„Unser tägliches Brot gib uns heute“ (Matthäus 6,11)

Glaubensimpuls 27

Die Welt ist durch die modernen Medien zu einem Dorf geworden. Wir sind schnellsten über Katastrophen, Not, Elend und Hungersnöte informiert. Millionen Menschen fehlt das Existenzminimum. Wir wissen um den täglichen Hungerstod von Menschen in der Welt. Machtgier, Kriege, Ungerechtigkeiten, Ausbeutung, Hab- und Geldgier, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit treiben Menschen in unerträgliche Existenzsituationen, bis in den Hungerstod.

Während viele Menschen buchstäblich von der Hand in den Mund leben, rauben sich andere, getrieben von ihrer besessenen Habgier, unsägliche Unsummen zusammen, mit denen sie ihren Einfluss geltend machen – ein Teufelskreis! Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt in unseren Tagen beängstigende Ausmasse an. Zunehmend vernetzte Wirtschaftskriminalität, Bandenraub, Stadtkriege, Anarchie und Chaos verheissen nichts Gutes.

Niemand von uns unserem Bekanntenkreis vermag hier Abhilfe zu schaffen. Beschäftigen wir uns als Einzelpersonen nur noch mit den Ungerechtigkeiten und Hungersnöten in dieser Welt, würden wir bald einmal resignieren und uns treiben lassen. Wo sind die Grenzen des Gebens, wo die Grenzen der Unterstützung humanitärer Werke? Der einzelne ist hier bald einmal hoffnungslos überfordert.

Jahshua will uns mit dieser festen Gebetstradition aus der israelitisch-jüdischen Vater- bzw. Schöpferbeziehung, keine Predigt über die Hungersnot in der Welt und den Umgang damit halten. Jahshua wusste um das Elend der Hungernden und jener die hungers sterben. Er wies auf die Gründe dieses Elends hin, weil er wusste, was in seiner Zeit diesbezüglich getan oder unterlassen wurde. Er hat diese Situation nicht aufheben können. Es lag auch nicht in seinem Auftrag und in seiner Macht: „… denn die Armen habt ihr allezeit bei euch und wenn ihr wollt könnt ihr ihnen wohltun. Mich aber habt ihr nicht allezeit“ (Mk 14,7). Damit sagte er aber aus, wie wichtig seine Gegenwart seine Botschaft und seine Bedeutung für die Zukunft sein würde. Der gegenwärtige Zustand in der Welt würde nur vorübergehend sein. Das mag sich für manchen wie eine billige Vertröstung anhören oder wie eine Verweigerung nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Jahshua tat in seinem kurzen Leben alles mögliche um dieses Elend einzuschränken und gab diesbezüglich viele Weisungen.

Diese Gegebenheiten beinhalten natürlich den Glauben an eine Auferstehung und an eine gerechte Wiedergutmachung (Gericht) mit Erstattung und zwar für alles erfahrene Unrecht, das sowohl seinen Geschöpfen als auch der Schöpfung widerfahren ist. In Bezug auf die Profeten wies Jahshua darum auf die kommende Königsherrschaft seines Vaters Jahweh hin, unter der er (Jahshua) alles Übel dieser Welt beseitigen würde, bis alles in Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe hergestellt sein würde. Zusammenfassend darf auf den neuen Himmel und die neue Erde hingewiesen werden, die der himmlische Vater unter der Herrschaft Jahshuas schaffen wird: „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken und es wird nicht mehr in den Sinn kommen. Vielmehr freut euch und frohlockt über das, was ich schaffe! Denn siehe, ich schaffe Jerusalem zum Frohlocken und sein Volk zur Freude. Und ich werde über Jerusalem frohlocken und über mein Volk mich freuen. Und die Stimme des Weinens und die Stimme des Wehgeschreis wird darin nicht mehr gehört werden…“ (Jes 65,17-19; Jes Kap. 11; 42,1ff; 61,1ff). Der neue Himmel und die neue Erde gehören immer untrennbar zusammen, so wie das himmlische und das irdische Jerusalem untrennbar zusammengehören (vgl. Offb 21,1-5). Nebenbei bemerkt gehören darum logischerweise thoratreue Juden untrennbar zusammen mit messiasgläubigen Juden und solchen aus den (Israel-)Nationen (allgemein als Christen bezeichnet), auch wenn sie unterschiedlichen Körperschaften und Prägungen angehören (vgl. Röm 11,16ff; Eph Kap 2; 3,6; Gal 3,26-4,1-9 u.a.m.).

Meines Erachtens geht es in dieser Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ ganz speziell um unser Bewusstsein der existenziellen Abhängigkeit vom himmlischen Vater. Unser Leben und das der uns Anvertrauten soll von einer immerwährenden Dankbarkeit für das tägliche „Brot“ bestimmt sein. Es geht in dieser täglichen Bitte auch um eine reale Hoffnung, die alle Menschen, auch die Habgierigen und die im Überfluss lebenden zur Besinnung auf das Wesentliche und damit zu einer Umsinnung (Teshuwa) auffordert.

Leben wir in diesen Dingen mit unserem Abba Vater, dann werden wir sicher genug Weisheit erhalten, um in den Fragen des Hungerelends in der Welt, entsprechend unserer Möglichkeiten, handeln zu können.

Mit einem brüderlichen Shabbat Shalom grüsse ich alle herzlich

Gregor Dalliard