Wen bezeichnet die Bibel als den kommenden Mashiach (Gesalbten, Christus)? Teil 18

Glaubensimpuls 159

In manchen Aussagen der Propheten und Psalmen wird uns gesagt, dass es David niemals an einem Nachfolger auf dem Thron fehlen werde, der herrschen werde (vgl. 1Chron 17,11-14; 89,30.37; 2Sam 7,13-16; Jes 9,6; Ps 89,4-5 u.a.m.). Diese Aussagen wurden und werden von vielen wörtlich genommen, sowohl von Juden als auch von Christen.

Der Schreiber von Psalm 89 nahm diese Aussagen über das bleibende Königtum Davids wörtlich. Er glaubte, dass es immer, in jeder Generation, einen Nachfahren Davids auf dem Thron Israels geben würde. Er war darum schockiert und fassungslos als das Königtum Davids mit der Zerstörung der Stadt Jerushalajm durch die Babylonier und mit der Deportation des Könighauses und des Grossteils des Volkes ein jähes Ende nahm. Er drückt seinen Schmerz in den Versen 39-45 aus.

Der Prophet Jirmejahu (Jeremijah) berichtet uns von diesem schrecklichen Ereignis (vgl. Jer 39, 1-10). Zwar blieben königliche Nachkommen am Leben (vgl. Jer 41,1ff), doch mit dem Sitzen auf dem Thron Davids war es aus, denn auf den König Zedekia folgte nur noch ein Statthalter (vgl. Jer 40,5). Die Propheten aber sprachen immer wieder vom kommenden Königtum JaHuWaHs, vom Vorläufer Elijahu, vom kommenden Thron Davids und Ähnlichem. Die vielen Aussagen, die wir in diesem Zusammenhang lesen sind Bilder, Metaphern. Ich möchte einige Stellen angeben, die ich z.T. schon in früheren Gim zitiert habe: Dan 7,13; Jes 9,5-6; Sach 6,13; Mal 3,23 u.a.m. Siehe auch die oben genannten Stellen.

Was will z.B. die Botschaft in Hos 3,4-5 sagen? Sie will besagen, dass das auserwählte Volk viele Tage nicht geeint sein wird wie zur Zeit Davids, dass es zerstreut, verfolgt, verachtet und gedemütigt sein wird und nicht in den Ordnungen JaHuWaHs leben wird. Damit wollen die Propheten die gegenwärtige Lage des Überrestes des auserwählten Volkes ausdrücken, die nicht seiner Erwählung, Berufung und Bestimmung entspricht. Sie wollen aber gleichzeitig ausdrücken, darauf hinweisen, dass wenn JaHuWaH in Herrlichkeit auf dem Ölberg erscheinen wird, es von JaHUWaH selbst seiner vollkommen Bestimmung zugeführt werden wird wie zur Zeit Davids. Der zukünftige Thron Davids stellt bildlich den Messias dar, die Fülle der Herrlichkeit JaHuwaHs, das Friedensreich.

Im Friedensreich wird JaHuWaH selbst König sein (vgl. Sach 14,9; Jes 54,5; Ps 97,1), wie zur Zeit des Propheten Shmuel (Samuel), bevor es einen König gab (vgl. 1Sam 8,7). Sie hatten mit dem Begehren eines irdischen Königs JaHuWaH verworfen (vgl. 1Sam 10,19). Dieser Zustand wird ein Ende haben. Also wird im Friedensreich kein leiblicher König herrschen.

Alle Heiligen werden mit JaHuWaH Könige sein. Die frühere Abhängigkeit von JaHuwaH, als König in ihrer Mitte, also vor der Zeit der Könige, wird im Friedensreich durch JaHuWaH selbst wieder hergestellt werden. Die Propheten gebrauchen das zukünftige Bild des König Davids um dem unfreien, versklavten und geplagten Volk anschaulich darzustellen wie es einmal in Freiheit unter der direkten Führung JaHuWaHs sein wird. Denn der Überrest der zwölf Stämme wird wie zur Zeit Davids wieder eine Einheit bilden und wie zur Zeit Davids in Treue zu JaHuWaH und seiner Thora leben. Es wird in Freiheit leben, wie zur Zeit Davids. Alle Völker werden in diesem Friedensreich JaHuWaH und seine Ordnungen suchen (vgl. Sach 8,23; 14,16; Jes 45 u.a.m.).

Der Überrest des auserwählten Volkes wird diese Beziehung zu JaHuWaH niemals mehr verlieren und niemals mehr jemandes Sklave sein. „Die Heiligen des Höchsten werden das Reich (d.h. das Königtum, die Königsherrschaft) empfangen, und sie werden das Reich (das Königtum, die Königsherrschaft) besitzen bis in die Ewigkeit, ja, bis in die Ewigkeiten der Ewigkeiten“ (Dan 7,18).

Die Heiligen selbst werden Könige sein, weil JaHuWaH selbst, als der König der Könige, seine Thora in ihr Inneres legen und sie auf ihr Herz schreiben wird und keiner den andern mehr belehren wird (vgl. Jer 31,31-34; Joe 3,1-2). Damit wird er das Geschick Judas und Jerushalajms für immer wenden (vgl. Joe 4,1ff; Sach 8,1ff; Zepf 2,7; Mi 7,18-20 u.a.m.). Erst in dieser königlichen Stellung werden sie alle Völker von Zion aus belehren können und überall werden die nach den schrecklichen Weltereignissen (vgl. Joe 3,3-5; Sach 12,1ff; 14,1f u.a.m.) übrig gebliebenen Menschen nach den Juden suchen:

„So spricht JaHuWaH der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus den Völkern (hier Nationen, solche die nicht JaHuWaH allein anbeteten oder ihn nicht kannten) mit ganz verschiedenen Sprachen (aus allerlei Sprachen) zugreifen, ja, sie werden den Zizit (Quaste, an den Zipfeln ihres Oberkleides) des Gebetsmantels eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass JaHUWaH (der Schöpfer allen Lebens) mit euch ist“ (Sach 8,23). In 4Mo 15,37-41 wird das Tragen von Quasten an den vier Zipfeln des Gewandes erwähnt. Sie sollen an die Ordnungen JaHuWaHs und die Pflichten erinnern. Welch eine Zukunft liegt vor uns!

Die falsche Erwartung eines kommenden Mashiach, in Gestalt eines irdischen Königs, eines Nachkommen Davids, schuf den Juden unsägliches Leid. Wie ich im Gim 157 erwähnte, riefen Juden immer wieder einen Herrscher aus der Nachkommenschaft Davids als Messias aus und wollten damit die Befreiung von fremdem Joch und das so sehr ersehnte Friedensreich erzwingen (vgl. Bar Kochba 132-135). Auch die Jünger, wie Kepha (Petrus) und andere versuchten aus Jahushua (Jesus) diesen Messias zu machen (vgl. Mt 16,21-23). Das aber funktionierte nicht! Diese falschen Erwartungen endeten jeweils mit einer schlimmen Katastrophe. Ich möchte aber immer wieder darauf hinweisen, dass sich die Erwartungen eines irdischen, menschlichen Königs, der im Friedensreich König sein wird, nicht mit den tiefen Gesamtaussagen der Bibel decken.

Auch die Christen erwarteten die sofortige Wiederkunft ihres Jesus-Gottes als ihren Messias. Die Juden hätten den Messias umgebracht, er aber würde als Jesus-Gott gleich wiederkommen und als neuer „David“ die Herrschaft der Welt antreten. Eine Lehre die den Zeugnissen der Propheten über das Wesen des Messias widerspricht, weil der Messias nicht getötet werden kann und damit auch nicht auferstehen wird. Achten wir auf die vielen Aussagen in den Bekenntnisschriften (NT), die unmissverständlich von der sofortigen Wiederkunft des getöteten und auferstanden Jesus-Gottes als Messias sprechen! Aber auch das funktionierte nicht, denn er kam nicht wie erwartet und gelehrt!

Er ist bis heute nicht wieder gekommen, selbst wenn der Autor des 2.Petrusbriefes, der ziemlich sicher nicht von dem Juden Kepha, Petrus, geschrieben worden ist, die damals irritierten und vor den Kopf gestossen Christen zu beschwichtigen sucht, indem er schreibt, dass der Jesus-Gott nach tausend Jahren als Messias wiederkommen werde, weil ein Tag tausend Jahren entspreche. „Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“ (2Petr 3,8). Auch das hat nicht funktioniert, denn auch nach tausend Jahren kam kein Jesus-Gott als Messias!

Der Glaube an einen Herrscher, einen König aus der Nachkommenschaft Davids stellte für die römischen Kaiser eine latente Gefahr dar. Sicher beschäftigten sich die Römer mit diesen einzigartigen Aussagen der Bibel, die ihnen Angst und Bange machten. Kein Volk im römischen Reich besass solche Texte, die ihm die Herrschaft in einer kommenden Zeit als ein Reich des Friedens zusprachen, wie das die israelitisch-jüdischen Propheten vermittelten. Das bedeutete für das brutale römische Reich eine Herausforderung ganz besonderer Art. Es durfte neben dem Kaiser in Rom kein zweiter Herrscher aufsteigen. Die so öffentlich proklamierte Erwartung eines andern Herrschers unterdrückten die Römer mit Verfolgung und Tod.

Weil die Christen anfänglich die sofortige Wiederkunft ihres Messias, in Gestalt ihres Jesus-Gottes als König und Herrscher in dieser Welt erwarteten und öffentlich in allen Ecken und Enden predigten, wurden sie von den Römern heftig und grausam verfolgt, nicht nur die Juden. Als der Messias der Christen nach den ersten drei Jahrhundert immer noch nicht gekommen war, gaben sie offiziell den Glauben an seine Wiederkunft und anbrechende Herrschaft auf. Sie machten ihn die im dritten Jahrhundert – nach langen und heftig geführten Debatten – zur zweiten Person innerhalb einer Gottheit in drei Personen die nun im Himmel herrscht.

Andere erklärten Jahushua kurzerhand zum kommenden Messias der Endzeit, der in einer fernen Zeit in Gestalt eines Menschen erscheinen werde. Sie gaben ihm damit die Stellung, die alle Propheten allein dem Vater, dem Ewigen, zusprechen. Die meisten Christen aber glaubten damals nicht mehr an eine Wiederkunft ihres Jesus-Gottes. Erst nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurde der Glaube der frühen Kirchenväter an die Wiederkunft des Jahushua von Nazareth als Jesus-Gott in den freikirchlichen Kreisen wieder aufgenommen.

Für die Römer war damit die Gefahr eines Konkurrenten gebannt. Sie versöhnten sich unter Kaiser Konstantin mit den Christen und machten nun gemeinsame Sache gegen die Juden, die unbeirrt an die Verheissungen der Bibel festhielten. Sie trieben die Trennung, Schändung JaHuWaHs und seines Wortes, der Thora, voran. Gemeinsam versuchten sie die Juden auszurotten. Der führende und einflussreichste Kirchenvater seiner Zeit, Augustinus, lehrte im 5.Jahrhundert, dass mit dem Papst die Herrschaft des Friedensreiches begonnen hätte, von dem die Bibel spreche und dass nun alle genötigt werden müssen in dieses Reich einzutreten. Was dieses Reich und seine Herrschaft über die Menschheit brachte – dafür fehlen uns schlichtweg die Worte!!

Mit dem Vers 22 aus Psalm 103 wünsche ich allen Freude und Segen für die kommenden Besinnungs- und Festtage: „Preist JaHuWaH, alle seine Werke an allen Orten seiner Herrschaft! Preise JaHuWaH meine Seele“.

Gregor Dalliard