Schockierende Inhalte der Bibel – wie ist das möglich? Wie kann ich damit umgehen? Teil 2

Glaubensimpuls 174

Mit dem letzten Gim habe ich Staub aufgewirbelt und der sollte sich langsam aber sicher wieder setzen. Das wird er auch tun! Es gibt nämlich überhaupt keinen Grund, dass er sich nicht wieder setzen sollte, denn bis heute hat sich jedes aufgewirbelte Stäubchen wieder hingesetzt, doch meistens nicht mehr genau an demselben Platz wo es vorher sass. Genau das ist das Problem für so viele christliche Mitmenschen, die bisher aufrichtig und vertrauensselig, ohne viel zu überlegen, mit der gläubigen Masse mitgelaufen sind, weil sie die Bibel nach der Art und Weise der Kirchenväter verstanden und geglaubt haben, was ja niemanden erstaunt.

Fast jeder von uns ist ohne sein Dazutun in eine der vielen christlichen Ideologien, die sich aus der Lehre der Kirchenväter heraus entwickelten, hineingeboren worden. Die führenden Träger des Geistes der Kirchenväter hatten sich im Laufe der Geschichte die meisten Völker – die heute christlich sind – mit äusserster Gewalt unterworfen und sie gezwungen ihre christliche Ideologie anzunehmen. Denken wir nur an den religiös fanatisierten christlichen Karl den „Grossen“ im 8. und 9. Jahrhundert. Er wurde durch diesen Geist zum Sachsenschlächter. Oder denken wir an die durch denselben Geist fanatisierten Spanier, die in ihrem christlichen Wahn im 15. und 16. Jahrhundert 70 – 90 Millionen der Eingeborenen Südamerikas umbrachten. Die führenden Eingeborenen wurden zwangsbekehrt und dann geköpft, so dass sie nicht mehr rückfällig werden konnten und am ewigen Leben teilhaftig blieben.

Der christliche Geist der Kirchenväter entfachte eine breite Spur der religiösen Gewalt, des Terrors, des Blutes, der Folter, des Todes und des Elends. Die Spur ist fast tausensechshundert Jahre lang. Die Menschen halten dem religiösen Terror auf die Dauer nicht stand und ergeben sich schliesslich. Irgendwann vergessen sie das Geschehene und ordnen sich der jeweiligen religiösen Herrschaft unter. Spätestens die vierte Generation wird die Ideologie jener, die ihre Urgrosseltern folterten und töteten, selbst mit Leib und Seele als die Wahrheit des Himmels verteidigen. Das lehrt uns die Geschichte.

Innerhalb dieser gewaltigen kirchlichen Blutspur und Irrtümer haben sich im Laufe der langen Zeit trotzdem Werke der Nächstenliebe herausgebildet. Es gab in der Kirche immer Menschen, denen weniger die religiöse Hierarchie, ihre Theologie und ihre bluttriefenden Mittel zum religiöse Machterhalt wichtig waren. Sie vermochten zudem das religiöse System auch nicht zu durchschauen. Sie hätten auch nichts dagegen tun können. Bei ihnen stand das Gebot der Nächstenliebe im Vordergrund.

Die uns angeborene widersprüchliche Denkweise über Bibel und Juden gehört zum Grunddenken des christlichen Glaubens, zum Wesen der vom Christentum geprägten Völker. Es ist der Eckstein – auch dieser guten Menschen!. Dieses Denken ist das uns anhaftende tief verwurzelte antibiblische und antijüdische Strickmuster aller Kirchen und christlichen Gemeinschaften. Selbst wenn sie sich dauernd auf die Bibel berufen und sich als juden- und israelfreundlich ausgeben. Sie bleiben dem Denkmuster der Kirchenväter verfallen, solange sie mit einem Bein in dieser Kirche oder in eine der christlichen Gemeinschaften stehen bleiben. Das macht diese Zwiespältigkeit aus.

Dieses religiöse zwiespältige Strickmuster beherrscht unser Denken offiziell seit dem 4. Jahrhundert. Es gehört zu unserem fundamentalen Denken. Es widerspricht ganz einfach dem Zeugnis der Propheten und verhindert uns den Zugang zum Tanach (Thora, Propheten und Schriften), der Bibel, und ihren tiefen Zusammenhängen. Seit den beiden ersten Konzilen im 4. Jahrhundert sind es immerhin schon tausendsechshundert Jahre das unsere Völker, wir, in diesem Widerspruch leben.

Im Zuge der modernen, schnellen und einfachen Kommunikationswege werden aufrichtige Menschen, die sich ernsthaft, gewissenhaft und voller Elan an die Bibel heranmachen, wie Stäubchen aus dem bisher festen Platz ihrer Glaubensecke gewirbelt und wissen nicht wie ihnen geschieht und wo sie landen werden. Das macht vielen Angst. Ist ja auch verständlich, denn das verkehrte, zur Norm gewordene Denken, ein Denken von tausendsechshundert Jahren, kann niemand einfach so aufgeben und auf die Seite legen. Das ist wahrlich kein Zuckerschlecken! Viele scheinen dabei den Boden unter den Füssen zu verlieren.

Aber glaube mir, es ist in Wirklichkeit ein Zeichen der Liebe unseres Schöpfers, des Abba JaHuWaH. Er ist es der uns aus dem bisherigen Glaubenstrott heraus wirbelt. Er führt uns in seine Wahrheit und Gerechtigkeit hinein. Er, JaHuWaH, ist es der das bewirkt. Er vertraut uns! Er hat nur Gutes mit jedem von uns vor. Wir haben dabei eigentlich nichts zu befürchten: „Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind!“ (Ps 84,6). Seine Wege, die er mit uns geht, sind – durch sein Vertrauen in uns und unser Vertrauen auf ihn – gebahnte Wege! Ist das nicht fantastisch – bedenke: gebahnte Wege! Eigentlich sollten wir vor Freude springen! Bekennen wir unbedingt jeden Morgen neu: Mit JaHuWaH und seiner Bibel gehe ich „gebahnte Wege“!

Wir gehen also nicht ins Ungewisse, ins Niemandsland! Wir fallen als aufgewirbeltes „Stäubchen“ nur tiefer in sein Herz. Darum müssen wir – zumindest einmal im Leben – aus der vermeintlich sicheren, von Menschen gemachten religiösen Verankerung und Sicherheit, herausgerissen und im Widerspruch zur grossen religiös geprägten Masse stehen, und, trotz der viel gepriesenen Toleranz gegenüber Minderheiten, Ablehnung erfahren. Alles andere taugt zu nichts. Verlassen wir die widersprüchliche Gemeinde um in die von ihm selbst geschaffen Gemeinde einzugehen, dann gehen wir seine gebahnten Wege.

Wie sonst sollte er uns seine gebahnten Wege führen können und wie sonst sollten die Engel JaHuWaHs ihren Dienst der Bewahrung an uns umsetzen können, wenn wir keine Bewahrung benötigen, weil wir in unserer vermeintlichen Sicherheit treu die Wege der Kirchenväter und in unserem Leben glaubensmässig ganz flott nach dem Diktat und den Ordnungen der Weltkirchen gehen?: „Denn er bietet seine Engel für dich auf, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen“ (Ps 91,11). Also, was soll denn ein Glaubenswirbel uns schon anhaben können?

Haben wir uns etwa nicht aufgemacht um uns von JaHuWaH auf seine gebahnten Wege bringen und führen zu lassen? In der Bibel finden wir die gebahnten Wege für jeden unserer Tage auf dieser Erde: „Für mich aber – wie kostbar sind deine Gedanken, o JaHuWaH! Wie gewaltig sind ihre Summen!“ (Ps 139,17).

Nun, es sind ja die schockierenden Dinge von Menschen, die in der Bibel, im Tanach, erwähnt sind, die uns in den ersten Phasen des Bibellesens zu schaffen machen. Ich möchte einfach bei dem bleiben was ich im letzten Gim 173 geschrieben habe. Als das „Neue Testament“ für uns die Bibel war, da ging doch (fast) alles ohne Probleme. Alles war klar. Die Juden sind die Bösen. Sie haben ihren im Fleisch gekommenen Gott, den wahren Gott und wahren Menschen, den Jesus-Gott, umgebracht. Das ist ja wohl das Schrecklichste was ein Mensch tun kann: Sich über den allmächtigen Gott (den Gott der Christen) hermachen und ihn ganz einfach umbringen, ihn töten. Da bleibt nichts mehr übrig! Das sind unmöglich die Wege, die JaHuWaH führen will.

Jeder denkende Mensch – und jeder der den Tanach liest – weiss, dass kein Mensch JaHuWaH umbringen, töten kann. Schon diese Tatsache allein, die im ganzen Tanach durchgehend bezeugt ist, müsste die Bibelleser irgendwann aufschrecken und merken lassen: da stimmt etwas Wesentliches in unserer Lehre und Verkündigung nicht. Es ist ein äusserst tragisches Zeugnis für unsere religiösen Christenführer, dass sie diesen gewaltigen folgenschweren Irrtum in ihrem Glaubenssystem, auf ihrem Weg den sie gehen und lehren, nicht erkannt haben und aufgeben wollen – aus Protest gegen die Juden und den Tanach.

Nun, weiss auch jeder aufrichtige und gewissenhafter Bibelleser: An Weihnachten ist nicht JaHuWaH Mensch geworden. Er war schon immer bei den Menschen und ging schon immer wie ein weiser Mensch mit den Menschen um. Wer kam dann? Es kam der Gott der Christen, der trinitarische Jesus-Gott, den die Kirchenväter im Nachhinein schufen!! Denn vor und nach ihm wurden in der heidnischen Welt manche Göttersöhne von Gottheiten in den Schössen von Jungfrauen hineingezeugt und als wahre Götter und wahre Menschen geboren. Denken wir nur an Alexander den Grossen, Antiochus IV. Epiphanes, an die römischen Kaiser, die sich deshalb als Gott-Könige bezeichneten und Anbetung forderten, ebenso die ihrer Bildnisse.

Nach den überarbeiteten Evangelien der Kirchenväter musste sich dieser trinitarische Jesus-Gott von morgens bis abends, und auch noch nachts, gegen die bösen Juden wehren, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten und schliesslich grausam kreuzigten und umbrachten. Von solchen Menschen ist ja wohl nichts zu erwarten. Was geht uns da dieses Volk mit seiner Bibel an, von dem uns so schlimme Sachen berichtet sind.

Wir, die Christen sind da anders, wir halten zu dem Mensch gewordenen Gott, dem Jesus-Gott, den die Juden so sehr ablehnten, verachteten, folterten und so grausam und qualvoll töteten. Das Christentum hat einen Gott der Liebe, nicht wie die Juden. Darum ist das Christentum die Religion der Liebe und hat in seiner Geschichte auch nie nennenswerte Fehler gemacht oder sich gegen Mitmenschen vergangen. Die Gräuel der Kirche bis hin zum abertausendfachen Missbrauch an wehrlosen Kindern und Behinderten dürfen nicht als Fehler verurteilt werden, das verbietet sich die Kirchenführung, handelt sie doch immer im Geiste ihres Jesus-Gottes, der in allen Geistlichen lebendig wirksam ist. Zudem ist der Papst, als der Vater aller Christen, 1870 von der dritten Gottheit der Christen, dem Heiligen Geist, in Sachen Entscheidungen über Glauben und Sitten, für unfehlbar erklärt worden.

Wir, wir Christen, wir taufen uns in unseren Gott hinein und werden dadurch automatisch gut, d.h. gerettet. Wir nehmen unseren Gott sogar in unser Herz auf. Wir übergeben ihm unser Leben. Nicht nur das, wir tun noch mehr als die Juden. Wir essen und schlucken ihn sogar während der Messe oder beim Abendmahl. Der Priester macht bei der Messe durch eine Zauberformel sogar sein Fleisch und Blut auf dem Altar gegenwärtig. Anschliessend opfert und zerstückelt er ihn für uns. Jeder der Anwesenden bekommt so ein echtes Stück Fleisch von ihm zu essen, damit auch jeder von uns ewiges Leben hat (siehe gültiges Dogma, CIC). Soweit das Dogma der grössten christlichen Kirche, der katholischen.

Nebenbei bemerkt: Wie kann so jemand der allmächtige Gott sein, wenn ihn die Juden einfach so umbringen können und seine eigenen Leute, die Christen, ihn bei jeder Messe opfern, zerstückeln und schlucken? Aber das ist die Botschaft die wir jeden Sonntag, jede Weihnachten, jede Ostern, jahraus jahrein und bei jedem liturgischen Anlass untergejubelt bekamen und unseren Zuhörern unterjubelten. So was sitzt nach tausendsechshundert Jahren. Wir haben gesehen, dass diese Botschaft die zentrale Botschaft der Kirchenväter ist, nicht der Bibel.

Aus diesem Grunde kamen Schriften im Umlauf, die vielfältig überarbeitet worden sind und die schliesslich ab dem 4. Jahrhundert im Auftrag von Papst Damasus als die Bibel der Christen, als das „Neue Testament“ veröffentlicht worden sind. Das war ja unsere Bibel mit unserem neuen Gott, dem trinitarischen Jesus-Gott, der nichts Böses tut und ständig gegen die bösen Juden und ihr „Altes Testament“ zu Felde ziehen musste.

Und da ist nun das „Alte Testament“, der Tanach, die Bibel der Juden. Das „Alte Testament“ mit seinen schockierenden und entsetzlichen Verbrechen, mit seinem rächenden Gott, der dauernd tödliche Gerichte ausspricht! Und das nun soll unser Erlöser (Gott) sein und das die wahre wirkliche Bibel, die einzige, die vom lebendigen Abba JaHuWaH als die rechtmässige, die verbindliche und anerkannte Bibel sanktioniert ist, als Massstab für ein gesegnetes Leben?

Und dann stellt sich noch heraus, dass der wirkliche Jahushua HaMashiach (Jesus) von Nazareth und die zwölf Apostel, die Mirjam (Maria) und die Myriaden von Juden (vgl. Apg 21,20), von denen wir bisher glaubten, dass sie Christen waren, nie Christen waren, es auch nie geworden waren, weil es noch keine gab, dass sie alle Juden waren und als Juden starben (vgl. Mt 5,17-19; 7,21-23; Mk 3,34-35; Mt 12,49-50; Lk 8,21; Apg 21,20 u.a.m. Da wird es manchem zuerst einmal recht mulmig. Er fühlt sich geistig entwurzelt, heimatlos!

Wie gehe ich damit um? Wie steige ich in den Tanach, in die Bibel des Jahushua von Nazareth und der Apostel, ein? Man möge verstehen, dass ich immer wieder auf dieselben zentralen Aussagen der Thora hinweise. Sie sind und bleiben der Einstieg, der Schlüssel hinein zu den Schätzen des Tanach. Ja, sie erklären, umfangen und durchtränken alles andere was wir in der Bibel lesen und was eingeordnet sein will. Jahushua (Jesus) vertraute JaHuWaH. Darum ging er die Wege der Thora und der Propheten bis zu seinem Lebensende.

Was mich in der heissesten „Sommerhitze“ meines Lebens den Sprung ins erfrischend kühle rettende Wasser des Lebens, in den Tanach, wagen liess, war die Aussage Jahushuas von Nazareth in Markus 12,28-33, die er aus der Thora, aus 5Mo 6,4-5; 3Mo 19,18; 5Mo 4,35.39 u.a.m. zitiert:

„Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu, und da er wußte, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot (Weisung) ist das erste von allen? Jahushua antwortete ihm: Das erste ist: `Höre, Israel: JaHuWaH, unser Erlöser (Gott), ist EINER; und du sollst JaHuWaH, deinen Erlöser, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft. Das zweite ist dies: `Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Grösser als diese ist kein anderes Gebot. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Rabbi, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist EINER, und es ist KEIN ANDERER außer ihm; und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben denn er ist wie du, ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.“ Ist das nicht überwältigend? Die Quelle des Lebens, des Auskommens miteinander? Wer will mir etwas Besseres bieten?

Das sollte unser Einstieg in die Bibel sein. Diese zwei Aussagen sind die zentralsten Botschaften der Bibel. Sie durchstreifen die ganze Bibel. Lassen wir uns jeden Tag neu von diesen beiden Aussagen, die untrennbar miteinander verwoben sind, führen. Wir werden dann von JaHuWaH Schritt für Schritt in die tiefsten Tiefen der biblischen und der biblisch-geschichtlichen Zusammenhänge mitgenommen. Unser Herz wird sich freuen und staunen. Wir werden aus den schrecklichsten und widersprüchlichsten Auslegungen, deren Opfer wir durch die Kirchenväter geworden sind, herausgeführt werden und innere Heilung erfahren.

JaHuWaH legt durch alle Propheten den Finger auf die Nächstenliebe. Der Umgang mit dem Nächsten ist die zentrale Botschaft des Lebens im Tanach. Achten wir beim Lesen darauf. Alle Propheten weisen darauf hin. Diese Liebe ist einfach nicht zu trennen von der Liebe zu JaHuWaH. Beide sind miteinander verwoben, keines kann vom andern losgelöst werden. Wie alle Propheten bekannte und lehrte darum auch Jahushua: „An diesen zwei Geboten (Weisungen) hängt die ganze Thora und die Propheten“ (Mt 22,40). Seien wir geborgen und beheimatet in diesen beiden Geboten, die zwar nicht immer einfach zu leben sind, vor allem das zweite!! Täglich bedürfen wir dazu der weisen Führung und dürfen dafür auch beten. Aber alles andere in der Thora und in den Propheten lässt sich von diesem Zuhause aus einordnen – wird sich ergeben.

Von Herzen wünsche ich allen einen gesegneten Shabbat, das Vorrecht vergeben zu können und die Freude der Versöhnung. Shabbat Shalom!

Gregor Dalliard