“In den Tagen deiner Jugendzeit” (Pred 12,1). Teil 5

Glaubensimpuls 288

Wo und wann brauchen die Kinder unsere Hilfe ganz besonders? Erstens in Regionen in denen das Schulprogramm von den sich jährlich wiederholenden religiösen Traditionen stark gekennzeichnet ist. Zweitens vor allem dann, wenn innerhalb der Schulzeit ein Wechsel aus der angestammten Kirche in eine Freikirche oder in eine freikirchliche Gemeinschaft stattfindet, die z.T. mit recht unterschiedlichen religiösen Gepflogenheiten und Traditionen geprägt sind. Drittens beim Vollzug des letzten Glaubensschrittes, d.h. beim Verlassen des Freikirchentums und der sogenannten unabhängigen christlichen Gemeinschaften, hinein in die biblisch bezeugte Gemeinde, d.h. in den Glauben Abrahams.

Hier vollzieht sich nämlich ein konsequenter Schnitt mit den christlich-kulturellen religiösen Traditionen, die von den heidnisch-hellenistisch geprägten Kirchenvätern im 4. Jh. in Gang gesetzt worden sind, und zwar mit allen Mitteln – mit Hilfe der kaiserlichen Macht. Hier treten wir ein in den Glauben der Propheten und Gerechten, der in der Bibel (im TaNaCH) als der Wille JaHuWaHs, des Schöpfers Himmels und der Erde, bezeugt ist. Was lehrt uns die Bibel (der TaNaCH)? Es ist der Glaube der allein vor JaHuWaH rechtfertigt. Es ist das Vertrauen, das sich nicht mehr auf die Lehren religiöser Führer stützt, das sich nicht mehr von ihnen binden lässt. So sehr es Lehrer braucht, doch Lehrer, die im Glauben Abrahams stehen werden jene, die ihnen zuhören, nicht an sich binden. Sie werden ihren Zuhörern – anhand der Bibel – des prophetischen Heilszusammenhanges, den Zugang zu diesem Glauben aufschliessen, und das mit tiefem Respekt JaHuWaH und jedem Einzelnen gegenüber. Jeder einzelne wird prüfen, ob diese Wege die Wege JaHuWaHs sind und ob er sie für sich gehen will – so wie Abraham und unzählige Gerechte nach ihm sie gegangen sind, auch Jahushua von Nazareth.

Für Kinder ist dieser Bruch mit der heidnisch-christlichen Kultur nicht immer eine leichte Sache, vor allem, wie gesagt, in Regionen in denen das öffentliche Leben und das Schulprogramm von den sich jährlich wiederholenden religiösen Traditionen stark bestimmt ist. Kinder können aber sehr schnell verstehen, was zu einer gesunden Entfaltung und Entwicklung des Lebens gehört, was zu einer gesunden geistigen Entwicklung beiträgt und was ihre Entfaltung beeinträchtigt. Das hat meine Frau und mich immer wieder überrascht. Friedrich Nietzsche (1844-1900) tat den weisen Ausspruch: “Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.” (Götzen-Dämmerung, Sprüche und Pfeile, 8). So ist das, wenn Kinder früh schon mit dem unterschiedlichen Glaubens- und Gedankengut einer zahlenmässig grossen religiösen Gemeinschaft konfrontiert werden.

Zum Teil freuten sich die Kinder geradezu einen anderen Glauben leben zu dürfen als die meisten ihrer Schulkollegen. Woher kam das? Wir vermochten ihnen die Andersartigkeit als etwas sehr Positives zu vermitteln, legten ihnen aber gleichzeitig mit Nachdruck nahe sich dabei nicht über anderen zu erheben, weil die ja schliesslich nichts dafür können. Sie hatten verstanden, dass wir all das was ihre katholischen Mitschüler im Erstkommunion- und Firmunterricht, in Bezug auf die sieben Sakramente, die Messe, das Verständnis der Kirche, den Papst und vieles mehr, bereits hinter uns hätten. Eines der Kinder rief dabei aus: “super, Papa!” Ich legte ihnen ein offenes Metermass auf den Tisch und zeigte ihnen, dass wir glaubensmässig bereits bei 90 cm angelangt seien, während ihre katholischen Mitschüler nicht über die 10 cm hinauskommen können, trotz des vielen Lernens über Gott, der vielen Kirchengebote und Kirchenbesuche und der vielen Vorbereitungen auf die Zeremonien, weil der weisse Mann in Rom eine unvorstellbare Macht über seine Anhänger ausübt und sie an ein Weiterkommen mit allen Mitteln und aller Macht hindert. Das kam recht gut an – bis heute! Alle drei Kinder konnten das als etwas sehr Positives verstehen – bis heute.

Zwei Dinge sollten dabei funktionieren. Kinder müssen sich in einer starken familiären oder verwandtschaftlichen Gemeinschaft geborgen und geschützt wissen. Und – wie oben schon angedeutet – sollte ihnen unbedingt ihre übergeordnete, überlegene Glaubensposition frühzeitig verständlich und positiv dargestellt werden. Sie werden erkennen, wie sie freier leben dürfen und doch zu verantwortungsvollen Menschen heranwachsen sollen. Das israelitisch-jüdische, d.h. das biblische Leben, wird uns als eine wunderbare Einheit vermittelt, die in die Fülle des Lebens führt: “Und es geschah so. Und JaHuWaH sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut” (1Mo 1,31), und es wird wieder sehr gut werden: “Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde” (Jes 65,17). Die Menschen gehen durch die persönliche Umkehr, durch das Vertrauen auf JaHuWaH, in das Leben ein. Da ist die Tür der Hoffnung aufgemacht – für immer. In dieser Einheit ist der Freiraum für Entfaltung, Entwicklung und Eigenverantwortung gegeben.

Das christliche Lebensbild widerspricht dem biblischen radikal. Es geht aus dem hellenistisch-heidnischen hervor. Alles wird zerteilt in schwarz-weiss, in einen immerwährenden Himmel oder in eine immerwährende Hölle. Die Welt ist schlecht, sie gehört für immer dem Teufel, der Himmel gehört Gott. Der paulinische Gott der Christen fordert, wie das bei den grossen antiken Religionen der Heiden üblich war, ein gott-menschliches Blutopfer, ohne das niemand erlöst wird und vieles mehr. Das ist die finstere Lehre des Paulus und seiner Mitbegründer des Christentums. Davon ist das ganze Christentum und Kirchentum erfüllt. Die christliche Kultur ist davon beherrscht. Können wir unseren Kindern aufzeigen wie verkehrt und furchtbar diese christlichen Heilslehren sind, wie sehr die Menschheit bis heute darunter leidet, dann werden sie sich freuen, dass sie nicht in diesem Teufelskessel gefangen sind. Sie werden für ihre christlichen Mitschüler Mitleid empfinden und alles Mobbing leichter ertragen können und sich auch schneller trösten lassen.

Was müssen wir unseren Kindern selbstverständlich auch darlegen? Es gab immer wieder hervorragende vorbildliche Christen in den verschiedensten christlichen Glaubensgemeinschaften, die sich intuitiv vom biblischen Geist der Nächstenliebe führen liessen. Sie liessen sich nicht von den verkehrten Heilsdogmen einschüchtern, gerieten aber meistens in Konflikt mit ihren religiösen Führern, der nicht selten zu einem tödlichen Ende führen konnte. Wir vollziehen einen wunderbaren Dienst an unseren Kindern, indem wir sie für die biblisch-prophetischen Zusammenhänge und damit für eine persönliche Beziehung zu JahuWaH sensibilisieren dürfen. Jede Gemeinschaft und Gesellschaft wird dadurch vielfältig gesegnet werden.

“So spricht JaHuWaH: Verflucht (d.h. segenslos) ist der Mensch, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz von JaHuWaH weicht! Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Steppe und nicht sehen, dass Gutes kommt. Und an dürren Stätten in der Wüste wird er wohnen, in einem salzigen Land, wo sonst niemand wohnt. Gesegnet ist der Mensch, der auf JaHuWaH vertraut und dessen Vertrauen JaHuWaH ist! Er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt. Sein Laub ist grün, im Jahr der Dürre ist er unbekümmert, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen” (Jer 17,5-8).

Alle grüsse ich ganz herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat. Shalom!

Gregor Dalliard