„So sollt ihr beten: Unser Vater…” (Matthäus 6,9a)

Glaubensimpuls 23

Den zweiten Lehrteil Jahshuas über das jahwehgefällige Gebet, das den Menschen leitet, der den Glauben des Mashiach (Christus) in sich hat, wird uns im Matthäusbericht 6,9-15 überliefert: “Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden! Unser tägliches Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben; und führe uns in der Versuchung. Errette uns von dem Bösen! — Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.”

Auch dieser zweite Lehrteil entspricht ganz dem Willen des Abba Vaters. Seinen Willen haben uns die israelitisch-jüdischen Profeten auch diesbezüglich vermittelt. Der Abba Vater selbst hat die Profeten erwählt, ausgesondert und berufen. Jahshuas Gebetsleben war felsenfest in dieser göttlich-profetischen Offenbarung und Praxis verankert. Nicht umsonst berichtet später der Schreiber des Hebräerbriefes: “Nachdem Jahweh vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Profeten, hat er am Ende Tage zu uns geredet im Sohn” (Hebr 1,1-2). Jahshua führte seine Zuhörer zu den Gebetsgründen und -weisungen des himmlischen Vaters zurück.

Wie wir z.B. aus Jahshuas Reaktionen in Lk 24,25.27; Mt 15,3.6 u.a.m. entnehmen können, hatten seine Jünger die Beziehung zum profetischen Wort in Mose, Profeten und Schriften zum Teil oder weitgehend verloren gehabt. Schuld daran war die pharisäische Sekte innerhalb der Pharisäer, die das profetische Wort in Mose, Profeten und Schriften aus religiöser Übertriebenheit weitgehend oder ganz ausser acht liess. Sie widmeten sich mit grösstem Eifer den Auslegungen der Auslegungen der Auslegungen über die Aussagen in der Thora, Profeten und Schriften. Shaul gehörte ein Zeitlang dieser Sekte an. Später bezeichnete er dieses Gesetz, diese Auslegungen, im Lichte der Thora, Profeten und Schriften als Dreck (vgl. Phil 3,7-9).

Jedenfalls lehrte Jahshua seine Jünger und die Volksmenge (vgl. Mt 5,1) wie sie jahwehgefällig beten sollten und zu wem ein erwählter und berufener Mensch jahwehgefällig betet. Jede andere Gebetsweise wird in der Offenbarung Jahwehs als jahwehlästerlicher Götzendienst verworfen. Daran hielten sich sowohl die Profeten als auch Jahshua und die Apostel. Wir möchten ja alle unter dem Segen Jahwehs stehen.

Also reihen wir uns unter seine Jünger und die Volksmenge ein. Lasst uns aufmerksame Zuhörer sein! In diesem Glaubensimpuls betrachten wir nur Vers 9a: “So sollt ihr beten: Unser Vater…”. Das Gebet ist ausnahmslos und immer an den Abba Vater gerichtet. So hielten es die Profeten, Jahshua, die Apostel und die ersten Gemeinden. Manchmal benutzen sie den Namen Herrscher (Apg 4,24) oder andere Namen für Vater. Anbeten heisst ja dem Vater vertrauen und ihm alles bedingungslos anvertrauen dürfen, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Wenn wir nach der Lehre der israelitisch-jüdischen Profeten, die auch die Lehre Jahshuas war, den Vater allein anbeten und unser Vertrauen allein auf ihn setzen sollen, dann ist das etwas ausserordentlich Spezielles. Jahshua sagt nicht umsonst: “Dies aber ist das ewige (bleibende) Leben, dass sie dich, den allein wahren Erlöser Jahweh… erkennen” (Joh 17,4). Die bleibende Lebensqualität, die uns unser Vater, im Vertrauen auf ihn schenkt, steht im Mittelpunkt. Wir, die wir “dem Leben Jahwehs entfremdet waren, wegen der Unwissenheit” (Eph 4,18) haben den Zugang zu unserem Vater durch Jahshua HaMashiach geschenkt bekommen. Daher weist Jahshua als Mashiach (Gesalbter = Christus) auch auf seine Mittlerschaft und den Zweck seiner Mittlerschaft hin, die wir nicht übersehen dürfen und bekennt: “Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Erlöser Jahweh, und den du gesandt hast, Jahshua HaMashiach, erkennen” (Joh 17,3).

Wir haben also den gleichen Vater und die gleiche Gemeinschaft mit dem Vater wie die israelitisch-jüdischen Profeten, Jahshua, die Apostel und die Gemeinden vor der Zeit der Kirchenväter geschenkt bekommen. Wir sind geistig also von dem gleichen Vater gezeugt worden, Jahshua und wir! Ist das nicht umwerfend?

Wer nach dem Willen des Vaters dem Bilde des Sohnes gleichförmig geworden ist (vgl. Röm 8,29), wird nie jemanden anders anbeten oder anrufen, als unseren gemeinsamen Vater Jahweh. Die Worte Shauls gehen uns darum zu Herzen: “Weil ihr aber Söhne seid, sandte Jahweh den Geist seines Sohnes in unsere Herzen der da ruft: Abba, Vater!” (Gal 4,6).

Die meisten Mitglieder der Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften verwerfen den Willen des Vaters und damit auch die Lehre Jahshuas. Manche, weil sie traditionell dem mystischen Geist der Kirchenväter, der im heidnisch-trinitarischen Jesus zum Ausdruck kommt, unbewusst anhangen (vgl. 2. Kor 11,3a). Dieser Geist lässt jemanden nicht so schnell los, der ihm über Generationen unterworfen war. Wieder andere haben Angst vor dem Ausschluss aus der weltweit öffentlich anerkannten ökumenisch-trinitarischen Kirche. Sie ist durch die Dreieinigkeitslehre in ihren zahlreichen Tochterkirchen, ja sogar in kleinsten Hausgemeinden, die sich unabhängig wähnen, wirksam und bindend. Sie alle sind also mit den sogenannten dreieinigen Gottheiten-Traditionen, die wir in allen antiken Götzenkulten vorfinden und die von den Kirchenvätern übernommen worden sind, verwickelt. Einzig Jahweh verwirft durch seine Profeten, Jahshua und die Apostel jede Theologie und Anbetungsform von dreieinigen Erlöser-Gottheiten. Sie alle kennen keine zweite Erlöserperson neben dem Erlöser Jahweh. Jahweh, der himmlische Vater, offenbart immer wieder klar und deutlich, dass es neben ihm keine andere Erlöserperson gibt und keiner und niemand ausser ihm als Erlöser angebetet werden darf ohne Folgen (2. Mo 20,1-7; Jes 44,6-8; 45,5-7.14.18-25 u.a.m.).

Für Jahshua waren die Aussagen in der Thora, Profeten und Schriften verbindlich und unantastbar (vgl. Mk 12,28-34): “Ist er nicht dein Vater, der dich geschaffen (geformt) hat? Er hat dich gemacht und dich bereitet… Den Felsen, der dich gezeugt, täuschtest du und vergassest Jahweh, der dich geboren” (5. Mo 32,6.18). Wie sehr der himmlische Vater sich an seinem Gesalbten freut, weil er ihn “mein Vater” nennt, lesen wir in Psalm 89,27: “Er wird mich anrufen: Mein Vater bist du, mein Erlöser und der Fels meines Heils!”. Der Profet Jeshajahu (Jesajah) bezeugt (rund 600 Jahre vor Jahshua): “Denn du bist unser Vater… du, Jahweh bist unser Vater, unser Erlöser von alters her, das ist dein Name” (Jes 63,16). Weiter: “Aber nun, Jahweh, du bist unser Vater” (Jes 64,7).

Das Leben und die Verkündigung Shauls war vollkommen von dieser Haltung durchdrungen: “Denn einer ist Jahweh, und einer ist Mittler zwischen Jahweh und den Menschen, der Mensch HaMashiach Jahshua (Christus Jesus)…” (1. Tim 2,5). “…und dass kein Erlöser ist, als nur einer… so ist doch für uns ein Erlöser, der Vater von dem alles ist und wir auf ihn hin…” (1. Kor 8,4b.6a). Viele Zeugnisse in den Heiligen Schriften belegen uns die ungeteilte Anrufung des Namens Jahweh unseres Vaters. Bis zum Ende wird dies unabänderlich so bleiben. Darum lesen wir beim Profeten Joel: “Und danach wird es geschehen (am Ende), dass ich meinen Geist ausgiessen werde über alles Fleisch…und es wird geschehen: Jeder, der den Namen Jahweh (des Abba Vaters) anruft, wird errettet werden” (Joel 3,1.5).

Daran kann auch die trinitarische Lehre der katholischen Kirche und alle durch sie trinitarisch beseelten und verseuchten Kirchen und Gemeinschaften nichts ändern. Nachdem die Kirchenväter den anderen, einen Jesus, von dem Shaul den Korinthern schreibt (2. Kor 11,4), als zweite Erlöserperson (wahrer Gott und wahrer Mensch) geschaffen hatten, passten sie etliche neutestamentliche Stellen ihrem neuen Denken an, d.h. ihrem Jesus-Gott entsprechend. In Joel 3,5 ist gemäss dem Zeugnis aller Profeten, Jahshuas und der Apostel von “unserem Vater” Jahweh die Rede. Eine kleine Veränderung jedoch gibt allem einen anderen Sinn und unterbricht die Beziehung zu unserem Vater – dies mit verheerenden Folgen, die im Leben vieler Menschen und ganzer Völker ihre schrecklichen Spuren hinterlassen haben.

Im Zuge des radikalen Antijudaismus, übertrugen Kirchenväter profetische Aussagen über die Anbetung Jahwehs, wie in Joel 3,5 bezeugt kurzerhand auf den neu definierten Jesus-Gott der Kirche (vgl. hierzu Apg 2,21; Röm 10,13). Bibelstellen in denen gemäss profetischem Zeugnis stehen müsste: “die sich auf deinen Namen berufen” (Apg 9,14), also auf den Namen Jahshuas berufen oder ähnliche, wurden kurzerhand umgedeutet in: “die deinen Namen anrufen” , also solche, die den Namen Jahshuas anrufen, anbeten (vgl. Apg 9,21; 22,16; 1. Kor 1,2 u.a.m.).

In Apostelgeschichte 19,13 wird uns von jüdischen Beschwörern berichtet: “Aber auch einige von den umherziehenden jüdischen Beschwörern unternahmen es, über die, welche böse Geister hatten, den Namen des Herrn Jahshua zu nennen (d.h. sich auf ihn zu berufen), indem sie sagten: Ich beschwöre euch bei dem Jahshua, den Shaul predigt!”. Anstelle von “den Namen Jahshua zu nennen” (sich auf ihn zu berufen) wurde später entgegen dem profetischen Wort mit “den Namen Jahshua anzurufen” übersetzt. Der letzte Teil des Verses: “Ich beschwöre euch bei dem Jahshua, den Shaul predigt!” bestätigt zusätzlich, dass die Übersetzung “den Namen des Herrn Jahshua zu nennen” (sich auf den Namen Jahshua zu berufen) der Wahrheit entspricht.

Manchen Menschen, die sich Christen nennen, scheinen diese Veränderungen nicht von Bedeutung zu sein. Doch diese Irrtümer blieben nicht ohne verheerende Folgen bis zum heutigen Tag. Jahweh lässt seiner nicht spotten. Shaul bestätigt die Aussage Hiobs: “Irrt euch nicht, Jahweh lässt sich nicht verspotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten” (Hiob 4,8; Gal 6,7).

Machen wir es so wie der sogenannte verirrte oder verlorene Sohn in Lk 15,11-32: “Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir… Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater” (Lk 15,18.20a). Der verirrte Sohn, der seinem Vater früher nicht die nötige Ehre entgegengebracht und Schande über ihn gebracht hatte, durfte im Hause seines Vaters das Unvorstellbarste erleben!: “Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals und küsste ihn” (Lk 15,20b). Was dann folgte, ging dem verirrten Sohn wohl durch Mark und Bein. Statt einer Strafe, wurde ein ergreifendes Familienfest gefeiert, das alle Vorstellungen des bis dahin verirrten und abtrünnigen Sohnes übertraf.

Brechen wir auf! Lassen wir die falsche Anbetung! Jahshua ist uns zum Weg hin zur wahren Anbetung geworden. Er zeigt einzig und allein auf den wartenden himmlischen Vater. Lassen wir uns von unserem Abba Vater herzlich in die Arme nehmen und küssen. Ein Fest der inneren Freude wird alle unsere Vorstellungen übertreffen. Bei ihm ist unser Daheim. Da sind wir willkommen und geliebt, rein schon von unserer geschöpflichen Beschaffenheit auf unseren Schöpfer hin. Darum ruft uns Shaul tief betroffen zu: “Denn von ihm (unserem Vater) und durch ihn (unseren Vater) und auf ihn (für ihn) ist alles” (Röm 11,36).

In dieser frohen Gemeinschaft wünsche ich allen einen freudigen Shabbath. Shalom Uvracha (Frieden und Segen).

Gregor Dalliard