissen beweisen wie zufällig und sinnlos alles im Grunde genommen ist – und zwar in allen Bereichen des Lebens – weil offenbar alles natürlich erklärt werden kann. Obwohl uns die meisten von ihnen mit ihren Erkenntnissen grossmundig und mediengeil beweisen wollen, dass es keinen Schöpfer und kein Leben nach dem irdischen Tod geben kann sind gerade sie es die uns beweisen und uns mehr und mehr davon überzeugen wie wenig wir über das Werk JaHuWaHs, das Werk des Lebens, wissen. Letztlich bewirken sie das Gegenteil von dem was sie erreichen wollen. Alle ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und tiefsinnigen Zusammenhänge die sie entschlüsseln animieren uns dazu die Grösse JaHuWaHs mit noch mehr Danksagung und Hingabe zu preisen.

JaHuWaH hat sich unendlich viel vorbehalten, das nicht entschlüsselt werden kann. Das belegen uns die ersten Kapitel der Bibel. Das hat seinen Sinn, den wir weder zu entziffern vermögen noch können, denn das wäre zwecklos. Er lässt uns selbst über die besten Wissenschaftler – in allen Bereichen der Schöpfung und des menschlichen Lebens – immer nur jene seiner Werke und Gedanken entschlüsseln, die uns als wissenschaftliche Erkenntnisse in unserem Glauben, in unserer Beziehung zu ihm, bestärken und aufrichten. Ist das nicht wunderbar, aussergewöhnlich?

Die Fülle der Bibel, dieser unermessliche Schatz an JaHuWaH gemässem (göttlichem) Wissen und Erfahrung, wirft jeden der sich mit dem biblischen Wort befasst, aus den Bahnen der Glaubenszweifel heraus – und das ist wunderbar. Wie die modernen Wissenschaftler, so haben auch die Religionen immer wieder versucht JaHuWaH in Griff zu bekommen, ihn gleichsam in die Knie zu zwingen. Schauen wir ihre Lehren an. Das Christentum behauptet mehr als jede andere Religion JaHuWaH in Griff bekommen zu haben. In lästerlicher Weise behauptet es in seinen Lehren und Dogmen alles über JaHuWaH und seine Schöpfung zu wissen.

Die hohe Zahl an dogmatischen Aussagen über JaHuWaH übertrifft jede andere Religion. Bis ins letzte Detail erklärt es den Menschen wer JaHuWaH ist und was er von jedem Menschen fordert. Ein Dogma ist nach seinem Verständnis eine unerschütterliche und unantastbare Heilswahrheit die JaHuWaH, der Schöpfer aller Werke, nur den Gründern des Christentums und den Päpsten, den Führern aller Christen, geoffenbart hat. Wer diese “Wahrheit” nicht annimmt verschwindet für immer im Höllenschlund der Kirchentheologie. Und solche Dogmen gibt es in keiner Religion mehr als im Christentum. Auf alles hat es eine Antwort! Es ist das gleiche Prinzip wie das der meisten modernen Wissenschaftler.

Wer auf alles eine Antwort hat und seine Antworten in Form von strengen Glaubenssätzen (Dogmen) anderen um jeden Preis aufzwingt, der ist im Lichte des gesamtprophetischen biblischen Wortes bereits gestorben, tod. Das betrifft sowohl die meisten Wissenschaftler als auch die Religionen. Beide sind auf ihr Wissen, auf ihre Fähigkeiten und Erkenntnisse beschränkt. Beide lassen von ihrem dogmatischen Denken her keine Veränderung zu. Die meisten Wissenschaftler ignorieren die Existenz JaHuWaHs, sie klammern ihn aus, er darf keinen Einfluss auf ihre wissenschaftlichen Forschungen nehmen. Die Kirchen lehnen mit ihren unantastbaren Dogmen der Kirchengründer und Päpste jeden biblischen Einfluss ab, d.h. sie klammern das prophetische Wort, das Reden JaHuWaHs, ebenso aus. Sie behaupten zwar sehr fromm und biblisch zu sein. Sie verdecken ihre dogmatische Starrheit und fromme Sturheit, ihre Leblosigkeit, mit unzähligen “Gottesdiensten”, Kirchenfestzeiten, Zeremonien u.v.m. Damit geben sie sich vor den Menschen den Schein von Mobilität. Beide verweigern JaHuWaH ihr Vertrauen.

Ich möchte den Eingangs erwähnten Satz nochmals zitieren: Will der Mensch in jedem Fall überleben, unbeschadet überleben, in den allerschlimmsten Dingen, die ihm in seinem Leben (unvorhergesehen) widerfahren können, unbeschadet überleben, braucht er die unerschütterliche Gewissheit, dass er von seinem Schöpfer als Geschöpf geschaffen worden ist. Dieses Vertrauen lebte in den meisten israelitisch-jüdischen Menschen, in vielen auch heute noch. Durch eine gründliche Erziehung in den Häusern und Dorfschulen lernten schon die Kinder sich mit den heiklen Fragen des Glaubens und des Lebens auseinandersetzen und umgehen. Wie erhalte ich mein Vertrauen zu JaHuWaH in Zeiten von unvorhergesehenen Einbrüchen in mein Leben und Katastrophen, die bittere Folgen im Alltag nach sich ziehen könnenund die eine Herausforderung des Glaubens darstellen, ohne das Vertrauen zu JaHuWaH aufzugeben.

Der Psalm 84 ist ein Pilgerpsalm. Er wurde auf dem Pilgerweg zum Tempel gesungen oder gebetet. Wie bei so vielen Aussagen der Bibel wird hier der Tempel zu Jerushalajim symbolisch mit den Wohnungen im Himmel verglichen: “Wie lieblich sind deine Wohnungen, JaHuWaH der Heerscharen! Es sehnt sich, ja, es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen JaHuWaHs, mein Herz und mein Leib, sie jauchzen dem lebendigen Erlöser entgegen” (Ps 84,2-3). Der ganze Mensch, einfach Seele genannt (anders als im griechischen und christlichen Denken), oder auch Herz oder Leib, sehnt sich nach den Vorhöfen JaHuWaHs, nach dem Einssein mit JaHuWaH.

Sind es nicht die beschwerlichen Dinge im Alltag, auf die wir keine Antwort haben, die uns das Gefühl vermitteln als wären wir mit JaHuWaH nicht eins, als würde JaHuWaH gar nicht existieren, als seien wir doch allein gelassen: “Sie gehen durch das Tränental und machen es zu einem Quellort” (Ps 84,7a). Was heisst das? “Sie gehen von Kraft zu Kraft” (Ps 84,8). Jenen, die in JaHuWaH gegründet sind wird das Tränental zu einem Ort der Quelle zu neuem Vertrauen auf JaHuWaH, zu neuem Segen. Wenn sie in solchen Zeiten, in Zeiten der Tränen, dem Nächsten gegenüber ihre Liebe nicht versagen, liegt darauf ein besonderer Segen der Wiederherstellung:

“Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit JaHuWaHs wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen, und JaHuWaH wird antworten. Du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! Wenn du aus deiner Mitte fortschaffst das Joch, das Fingerausstrecken und böses Reden und wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst und die gebeugte Seele sättigst, dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und beständig wird JaHuWaH dich leiten, und er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken. Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht versiegen” (Jes 58, 8-11). Haben wir vergessen, dass die Nächstenliebe eine Quelle und ein Prozess der inneren Wiederherstellung ist, ein Segen bewirkt den JaHuWaH nicht zurückhalten kann?

JaHuWaH umfängt alles, auch das was uns an unerfüllten Wünschen begleitet, auch das was uns an vergangenen Fehlern anhängt, selbst das was uns an Schwächen ein Leben lang anhängt und was uns zu bestimmten Zeiten an JaHuWaHs Gegenwart zweifeln lässt. Doch jeder Mensch ist zur praktischen Nächstenliebe befähigt, selbst in Zeiten in denen uns unsere negativen Erfahrungen und Gefühle JaHuWaHferne vorgaukeln. Die Nächstenliebe ist mit der Liebe zu JaHuWaH und seiner Liebe zu uns identisch. Sie trägt uns durch unser ganzes Leben hindurch. “Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich” (Ps 23,4), d.h. “Sie gehen von Kraft zu Kraft” (Ps 84,8).

In dieser tragenden Gewissheit grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen erholsamen Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard