"Mein ist die Rache (das Gericht) und die Vergeltung (das Urteil).." (5Mo 32,5).

Glaubensimpuls 252

Die biblischen Berichte über David sind den meisten von uns sehr eingehend bekannt. Das Grundvertrauen Davids auf JaHuWaH war ausserordentlich tief. Es ist wie das Vertrauen Abrahams auf JaHuWaH, das von Rebekka, von Lea, von Jahushua von Nazareth, um nur einige zu nennen, und das vieler Zeugen von denen die Bibel uns berichtet. Diese Zeugnisse sind einfach wunderbar und total animierend. David besass ein besonderes Temperament. Es konnte ihm auch zum Verhängnis werden. Doch dank seiner tiefen Beziehung zu JaHuWaH, war er bereit Busse zu tun über seine Vergehen – und zwar öffentlich. Das ist ein ausserordentliches Verhalten eines Menschen, der an der Spitze eines Volkes steht und dem alle Macht gegeben war. In seiner Machtfülle hätte er anders handeln können. Gerade dieses Verhalten beweist uns seine tiefe Beziehung zu JaHuWaH.

Eine andere Begebenheit aus seinem früheren Leben zeigt uns, wie sehr diese Beziehung zu JaHuWaH bereits in seinen jungen Jahren vertieft war. König Shaul wollte aus Neid und Missgunst David töten. Er sah in David einen Konkurrenten. Jemanden, der auf den Thron sah. Er unterstellte ihm die schlimmsten Sachen. Die Verfolgungen dauerten lange an. Später war David ständig auf der Flucht vor den Nachstellungen Shauls. Er litt unter den zahllosen Entbehrungen und wusste nie wann er in die Hände seiner Häscher fallen würde. David floh nach En Gedi. “Und David zog von dort hinauf und blieb auf den Bergfesten von En-Gedi” (1Sam 24,1). Shaul verfolgte ihn mit 3000 spezialisierten Soldaten. Wer schon einmal in En Gedi war, der weiss wie leicht En Gedi mit 3000 Soldaten abgeriegelt werden kann. “Und Shaul nahm dreitausend auserlesene Männer aus ganz Israel und zog hin, um David und seine Männer in Richtung auf die Steinbockfelsen zu suchen” (1Sam24,3).

Nun versteckten sich David und seine Kumpels im hintersten Winkel der Höhle in En Gedi. David war gefangen. Diese Höhle wurde normalerweise von einem Juden nicht betreten, weil dort Reisende und Hirten ihre Notdurft verrichteten. Solche Orte galten als unrein, weil leicht Krankheiten übertragen werden konnten. Nur im äussersten Notfall nutzte jemand diese Höhle. Das war wohl auch bei König Shaul der Fall. Normalerweise sucht der Feind zuerst die Höhlen ab. Aber, kein Jude wollte sich unrein machen (ansteckenden Krankheiten aussetzen). So dachte auch keiner, dass sich David und seine Männer in der hintersten Ecke der Höhle aufhalten würden, umso mehr da alle von der tiefen Beziehung Davids zu JaHuWaH und seinen Weisungen wussten. In seiner grossen Not aber riskierte David die Flucht in diese Höhle, im Vertrauen, dass JaHuWaH bei ihm war. Shaul aber musste dringend seine Notdurft verrichten: “Und er kam zu den Schafhürden am Weg, wo eine Höhle war, und Shaul ging hinein, um seine Füsse zu bedecken” (d.h. seine Notdurft zu verrichten) (1Sam 24,4). Mit dem was nun geschah, rechnete wohl niemand.

David hätte ihn nun erstechen können, denn ahnungslos tat König Shaul seine Sache, nachdem er sein Oberkleid etwas weiter entfernt abgelegt hatte. Die ewige Flucht vor Shaul und die damit verbundenen unerträglichen Ängste und Entbehrungen hätten damit für David ein Ende gehabt. Die Kumpels rieten David Shaul umzubringen. Die Gelegenheit war da: “Da sagten die Männer Davids zu ihm: Siehe, das ist der Tag, von dem JaHuWaH zu dir gesagt hat: Siehe, ich werde deinen Feind in deine Hand geben, damit du mit ihm tun kannst, wie es gut ist in deinen Augen. Aber was machte David? “Und David stand auf und schnitt heimlich einen Zipfel von dem Oberkleid Shauls ab. Aber danach geschah es, da schlug dem David das Herz, weil er den Zipfel vom Oberkleid Shauls abgeschnitten hatte. Und er sagte zu seinen Männern: Das sei vor JaHuWaH fern von mir, dass ich so etwas an meinem Herrn, dem Gesalbten JaHuWaHs, tun sollte, meine Hand an ihn zu legen, denn er ist der Gesalbte JaHuWaHs! Und David wehrte seinen Männern mit diesen Worten und erlaubte ihnen nicht, sich an Shaul zu vergreifen. Und Shaul stand auf, trat aus der Höhle heraus und zog seines Weges (1Sam 24,5-8).

David hörte nicht auf den Rat seiner Männer. Er liebte JaHuWaH und seine Ordnungen mehr als das Urteil von Menschen, als seine Vorteile und Bequemlichkeiten. Er gab alle Ehre JaHUWaH und seinen Rechtsbestimmungen. Wie hätten wir gehandelt? Wie handeln wir, wenn uns Unrecht geschieht? Wenn wir uns nicht verteidigen und wehren können? Wenn wir nicht gehört werden? Wenn Falsches über uns geredet wird? Welche Wege wählen wir? Eine zentrale Botschaft des TaNaCH ist das Bekenntnis, das sich David sehr zu Herzen genommen hatte: “Mein ist die Rache (d.h. das Gericht) und die Vergeltung (das Urteil)..” (5Mo 32,5). D.h. JaHuWaH wird es zu seiner Zeit richten. Wir wünschen sicher keinem Menschen Rache. JaHuWaH kennt keine Rache. Er hat das nicht nötig. Gemeint ist das gerechte Gericht, das jemand durchlaufen muss. Das zu wissen entspannt uns, lässt uns zur Ruhe kommen. Weil David den Worten JaHuWaHs vertraute, konnte er warten, durchstehen, ertragen. Er wusste, alles hat seine Zeit. Sollten wir irgendwann in eine solche oder ähnliche Situation hineingeraten, dann lasst uns zur Ruhe kommen. “So spricht JaHuWaH: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen” (Jer 6,16). Lasst uns darum in guten Zeiten gerne und mit grosser Freude “nach den Pfaden der Vorzeit” fragen. Gemeint sind die Weisungen des Lebens, die uns die Bibel, der TaNaCH, aufzeigt. Da finden wir alle Weisheiten und Lebensregeln des Himmels, die unser Leben halten.

Aus dieser frohmachenden Fülle an Gewissheit wünsche ich allen von Herzen einen gesegneten Shabbat und reichen Segen im Alltag.

Gregor Dalliard