„und die Geister der Profeten sind den Profeten untertan“ (1 Kor 14,32).

Glaubensimpuls 39

Diese Aussage des Apostels Shaul hat schon manche heisse Diskussion entfacht. Wie können Profeten anderen Propfeten untertan sein? Was soll das? Ist es nicht Jahweh, unser himmlischer Vater, der Schöpfer aller Geschöpfe, der seinen Geist den Profeten gab und gibt? Die  Bibel bestätigt uns diese Wirklichkeit bei sehr vielen bedeutenden heilgeschichtlichen Ereignissen. So lesen wir immer wieder in der Thora, Profeten und Schriften „.. und der Geist Jahwehs kam über ihn“ (vgl. 4 Mo 24,2). Diese Geisteskraft des himmlischen Vaters, die auf einen Menschen herabkam wird symbolisch gerne mit einer Taube verglichen. Darum berichten uns die Schreiber der Evangelien wie der Jeshua von Nazareth bei der Taufe, die als Zeichen und Demonstration der Umsinnung (teshuwa) in den Willen des himmlischen Vaters geschah, vom Geist Jahwehs erfüllt wurde. Der Geist Jahwehs kam „wie eine Taube“ (vgl. Mk 1,10; Mt 3,16; Joh 1,32)  auf Jahshua herab und machte ihn damit zum Jahshua, zum Mashiach, zum Geistgesalbten (lateinisch Christus, griechisch Christos).

Das gleiche Geschehen der Geistsalbung von oben, also mit der Erfüllung des Geistes des himmlischen Vaters, ist auch von den echten, wahrhaftigen Profeten, von Königen und von andern Menschen in den Bundesschriften (AT) unmissverständlich bezeugt. Der König Shaul wird nach der Salbung mit dem Geist von oben Mashiach (Gesalbter, Christus) genannt. David bezeichnet den von Samuel rechtmässig gesalbten König Shaul als der Christus Jahwehs (der Gesalbte Jahwehs, der Mashiach Jahwehs), an dem er sich nicht versündigen will (vgl. 1.Sam 24,7; 26,9-11.16.23; u.a.m.). Der Geist Jahwehs kam auch über Kyrus, den König von Persien und Babylon. Darum bezeichnet ihn der Profet Jesaja in unserer Umgangssprache als der Christus (der Gesalbte, der Mashiach). (vgl. Jes 45,1). Der Christus ist ein von Jahweh gesalbter Mensch, der in Verantwortung gegenüber dem himmlischen Vater einen bestimmten Auftrag zur Ehre des Abba Jahwehs und zum Segen der Menschen zu erfüllen hat (vgl. Jes 44, 28). Ein Christus (ein Mashiach, ein Gesalbter) kann also, nach dem Zeugnis der Bibel, auch ein Weltmensch sein, den Jahweh zur Ausführung seines Willens benutzt. Solche profetische Aufträge sind innerhalb jener, welche die Sohnschaft Jahwehs geschenkt bekommen haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit Leiden, Mobbing und Ausschluss aus der allgemeinen Gesellschaft, verbunden. Manchmal wurde (wird) das Leben eines Profeten mit einem tödlichen Gewaltakt beendet.

Was der Geist Jahwehs, also der himmlische Vater selbst, den Profeten offenbarte, dient den Menschen in erster Linie dazu das Wesen Jahwehs zu verstehen, in den Willen Jahwehs einzusteigen und in seinen heilsamen Lebensordnungen zu wandeln. Der Profet spricht auch von Geschehnissen, die sich gleich oder etwas später oder in ferner Zukunft erfüllen werden.

Wie alle andern Gaben so ist auch die profetische Gabe eine Gabe von Gott Jahweh selbst. Der Apostel Shaul schreibt es den Korinthern so: „Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will“ (1.Kor 12,11). Der himmlische Vater, als Schöpfer unseres Lebens, ist damit auch der Geber aller Gaben. Wie könnte es auch anders sein. Darum nennen wir sie auch Gnadengaben, also Eigenschaften, Geschenke, Aufträge, die uns gegeben sind. Die eine unterscheidet sich von der des andern Menschen. Manchmal sind sie fast gleich. Er gibt jedem nach seinen Ordnungen, die wir nicht zu durchschauen vermögen. Das ist gut so. Mit Gnadengaben ist also neben einem bestimmten Auftrag ganz einfach auch das vom Schöpfer in uns hineingelegte Vermögen, bzw. Fähigkeit, die innere Ausstattung, die im Alltag entsprechend eingesetzt sein möchte. Sie wird immer in Beziehung zu unserem Schöpfer Jahweh eingesetzt. Dies geschieht zur Verherrlichung Jahwehs, zur Erbauung der Mitmenschen und damit auch zu unserer eigenen Erfüllung und Motivation. Shaul schreibt darum im Brief an die Korinther: „.. doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott Jahweh, der eine so, der andere so“ (1.Kor 7,7b).

Wir wissen, dass die Hausgemeinde, bzw. die Haudgemeinden, in Korinth in Bezug auf die Gnadengaben von Eifersucht getrieben waren. Der eine versuchte den andern mit angeblichen profetischen Eingebungen und Botschaften zu demütigen. Es herrschte ein unerträgliches Gemeinschaftsklima vor. Anscheinend wollten sich alle ihrer profetischen Sondergaben rühmen und darum auch reden. Shaul konnte nur Ordnung in die Hausgemeinden bringen, indem er die Mashiachgläubigen ermahnte, alle profetischen Aussprüche anhand des profetischen Wortes zu prüfen. Was heisst das? Zuerst spricht er das Kernproblem an. Das Streben aller nach geistlichen Gaben zeigt schon ihr Fehlverhalten auf. Sie haben in diesem blinden Streben nach geistlichen Gaben die drei wesentlichsten Eigenschaften eines Jahwehgläubigen ignoriert. Erstens verkannten sie die Tatsche, dass der himmlische Vater allein der Geber aller Gaben ist und sie völlig souverän zuteilt. Zweitens ging es ihnen um den Selbstzweck, um ihre Selbstdarstllung. Sie zerstört  jede Jahwehbeziehung. Selbstdarstellung ist ein Zeichen von Stolz, von Hochmut. Es ist ein Mangel an Demut. Das stolze, hochmütige Wesen widerstrebt Jahweh: „Vor dem Verderben kommt Stolz“ (Spr 16,18); „.. der Stolz des Menschen wird gebeugt.. werden“ (Jes 2,17; vgl. Jak 4,6; 1 Petr 5,5). Drittens geht damit die Liebe zum Nächsten verloren. Sie kann sich auch nicht, bzw. nicht mehr, entfalten. Das Gemeinschafsleben ist aber auf den liebenden Aufbau angewiesen, sonst fliegt früher oder später jede Gemeinschaft auseinander. Es sei denn, dass sie durch eine diktatorische, streng dogmatische, religiöse Führung beherrscht und so in Schach gehalten wird, was allerdings sehr verwerflich ist. Warum? Eine solche Gemeinschaft würde wohl nach dem Diktat eines religiösen Führers äusserlich musterhaft funktionieren, aber das geistgewirkte Wort, das jedes Wachstum in der Jahwehbeziehung fördern will, wäre abgeknöpft. Vielleicht war dieses Fehlverhalten die Folge einer schwachen Verkündigung, die den Gesamtblick des profetischen Redens Jahwehs in der Thora, den Profeten und Schriften übersah.

Was immer der Grund für dieses folgenschwere Fehlverhalten sein mochte, Shaul weist mit tiefgreifenden Aussagen und Formulierungen, die uns beim näheren Betrachten schier unrealistisch und  als absurd erscheinen, auf das Wesen der Liebe, der Nächstenliebe hin (vgl. 1Kor 13). Die Werke der Nächstenliebe gehören für ihn zu den höheren Gaben (vgl. 1 Kor 12, 32). Sie zu leben bezeichnet er als „einen Weg noch weit darüber hinaus“ Danach sollen sie eifern!

Wenn sie schon nach geistlichen Gaben streben und davon nicht abzuhalten sind, „so strebt danach, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Herausgerufenen“ (vgl. 1 Kor 11,12). Wie wird ein Mensch erbaut? Zuerst und vor allem durch die praktische Nächstenliebe. Sie ist Abbild und Ausdruck einer tiefen Jahwehbeziehung und -liebe. In allen seinen Briefen fordert Shaul zu dieser praktischen Liebe im Umgang miteinander auf. Damit liegt er ganz auf der Linie der Thora und der Profeten. Es lohnt sich einmal in einer Konkordanz alle Aussagen der Thora unter den Stichwörtern Nächster, Liebe und lieben nachzulesen. Im esten Johannesbrief lesen wir: „Niemand hat Gott Jahweh jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, bleibt Gott Jahweh in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet“ (1.Jo 4,12). Umwerfend, nicht wahr?

Zurück zur Hausgemeinde von Korinth. Mit allen, die sich als Profeten ausgeben, indem sie profetisch zu reden meinen, soll nun endgültig Schluss sein. Es sollen maximum zwei oder drei reden (vgl. 1 Kor 14, 29). Und damit nicht genug!, „..und die andern lasst urteilen“ (Vers 29b). Ja, aber wie sollen sie urteilen? Nach welchem Kriterium ein Urteil abgeben?

Das letzte und alles überragende Urteil – bei allen Dingen und in allen Lebenslagen – muss dabei das geoffenbarte Wort Jahwehs selbst bleiben. Es ist uns nirgendwo anders übermittelt als in der Thora, den Profeten und Schriften. Es bleibt der alles überbietende Massstab, das gesunde, uns in der Liebe zu Jahweh und zum Nächsten bewahrende, Urteil. Jeder, der profetisch redet muss und soll darin und daran gemessen werden. Damit muss sich jeder profetisch Redende dem Wort des Abba Jahweh in der Thora, den Profeten und Schriften unterordnen, soll der Name Jahwehs verherrlicht und sollen die Mitmenschen erbaut werden.

Für Jahshua galt in Lehre und Verkündigung allein nur dieses Kriterium. Darum lehrte er: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat. Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott Jahweh ist oder ob ich aus mir selbst rede. Wer aus sich selbst redet, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat (beauftragt hat etwas zu sagen), der ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm“ (Jo 7, 16-18). So verhielt sich der wahrhaftig profetisch Redende zur Zeit Jahshuas. Die Echtheit seines profetischen Redens und seine Wahrhaftigkeit wurde also anhand der Übereinstimmung mit der Offenbarung Jahwehs in Thora, Profeten und Schriften erkannt. Von diesen Schriften sagt Jahshua unmissverständlich: „..und die Schrift kann nicht aufgelöst weden“ (Jo 10,35). Nur mit und in diesem Kriterium kann ich von einer Lehre, die ich höre oder  von einer profetischen Botschaft wissen, ob sie aus Gott Jahweh ist und dass die betreffende Person dabei die Ehre des himmlischen Vaters Jahweh sucht. Jahshua suchte, wie alle echten Profeten, allein die Ehre Jahwehs, der ihn beauftragte zu lehren.

Shaul knüpft daran an! Nur so kann die schwerwiegende geistliche Entgleisung der Korinther wieder auf die rechte Schiene gebracht werden und Schlimmeres verhindert werden: „Denn Gott Jahweh ist nicht einer der Unordnung wirkt, sondern den Frieden“ (1 Kor 14,33). Shaul pocht auf die Gewichtigkeit seines Hinweises, indem er unmissverständlich schreibt: „Wenn jemand meint, ein Profet oder sonst ein Geistbegabter zu sein, so erkenne er, dass das was ich euch schreibe, ein Gebot Jahwehs ist. Wenn jemand das nicht erkennt, so wird er auch von Gott Jahweh nicht erkannt“ (1 Kor 14, 37-38). Das sind äusserst scharfe und ernst zu nehmende Worte! Doch wer ernsthaft in das geoffenbarte, heilsgeschichtliche Wort unseres Abba Jahweh hineinforscht wird mit Jahshua, Shaul und andern einig gehen.

Welch ein Geschenk ist das gesamte zusammenhängende profetische Wort. Es führt uns zu den Quellen des Lebens zurück. Es nährt, tränkt und erquickt unser tägliches Leben. Es führt uns immer wieder neu auf den rechten Weg zurück, wenn wir uns verfehlt haben. Es bewahrt uns vor Verirrungen und Abfall. Es lässt uns immer tiefere Wesenszüge Jahwehs entdecken und erkennen. Es verursacht eine Fülle von Danksagungen aus unserem Innern. Nicht umsonst schreibt der Psalmist: „Eine Leuchte für meinen Fuss ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad“ (Ps 119,105). Darum bleiben wir dran!

In dieser Freude und mit viel Danksagung wünsche ich allen Lesern ein tiefgreifendes Shalom und einen gesegneten Shabbat.

Gregor Dalliard