„Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln (erfolgreich sein)“ (Jes 52,13-53).

Glaubensimpuls 82

Die Pessachtage sind vorbei und doch beschäftigen manchen noch Fragen in Bezug auf den Knecht, den Leidensknecht, in Jeshajahu (Jesajah) 52, 13-15 und Kap 53. Gerne möchte ich darum auf diesen Abschnitt bei Jeshajahu eingehen. Wer ist der Mann, dieser Knecht, dieser Leidensknecht, von dem in diesem Text die Rede ist? Für die Kirchen ist es klar. Es ist ihr Jesus-Gott, den sie als den jüdischen HaMashiach (d.h. zu deutsch der Gesalbte, lateinisch der Christus), im 4. Jh. offiziell entjudaisiert und zu ihrem Gott gemacht hat.

Nach ihrer Lehre hat er für die Menschen gelitten, er ist gestorben und auferstanden. Nach ihrer Lehre haben allein die Leiden ihres Jesus-Gottes sühnende und erlösende Kraft, und zwar als Blutopfer für alle Menschen, das der himmlische Vater angeblich forderte und das in jeder Messe unblutig wiederholt werden muss um die Anwesenden neu zu sühnen, mit dem Abba Vater zu versöhnen. Eine andere Deutung dieses Textes ist für sie von ihrer Dogmatik her gar nicht zulässig.

Mit der Einnahme der Hostie, d.h. mit der vom Priester gegenwärtig gemachten und geopferten Gottheit, vollzieht sich für den Anwesenden immer wieder neu seine Vergottung, d.h. er wird neu mit Gott versöhnt, d.h. versühnt. Der Jesus-Gott versöhnt – versühnt – den Anwesenden mit den gegenwärtig gemachten Leiden durch den Priester immer wieder neu. Diese völlig heidnische Deutung und Praxis ist aber äusserst verwerflich und widerspricht der Gesamtoffenbarung der Bibel.

Wie ist es aber mit uns, die wir bemüht sind das gesamte prophetische Wort der Bibel mit einzubeziehen. Wir fühlen uns keiner kirchlichen Dogmatik verpflichtet. Darum haben wir auch keine Repressalien von Seiten irgendwelcher Pfarrer oder Pastoren zu befürchten, weil ihre Lehren für uns nicht relevant sind? Was denken wir von diesen gewaltigen Worten des Propheten Jeshajahu? Dieser Text hat grundsätzlich nur mit den Leiden des auserwählten Volkes zu tun. Jahushua (Jesus) ist einer von ihnen. Seine Leiden können und dürfen nie getrennt von den Leiden des gesamten auserwählten Volkes gesehen werden. Sie sind ein Teil davon wie die Leiden eines jeden Propheten und gerechtfertigten, treuen Menschen innerhalb des auserwählten Volkes. Die Propheten litten und sühnten für die Sünden des Volkes, so Daniel, Jirmejahu (Jeremijah), Jeshajahu, Jecheskel (Hesekiel) und alle andern. Jeshajahu (Jesjah) spricht hier von seinen persönlichen Sühneleiden, aber auch von den Leiden des auserwählten Volkes zu seiner Zeit, aber auch von den Leiden des auserwählten Volkes insgesamt. Diese Sühneleiden stehen über allen Brand- und Sühneopfer. Das auserwählte Volk wird als Person dargestellt. Es sind die demütigen Sühneleiden der Gerechten aus dem Volk, die unschuldig an den Gerichten teilhaben, welche die Untreuen heraufbeschwören.

Als dieser Text niedergeschrieben wurde war er für das auserwählte Volk im wahrsten Sinn des Wortes Realität. Ebenso aber auch Prophetie auf die noch bevorstehenden Leiden des auserwählten Volkes und seiner Propheten, die in ihrer Treue zu JaHuWaH und zu seiner Thora – und damit aus Liebe zu dem auserwählten Volk – ihr Leben gaben. Davon war Jahushua (Jesu) nicht ausgenommen. Auch er, der sich selbst als Prophet bezeichnete, hat später ebenfalls aus Liebe JaHuWaH, seiner Thora und aus Liebe zu den verlorenen zehn Stämmen und den Untreuen in Juda sein Leben gegeben. Auch er litt und starb als Knecht JaHuWaHs in diesem Zusammenhang.

Als dieser Text ausgesprochen und niedergeschrieben wurde erlebte das auserwählte Volk unsägliches Leid. Es stand noch mitten im Bad der Leiden. Jede Hoffnung schien entschwunden. Es war die babylonische Tragödie. Gemetzel in Jerusalem und in andern Städten. Tötung vieler aus der Herrscherfamilie. Zahllose Demütigungen. Hunger, Missbrauch, Versklavung und der Tod vieler. Deportation des Restes. Entmannung der übriggeblieben jungen Männer aus dem Herrscherhaus – neben Vergewaltigung der jungen Mädchen die grausamste Demütigung. Jerushalajm, von JaHuWaH als die ewige Stadt bezeichnet, verwüstet, der Tempel zerstört. Doch ein solch unermessliches Leid ist nie das Ende für sein Volk.

Was meinen wir, was wird wohl JaHuWaH gefühlt haben? Ein unermessliches Mitleid. Eine unsägliche Liebe und Treue zu seinem auserwählten Überrest. In der Thora und durch die Propheten spricht JaHuWaH von seinem bleibenden Bund mit Abraham und seinem Samen, von den bleibenden Verheissungen und seiner bleibenden Treue, von seinem Liebling Israel. Darum tröstet und ermutigt JaHuWaH seinen Knecht, sein Volk. Der Text in Jeshajahu bezieht sich immer zuerst auf sein Volk. Nach jeder Katastrophe erneuerten sowohl die übriggebliebenen Treuen wie die Untereuen neu ihre Beziehung zu JaHuWaH. Die vom Leid (Gericht) Gezeichneten suchten neu das Angesicht JaHuWaHs. Er liess sich von ihnen finden.

Der unter der Herrschaft Babylons leidende Knecht ist Jakob, d.h. Juda und Israel (vgl. Jes 45,4) Mit seiner rührenden Zärtlichkeit spricht JaHuWaH Israel seinen Knecht an: „Du aber Israel mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, meines Freundes, du, den ich ergriffen von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe, zu dem ich sprach: Mein Knecht bist du, ich habe dich erwählt und nicht verworfen – fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Habe keine Angst, denn ich bin dein Erlöser (Gott)! Ich stärke dich, ja ich helfe dir, ja, ich halte dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit“ (Jes 41,8-10).

JaHuWaH erwählte manchmal sogar JaHuWaHlose Regenten und andere um sein Volk zu trösten und ihnen den Weg zu weisen. Gegen Ende der babylonischen Gefangenschaft erwählte JaHuWaH den persischen König Kyrus (559-529 v.u.Z.). Er machte ihn zum Gesalbten, d.h. zum Christus für sein Volk: „So spricht JaHuWaH zu seinem Gesalbten (Christus), zu Kyrus, den ich bei seiner Rechten ergriffen habe, um Nationen vor ihm zu unterwerfen.. Ich gebe dir verborgene Schätze und verstärkte Vorräte, damit du erkennst, dass ich JaHuWaH bin, der dich bei deinem Namen ruft, der Erlöser Israels. Um meines Knechtes Jakob willen und Israels, meines Auserwählten, habe ich dich bei deinem Namen gerufen. Ich gebe dir einen Ehrennamen, ohne dass du mich gekannt hast. Ich bin JaHuWaH und sonst keiner. Ausser mir gibt es keinen Erlöser (Gott)..“ (Jes 45,1-5; vgl. 45,3-4; 49,3-6).

Zur Zeit der Shoa (Holocaust 1933 -1945) haben auf dem Wege in die Folter- und Gaskammern und andere Einrichtungen des Todes, Millionen gläubiger, gerechter und bussfertiger Juden, neben dem Shma Israel – Höre Israel Jahweh ist einzig EINER (5Mo 6,4-5); Mk 12,29-30; Mt 22,37), auch diesen Text aus Jeshajahu gebetet (Jes 52,13 – 53,12). Millionen war dieser Text in Zeiten der Not von ihrer Kindheit an und von ihren Vorfahren her wohlvertraut. Viele jüdische Väter hatten ihre Verantwortung wahrgenommen und ihren Kindern diesen Text beigebracht. Sie lernten ihn auswendig und sie brauchten ihn, denn immer und immer wieder waren sie der menschlichen Schutzlosigkeit und damit unsäglichen Schikanen, Leiden und dem Tod ausgesetzt – wie kein Volk der Welt. In ihrer äussersten Not, im Angesicht des Todes, ohne Armee, wie wehrlose Lämmer die zu Schlachtbank geführt wurden, war das Wort JaHuWaHs, durch den Propheten Jeshajahu gesprochen, neben dem „Höre Israel, JaHuWaH ist der einzig EINE“, der letzte Trost. JaHuWaH war und blieb ihr einziger Trost. Er begleitete sie mit diesem Wort durch die letzte Nacht der Schrecken auf dieser Erde.

Israel, bzw. die treu gebliebenen Juden, haben bis zum heutigen Tag unsägliches und aussergewöhnliches Leid für uns – um unseretwillen – ertragen und getragen, damit wir an dem geoffenbarten Reichtum und Erbe des himmlischen Vaters teilhaben dürfen. Das wollen und dürfen wir niemals vergessen. Wenn es auch Juden und Juden gibt, wir wollen sie gemäss Bundesverheissung an Abraham segnen: „Und ich will segnen, die dich (Israel) segnen, und wer dir flucht (dich richtet), den werde ich verfluchen (richten); und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1Mo 12,3).

Mit dieser Aussage ist nicht etwa gemeint, dass Juden gegenüber den allgemeinen moralischen Ordnungen tun und lassen können was sie wollen und niemand darf sie zurechtweisen. Wenn ein Jude z.B. gestohlen hat, dann darf und muss er, egal in welchem Land er lebt, wie alle andern Bürger, entsprechend dem geltenden Gesetz gegen Diebstahl, beurteilt werden und die entsprechenden Konsequenzen tragen. In 1Mo 12,3 geht es z.B. um den grundsätzlich indoktrinierten, dogmatischen Judenhass. Die Kirchenväter nahmen diesen Hass in ihre Lehren auf und haben ihn, mit Hilfe der Staatsmächte, die sie sich schrittweise einverleibt hatten, über die ganze Welt gestreut und verankert. Dieser kirchliche, dogmatisch verankerte Judenhass, gehört bis heute zum Grundgesetz der Kirche. Das ist ein wesentlicher Grund warum Juden einfach gehasst, gemobbt und verurteilt werden, einfach weil sie Juden sind. (Siehe die meisten haarsträubenden UNO-Resolutionen gegen die Juden).

Lasst uns darum an der Versöhnung und Wiederherstellung der Ehre und des Willens JaHuWaHs, unseres himmlischen Vaters und Schöpfers – und damit auch der Juden – mit grosser unermüdlicher Freude und Danksagung teilnehmen. Der innere Friede und damit der Segen bleiben nicht aus! Von Herzen wünsche ich allen Gim-Lesern einen gesegneten Shabbat.

Gregor Dalliard