„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch..“ Mt 5,43-44. Teil 3

Glaubensimpuls 215

Nehmen wir es vorweg: JaHuWaH verfolgt mit seinem auserwählten Volk einen heilsgeschichtlichen Plan, nach einem bestimmten Konzept, der bis zum Ende dieses Zeitalters funktionieren wird. Das haben viele von uns inzwischen aus der Bibel (Tanach) heraus verstanden. Mit der Aussage: „Ihr habt gehört.. Du sollst deinen..Feind hassen. Ich aber sage euch..“ will der Schreiber, der Überarbeiter des Evangeliums nach Matthäus, diesen Heilsplan zerstören. Er versucht darum mit allen Mitteln die Ehre JaHuWaHs, sein Wort, die Thora, die Juden und den heilsgeschichtlichen Plan in ein schlechtes Licht zu stellen und ins Gegenteil zu verkehren. Die Leser sollen zur Überzeugung gebracht werden, dass der ganze Tanach, die Bibel, voller Hasspredigten ist und darum für unseren Glauben untauglich geworden ist.

Mit der neuen Gottheit Jesus ist die Liebe und Gnade des JaHuWaH persönlich erschienen, Mensch geworden. Die Juden haben diese Liebe angeblich gehasst und getötet. Doch Gott hat diesen Hass in Liebe verwandelt. Der Hass der Juden wurde durch die Auferstehung besiegt. Damit hat Gott die ganze Welt mit sich selbst versöhnt, erlöst – nur die Juden bleiben unversöhnt, hasserfüllt. Das ist der wesentliche Grund warum die Bibel von den Kirchenvätern kurzerhand als das „Alte Testament“ abgetan wurde. Sie wurde damit entwertet, für aufgehoben erklärt und im Prinzip beiseite gelegt. Ein „Altes Testament“ ist etwas das überholt ist, etwas das nicht mehr aktuell und verbindlich ist. Es wird archiviert. Es hat keine Bedeutung für die Christen. Sie bekamen ja ein „Neues Testament“, das nun als die eigentliche Bibel alles Frühere ersetzt. Das „Alte Testament“ war höchstens nur der Vorläufer des „Neuen Testamentes“, darum muss es als heilsgeschichtlich unbedingt erwähnt werden.

Es fehlte dem Schreiber des Evangeliums nach Matthäus schlicht und einfach die Kenntnis über die tiefen Zusammenhänge der prophetischen Worte in der Thora und die Kenntnis über die damalige Zeit. Er kam aus dem griechischen Kulturkreis, darum schrieb er sein Evangelium auf Griechisch. Wie vieles andere auch, blieb ihm bei der Überarbeitung der hebräischen Überlieferung das entscheidende und verbindliche Bekenntnis Jahushuas in Mt 5,17-19 unverständlich, darum liess er es wohl stehen. Darüber sind wir natürlich überglücklich! Jahushua dachte, glaubte und sprach nur von der einen Bibel, dem Tanach. Er sprach von keiner neuen Bibel, von keinem „Neuen Testament“ als Gegensatz zur Bibel.

Die Propheten haben nie Fremden- oder Feindeshass gepredigt. Was aber mussten die Propheten schonungslos ankündigen? Es waren die harten Gerichte, die durch falsche Propheten, schlechte Priester und Könige heraufbeschworen wurden. Ebenso die harten Gerichte über die Kriegstreiber und Unterdrücker des auserwählten Volkes. Manchen Völkern wird ihr grausamer Untergang bis in die Details geschildert. Anderen wird ihr Überleben prophezeit, aber nicht ohne schreckliche Leidensprozesse.

Dem Überrest des auserwählten Volkes aber wurde immer – in einem Atemzug mit den Gerichtsandrohungen – die Wiederherstellung und der ewige Bestand zugesprochen. Erstens weil JaHuWaH mit Abraham einen Bund einging, den Israel durch nichts zu brechen vermag. JaHuWaH hatte ihn einseitig mit Abraham geschlossen (d.h. bei oder mit sich selbst geschworen), weil er ein Ziel verfolgt. Was ist das Ziel? Dieser Bund soll zweitens über sein auserwähltes Volk – und nur durch dieses Volk – für die ganze Menschheit, die Lebenden und die Toten, wirksam werden (vgl. Jes 45, 23-24; Ps 22,28-30, nach der korrekten Übersetzung): „..denn das Heil ist bei (aus) den Juden“ (Joh 4,22), lehrte Jahushua! Jahushua von Nazareth will damit sagen: das Heil wird mit den Juden zur Fülle kommen!

Warum war der Bund mit Abraham einseitig geschlossen worden? JaHuWaH kennt die Hinfälligkeit des menschlichen Bundespartners besser als alle Psychologie, Theologie und Philosophie der Welt zusammen! Nicht umsonst heisst JaHuWaH eben JaHuWaH! Darüber sind wir froh und unser Herz jubelt allezeit! Die Absicht und der Wille JaHuWaHs ist es, die ganze Menschheit in sein Herz zurückzuführen. Das ist der heilsgeschichtliche Auftrag des auserwählten Volkes. Er entschied sich mit diesem Volk seine Ziele der Wiederherstellung zu erreichen. Nichts und niemand kann dieses Bündnis definitiv zerstören. Die Erfüllung liegt in uns und vor uns. Das ganze menschliche Leben und alle Zukunft ist darauf aufgebaut, darin verflochten, darauf fixiert. Verlieren wir diesen Blick, dann werden wir der ziellosen Willkür menschlicher Kräfte und Philosophien ausgeliefert und ausgesetzt bleiben.

Was einen Bibelleser schockieren kann, sind die grausamen Geschehnisse die auch in den biblischen Zeiten geschahen. „An den Strömen Babels, da sassen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. An die Pappeln dort hängten wir unsere Zithern. Denn die uns gefangen hielten, forderten dort von uns die Worte eines Liedes, und die uns wehklagen machten, forderten Freude: Singt uns eins der Zionslieder! Wie sollten wir das Lied JaHuWaHs singen auf fremder Erde? Wenn ich dich vergesse, Jerushalajim, so werde vergessen meine Rechte! Es klebe meine Zunge an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jerushalajim nicht zu meiner höchsten Freude erhebe! Gedenke, JaHuWaH, den Söhnen Edom den Tag Jerushalajim, die da sprachen: Legt bloss, legt bloss – bis auf ihren Grund! Tochter Babel, du Verwüsterin! Glücklich, der dir vergilt dein Tun, das du uns angetan hast. Glücklich, der deine Kinder ergreift und sie am Felsen zerschmettert!“ (Ps 137,1-9).

Das hört sich äusserst grässlich an. Hier wird aber nicht Hass gepredigt. Denken wir an die Gräuel, die Babel der damaligen Welt antat und ganz besonders den Juden. Viele jüdische Kinder wurden von den Feinden auf brutalste Weise umgebracht. Das Ziel der Angreifer war im Allgemeinen die Versklavung der Männer, die Tötung der männlichen Kleinkinder und der Raub der Frauen und Mädchen. Durch die vielen Geburten – der geraubten Frauen – sollten genug kriegstüchtige Männer geboren und der Fortbestand des eigenen Volkes gesichert werden. Was hatte Babel in Jerushalajim zu suchen? Der Umgang mit den Kleinkindern war entsetzlich, vor allem für die Mütter. Die Mütter mussten nicht nur mit ansehen wie ihre Neugeborenen an Felsen zerschmettert wurden, sie sollten für den feindlichen Nutzen schnell wieder empfängnisbereit gemacht werden. Der Schmerz und die Schande war unfassbar! Aus dieser Verzweiflung heraus lässt sich der Aufschrei in Vers 7 verstehen.

Als das auserwählte Volk das verheissene Land in Besitz nahm geschahen im Zusammenhang mit dem Stamm Benjamin äusserst schlimme Gerichtsvollstreckungen. Nachzulesen im Buch der Richter, Kapitel 19 – 21. Der Stamm Benjamim war wegen eines schweren Vergehens und mangelnder Bereitschaft das Übel in Israel anzugehen und auszurotten (Ri 20,13), von den übrigen Stämmen Israels äusserst schwer gerichtet worden. Den Überlebenden Männern fehlten darum die Frauen. Die übrigen Stämme wollten aber nicht, dass einer der zwölf Stämme, hier der Stamm Benjamin, mangels Vermehrung eingehen würde, denn schliesslich galt die Verheissung allen zwölf Stämmen. Sie selbst aber hatten geschworen den überlebenden Benjaminitern keine Töchter aus ihren Reihen zu geben. Warum? Weil der Stamm Benjamin keine Einsicht in sein Verbrechen zeigte und nicht bereit war das Verbrechen unter ein gerechtes Urteil zu stellen und zu den Ordnungen JaHuWaHs umzukehren.

Der grauenvolle Prozess der Gerichtsvollstreckung an ihrem Bruderstamm zerriss ihnen das Herz. „Das Volk hatte Mitleid mit dem Bruder Benjamin“ (Ri 21,6.15). Es weinte sehr (Ri 21,2). „Was sollen wir für sie, die Übriggebliebenen, tun, um ihnen zu Frauen zu verhelfen?“ (Ri 21,7). Was wurde ihnen unter dem Schock all dessen was sie in den vergangenen Tagen erlebt hatten in Bethel geoffenbart? Die Bewohner von Jabesch waren dem Aufruf zur Versammlung nach Mizpa nicht nachgekommen. Im vorausgehenden Schwur wurde aber der Tod aller beschlossen, die nicht nach Mizpa kommen würden. So wurden die Einwohner von Jabesch gerichtet, d.h. umgebracht (gerichtet) (Ri 21,5+ff). Nur 400 Jungfrauen wurden am Leben gelassen und dem dem Stamm Benjamin gegeben.

„Da sandte die Gemeinde zwölftausend Mann von den tapferen Männern dorthin, und sie befahlen ihnen: Geht hin und schlagt die Bewohner von Jabesch in Gilead mit der Schärfe des Schwertes, samt den Frauen und Kindern! Und das ist es, was ihr tun sollt: An jedem Mann sowie an jeder Frau, die das Beilager eines Mannes gekannt hat, sollt ihr den Bann vollstrecken! Und sie fanden unter den Bewohnern von Jabesch in Gilead vierhundert Mädchen, Jungfrauen, von denen keine einen Mann im Beilager erkannt hatte; die brachten sie ins Lager nach Shilo, das im Land Kanaan liegt. Und die ganze Gemeinde sandte hin und redete zu den Söhnen Benjamin, die am Felsen Rimmon waren, und rief ihnen zu: Friede! So kehrte Benjamin in jener Zeit zurück. Und sie gaben ihnen die Frauen, die sie hatten leben lassen von den Frauen von Jabesch in Gilead; aber die reichten so nicht aus für sie..“ (Ri 21,10-14).

Hier wurden die Frauen zusammen mit den Kindern umgebracht. Die Vergewaltigung durch fremde Männer und fortan auf die Stufe einer Geburtsmaschine erniedrigt zu leben, blieb ihnen „erspart“, was nach unserem heutigen Verständnis das Vorgehen in keiner Weise rechtfertigt. Das hat aber nichts mit Hass predigen zu tun. Heute vermögen wir diese Vorgänge nicht mehr oder kaum noch in ihrem vollen Kontext zu verstehen oder nachzuvollziehen. Was lassen wir beim Lesen solcher Geschehnisse meistens vollkommen ausser Acht? Erstens ging es bei allen diesen speziellen Ereignissen dem israelitisch-jüdischen Volk nicht um die Frage, ob etwas moralisch gut ist oder nicht, sondern ob etwas der fortlaufenden Heilsgeschichte der Menschheit dient oder nicht! Das war in erster Linie sein Auftrag. Darum ging es zweitens nie um den Selbstzweck, wie das später die Kirchenväter, die Gründer der Christentums, praktizieren und als ewige Wahrheiten dogmatisieren. Wir wissen aber nur zu gut, dass das israelitisch-jüdische Volk auch die moralischen Werte auf den Leuchter stellte. Denken wir z.B. nur an David und seine öffentliche Busse und Umkehr.

Das gehört alles wesentlich zur Bibel, damit wir unseren Verstand, den wir von JaHuWaH als wunderbare Gabe empfangen haben, einschalten, nutzen und mitdenken. Das ändert nichts an den zuverlässigen und verbindlichen Aussagen der Bibel, es bestätigt sie gerade. Sie bleibt einzigartig und unüberbietbar! Diese Tatsache erfreut unser Herz täglich neu. Solange wir das Verlangen in uns tragen, demütig und voller freudigen Eifers nach dem Wesen JaHuWaHs und seinen heilsgeschichtlichen Wegen zu fragen, werden wir aus seiner Gegenwart und Kraft schöpfen und in innerer Freiheit und Mündigkeit leben. Jedes überlieferte Zeugnis der Bibel wird zu uns sprechen! Das ist das Wunder der Bibel. „Wegen der gewalttätigen Behandlung der Elenden, wegen des Seufzens der Armen will ich nun aufstehen, spricht JaHuWaH; ich will in Sicherheit stellen den, gegen den man schnaubt. Die Worte JaHuWaHs sind reine Worte – Silber, am Eingang zur Erde geläutert, siebenmal gereinigt“ (Ps 12,6-7).

Wo sich der Mensch über die tiefen Einsichten JaHuWaHs erhebt, seinen Machthunger über alle Prinzipien des Lebens stellt und seine Demut auf der Strecke lässt, da entstehen in dieser Welt abgrundtiefe Machträume. Denken wir nur an die päpstlichen Priester und Mönche des Vatikans. Wie viele Gräueltaten sind seit der Entstehung des Christentums geschehen. Zahllose Kriege und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zeichnen das Wesen dieses Systems in der Geschichte aus – und immer im Namen ihres Gottes! Das ist die Folge der vielen Irrlehren, auf denen dieses System aufgebaut ist. Diese Irrlehren werden den unwissenden Menschen als die biblische Wahrheit gepredigt, die aber in Wirklichkeit überhaupt nichts mit der Bibel zu tun haben. Freikirchen und christliche Gemeinschaften haben diese ewig gültigen kirchlichen Glaubensdogmen des „Heils“ weitgehend bedenkenlos übernommen. Sie gehören heute noch zum unveräusserlichen, zentralen und heilsnotwendigen Glaubensgut der christlichen Gemeinschaften.

Eine Rückbesinnung auf die tiefen zusammenhängenden Grundwerte der Thora und der Propheten würden diese Irrlehren beseitigen. Doch das ist nicht zu erwarten. Aus ihnen wird der Hass gegen das jüdische Volk täglich neu genährt. Wer in den Fundamenten und Grunddogmen dieses unveräusserlichen Glaubensgutes der Christen forscht, dem stehen die Haare zu Berge. Gerade diese verbindliche und unveräusserliche Grunddogmatik, die das Christentum trägt und hält, schürt den Hass gegen die Juden und hindert sie an der Erfüllung ihrer Pflicht. Ihre Pflicht ist es den fortlaufenden heilsgeschichtlichen Prozess in Gang zu halten. Doch ganz fromm verpackt hält das Christentum diesen heilsgeschichtlichen Prozess auf – immer wieder aufs Neue.

Ein ewig sich wiederholendes christliches Ritual, das sich in zahllosen Bibelstunden, Liturgiefeiern, christlichen Anlässen und Festtagen von Jahr zu Jahr wiederholt, instrumentalisiert Abermillionen Menschen gegen die Juden und erfüllt sie mit neuem Hass – jedes Jahr von neuem. Das gefällt den Islamisten! In diesem Kontext wird jedes interreligiöse Gespräch mit den Juden, jeder Synagogenbesuch eines Papstes oder wer immer wo und wann als engagierter Christ den Juden Zuwendung signalisiert, zur heuchlerischen Pharse entstellt und dem Hohn preisgegeben.

Lasst uns darum mit anhaltender Freude und Zuversicht über die tiefen Einsichten unseres Abba JaHuWaH nachsinnen und leben: „Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Erlöser ist JaHuWaH, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke“ (Jes 40,28–29). Das ist genug Grund zu jubeln und die Erfahrungen aus seinem Wort mit andern zu teilen. Lasst uns im nächsten Gim diese Thematik noch einmal aufgreifen.

Shalom und von Herzen einen gesegneten Shabbat

Gregor Dalliard