Nachlese von Pessach und Ostern

Glaubensimpuls 294

Bis zu dem sogenannten Kirchenfest Christi Himmelfahrt, am 25. Mai 2017, stehen die Christen im Osterfestkreis. Jedes Jahr sorgen die Osterfeste, die weder mit dem jüdischen Pessach noch mit dem prophetischen Wort der Bibel etwas zu tun haben, für Diskussionsstoff. In diesen Tagen werden Feste gefeiert, die nichts anderes als die Pflege und Aufrechterhaltung uralter heidnischer Traditionen darstellen. Solange Menschen bereit sind mit uns darüber zu diskutieren, weil sie verunsichert oder betroffen sind und aufrichtig nach der gesunden tieferen biblischen Wahrheit suchen möchten, freuen wir uns und wiederholen gerne was uns auf den Herzen brennt.

Die meisten antiken Völker lebten im festen Rhythmus der Jahreszeiten. Etwas anderes gab es nicht. Was heisst das? Im Herbst stirbt die Natur ab (Sterben und Tod), im Frühling wacht sie wieder auf (Auferstehung). Diesem Rhythmus wurde eine geistig-mystische Komponente aufgesetzt. Die absterbende Natur, auf den Winter hin, sahen die Menschen als einen Prozess des Leidens und Sterbens ihrer Gottheiten. Die üppigen Sommer- und Herbsttage gingen dem Ende entgegen, magere, hungerreiche Monate standen bevor. Viele wurden von einem Gefühl der Trauer erfasst. Es gab noch keine Einkaufszentren wie in unseren Tagen, weder Coop, noch Migros, weder Lidl noch Aldi. Auf den alten Handelsrouten und Städten wurden zwar manche Handelswaren ausgetauscht, aber das war in der Antike nur Privilegierten vergönnt. Vielen Menschen fehlte es in der Winterzeit oft am Nötigsten, vor allem in Kriegszeiten. Hungersnöte trieben die Menschen sehr oft in verzweifelte Lebenssituationen. Das Elend wurde durch andere Naturereignisse zusätzlich beeinträchtigt. Das alles begleitete damals das tägliche Leben.

Man war überzeugt, dass dies der Weg der erlösenden Naturgottheiten sei. Sie seien in der absterbenden, und damit in der leidenden Natur im Herbst gegenwärtig und würden im Frühjahr, in der Natur und mit der Natur, wieder auferstehen, zu neuem Leben und Leben spendend. Der antike Mensch sah in allem das Sein und Wirken von Geistwesen, bzw. Göttern. Er hatte den Bezug zu JaHuWaH, dem einzig EINEN Schöpfer des Lebens, verloren. Darum verlor er sich in ein Chaos von Göttern und Gottheiten und schuf sich unendlich viele Rituale, über welche er versuchte die Götter günstig zu stimmen. Die Angst vor den Gottheiten prägte das Alltagsleben. Entsprechend verehrten die heidnischen Völker der Antike Auferstehungsgottheiten. Damit verbunden waren ganz unterschiedliche Auferstehungsrituale. Voraus ging meistens ein Sterberitual, bei dem Menschen geopfert wurden oder sich Menschen opfern liessen. Mit dem Erwachen der Natur, die einer Auferstehung gleich kommt, schöpften die Menschen neue Lebenshoffnung.

Was im Herbst geerntet wird hängt wesentlich von einem wettergünstigen, harmonischen Frühling und Sommer ab. Davon hing das Überleben eines Volkes ab. Das verheissungsvolle Erwachen der Natur im Frühjahr wurde darum in einer ganz speziellen Weise gefeiert. In diesem berauschenden natürlichen Erwachen (Auferstehen) der Natur sahen die antiken Völker das Wesen und Wirken der auferstehenden Gottheiten, die sie sich selbst geschaffen hatten. In grossen Ritualen, Bittprozessionen und Dankesgottesdiensten wurde die Auferstehung dieser Naturgottheiten gefeiert und willkommen geheissen. Priester- und Priesterinnen nahmen die Zeremonien vor. Könige und Fürsten erliessen strenge Gesetze, die alle verpflichteten diese Gottheiten entsprechend anzubeten und deren Auferstehung mit ganzer Hingabe mitzufeiern. Die Ernte als Segen der Götter, so glaubte man, hinge von der Intensität der Auferstehungsrituale und der entsprechenden Anbetung ab. Jeder war sich bewusst: von der Auferstehung der Natur, d.h. von ihrem Ertrag, hängt mein Überleben ab. Mit andern Worten: Von der Auferstehungsgottheit hängt mein Überleben ab. Sie gibt mir das Leben. Ohne sie habe ich kein Leben, ohne sie sterbe ich, muss ich für immer verhungern.

Mit den christlichen Feiern von Tod, Erlösung, Auferstehung und Himmelfahrt steht noch eine weitere heidnische Tradition im Zusammenhang. Wie uns die Menschheitsgeschichte zeigt kamen viele der heidnischen Heilande als Göttersöhne auf die Welt. Herrscher und Führer eines Volkes galten als Göttersöhne, von Göttern gezeugt und von Jungfrauen geboren. Freiwillig kamen sie auf die Erde nieder um die Menschen zu führen und sie nötigenfalls mit ihrem Blut und ihrem Tod zu erlösen, d.h. mit ihrer Gottheit zu versöhnen. In Zeiten der drohenden Hungersnöte sprangen sie für ihr bedrohtes Volk ein, damit es nicht sterben sondern leben konnte. Sie durchlitten vor ihrer Gottheit ein streng vorgegebenes Martyrium (heiliges Ritual) und starben so für das ganze Volk. Sie gaben ihr Leben und Blut jener Gottheit (der Naturgottheit), die sie in eine Jungfrau gezeugt hatte, um allen anderen das Leben (Überleben) zu ermöglichen.

Damit stimmten sie die Götter gnädig und ermöglichten den ihnen Anvertrauten das Leben. Sie gingen hinab zu den Toten. Sie standen von den Toten auf und fuhren in den Himmel zu ihrem Göttervater zurück. Sie sandten ihren Geist. Der Jude und Rabbi Jahushua von Nazareth ist von den Kirchengründern entjudaisiert und zu einem solchen leidenden, sterbenden und erlösenden Göttersohn umgedeutet worden, der die ganze Menschheit vor dem (Hunger-)Tod rettet. Die heidnischen Heilande waren präexistent, d.h. sie lebten schon immer im Himmel bei den Göttern. Es lag in der Tradition der Heiden, dass Göttersöhne, also Fürsten, in solch schweren Zeiten ihr Leben in einem Auferstehungsritual für ihr Volk gaben, um zu leben.

Im 4. Jahrhundert vollendeten die Kirchengründer das theologisch-philosophische Bild des Königssohnes Jesus, der sein Blut und Leben dem nach Blut lechzenden Gott des Lebens darbrachte, damit alle Menschen das ewige Leben haben, eben nicht verhungern, nicht ins Gericht kommen. Als solcher konnte er, wie die heidnischen Göttersöhne, nicht im Tode bleiben. Er erwachte zu neuem Leben, nachdem er offenbar der ganzen Menschheit das Überleben erwirkt hatte. Darum lesen wir in den Schriften der Kirchengründer:

“Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, indem er sagte: Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden (muss zuerst absterben) und am dritten Tag (Frühling) wieder auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte” (Lk 24,6-8). “Dann öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verständen, und sprach zu ihnen: So steht geschrieben, und so musste der Christus (Gottessohn) leiden (absterben im Herbst) und am dritten Tag (im Frühling) auferstehen aus den Toten” (Lk 24,45-46). Solche Texte mussten kreiert werden, sollte das irdische Leben, das als ein todbringendes Leben verstanden und gelehrt worden war, in Einklang mit den bestehenden heidnischen Traditionen gebracht werden können, die da besagen, dass nur in dieser Gottheit das Überleben garantiert ist: “Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen” (Apg 4,12).

Nun, bei den Propheten steht gerade solches nicht geschrieben. Kein einziger Prophet der Bibel hat jemals angekündigt, dass der Messias, und wenn er Jahushua von Nazareth heissen würde, nach dem Glauben der Heiden, im Rhythmus der Vegetationsgottheiten, in der Welt sterben und auferstehen würde. Wie schon oft gesagt: wenn das messianische Reich einmal angebrochen sein wird, wie es offenbar in Christus anno damals an Weihnachten angebrochen sein soll, dann kann es durch nichts unterbrochen und für bestimmte Zeit verschwinden um dann durch die Wiederkunft einer Gottheit wieder zu existieren. Das ist heidnisch-philosophische Phantasie. Es gibt kein prophetisches Wort, das diese heidnische Denkweise stützen würde. Jahushua von Nazareth konnte schon wegen dieses prophetischen Argumentes nicht der Messias sein, denn er starb. Diesen Anspruch hat er selbst ja auch nie erhoben.

“Denn JaHuWaH tut nichts, es sei denn, dass er sein Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, enthüllt hat” (Am 3,7). Wie kann es dann sein, dass kein einziger jüdischer Prophet davon etwas wusste? Ein so unvorstellbares Ereignis wäre von JaHuWaH unmöglich verschwiegen worden. Alle Propheten hätten davon geredet, denn wäre es so wie die Kirchengründer lehren, dann würden alle Propheten davon sprechen und es gäbe folgerichtig keine Juden mehr, denn zu ergreifend, zu umfassend wäre ein solches Geschehen. Was war aber die Absicht der Kirchenväter: JaHuWaH – und zusammen mit ihm – sollten alle Juden vom Erdboden verschwinden. Das Kreuz ist das Zeichen dieser finsteren Ideologie!

Allen wünsche ich einen gesegneten Shabbat und frohe erholsame Stunden. Shalom!

Gregor Dalliard