„Und frühmorgens…stand er auf…und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort“ (Markus 1,35)

Glaubensimpuls 20

Im letzten Glaubensimpuls habe ich von Beziehungen geschrieben. Wir werfen einen Blick zurück in unsere bisherigen Lebensbeziehungen. Was ist daraus geworden? Manchmal können uns vergangene Beziehungen belasten, aus welchen Gründen auch immer. Manchmal denken wir mit grosser Freude und Dankbarkeit an gewisse Beziehungen zurück. Vielleicht würden wir gerne manches ändern, aber so manches liegt nicht mehr in unserer „Macht“. Durch irgendwelche Umstände ist so manche Beziehung anders verlaufen, als wir es rückblickend gerne hätten.

Wie steht es mit unseren gegenwärtigen Beziehungen? Wir dürfen aus dem Vergangenen lernen. In der Bibel werden wir darum immer wieder auf den Umgang des auserwählten Volkes mit Jahweh erinnert. Je nach Beziehung und Umgang mit dem himmlischen Vater, fiel auch der Umgang und die Beziehung untereinander und mit den um sie herum lebenden Menschen aus. Die Art und Weise wie Beziehungen zum himmlischen Vater in Brüche gingen und die damit verbundenen tragischen Folgen für das auserwählte Volk und die Völker ringsum, sticht uns ins Auge.

Darum haben solche, die unter diesen Beziehungsbrüchen mit Jahweh und als Folge auch mit den Mitmenschen litten, uns das daraus Gelernte als bleibende Mahnung mit auf den Weg gegeben. Es sind historische Ereignisse in der biblischen Heilsgeschichte. So schreibt der Psalmist: „Dies sei aufgeschrieben für das künftige Geschlecht, und ein neu geschaffenes Volk soll Jah loben“ (Ps 102,19). M.a.W. sagt der Psalmist, die Beziehung zu Jahweh soll ein künftiges Geschlecht wachhalten, damit es nicht die gleichen Fehler macht wie die Väter und die gleichen Gerichte über sich ergehen lassen muss.

Shaul schreibt in mehreren seiner Briefe sehr treffend: „Alles dies aber wiederfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist“ (1. Kor 10,11). „Alle Schrift ist von Jahweh eingegeben und nützlich zur Lehre (Belehrung), zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Jahwehs vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig zugerüstet“ (2. Tim 3,16-17).

Wie sehr Jahshua, unser Haupt, alles was uns in der Schrift als Mahnung gegeben ist, zu Herzen nahm, berichten uns vor allem die Evangelien. Jahshua suchte dauernd die Verbindung, die Beziehung zum Vater.

Erstens nahm Jahshua alle Schrift sehr ernst. Er wusste, dass in aller Schrift das weise, verantwortungsvolle und freie Leben mit Jahweh geoffenbart und angeboten ist, das selbst im Angesicht des Todes als Kraft zum Tragen kommt. Wir schauen auf Daniel und seine Freunde, die als Juden in dieser Freiheit Jahwehs zu sterben bereit waren (Dan 3,12-18). Die Bibel wimmelt nur so von israelitischen und jüdischen Zeugen, die aus der tiefen Beziehung zum himmlischen Vater Jahweh, die Kraft besassen lieber in den Tod zu gehen, als sich dem Joch einer religiösen Ideologie zu unterwerfen (vgl. Hebr 11,32-40). Dank ihrem Zeugnis dürfen auch wir heute aus dieser Jahwehbeziehung in Freiheit leben.

Zweitens wusste er aus den Profeten, dass alle Schrift, wenn sie nur traditionsmässig, als kulturelles religiöses Gut, buchstabengemäss gelebt wird, Jahweh verunehrt und verlästert. Sie macht Menschen, die so mit aller Schrift umgehen, zu religiösen Fanatikern oder gar zu bitteren Frommen, die ihre Mitmenschen mit der Bibel terrorisieren und meinen damit Jahweh noch einen Gefallen zu tun.

Darum suchte er drittens gemäss dem Vorbild aller Profeten, die laufende herzliche Beziehung zum himmlischen Vater, aller Schrift gemäss, und zwar in jeder Lebenslage.

So berichtet uns die älteste Schriftensammlung der Evangelien, das Markusevangelium: „Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort“ (Mk 1,35). „Und nachdem er sie verabschiedet hatte, ging er auf den Berg, um zu beten“ (Mk 6,46). Ausserhalb des gemeinschaftlichen Gebetes im Tempel und in der Beth Knesseth (griechisch: Synagoge; deutsch: Haus des Gebetes) suchte er die ganz persönliche Beziehung zu seinem Erlöser und Vater. Aus dieser sehr herzlichen und persönlichen Beziehung schöpfte er alle Kraft um in allen Lebenslagen den Willen seines und unsers Vaters und Erlösers Jahweh heilbringend auszuleben.

Auch wir brauchen ausserhalb aller Bibelstunden und Gebetsversammlungen diese private, sehr persönliche und herzliche Jahwehbeziehung, damit unsere Beziehung im Umgang mit den Mitmenschen nicht entartet und wir als Frömmler und Bibelfundamentalisten, d.h. als seelenlose, herzlose Buchstabenreiter entlarvt werden. Die Buchstaben, Wörter und Sätze in der Bibel sind wohl wichtig, wenden wir sie aber ohne lebendige Beziehung zum himmlischen Vater Jahweh an, dann werden wir zu irgendeiner religiösen Ideologie verführt, die weder dem himmlischen Vater Ehre bereitet noch den Menschen hilft. Nehmen wir uns die Aufforderung der Schrift und das Beispiel Jahshuas gerne und mit Freude zu Herzen. Wenn wir uns auch nicht wie Jahshua regelmässig auf Berge zurückziehen können, so gibt es ganz bestimmt auch für uns Möglichkeiten uns zurückzuziehen und unsere Beziehung zu unserem Jahweh und Vater von ihm selbst nähren zu lassen. Die Gleichförmigkeit mit Jahshua (vgl. Röm 8,29), auch in diesem Punkt, wird Spuren des Segens in unseren Alltagsbeziehungen hinterlassen.

Ich wünsche allen ein herzliches Shalom und einen tiefsinnigen, segensreichen Shabbat, selbst jenen, die arbeiten müssen

Gregor Dalliard