„..entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium (Botschaft) verkündigt haben: er sei verflucht“ (Gal 4,6).

Glaubensimpuls 38

Lassen wir uns von der Schrift (der Bibel) unser kirchliches Denkkorsett abnehmen, fällt uns so manch bisher Geglaubtes wie Schuppen von den Augen – zu unserer Befreiung. Wir werden gleichzeitig auch ganz neu in Verantwortung genommen. Viele Kirchenmitglieder empfinden ihre Mitgliedschaft absolut nicht als Korsett, weil sie nichts anderes kennen und ihnen in Glaubens- und Ethikfragen jegliche Unterscheidung und Eigenverantwortung abgenommen ist.

Spontan denke ich an meine ältere Pfarrköchin, die mich um jeden Preis bat, sie zu einem Besuch ihres Bruders nach Kenia zu begleiten. Sie befürchtete ihn das letzte Mal zu sehen. Allein wollte sie nicht reisen. Wir flogen für fünf Wochen nach Kenia. Nach vierzehn Tagen wurde sie von einer heimtückischen Infektion am Leib geplagt. Wir suchten eine Arztpraxis in Mombasa auf. Kaum war sie im Untersuchungsraum, ebenerdig und oben offen, rief mich der Arzt aufgeregt um Hilfe. Dem Arzt war es trotz Hilfe von R. nicht gelungen sie von dem Ganz-Leib-Korsett zu befreien. Schweissgebadet und schier verzweifelt rannte der junge Arzt auf mich zu. Obwohl ich ihn in diesem Tempo sprachlich nicht verstehen konnte, folgte ich ihm schnurstrackts. Es musste R. wohl in Ohnmacht gefallen sein – oder sonst was Schwerwiegendes vorgefallen sein!

Schnell rannte ich also in den versandeten Raum, begriff sogleich und legte Hand an. Mit vereinten Kräften gelang es uns die arme R. von dem Ganz-Leib-Korsett zu befreien. Die Ärmste atmete sichtlich erleichtert auf und es ging mit ihr von da an gesundheitlich schnell bergauf. Der Arzt verbot ihr strengstens sich jemals wieder in diesen europäischen Frauenpanzer, wie er es nannte, zu zwängen. Der frauliche Körper sei nicht für solche Torturen bestimmt. Meines Wissens hat sie sich in Kenia endgültig von diesem Frauenpanzer verabschiedet. Sie ist übrigens wohl deshalb im vorigen Jahr mit fast hundert Jahren gestorben. Sie trug, wie sie mir etwas beschämt zuflüsterte, schon über Jahrzehnte dieses Korsett. Sie fühlte sich darin wie in einer Zwangsjacke, aber die allgemeine Frauenmode erheischte diese Tortur. Es war einfach eine Tradition, die sie blind und aufrichtig, ohne jemals zu hinterfragen, übernommen hatte.

Das geistige Korsett, das uns das Mönch- und Papsttum umgelegt hat, von dem sich auch die Freikirchen und Gemeinschaften nicht ganz zu lösen vermögen, hat nicht minder negative Auswirkungen auf unser geistiges Wohlsein. Eine Masse von Menschen macht sich darüber auch keine Gedanken. Dieses geistige Korsett jedoch verhindert aber eine echte und tiefe Jahwehverbindung  und -gemeinschaft, so wie sie uns Jahweh durch die Profeten, Jahshua und die Apostel vorlegt. Diese Verbindung wird durch das Wort der Bibel und dem darin enthaltenen Geist wirksam. Shaul schreibt den eingangs zitierten Vers (vgl. Gal 1,9) in diesem Zusammenhang. Die persönliche Beziehung zu unserem Schöpfer bleibt für das Geschöpf unerlässlich und sollte entsprechend wahrgenommen und gepflegt werden. Die Argumente mit denen der Vatikan über den Weg der Ökumene die Freikirchen und Gemeinschaften in den letzten Jahrzehnten unterwandert, berauben diese der bisher erreichten Freiheit hin zu dem lebendigen Erlöser Jahweh, die so manche Männer und Frauen im Laufe der Kirchengeschichte errungen haben. Männer und Frauen, die aus der Bibel die befreiende Botschaft Jahwehs schmeckten und von ihr angezogen blieben, forschten und suchten weiter. Sie konnten nicht mehr aufgehalten werden bis sie von der Kirche umgebracht oder durch Verfolgung und Mobbing eines natürlichen Todes starben. In ihnen erwachte eine tiefe Liebe hin zu dem befreienden Wesen des himmlischen Vaters Jahweh. Sie wuchsen unterschiedlich schnell und stark in das zusammenhängende profetische Wort hinein. Warum mussten viele von ihnen ihre Freiheit mit lebenslangen Schikanen oder sogar mit dem Leben bezahlen. Das Kirchentum gestattet keinem seiner Mitglieder, ja überhaupt keinem Menschen, sich von dem Ganz-Leib-Korsett, das sie im 4. Jh um die Menschheit geschnallt und im Laufe der Geschichte immer enger zugeschnürt hat, sich zu lösen.

Die moderne weltliche Gesetzgebung gestattet es allerdings dem Vatikan nicht mehr alle seine Machtmittel offen zur Unterdrückung Andersdenkender einzusetzen. Doch die Grosskirchen leben aus einem intensiv gepflegten Beziehungsnetz (s. Konkordate des Vatikanstaates mit den meisten Staaten der Welt u.a.m.). Oberster Machthaber dieses Staates Vatikan, der alles souverän beurteilt, entscheidet und als Gesetz verbindlich erklärt (unumstösslich dogmatisiert, s. CIC, kathol. Kirchenrecht), ist nach dem aktuellen verbindlichen Kirchengesetz (CIC) allein der Papst, der nach ihrem eigenen Gesetz der angebliche Stellvertreter des Jahshua (Jesus von Nazareth) sein soll. Gerade so als wären Jahshua (Jesus von Nazareth) Kefa (Petrus), Jakob und andere nachfolgende Gemeindeverantwortliche in Jerusalem und anderswo Staatsoberhäupter mit Beziehungen zu allen damaligen Staaten der Welt gewesen. Das ist natürlich eine völlige Verzerrung der geschichtlichen Fakten. Dadurch unterwarf sich das Kirchentum eine Masse von Menschen, die es weiterhin in diesen Denkvorstellungen festhält. Das ist Korsett!

Darum lasst uns die aus dem profetischen Wort bereits erreichten Zusammenhänge, die mit den geschichtlichen Fakten zusammenhängen, unter keinen Umständen rauben. Im Gegenteil! Wir wollen zu Ehren des himmlischen Vaters, zu unserem Segen und der uns Anvertrauten, darauf weiterbauen und uns gegenseitig brüderlich stärken.

Mit einem herzlichen Shalom wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat und eine erbauliche innere Sammlung und Ausschau auf das Wesentliche.

Gregor Dalliard