„So tat ich dir kund meine Sünde“ (Ps 32,5).

Glaubensimpuls 60

Im tiefsten Versagen seines Lebens lernte David das Wesen Jahwehs verstehen. Aus diesen Folgen heraus lernte er die Tiefe und Ernsthaftigkeit des Bundes und der Verheissungen Jahwehs mit Israel  verstehen und einordnen, die letztlich allen Menschen zum Segen und zum Leben gereichen werden. David blieb Jahweh trotz seines Versagens und der daraus resultierenden lebenslangen Gerichtskonsequenzen treu – bis in den Tod. Seine Demut war beispielhaft. Darum wird in der Heilsgeschichte Jahshua Ha Mashiach (Jesus der Christus) Sohn Davids genannt, weil er Jahweh ebenso treu und demütig folgte – bis in den Tod.

Als David sich mit Basthseba verging und sie schwanger wurde, wollte er dieses Geschehen vertuschen. Er liess Joab, dem Oberbefehlshaber an der Front, melden, Urijah für kurze Zeit nach Hause zu beurlauben. Er sollte die Nacht mit seiner Frau Batsheba verbringen, dann hätte niemand gemerkt, dass das Kind von David gezeugt war. Damals gab es noch keine Gentests! Urijah kam von der Kriegsfront nach Jerusalem zurück, wollte aber nicht in sein Heim hinabgehen, während  seine Mitsoldaten an der Front den Kriegsängsten ausgesetzt waren und auf freiem Feld schlafen mussten. Als Urijah das Königshaus verliess „kam ein Geschenk des Königs hinter ihm her“. Er aber schlief am Eingang des Königshauses, was dem König gemeldet wurde. (vgl. 2 Sam 11, 9-10). Selbst als David ihn betrunken machte, in der Hoffnung sein Ziel zu erreichen, verwehrte Urijah ihm seinen Wunsch.

Nun liess sich David zu einem Verbrechen hinreissen, das den Tod Urijahs zur Folge hatte. Die ganze Begebenheit ist uns in 2Sam Kap. 11 und 12 berichtet. Damit verriet David den Bund und das Zeugnis Jahwehs, d.h. er tat was Jahweh in den Bundesschriften ausdrücklich verboten hatte. Dadurch verachtete er Jahweh und gab den Feinden Jahwehs Anlass zur Lästerung (vgl. 2Sam 12,14).

Durch sein Verhalten brachte er schwere Gerichte über sich und sein Königshaus, die der Prophet Nathan ihm ankündigte. Sie sollten das zukünftige Leben Davids bestimmen. „Warum hast du das Wort Jahwehs verachtet, indem du tatest, was böse ist in seinen Augen? Urijah, den Hetiter, hast du mit dem Schwert erschlagen, und seine Frau hast du dir zur Frau genommen. Nun denn, so soll das Schwert von deinem Haus auf ewig nicht weichen, dafür dass du mich verachtet und die Frau Urijahs, des Hetiters, genommen hast, damit sie deine Frau sei. So spricht Jahweh: Siehe, ich lasse aus deinem eigenen Haus Unglück über dich erstehen und nehme deine Frauen vor deinen Augen weg und gebe sie deinem Nächsten, dass er bei deinenFrauen liegt vor den Augen dieser Sonne! Denn du, du hast es im Verborgenen getan; ich aber, ich werde dies tun vor ganz Israel und vor der Sonne!“ ( 2Sam 12,10-12). Ein hartes Gericht für seinen Auserwählten!

Nun aber geschah das Aussergewöhnliche bei David. Er ging in sich und gedachte des Bundes mit Jahweh, seiner Zeugnisse in der Vergangenheit und seiner Verheissungen. David hätte auch anders handeln können. Er hätte den Propheten Nathan stillschweigend beseitigen können, wie das später andere Könige taten, als ihre Fehler aufgedeckt wurden und ihr Ansehen beim Volk in Gefahr stand. Die Macht dazu hätte er gehabt! Er tat es nicht. Hinzu kamen die Ereignisse um das von Batsheba geborene Kind, das bald nach der Geburt erkrankte und starb. Diese Geschehnisse trafen David hart (vgl. 2Sam 12,15-25). Wir können uns wohl kaum vorstellen wie sehr ihm sein Versagen zu Herzen ging, denn er fastete, lag die Nacht über auf der Erde und scheute tagelang den Kontakt mit den Mitmenschen.

Dabei ging es ihm nicht nur um den Verlust des Kindes und die angekündigten  zukünftigen unheilvollen Ereignisse. Er erkannte wie sehr er die Gemeinschaft mit Jahweh, seinen Bund und seine Zeugnisse, sowohl vor seinem Volk als auch vor seinen Feinden, gerade wegen seiner hohen Stellung, in den Dreck gezogen hatte, wie sehr er Jahweh durch sein Verhalten verachtet und traurig gemacht  hatte. Eine ganze Reihe von Psalmen sind wohl in dieser Zeit entstanden, so auch der Psalm 32. „Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommergluten. So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will Jahweh meine Vergehen bekennen; und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.. wer aber Jahweh vertraut, den umgibt er mit Gnade. Freut euch an Jahweh, und frohlockt, ihr Gerechten, und jubelt, alle ihr von Herzen Aufrichtigen“ (Ps 35, 3-5.10-11).

Suchen auch wir in jeder Lage Jahweh, unseren Schöpfer, unseren himmlischen Vater. Er lässt sich finden, d.h. er hat den not-wendigen Trost und die Hilfe für uns. Er lässt uns, trotz vergangener Fehler, an deren Folgen wir womöglich heute noch leiden und uns deshalb – gelegentlich – masslos ärgern möchten, wie David, aufatmen. David ging demütig den Weg mit Jahweh, blieb trotzdem nicht vor weiteren Fehlern verschont. Er stolperte immer wieder über seinen Charakter. Weil er aber sein Leben von Jahweh bestimmen lassen wollte und daran festhielt wurde er zum Vorbild für zahllose Menschen und ein Liebling Jahwehs.

In dieser Lebenshaltung wünsche ich jedem von uns, für seinen Alltag, die aufstellenden Trostworte Davids: „Meine Urform sahen deine Augen. Und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war. Für mich aber – wie kostbar sind deine Gedanken, o Jahweh! Wie gewaltig sind ihre Summen! Wollte ich sie zählen, so sind sie zahlreicher als der Sand. Wäre ich zu Ende gekommen – ich wäre noch immer bei dir“ (Ps 139, 16-18).

Mit einem herzlichen Shabbat Shalom Gregor Dalliard