Schockierende Inhalte der Bibel – wie ist das möglich? Wie kann ich damit umgehen? Teil 1

Glaubensimpuls 173

„Die Bibel das meistgelesene, meistverkaufte und meistverbreiteste Buch der Welt“, so lautete der Titel meines letztwöchigen Glaubensimpulses (Gim 172). Natürlich reagieren Menschen bei einem solchen Thema, manchmal recht heftig, andere aus einer bestimmten Not heraus, weil sie mit bestimmten schockierenden Dingen, die uns in der Bibel – auch – mitgeteilt werden, einfach nicht fertig werden. Sooft sie die Bibel aufschlagen werden sie von den negativen und z.T. entsetzlichen Dingen darin wie erschlagen.

Nennen wir einige entsetzten Ausrufe: Wie konnte JaHuWaH die Anordnung zur Vernichtung der 7 Völker durch sein auserwähltes Volk anordnen? (s.Gim 85). Wie konnte Elijahu Kinder die ihn als Kahlkopf verspotteten verfluchen, sodass Bären aus dem Wald kamen und 42 von ihnen zerrissen? Wie konnte David seinen treuen Helden, den Hetiter Urijahu meuchlings umbringen lassen, um anfänglich seine Schande zu verbergen?

Wie kann ein Psalmist JaHuWaH bitten, bringe die Bösen um? Wie konnten Menschen wegen eines Fehlers gesteinigt werden? Wie konnte es zu der schrecklichen und grausamen Gräueltat in Richter 19 kommen? Wir könnten diese Liste noch lange fortsetzen!

Manche lesen seit einiger Zeit zum ersten Mal in ihrem Leben – ganz unvoreingenommen – das sogenannte „Neue Testament“. Für sie ist es der Bibel, dem Tanach, gleichwertig. So hat man es ihnen gesagt! Seitdem sie aber darin lesen dürfen und wollen sind sie über Jahushua von Nazareth entsetzt. Er ist für sie nach der Lehre der Kirchenväter der Jesus-Gott, der wahre Gott und der wahre Mensch. Sie fragen sich z.B. wie konnte Jesus die Nichtjuden als Hunde bezeichnen? (vgl. Mt 15,26). Wie konnte er seine Jünger gegen die Römer bewaffnen? (vgl. Lk 22,36). Petrus, der angebliche erste Papst, was er als Jude natürlich nie war, schlug mit seiner Waffe drein, wenn es gegen die schrecklichen Verbrechen der Römer an unschuldigen Juden ging (vgl. Mt 26,51), Auch die andern Apostel trugen Waffen und waren bereit sie gegen die äusserste Brutalität der Römer einzusetzen (vgl. Lk 22,49). Durch diese Fakten schockierte Christen sagen gerne einmal, hätten wir wie bisher der Kirche blind geglaubt und nie angefangen im „Neuen Testament“ zu lesen und zu denken, hätten wir diese Probleme heute nicht. Nun schleppen wir sie mit uns herum und kommen damit nicht zurande!

Die Bibel, der Tanach, ist in einem langen Zeitabschnitt seit etwa 1200 Jahren v.u.Z. entstanden. Die Thora war 250 v.u.Z. fertiggestellt. Von dieser langen Entwicklung und Entstehung der Bibel her ergibt sich auch das Verständnis für den Umgang mit der Bibel. Das Stichwort Entwicklung gehört ganz einfach zu der Entstehungsgeschichte der Bibel. Das beleget und bezeugt uns ja der Schöpfer allein schon durch das Entstehen und Werden seiner Schöpfung. Das finde ich das Wunderbare und Fantastische an seiner Bibel, an seinem Wort.

Die Bibel ist nicht einfach als komplettes Buch, so wie wir es heute in unseren Händen halten, vom Himmel gefallen. Die Bibel ist eine schrittweise Weiterentwicklung der Beziehungen des auserwählten Volkes im Umgang mit seinem Schöpfer und Erlöser JaHuWaH. Aus dem Alltagsleben heraus, fortschreitend, laufend. Die Bibel ist auch kein esoterisch-mystisches Buch, das einfach so vom Himmel gefallen ist und das uns von der Welt abhebt und uns in phantasiereiche jenseitige Träumereien mitnimmt, wie wir sie in den esoterisch-klösterlichen, mönchischen „Traumwelten“ finden. Sie ist kein frommes Buch für Menschen, die ihre eigene Frömmigkeit suchen.

Sie ist das knallharte Gegenteil. Sie ist ein Buch mitten im Leben der Menschen und aus der Mitte des Lebens heraus entstanden, dort wo Menschen zusammenleben. Die Bibel greift alle Lebensbereiche auf, ohne Handschuhe. Sie spricht jeden Lebensbereich an, ohne falsche Scham. Kein Lebensbereich wird ausgelassen. Darum hört sich manches so schockierend an. Vieles rührt uns an und macht uns betroffen anderes schockiert uns. Die zentrale Frage ist die, wie gehen wir mit den biblischen Inhalten um? Versuchen wir zu verstehen, was unser Schöpfer JaHuWaH uns damit vermitteln will? Sind wir bereit daraus für unser Leben zu lernen und es besser zu machen als jene Menschen der Bibel, die uns schockieren. Hier müssen wir ansetzen.

Denn mit diesen Menschen will JaHuWaH zusammenleben, mit diesen Menschen unterwegs sein, diese Menschen aus Sünde und Elend herausführen, sie trösten, aufrichten, sie zu neuen Lebensdimensionen animieren. Es sind rückfällige Menschen, Menschen die versagen, Menschen bei denen alles möglich werden kann, trotz Zugehörigkeit zu JaHuWaH. Wir sind nicht besser, wir meinen es bloss! Je nach Umständen und Lebenssituationen kann es auch uns erwischen. Allen Menschen, auch diesen, will JaHuWaH in ihrem Alltag Führung geben und zwar über sein Buch, das meistgelesene Buch der Welt! Ob das etwas aussagt über die Menschen die darin lesen, das möchte ich dahingestellt lassen.

Es ist müssig und zwecklos sich länger den Kopf darüber zerbrechen zu wollen, warum JaHuWaH das Böse zugelassen, geschaffen oder gewollt hat. Diese nagenden Fragen bringen uns nicht weiter. Seit es Menschen gibt zerbrechen sie sich den Kopf darüber und sie sind kein bisschen weiter gekommen. Die Welt ist schier voll von Büchern, die sich mit diesem Thema befassen. Wer ins Internet schaut findet zahllose Ansichten, Meinungen und Behauptungen darüber, wie es nun in Wirklichkeit ist und wie das JaHuWaH nun wirklich meint.

Andere suchen „ihren“ Weg, wie gesagt, hinter Klostermauern, andere als Freidenker, wieder andere als Atheisten, andere als IS-Kämpfer. Die grosse Masse lehnt sich an den religiösen Organisationen, in die sie meistens hineingeboren worden sind. Sie leben vor sich hin, ohne sich mit solchen Fragen auseinandersetzen zu wollen. Für viele Menschen sind die Inhalte der Bibel nicht von Interesse.

Darum kommen wir zum Kernpunkt. Die israelitisch-jüdischen Propheten sind von allen Wissenschaftlern und Weisen die gebildetsten Menschen, die diese Welt jemals gesehen hat und sehen wird. Sie „besitzen“ die älteste und die tiefgründigste Erfahrung im Umgang mit dem Schöpfer unseres Lebens, mehr als jede Religion und Ideologie. Ihnen sind die Zusammenhänge des Lebens und des Todes seit frühesten Zeiten geoffenbart. An dieser Weisheit kommt auch heute kein Gelehrter vorbei. Wenn er es denn trotzdem meinen sollte, dann beweist er gerade darin sein begrenztes Wissen, auf das sich aber besser keiner definitiv verlassen sollte. Damit will ich keinen aufrichtigen Wissenschaftler schlecht machen.

Gewaltig und voller bleibender Gültigkeit sind die Worte der Weisesten unter den Weisen dieser Erde, die jemals unseren Schöpfer bezeugt haben und ihn sprechen lassen: Noch einmal möchte ich die Worte JaHuWaHs zitieren, die er an Kyrus richtet, den König von Persien. JaHuWaH nennt Kyrus seinen Christus (d.h. seinen Gesalbten, HaMashiach):

„..der von Kyrus spricht: Mein Hirt, er wird alles ausführen, was mir gefällt, indem er von Jerushalajim sagen wird: Es werde aufgebaut, und der Grundstein des Tempels werde gelegt! So spricht JaHuWaH zu seinem Gesalbten (Christus, HaMashiach) zu Kyrus, den ich bei seiner Rechten ergriffen habe.. Ich gebe dir verborgene Schätze und versteckte Vorräte, damit du erkennst, dass ich JaHuWaH bin, der dich bei deinem Namen ruft, der Erlöser Israels. Um meines Knechtes Jakob willen und Israels, meines Auserwählten, habe ich dich bei deinem Namen gerufen. Ich gebe dir einen Ehrennamen, ohne dass du mich gekannt hast. Ich bin der JaHuWaH und sonst keiner. Außer mir gibt es keinen Erlöser. Ich gürte dich, ohne dass du mich erkannt hast, damit man erkennt vom Aufgang der Sonne und von ihrem Untergang her, dass es ausser mir gar keinen gibt. Ich bin JaHuWaH – und sonst keiner -, der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der Frieden wirkt und das Unheil schafft. Ich, JaHuWaH bin es, der das alles wirkt“ (Jes 45, 1-7).

Der letzte Vers ist für viele schwer zu fassen. Er ist in unserer Begrenztheit auch nicht in seiner letzten Tiefe zu fassen. Der Schlüssel zu diesem Vers sind die Endziele, die sich JaHuWaH in seiner Weisheit vorgenommen hat. Die Endziele JaHuWaHs mit der gesamten Menschheit und Schöpfung bringen das Licht in die schockierenden Bereiche des menschlichen Lebens herein, die uns so zu schaffen machen. Wir kommen gegen Ende darauf zu sprechen.

Was wollen wir nach unzähligen Grübeleien und zahllosen Büchern und Artikeln, die wir über die Entstehung und die Wirksamkeit des Bösen und der Finsternis in den Menschen und in der Welt schon gelesen haben noch? Wollen wir noch länger über die schrecklichen Ereignisse, die uns in der Bibel auch berichtet sind, grübeln, und das bis zu unserem Lebensende und dabei die gesegneten Zeiten in Gemeinschaft mit JaHuWaH verpassen, an uns vorbeigehen lassen? Sie gehören zu JaHuWaH und zum Leben. Anerkennen wir die Aussage unseres Abba JaHuWaH:

„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht JaHuWaH. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn wie der Regen fällt und vom Himmel der Schnee und nicht dahin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, sie befruchtet und sie sprießen lässt, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot dem Essenden, so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe“ (Jes 55,8-11). Darauf wollen wir unsere Gedanken richten, darauf uns konzentrieren. Darauf die kurze Zeit unseres Lebens ausrichten.

Lasst mich darum weiter aus dem Munde dieses hochweisen, ganz in JaHuWaH verwurzelten, Zeugen zitieren: „Wer hat den Geist des JaHuWaH ermessen, und wer ist der Mann seines Rates, den er unterwiese (wer hat ihn unterwiesen)? Mit wem beriet er sich, dass er ihm Einsicht gegeben und ihn belehrt hätte über den Pfad des Rechts und ihn Erkenntnis gelehrt und ihn über den Weg der Einsicht unterwiesen hätte?“ (Jes 40,13-14).

„Aber jetzt, so spricht JaHuWaH, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen. Denn ich bin JaHuWaH, dein Erlöser (Gott) , ich, der Heilige Israels, dein Retter“ (43,1-2).

„So spricht JaHuWaH, der König Israels und sein Erlöser, JaHuWaH der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer mir gibt es keinen Erlöser (Gott). Und wer ist wie ich? Er rufe und verkünde es und lege es mir dar! – Wer hat von Urzeiten her das Kommende hören lassen? Und was eintreten wird, sollen sie uns verkünden! Erschreckt nicht und zittert nicht! Habe ich es dich nicht schon längst hören lassen und es dir verkündet? Und ihr seid meine Zeugen: Gibt es einen Erlöser (Gott) außer mir? Es gibt keinen Fels, ich kenne keinen“ (Jes 44, 6-8).

Am Anfang der Bibel steht: „Und JaHuWaH sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1Mo 1,31). Was wird das Ende sein? Sehr gut! wir zitieren wieder das Wort JaHuWaHs aus dem Mund Jeshajahus:

„Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören und sagen: Nur in dem JaHuWaH ist Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm wird man kommen, und es werden alle beschämt werden, die gegen ihn entbrannt waren. In JaHuWaH werden gerecht sein und sich rühmen alle Nachkommen Israels“ (Jes 45,23-25). „Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.“ (Jes 65,17).

Die Bibel zeigt uns auf, dass alles von JaHuWaH kommt. Nichts ist ausserhalb seines Wesens und nichts kann vor seinem Wesen entfliehen – das ist das Leben (vgl. Ps 139,1-18; Ps 22,28-30 u.a.m.). Das ist die Botschaft, von der wir erfasst bleiben müssen.

In dieser frohen Botschaft, in diesem frohen Evangelium, grüsse ich alle ganz herzlich. Allen wünsche ich diesen Weitblick der Propheten Israels, der durch nichts, durch keine Sünde jemals von uns genommen werden kann. JaHuWaH hat durch sie gesprochen!

Shabbat Shalom

Gregor Dalliard