„und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben“ (Matthäus 6,12)

Glaubensimpuls 28

Neben der Bitte um die tägliche Nahrung, gehört auch die Bitte um Vergebung unserer Schulden. Auch hier liegt Jahshuas Lehre eingebettet im Kontext des israelitischjüdischen Offenbarungsgutes. Auch in dieser Bitte steht die Beziehung des auserwählten Volkes zu dem einzig einen Erlöser Jahweh im Vordergrund.

Die israelitischen Stämme und ihre Nachkommen erkannten sich gegenseitig als Brüder an. Warum? Sie waren alle von Jahweh, von demselben Vater, bzw. Geist, gezeugt und geboren (vgl. 5. Mo 32,18). Sie empfanden sich untereinander, gemäss Offenbarung Jahwehs, als Sohn Jahwehs: „So spricht Jahweh: Mein erstgeborener Sohn ist Israel, – und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient!“ (2. Mo 4,22-23). Ist das nicht ergreifend? Der Sohn dient dem Vater, darum muss er freigelassen werden, frei sein und frei bleiben. Er darf keines Menschen und keiner Religion Sklave sein! Das gilt auch für uns, die wir durch Jahshua mit dem Vater versöhnt sind, d.h. wieder in den Sohnesstand zurückgeführt worden sind.

Der Umgang und das Schuldempfinden unter Brüdern, die innerhalb derselben Hausordnung (Erwählung, Berufung, Ordnungen Jahwehs) leben, unterscheidet sich von „wild“ lebenden Menschen, d.h. von Menschen (Heiden) die ohne die Ordnungen Jahwehs leben. Ebenso von den Söhnen des Ungehorsams, den „verlorenen“ (Israel-) Nationen (vgl. Eph 2,2), die zu den Ordnungen der Heiden abgefallen sind oder den Weg einer Mischreligion praktizieren. Zu ihnen gehörten auch wir (vgl. Eph 2,3. 11-13; 3,6; Tit 3,3). Aber wir sind jetzt über Jahshua, als bisher entfremdete und ausgeschlossene Söhne (vgl. Eph 2,12), zurückgekehrt (vgl. 1. Petr 2,10.25). Jahshua bestätigt diese Andersartigkeit des israelitisch-jüdischen Bruderschaft indem er sagt: „Ihr aber lasst euch nicht Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen (geistig abhängig machen), den einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel“ (Mt 22,8-9). Brüder, die untereinander nach den Ordnungen Jahwehs leben, haben ein anderes Schuldbewusstsein als die übrigen Menschen.

Auch in allen Briefen Shauls kommt dieses tiefe israelitisch-jüdische Brüderverständnis und das daraus sich ergebende Schuldbewusstsein, bzw. das gegenseitige Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Brüdern, zum Ausdruck. Bruderschaft, Liebe und Vergebung nehmen auch bei ihm eine zentrale Bedeutung ein. Auch alle übrigen Bekenntnisschriften (NT) geben das israelitisch-jüdische Offenbarungverständnis von Schuld und Vergebung wieder.

Die übrigen Völker waren innerhalb ihrer Verbände durch Kasten und Kultsysteme untereinander getrennt. Die Ordnungen, die die Völker sich selbst gaben, fanden je nach Rang und Namen der jeweiligen Gemeinschaft eine unterschiedliche Anwendung. Hingegen besassen im auserwählten Volk die zehn Worte (zehn Gebote) und Ordnungen Jahwehs für alle die gleiche Gültigkeit und Anwendung. So verlangte es jedenfalls Jahweh in seinen Ordnungen.

Die Beziehung und der Umgang mit dem Nächsten galt und gilt darum immer als Spiegel der persönlichen Jahwehbeziehung. Die Bitte um die Vergebungsbereitschaft nimmt deswegen einen so zentralen Platz ein. Die grösste Versuchung unter Brüdern bleibt die Versuchung der Unver-söhn-lichkeit. Im Wort Ver-söhn-lichkeit oder Unver-söhn-lichkeit ist das Wort Sohn enthalten. Das heisst wiederum, dass alle, die sich zum himmlischen Vater Jahweh bekennen zur Sohnschaft gehören. Einem Mit-Sohn Jahwehs die Bruderschaft oder die Liebe verweigern, heisst die Vaterschaft Jahwehs und das Werk Jahshuas verleugnen.

Grundkennzeichen der göttlichen Bruderschaft sind: erstens der Glaube an den einzig einen Erlöser Jahweh, wie die Profeten, Jahshua und die Apostel ihn bezeugten und lebten. Dies im Gegensatz zu den Trinitariern, die an der philosophischheidnischen Form einer Dreigötterlehre festhalten. Zweitens die Sohnschaft als unverdientes Geschenk (Erwählung, Herausrufung) ohne unser Hinzutun, also allein durch die Gnade Jahwehs, die er an uns, den Entfremdeten, durch Jahshua gewirkt hat.

Jahshua reagierte auf die Ablehnung und das Nichtvergeben irgendeiner Schuld einem Bruder gegenüber in aller Schärfe. Nachdem er seine Jünger gelehrt hatte (damit auch uns), sprach er die für uns manchmal nicht leicht zu ertragenden Worte: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben“ (Mt 6,14-15). Zusammen mit seinen Aussagen in Mt 5,22-24; 7,3-5; 18,21.35 sind das schwer zu fassende Worte. Jetzt aber können wir den Grund dieser Bitte, wie sie uns in Mt 6,12 vermittelt ist, verstehen. Wir sind nach seiner Lehre aufgefordert, laufend das eigene Urteil über uns selbst auszusprechen. Zu diesem Thema wären noch einige andere Aspekte zu beachten, wie z.B. Mt 18,15!

Halten wir fest: Meine persönliche Jahwehbeziehung kann nur eine gesegnete Beziehung zu meinen Brüdern und Mitmenschen hervorbringen, wenn mir erstens die unverdiente Erwählung und Berufung Israels, und damit auch deine und meine unverdiente Erwählung, bewusst bleibt (vgl. 5. Mo 7,6-8; 10,15; 4,35-39; Röm 8,28-30 u.a.m.).

Zweitens muss ich auch seine Gerichte und alle negativen Erfahrungen als Ausdruck seiner Liebe und Weiterführung annehmen lernen (vgl. Jes 38,17; Hiob 42,5; Röm 8,28). Wer gelernt hat alle Geschehnisse in diesem göttlichen Zusammenhang zu leben, wird auch immer wieder zur Ruhe kommen können. „Alle Erziehung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedsame Frucht der Gerechtigkeit“ (Hebr 12,11). Jeden von uns führt und begleitet er treu und in liebevoller Barmherzigkeit durch das Leben hindurch, selbst in schweren Zeiten.

Drittens darf ich das Ziel der vollkommenen Wiedergutmachung, Erstattung und Wiederherstellung allen Lebens und aller Dinge im Herzen wach halten. Es ist der Weg des gerichtet werden, d.h. stets in die Richtung (Willen) Jahwehs geleitet werden (Gericht). Bewahre und pflege ich zumindest diese drei Generalpunkte im Herzen, findet die Bitte: „Und vergibt uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben“ immer wieder neu eine befreiende Anwendung im Alltag.

Die Jobeljahre (Widderhornblasen), die sich alle fünfzig Jahre wiederholten, erinnerten die Bundesbrüder an Jahwehs Wertschätzung jedem einzelnen gegenüber und an ihre Zusammengehörigkeit, die sie untereinander in der Verantwortung Jahweh gegenüber, leben sollten. Darum sollte auch alles vergeben werden und jeder wieder zu seinem Eigentum kommen. Lasst uns diese Zusammenhänge immer wieder neu im Herzen bewegen und dadurch neuen Ansporn zur Vergebung erfahren.

In dieser hoffnungsfrohen Haltung wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat. Shabbat Shalom

Gregor Dalliard