Suizid/Selbsttod im Lichte der Bibel.

Glaubensimpuls 189

In diesem Glaubensimpuls gehe ich auf das Thema Suizid (sich selbst töten, Selbsttötung) ein. Anlass dazu sind zwei tragische Erlebnisse einer jungen Person, die mit solchen Geschehnissen direkt konfrontiert ist. Solche Lebenseinbrüche gehen durch Mark und Bein

Die allgemeine Kirchenlehre bezeichnet die Selbsttötung als eine schwere Sünde. Nach der Lehre der Christen zieht eine schwere Sünde die immerwährende Höllenstrafe nach sich. In nie endenden Qualen durchleidet der so Verstorbene die ewigen Zeiten. Andere Christen sind etwas barmherziger. Sie lehnen die unendliche Hölle mit den nie enden wollenden Höllenqualen ab. Der so Verstorbene wird von dem Gott Jesus beim Endgericht, zusammen mit allen Sündern, vernichtet werden. So gross, lehren sie, sei das Erbarmen ihres Gottes Jesus, dass er einen solchen Menschen aus Liebe für immer vernichte, sein Leben für immer zerstöre. Ein heidnisch-religiöser Irrwahn, der in der Welt nichts seinesgleichen findet.

In diesem Schmerz wurde mir gegenüber sinngemäss folgender Gedanke geäussert, ob JaHuWaH auf diesem Weg des Todes solche Personen nicht von ihrer „Schuld“, bzw. Qual des Lebens, und der „Schuld“ anderer, erlöst.

Für mich ist im grossen Zusammenhang der biblischen Zeugnisse über das Wesen und das Heilsziel JaHuWaHs für seine ganze Schöpfung auch dieser Weg ein Weg der Gnade unseres himmlischen Vaters. Wer setzt schon zum Spass seinem eigenen Leben einfach so ein Ende? Viele Faktoren wirken auf das Leben eines Menschen ein, die wir nicht zu ergründen vermögen. JaHuWaHs Gedanken sind einfach ganz anders als unsere Gedanken:

Darum sagt er: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht JaHuWaH. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn wie der Regen fällt und vom Himmel der Schnee und nicht dahin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, sie befruchtet und sie sprießen lässt, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot dem Essenden, so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe“ (Jes 55,8-11).

Dieses Zeugnis des Propheten Jeshajahu (Jesaja), gleiche und ähnliche Aussagen JaHuWaHs – gesprochen durch seine Propheten – sollten wir tief in unseren Herzen bewahren und zwar in jeder Situation unseres Lebens.

Keiner von uns vermag einen Mitmenschen in seinem Sein, in seinen Gedanken, in seinen Handlungen, in seinem Lebensweg, voll zu erfassen und zu beurteilen. Das vermögen wir beim besten Willen nicht. Wir sollen auch nicht versuchen das tun zu wollen. Uns steht kein Urteil zu! Unser himmlischer Vater hat das bewusst so eingerichtet. Darum sind die Urteile mancher frommer Menschen über so sehr leidende und geplagte Menschen, die den Weg des Selbsttodes gehen oft so äusserst hart und voller Vorurteile.

Sie geben meistens dem Teufel die Ehre, indem sie sagen der Teufel hat dies und das aus diesem und jenem Grund in solchen Menschen gewirkt. Hätte er/sie befolgt, auf dies und jenes gehört.. dann wäre es nicht soweit gekommen. Das mag gelegentlich zum Teil zutreffen, aber die tieferen Zusammenhänge bleiben uns verborgen. Was wissen wir schon über die inneren Konflikte und Leiden solcher Menschen. Vermögen wir ihre Verzweiflung zu verstehen? Können wir verstehen und beurteilen was alles dazu geführt hat?

Das Leben eines Menschen ist sehr komplex. Wir können die unterschiedlichen Einflüsse und Einwirkungen auf das Leben eines Menschen niemals ganz ergründen, egal wieviele Psychiater zu Hilfe gerufen werden. Allein JaHuWaH kann ein Leben voll beurteilen und wiederherstellen. Er als Schöpfer eines jeden Lebens hat sich das vorbehalten

Darum schreibt der Psalmist schon vor tausenden von Jahren: „Es werden daran gedenken und zu JaHuWaH umkehren alle Enden der Erde; vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen. Denn JaHuWaH gehört das Königtum, er herrscht über die Nationen. Nur ihm werden huldigen alle in der Erde Schlafenden (falsch übersetzt: Es assen und fielen nieder alle Fetten der Erde); vor ihm werden sich beugen alle, die in den Staub hinabfuhren, und der, der seine Seele nicht am Leben erhalten konnte“ (Ps 22,28-30). Mit dem Ausdruck „Nur ihm werden huldigen alle in der Erde Schlafenden“ und „vor ihm werden sich beugen alle, die in den Staub hinabfuhren“ sind ganz einfach die Verstorbenen gemeint.

Mit dem Ausdruck „der seine Seele nicht am Leben erhalten konnte“ sind alle jene gemeint, die eines unnatürlichen Todes starben, durch Fremdeinflüsse oder auch durch den Weg des Selbsttodes. „Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen umher auf der Strasse; – bevor die silberne Schnur zerreisst und die goldene Schale zerspringt und der Krug am Quell zerbricht und das Schöpfrad zersprungen in den Brunnen fällt. Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu JaHuWaH zurück, der ihn gegeben hat (Pred 12,5b-7).

„Du läßt den Menschen zum Staub zurückkehren und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder!“ (Ps 90,3). Welch ein herrliches umwerfendes Evangelium vermittelt uns unser Schöpfer durch seine Propheten. Wo kämen wir ohne dieses Evangelium hin? Das Leben wäre buchstäblich sinn- und zwecklos, gerade auch wegen der Mitmenschen und Angehörigen die im Selbsttod ihr irdisches Ende finden. Die Zurückgebliebenen würden oft nur noch in einer quälenden Selbstanklage und Verzweiflung weiterleben. Das Leben würde in seiner Grausamkeit, die so viele Menschen plagt, buchstäblich erstarren. Aber jetzt haben wir eine frohe Botschaft, die uns Mut macht!

Jahushua (Jesus) hat uns in Lk 15,11-32 aufgezeigt, wie sich der jüngere Sohn selbst das Leben nahm. Man darf das ruhig so bezeichnen. Der Sohn ging vom Vater weg. Er war ohne den Vater, in den Augen des Vaters, tot, wirklich tot. Er ging „freiwillig“ in den Tod. Er war tot. Doch der Vater sagte nicht, der Teufel hat das gewirkt. Er sagte auch nicht: Hätte er auf diese und jene gehört, täglich aus der Bibel gelesen und wäre er jeden Shabbat in die Synagoge oder hinauf zum Tempel gegangen.. hätte der Teufel das nicht wirken können.

Jahushua erwähnt beim Selbsttod dieses jungen Menschen den Teufel überhaupt nicht – nicht ein einziges Mal. Der Teufel, als das souveräne Gegenüber von JaHuWaH ist eine heidnische Erfindung, darum auch die Lehre von einer immerwährenden Hölle und einer nie endenden Höllenqual. Das ist ein Thema für ein anderes Mal. Die Christenheit wäre besser beraten auf den Juden und Rabbi Jahushua von Nazareth zu hören, der ein Eiferer für die Thora war, als auf ihren Gott Jesus den die Kirchenväter gebaren und den sie mit ihren heidnischen Lehrtraditionen ausstatteten.

Der Abba JaHuWaH ist souverän. Der Vater „wartet“ seine Zeit der Gnade, der Begnadigung, ab und nimmt den Verstorbenen auf in seine Arme und in sein Herz. Als der Vater sein Werk der Begnadigung gewirkt hatte konnte der Tote Aufsehen zum Vater – zurückkehren zum Leben!! Ohne die bestimmte, vom Vater festgesetzte Zeit des Wartens, des Werkes der Begnadigung, die den „verlorenen“ „toten“ Sohn erwartete, hätte der junge Mann nie aus dem Selbsttod gefunden.

Und was haut uns dabei um? Sofort wird vom Vater ein Fest organisiert. Die allerbesten Sachen müssen her. Der in den Armen und im Herzen des Vaters dahinschmelzende erlöste Sohn wird mit dem Allerbesten was es gibt ausgestattet. So und ähnlich sind die Gedanken des Abba JaHuWaH. Da kommt unsere griechisch deformierte Gedankenwelt überhaupt nicht mehr mit!! Wir schreien nach Gerechtigkeit, weil wir sie völlig anders verstehen, als der Vater sie versteht. Zweimal sagt der Vater:

„Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein“ (Lk. 1524). Achten wir auf die Aussage „und ist gefunden worden„! Damit will uns die Bibel sagen, dass alle Begnadigung vom Vater ausgeht. Das hat allein der Vater gewirkt. Er ist durch die Hilfe, die Gnade des Vaters, gefunden worden. „Es geziemte sich aber, fröhlich zu sein und sich zu freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden und verloren und ist gefunden worden“ (Lk 15,32).

Bedenken wir: der Vater sagt: „mein Sohn war tot“ – „und ist wieder lebendig geworden“. Es gab vom Sohn her keine Verbindung mehr mit dem Vater!! Allein die Begnadigung des Vaters wirkte das neue Leben in dem jungen Menschen. Nun sagt jemand, der war aber nicht wirklich leiblich tot. Genau dieses griechische Gedankenkorsett in das uns die Gründer der christlichen Kirche hineingepfercht haben, wirkt sich bei uns verhängnisvoll aus. Es ist unmöglich mit unserem Denken, das von der griechischen Philosophie her vergewaltigt worden ist und die Christenheit beherrscht an die hebräischen Texte herangehen zu wollen.

Es ist schlicht und einfach vermessen mit dem Geist der griechischen Philosophen, der Stoiker, der Epikuräer und wie diese griechischen Geistes- und Philosophenschulen alle hiessen, die uns in der hebräischen Sprache vermittelten Reichtümer des Lebens erklären oder erfassen zu wollen. Das geht nicht. Hinter jeder Ecke steht der Teufel, die Abwertung des menschlichen Lebens und die Vernichtung des minderen und „zwecklosen“ Lebens – bis hin zu einer immerwährenden Vernichtungswut ihres Gottes in der Hölle.

Das sollten wir immer vor Augen behalten. Der Mensch der ausserhalb der Begnadigung JaHuWaHs steht, der ausserhalb der Gemeinschaft mit ihm lebt, ausserhalb seiner Ordnungen, Rechtsbestimmungen uns Shabbate (Feste), ausserhalb der Liebe zum Nächsten, die nur aus der Liebe und Gemeinschaft mit JaHuWaH gewirkt ist, der ist für ihn tot.

Im israelitisch-jüdischen Verständnis ist es ein Tod der sich nach Begnadigung sehnt, nach dem Leben sehnt. Das entspricht der Offenbarung JaHuWaHs, des souveränen Schöpfers des Lebens. Der Tod trägt diese Erwartung in sich. Darum war der junge Mensch tot und wurde zum Leben erweckt. Es gibt keinen Tod, der nicht das Leben aus der Begnadigung des Schöpfers, des Abba JaHuWaHs, in sich trägt. Das wäre kein bibeltreues Evangelium, das wäre der reinste Horror, der einem Teufel aus dem Heidentum, der Gnosis, die Ehre gibt.

„Gnädig und barmherzig ist JaHuWaH, langsam zum Gericht und gross an Gnade. JaHuWaH ist gut gegen alle, sein Erbarmen ist über alle seine Werke. Es werden dich loben, JaHuWaH, alle deine Werke und deine Frommen dich preisen. Sie werden sprechen von der Herrlichkeit deines Reiches, sie werden reden von deiner Kraft, um den Menschenkindern kundzutun deine Machttaten und die prachtvolle Herrlichkeit deines Reiches. Dein Reich ist ein Reich aller künftigen Zeiten, deine Herrschaft dauert durch alle Geschlechter hindurch. JaHuWaH stützt alle Fallenden, er richtet auf alle Niedergebeugten“ (Ps 145,8-14).

In dieser Freude grüsse ich alle ganz herzlich. Shalom!

Gregor Dalliard