“In den Tagen deiner Jugendzeit” (Pred 12,1). Teil 3

Glaubensimpuls 286

Wir fragen uns: was ist mit dem Glauben unserer Kinder und unserer jungen Erwachsenen? Was haben sie mitbekommen, bzw., was bekommen sie mit, und wie gehen sie damit um, wenn ihre Eltern oder Verantwortlichen ihre angestammte Glaubensgemeinschaft verlassen und mit anderen Menschen neu vorwärtsgehen? Doch lasst uns in diesem Gim zuerst das Vorfeld dazu bestellen. Normalerweise ist es heute noch so, dass jeder Mensch in einen bestimmten Glauben oder in ein bestimmtes Glaubensumfeld hineingeboren und hineinerzogen wird. Darin soll er auch einmal sterben. So ist das von den meisten Religionsgründern geplant und vorgesehen. Das wird den “Schäfchen” seit Menschengedenken eingetrichtert.

Bricht ein Mensch irgendwann in seinem Leben aus dem Rahmen der vorgegebenen Glaubenserkenntnis seiner Gemeinschaft aus, dann wird er ausgestossen, es sei denn er geht von selbst. Er gilt als ein vom Glauben abgefallener Mensch. Die meisten wenden ihm den Rücken zu. Wenn sich also jemand – wie das bei den meisten von uns der Fall ist – biblisch weiterentwickelt und sich zu den jeweils erkannten biblischen Zeugnissen und den dazugehörigen geschichtlichen Fakten bekennt, dann kann das gelegentlich unberechenbare Reaktionen auslösen. In manchen Kreisen und Religionen kann das sogar tödlich enden.

Die meisten von uns lebten in den Kinder- und Jugendjahren einen anderen Glauben als heute. Der Glaube vor Jahren ist nicht mehr der Glaube von heute. Mit der Explosion moderner Massenmedien bekamen in den letzten Jahren immer mehr Menschen Zugang zu geschichtlichen Quellen und Fakten. Christen nutzten diese Chance und suchten durstig nach den Quellen der biblischen Zusammenhänge. Seither setzen sich viele ernsthaft damit auseinander. Das setzte einiges in Bewegung. Verständlicherweise veränderte sich bei vielen Menschen ihre bisherige Glaubensüberzeugung. Sich aber von religiösen Verirrungen offen lossagen, das bleibt sehr schwer, denn zu stark sind Religion und Kultur seit dem 4.Jh. n.u.Z. miteinander verschmolzen worden.

Trotzdem leben wegen der religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und soziologischen Verflochtenheiten die meisten Menschen äusserlich im gewohnten Trab ihres traditionellen religiösen Umfeldes weiter, obwohl sie von so vielen Widersprüchen innerhalb der christlichen Bibel wissen, die im Lichte des TaNaCH geprüft werden muss. Die üblichen Gründe werden genannt, wie etwa: die da vorne werden es schlussendlich wohl besser wissen als wir. Anderen ist es egal was da gepredigt wird, das berührt ihr Leben nicht, sie nehmen bloss an den religiös-volkstümlichen Traditionen teil, so bezeichnen sie die Feiertage der Kirchen. Manche machen die Faust in der Tasche, andere sagen, es war immer so und sollte so bleiben, damit keine Unruhe entsteht, usw. So lehnen sehr viele Menschen innerlich vieles von dem ab, was ihre angestammte Religion von ihnen erwartet, äusserlich bleiben sie dabei, das ist vor allem im Christentum so. Die Einflüsse der modernen Kommunikation sind aber, trotz aller Widerstände religiöser Kreise, nicht aufzuhalten.

In unseren Kreisen ist das anders. Vom Glauben der Kinder- und Jugendjahre bis zur gegenwärtigen Glaubenserkenntnis haben manche einige Glaubensetappen und Glaubensgemeinschaften durchlebt, sich aber immer offen zu der jeweiligen Glaubenserkenntis bekannt und die Konsequenzen gezogen, denn niemand kann zwei Herren dienen! Glaubensgeister müssen sich scheiden, trotzdem kann man nett zueinander bleiben!! Manche haben zwei Glaubensetappen durchlebt, das entspricht im allgemeinen dem klassischen Wechsel. Die meisten wechseln von einer Landeskirche in eine “Freikirche” oder “freie” christliche Gemeinschaft. Damit hat es sich. Nur wenige aber wagen – vom prophetischen Wort überzeugt – den nächsten Schritt, von da weiter in die biblische Gemeinde, d.h. in den Glauben Abrahams. Das war der Glaubensweg Abrahams! Das ist für kirchlich geprägte Menschen Neuland!

Für viele von denen, die den Austritt aus einer der Landeskirchen in eine “Freikirche” oder in irgendeine christliche Gemeinschaft vollzogen, darf es im Glauben keine Weiterentwicklung mehr geben.Von da an tut sich an biblischer Erkenntnis nichts mehr, nichts mehr bewegt sich, Stagnation. Es gibt nur noch ein Rotieren innerhalb der religiös-kulturellen christlichen Bibelauslegungen, innerhalb der bestehenden Traditionen. In örtlichen Verhältnissen sagen manche, wir haben die katholische oder protestantische Kirche verlassen und gehen nun in eine “Freikirche”. Sollten wir etwa auch die “Freikirche” verlassen, weil wir feststellen mussten, dass auch hier viele Auslegungen dem prophetisch-biblischen und heilsgeschichtlichen Zeugnis der Bibel (dem TaNaCH) widersprechen? Nein, das werden wir nicht tun. Es ist schon so schwer genug, was sagen dann die Leute im Dorf, in der Verwandtschaft? Verlassen wir auch diese Gemeinschaft halten sie uns für vollkommen verrückt, sie nehmen uns nicht mehr ernst, wir werden keinen Einfluss mehr auf sie ausüben können, wir werden sie nicht bekehren können. Jetzt bleiben wir lieber wo wir sind, denn wir wollen ja die Menschen zum Glauben an Jesus führen.

Die anfängliche Fähigkeit, biblische Wahrheiten in ihrem gesamtprophetischen heilsgeschichtlichen Zusammenhang erkennen zu lernen, werden sie wieder verlieren. Solche Menschen werden sich, wie in ihrer früheren Kirche auch, nur noch im Kreise der christlich-antijüdischen Bibelauslegungen drehen können und sich damit weiterhin der Manipulation der Kirchenführer und Prediger unterwerfen. Es wiederholt sich das was sie bereits in der angeborenen Kirche oder Gemeinschaft erlebten, nur unter anderen, aber ähnlichen Vorzeichen. Das ist natürlich sehr schade, wir können solche Menschen wohl verstehen. Die Angst über das was die anderen Menschen über sie denken beschäftigt sie bis ins Tiefste ihres Wesens. Die Angst vor einem weiteren Druck des gesellschaftlichen Ausgestossenseins sitzt ihnen tief im Nacken. Bei vielen spielen die Kinder eine wesentliche Rolle. Sie wollen den Kindern die vielen Auseinandersetzungen ersparen. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder zwischen die Mühlen solcher Auseinandersetzungen geraten und dadurch womöglich dauerhafte seelische Schäden davon tragen.

Wie ist das mit uns heute? Heute treffen wir uns regelmässig mit Menschen die unabhängig miteinander die Bibel studieren und das Erkannte miteinander austauschen. Wir sind Menschen, die aus den unterschiedlichsten Glaubensetappen herausgewachsen sind. Was uns verbindet ist der Glaube Abrahams, der Glaube des Vaters des biblischen Glaubens. Nach dem Kriterium und Zeugnis der Bibel ist jemand in die höchste Stufe der biblischen Glaubenserkenntnis hineingewachsen, wenn er im Glauben Abrahams ankommt und darin gerechtfertigt ist, wenn er auf dem Fundament dieses Vertrauens (Glaubens) zu glauben anfängt, sein Leben darauf aufbaut. Er wird durch nichts übertroffen werden können. Es ist die Wiedergeburt des Menschen in JaHuWaH, hinein in sein Wesen und in seine Weisungen, die ihren höchsten Ausdruck in der Liebe zu JaHuWaH und zum Nächsten findet. Dazu gehört unabdingbar das Hineinwachsen in den biblisch-prophetischen Heilszusammenhang. Darin wird uns der biblische Heilsreichtum erschlossen, wie er von der Bibel her zu verstehen ist.

Das war übrigens der Weg der Wiedergeburt Jahushuas von Nazareth, aber auch aller Propheten und Gerechten (d.h. jener, die im Glauben Abrahams gerechtfertigt sind vor JaHuWaH). Wer die Bibel ernst nimmt, sich mit ihren Inhalten gewissenhaft und neugierig auseinandersetzt – und das immer wieder gerne tut – und sich nicht von menschlich-religiösen Vorgaben, von kulturellen Glaubenstraditionen, aufhalten lässt, wächst hinein in den Glauben Abrahams, in die Schätze des Lebens. Das ist das Wunderbarste, das uns in diesem Leben widerfahren kann.

Was bekommen die Kinder mit? Wie gehen sie damit um? Die Kinder bekommen alle diese Umbrüche, Spannungen, Entdeckungen, Trennungen, Fortsetzungen und “Neuanfänge” mit. Darüber wird unter den Erwachsenen lebhaft diskutiert. Was aber geschah und geschieht mit unseren Kindern, während wir uns von einer Glaubensetappe zur anderen weiterentwickeln, bis wir fähig werden im Glauben Abrahams zu wohnen, zu leben? Wie gehen wir mit ihnen um?

Mit den ermutigenden Worten des treuen Propheten Jeshajahu (Jesaja) wünsche ich allen einen zufriedenen Shabbat und ein Herz voller Dankbarkeit für die folgenden Worte: “Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht JaHuWaH, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren. Ruft ihr mich an, geht ihr hin und betet zu mir, dann werde ich auf euch hören. Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir..” (Jer 29,11-13). Ist das nicht wunderbar? Shalom!

Gregor Dalliard