„..und nicht reich ist im Blick auf Jahweh“ (Lk 12,21). Sukkot, Teil 3

Glaubensimpuls 57

Im letzten Glaubensimpuls (Gim 56) schrieb ich zum Fest Sukkot etwas von der Zeit dazwischen, d. h. von der Zeit zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Einzug ins Gelobte Land. Die gläubigen, jahwehliebenden, Juden weisen in unserer modernen Zeit besonders aufmerksam auf die gesunde und reinigende Herausforderung hin, mit der das auserwählte Volk während der Zeit dazwischen, in der Sukka (Laubhütte), auseinander setzen musste. Für das Volk Israel gab es in der Zeit dazwischen in zweierlei Hinsicht eine völlig neue Situation. Es ging vor allem um die zwei grundwichtigsten Themen des Menschen überhaupt. Zuerst ging es einmal um das Verhältnis zu den Grundbedürfnissen des menschlichen Lebens, um den materiellen Bereich. Wovon sollten sie leben, essen, trinken, wie mit materiellem Besitz umgehen u.a.m. Dann ging es um den völlig neuen Umgang mit Jahweh, ohne die Einflüsse der Götterkultur Ägyptens. Wie kann ein jahwehgefälliges Leben in der Steppe, bzw. in der Wüste, gelebt werden? Viele Juden weisen also heute auf die direkte Herausforderung hin, die dieses Fest in der modernen Glaubens- und Lebenspraxis des Luxus notwendigerweise provoziert.

Diese Zeit fordert damit auch uns auf, die wir uns zu den Jahwehgläubigen rechnen, unsere Haltung sowohl zu den materielle Werten als auch zu den geistigen gründlich zu überprüfen. Über diese Herausforderung können wir uns nur von Herzen freuen. Wir sollen uns von der Bibel an solchen Festen gerne neu provozieren lassen, damit weder unser materielles noch geistiges Leben in den Augen Jahwehs Schiffbruch erleidet. Wir wollen ja im Geiste der Profeten, Jahshuas und der Apostel den Namen Jahweh durch unser tägliches Zeugnis gross machen.

Wie lebte das israelitische Volk in der Zeit nach seinem Einzug ins Gelobte Land das Sukkotfest? Nach der langen harten Arbeit auf den Äckern und Feldern war die Ernte eingebracht und abgeschlossen. Die Kornkammern waren voll, die Most- und Weinpressen hatten ihre Arbeit getan. Nun lebte der Mensch, als Haupt der Schöpfung, und  gemäss dem Rhythmus der Schöpfung, während der Wintertage etwas gemächlicher. Er konnte sich, vor allem über die Sukkottage, erholen und über den tiefen Sinn des irdischen Lebens und den Rhythmus der Schöpfung nachsinnen, bevor er gemächlich die letztenHerbstarbeiten verrichtete und die Winterarbeiten anging. Diesen tiefen Sinn seines Lebens konnte er sowohl im ewig bleibenden und ewig aktuellen Wort seines Schöpfers nachlesen, erkennen und neu vertiefen als auch im Rhythmus der Schöpfung und der damit verbundenen profetisch und heilsgeschichtlichen Zusammenhänge kennen. Der Schöpfer, der alles ins Dasein gerufen hat, benutzt den Rhythmus seines Geschaffenen, um seinen wunderbaren Heilsplan in den Festen (Erntefesten) zu veranschaulichen.

Die Lebensweise der meisten Menschen hat sich seither völlig verändert. Doch sollten wir nicht vergessen, dass Jahweh, unser himmlischer Vater aber derselbe ist gestern, heute und morgen. Er hat sich nicht verändert: „Jahweh ist derselbe gestern und heute und in die Zeitalter“ (Hebr 13,8,  fälschlicherweise mit Christus übersetzt, Zitat aus Ps 102,28, das sich aber auf den Abba Vater, Jahweh, bezieht, vgl. dazu den ganzen Vers 4 von Offb 1). Jahweh selbst bezeugt: „Der die Generationen ruft von Anbeginn. Ich, Jahweh, bin der Erste, und bei den Letzten bin ich derselbe“ (Jes 41,4). „Ihr seid meine Zeugen, spricht Jahweh, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und mir glaubt (vertraut) und einseht, dass ich derselbe bin. Vor mir war kein Gott (Erlöser) gebildet und nach mir wird keiner sein. Ich, ich bin Jahweh, und ausser mir gibt es keinen Retter“ (Jes 42,10-11, vgl. Hos 13,4).

Was aber ist der moderne Mensch? Wie lebt er? Er ist weitgehend zu einem Getriebenen, zu einem Sklaven eines habsüchtigen Herrschaftssystem geworden. Ob er will oder nicht, er muss dranbleiben. Er rast von einem Jahr ins andere. Er wird von zahllosen täglichen Dingen gefordert und erpresst, muss sich mit unzähligen Sachen auseinandersetzen und beschäftigen. Während sich die einen in ihrer nie zu stillenden Habsucht immer mehr Reichtum anhäufen und dabei das Leben vieler aufs Spiel setzen, muss eine täglich grösser werdende Menschenmasse schauen wie sie den einen Tag über die Runden bringt. Die Besessenheit nach anhaltendem Wirtschaftswachstum und der Werbeschrei nach noch mehr Luxuswachstum, dem sich kaum jemand zu erwehren weiss, der Konkurrenzkampf nach noch höherem Lebensstandard, die ständige Angst aus dem sozialen Gefüge zu fallen und der Nerven strapazierende Kampf dagegen durch Überstunden oder Nebenjobs und vieles mehr, treiben Menschenmassen in den Dauerstress. Da bleibt wahrlich nichts mehr übrig, schon gar nichts mehr für den Schöpfer des Lebens und sein Wort, höchstens noch Erschöpfung! Einfach zu müde! Wenn schon Zeit für Jahweh, dann nur am Rande und ganz oberflächlich, für mehr reicht die Kraft einfach nicht mehr aus, die Konzentration bleibt auf der Strecke!

Doch, da gibt es noch manche Menschen. Ihnen ist es möglich gemacht, Jahwehs Wort in aller Ruhe in seiner Tiefe und in seinem Zusammenhang verstehen zu lernen und entsprechend zu bezeugen. Diesen Menschen ist eine ganz besondere Verantwortung auferlegt, geschenkt, möchte ich sagen. Bedenken wir, nicht nur Jahweh hat sich nicht verändert, auch seine gebotenen Hilfestellungen, die er uns in seinen Festtagen und Ordnungen mit auf den Weg gegeben hat, auch sie haben sich nach dem Willen Jahwehs nicht verändert. Wer sie ignoriert, antastet, verändert oder sie für aufgehoben erklärt, vergreift sich in sträflichster Weise gegen seinen Schöpfer und offenbart sich ganz fromm als Mitglied des vierten Tieres, des Antimessias (Antimashiach), gegen den Gesalbten Jahwehs (vgl. Dan 7,23ff).

Ich möchte noch einmal wiederholen. Eines der Kennzeichen des Antimessias wird sein, danach zu trachten, sogar die Heiligen (Ausgesonderten), die im Wort der Bibel Verankerten, Juden wie solche, die zum Wort zurückgekehrt sind, gänzlich von den Festzeiten und Ordnungen Jahwehs wegzubringen oder wegzuhalten und sie in die heidnisch-christlichen, antimessianischen, Festordnungen einzubinden oder dort zu belassen. Das ist ihm im vierten Jahrhundert beinahe gelungen, doch er hat es bis heute nicht gänzlich geschafft. Er wird es auch nicht schaffen können, denn dafür bürgt Jahweh selbst.

Als Gegenpol lasst uns darum reich werden in Jahweh, indem wir seine wunderbaren Ordnungen verstehen und umsetzten lernen. Es braucht Zeit dazu. Wie ich schon öfters sagte, ist all das gewöhnungsbedürftig. Seien wir mutig. Lassen wir uns von der inneren Gewissheit der Einheit mit dem himmlischen Vater, mit dem Leben der Profeten, Jahshuas und der Apostel beflügeln, diesen Weg immer bewusster zu gehen. Der Psalmist verkündet: „..du  aber, Jahweh, bist gross.. an Gnade und Wahrheit“ (86,15). Jahshua ermutigt uns in diesem Geist und Sinn: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen,.. die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32).

Auch gerade deshalb fordert uns Jahweh heraus. Er fordert uns auf, unser Haus, unsere „Festung“, unsere als sicher geglaubten Glaubenswege zu überprüfen und nötigenfalls zu verlassen. Gerade während und in seinen Festordnungen bietet er uns eine besondere Möglichkeit an, um über seine Ordnungen, Segnungen und Bestimmungen mit Freuden und Danksagung nachzusinnen und sie zu vertiefen. Wir ziehen daraus einen enormen Nutzen für unser Leben und das unserer Mitmenschen.

Gerade über die Sukkot-Tage will er uns, in der Sukka-Zeit (Laubhütte), d.h. in der stillen Zeit, daran erinnern, dass unser Leben ausgewogen sein muss, damit wir nicht uns selbst und andere zugrunde richten, sei es materiell, sei es geistig. Wir werden davor bewahrt uns zu überschätzen. Wir lernen wieder eine nüchterne und demütige Einstellung zu unserem materiellen und geistigen Reichtum einzunehmen. Unser Lebensstandard wird hinterfragt. Doch das alles ist mit Demut verbunden. Jahweh verheisst in seinem Wort: „Denn Jahweh hat Wohlgefallen an seinem Volk. Er schmückt die Demütigen mit Heil“ (Ps 149,4).

Mose lehrte das Volk Israel: „Und nun, Israel, was fordert Jahweh, dein Erlöser, von dir als nur, Jahweh, deinen Erlöser, zu achten, auf allen seinen Wegen zu gehen und ihn zu lieben und Jahweh, deinem Erlöser, zu dienen mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen (Leib-) Seele, indem du die Weisungen Jahwehs und seine Ordnungen, die ich dir heute gebiete, hältst, dir zum Guten“ (5Mo 10,12-13). Maleachi erinnert uns an diese Worte, indem er zitiert. „Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert Jahweh von dir, als Recht zu üben und Treue (Gnade, Güte) zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Erlöser?“ (Mal 6,8).

Wir dürfen jetzt nicht mit dem Finger nur auf die skrupellosen Bänker zeigen, die Abermillionen von Menschen, ganze Familien und Staaten, in den Abgrund stürzen. Jeder ist für sein Leben persönlich verantwortlich. Sind wir im Geringsten treu? Dies bezieht sich sowohl auf das geistige wie auf das materielle Ansammeln. Ich meine, was Jahshua im Gleichnis vom habgierigen Tor an Mahnung ausspricht kann sowohl im Zusammenhang des uferlosen Ansammelns von menschlichem Ansehen, täglichem Konkurrenzmaterial und irdischem Reichtum, als auch im Ansammeln von menschlich gutgemeintem Glaubensgut, aus der Feder so manches kirchlichen Autors, das nicht dem profetischen Zusammenhang entspricht, verstanden werden. Er stellt uns dar, wie der himmlische Vater über solche Menschen, die sich als jahwehgläubig ausgeben urteilt: „Jahweh aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine (Leib-)Seele fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Jahweh“ (Lk 12,20-21).

Mit einem herzlichen Shabbat Shalom

Gregor Dalliard