„und führe uns in (aus) der Versuchung und errette uns von dem Bösen“ (Matthäus 6,13)

Glaubensimpuls 29

Ja, diese anscheinend kleine und doch so gewichtige Aussage hat bis heute unzählige Auseinandersetzungen ausgelöst. Lehrte Jahshua gemäss obigem Zitat oder lehrte er: „und führe uns nicht in Versuchung…“. Ich möchte die unterschiedlichen Überzeugungen einmal stehen lassen.

Was meines Erachtens bedeutungsvoller ist, ist das Stichwort Versuchung. Diese Bitte in Matthäus 6,13 nahm Jahshua in seiner Lehre über das Jahweh wohlgefällige Gebet zwischen zwei wesentlichen Lehrabschnitten. Ich habe im letzten Glaubensimpuls darüber geschrieben. Darum gilt die Beziehung und der Umgang mit den Menschen, vor allem mit jenen, die sich vom Geist und den Ordnungen Jahwehs leiten lassen wollen, als Spiegel unserer Beziehung zu Jahweh und seinen Ordnungen. Wir können uns nicht einfach laufend von guten Vorsätzen und frommen Emotionen anfeuern lassen, die bei der nächsten Herausforderung gleich vergessen sind. Unser Wesen erlebt nur schrittweise, entsprechend unseres Umganges mit Jahweh und seinem Wort, tiefgreifende und bleibende Veränderungen.

Die Bibel zeigt uns schon auf den ersten Seiten Ordnungen auf, die unser himmlischer Vater Jahweh, der Schöpfer des Lebens, den Menschen gesetzt hat. Die Versuchung aus diesen Ordnungen auszubrechen ist dem Menschen von Jahweh möglich gemacht. Nicht etwa deswegen, als hätte  Jahweh Freude daran den Menschen ins Elend rennen zu lassen. Es wiederholt sich immer wieder dasselbe. Der Mensch soll in und aus der Versuchung heraus seine Begrenzungen (Grenzen) gegenüber Jahweh realisieren, sich dieser Grenzen bewusst werden. Ebenso soll der Mensch darin seine Berufung und Bestimmung kennen lernen und darin ausgerüstet und geformt werden. Es ist ihm nicht einfach alles möglich. Nicht alles was der Mensch will, kann und tut gereicht ihm, seinen Mitmenschen und der Schöpfung zum Segen. Er braucht die Informationen und die Orientierung von seinem Schöpfer. Erst im nachhinein wird dem Menschen meist bewusst, wie verhängnisvoll sich seine eigenwilligen (jahweh-losen) Entscheidungen und Handlungen ausgewirkt haben oder auswirken.

Ein typisches Beispiel stellen Adam und Eva dar. Sie konnten der Versuchung, die in der Bibel durch den Versucher, die Schlange, dargestellt wird, nicht widerstehen. Sie wollten sein wie ihr Schöpfer Jahweh. Sie wollten alles in den Griff bekommen. Darum versuchten sie sich zu verselbstständigen, indem sie sich von ihrem Schöpfer unabhängig machen wollten. Doch dieser Versuch scheiterte kläglich und endete in der Katastrophe.

Als die Gebete Kains nicht sogleich erhört wurden, wie jene Abels, da erlag Kain einer Versuchung: „Und Jahweh sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt. Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird dein Verlangen sein, du sollst aber über sie herrschen“ (1. Mo 4,6-7).

Das Problem lag nicht bei Jahweh, sondern bei Kain. Kain lebte offenbar nur in einer oberflächlichen, begrenzten Beziehung mit Jahweh, darum konnte er in solchen Situationen trotz des Zuspruchs Jahwehs nicht die Ruhe bewahren und demütig mit Jahweh wandeln. Neid ist ein typisches Kennzeichen von mangelnder oder fehlender Jahweh-Beziehung. Ebenso ein Kennzeichen der mangelnden Erkenntnis über die unverdiente Erwählung, Berufung und über die Heilsziele Jahwehs. Der eigenwillige Weg Kains führte direkt in eine Katastrophe.

Anders ist es bei Hiob, bei Hanna, der Frau des Elkana u.a.m.. Ebenso bei Jahshua, dem Gesalbten (Christus) Jahwehs. Gerade nach seiner Geistsalbung (Mt 3,16-17), die gemäss Jahwehs Wort in Mose und den Profeten erfolgte, wurde Jahshua versucht. Er sollte seine Stellung missbrauchen (vgl. Mt 4,1-11). Doch aus welcher Kraft heraus widerstand er und wies die Versuchung von sich. Es war die intime, gepflegte Jahwehbeziehung, die ihm über Moshe und die Propheten übermittelt war. Er lebte aus dieser innigen Beziehung heraus. Er pflegte sie aus der Offenbarung heraus und dem Gebet (Zwiegespräche) in der Stille. Bei Hiob ist uns dargelegt, wie Jahweh dem Satan, der zu den Söhnen des Himmels gehört, gestattet Hiob zu versuchen. Hiob bewährte sich!

An mehreren Stellen der Bibel wird uns berichtet, wie Jahweh von Menschen versucht wird (Ps 78,18.41.56; 106,14; Mal 3,15 u.a.m.). Auch Jahshua erinnert den Teufel und damit auch uns daran: „Du sollst Jahweh, deinen Erlöser, nicht versuchen“ (Mt 4,7; Lk 4,12). Jakob scheint dem allem zu widersprechen, wenn er schreibt: „Jahweh kann nicht versucht werden… er selbst aber versucht niemand“ (Jak 1,13). Jakob will uns vermutlich sagen, dass Jahweh keiner Versuchung erliegen kann. Er ist weder parteiisch noch bestechlich. Er braucht weder den Rat von irgendjemand, noch lässt er sich von seinem Schöpfungswerk abbringen. Jakob erwähnt den Teufel nicht, führt dann aber aus: „Ein jeder aber wird versucht von seiner eigenen Begierde“ (Jak 1,14). Er will damit wohl sagen: Zu selbstverständlich werfen die Gläubigen alle Schuld auf den Teufel und entziehen sich so der Eigenverantwortung. Damit betrügen sie sich selbst und entehren den Erlöser Jahweh.

Jakob steht damit, meines Erachtens, nicht im Widerspruch zu den anderen biblischen Aussagen, vielmehr will er uns daran erinnern, dass die Versuchungen solcher Art sind, dass wir durch eine innige Jahwehbeziehung aus ihnen herausgeführt oder damit umzugehen lernen können: „Ein fester Turm ist der Name Jahwehs, zu ihm läuft der Gerechte und ist in Sicherheit“ (Spr 18,10).

Darum heisst es wohl: „Und führe uns in (oder aus) der Versuchung“ zur Verherrlichung seines Namens (vgl. Mt 4,1-10).

Ein herzliches Shalom Uvracha (Frieden und Segen)

Gregor Dalliard