Noah (1Mo 6,5-13.17-18a): Die Bosheit der Menschen und der Einfluss des auserwählten Volkes auf die Menschheit. Bosheit als Überlebenskampf. Teil 3

Glaubensimpuls 261

Etwas vorweg! Leider habe ich vor Monaten sämtliche Mailadressen von den meisten Gim-Lesern und Bekannten unwiderruflich verloren. Sie fehlen mir! Für Rückmeldungen bin ich darum sehr dankbar.

Die meisten von uns leben heute innerhalb einer staatlich verfassten Ordnung, die uns ein bewahrtes und freiheitliches Leben ermöglicht, in dem wir unsere Verantwortungen weitgehend wahrnehmen dürfen, müssen und können. Die Leiden der Bosheiten, wie sie in den Zeiten Noahs und im finsteren Mittelalter erduldet und ertragen werden mussten, erleben wir nicht. Das ist wahrlich ein Wunder, das wir nicht unterschätzen wollen. Selbst dann nicht wenn manches nicht unseren Vorstellungen – und noch nicht den verheissenen biblischen Ordnungen – entspricht. Lasst uns JaHuWaH täglich dafür dankbar sein.

Zur Zeit Noahs wurde die Bosheit zum Überlebenskampf. Nicht etwa weil JaHuWaH das so gewollt hätte, vielmehr weil die Menschen die Lebensordnungen JaHuWaHs verlassen hatten. Sie wollten unabhängig von JaHuWaH leben. Damit waren sie sich selbst überlassen: Sie verbündeten sich zu kleinen Banden, die sich auf die Ausbeutung und Vernichtung der wehrlosen Menschen fixierten – den ganzen Tag! “Und JaHuWaH sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. Und es drehte JaHuWaH den Magen um, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein. Und JaHuWaH sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens auslöschen..” (5Mo 6,5-7).

Die Bosheit der Menschen schuf eine totale Rechtlosigkeit unter den Menschen. Das konnte JaHuWaH nicht ertragen und durchgehen lassen. Zur Zeit Noahs gab es viel weniger Menschen als heute. Jede Stadt und Dorfgemeinschaft, jede einzelne Region, war der Willkür bestimmter Machthaber ausgeliefert. Sie schufen das “Recht” des Stärkeren, das Recht des Bösen, weil sie das Recht JaHuWaHs nicht mehr kannten. Das Recht des Bösen entrechtete alle andern. Wer JaHuWaHs Recht in dieser Welt ignoriert wirkt früher oder später ganz automatisch an der Entrechtung seiner Mitmenschen bei, selbst wenn er das als Mensch, der sich für das moralisch Gute und Menschliche einsetzt, keineswegs beabsichtgt. Rechtlose Menschen durchleben die Hölle.

Nun steht die Frage im Raum: Was ist denn mit den Menschen von heute? Eine schier unüberschaubare Masse von Menschen bevölkert heute diese Welt. Eine grosse Zahl von Menschen will weder mit der Bibel noch mit JaHuWaH und seinem Recht etwas zu tun haben und dennoch leben sie in vielen Weisen nach dem Recht JaHuWaHs. Im Unterschied zu Noahs Zeiten und in Zeiten des finsteren Mittelalters gibt es heute soviele biblisch fundierte Menschenrechte die das soziale Leben regeln. Die Menschen dürfen und können sich heute darauf berufen. Wie gesagt,interessanterweise werden diese Rechte von vielen aufrichtigen Menschen eingefordert, die von JaHuWaH und seinem Recht nichts wissen wollen.

Unwissend haben sie von den Juden viele Rechte JaHuWaHs übernommen. Blind meinen sie, diese Rechte seien von Menschen geschaffen worden. Andere, gutgläubige Menschen, berufen sich auf die christlichen Werte. Wir wollen hier barmherzig sein. All diese Menschen sind eigentlich nicht gegen JaHuWaH und den Tanach, die Bibel. Sie haben durch die kirchlichen Führer ein völlig verkehrtes Bild von JaHuWaH und dem prophetischen Wort vermittelt bekommen. Jeder denkende Mensch, der sich gewissenhaft mit der Bibel auseinandersetzt, merkt früher oder später wie zwiespältig und verwirrend die christliche Botschaft in ihrem Kern ist. Sie halten die christlich dogmatisierte Botschaft für die biblische Botschaft. Die Vermischung des biblisch-prophetischen Wortes mit allem möglichen heidnischen Kram, die den Christen von Kindesbeinen an von den Kirchen als die Bibel vermittelt wird, verhindert sehr vielen den Zugang zu den wirklichen biblisch-prophetischen Zusammenhängen. Kürzlich sagte ein Mann zu meiner Frau, es gibt kein Buch das mehr Märchen enthält als die Bibel. Die katholische Doktrin machte ihm die Bibel zum Märchenbuch. Verständlich!

Wir wollen nur an zwei Widersprüche erinnern. Aus Jahushua von Nazareth wurde der Jesus-Gott gemacht. Anstatt den Juden nun dankbar zu sein, weil sie sich einen von ihren Rabbis zu ihrem Gott machen konnten, verfolgen sie die Juden auf Schritt und Tritt. Die Christen haben sich also einen jüdischen Rabbi zu ihrem Gott gemacht und hassen die Juden! Wer soll das verstehen! Das geschah übrigens dank dem unvorstellbaren Guerillakrieg der Makkabäer. Ein Krieg den JaHuWaH vom biblisch-prophetischen Rechtsverständnis her zur Verteidigung der Menschenrechte her gegen Despoten gestattet. Sie retteten das Judentum im Kampf gegen die griechischen Beherrscher. Aus ihnen kam Jahushua hervor. Ohne sie gäbe es keine Juden mehr und es gäbe auch keinen Jahushua von Nazareth! Das sollten wir auch wohlweislich überdenken.

Worin liegt ein weiterer Widerspruch, der die Schizophrenie der christlichen Glaubenslehre am klarsten offenbar macht? Der Jude Jahushua von Nazareth hat mit seinem Martyrium, seinem Blut und seinem Tod die Menschheit mit Gott versöhnt und die Welt erlöst. Das ist die zentrale Botschaft unter allen Botschaften der Christen. Das wäre doch, wenn es denn so wäre, Grund zur vollkommensten Freude. Jeder gläubige Christ müsste überall auf den Strassen, Häusern und Gassen jedem Juden dankbar um den Hals springen, weil seine Vorfahren so etwas Unfassbares möglich gemacht haben. Buchstäblich müssten die heutigen Juden mit einer anhaltenden Dankbarkeit überschüttet werden. Doch was ist? Bis heute steht in allen christlichen Grunddogmen, siehe die Bibel der Christen, das “Neue Testament”: die Juden sind die Gottesmörder. Entsprechend wurden sie bis heute grausam gequält, gedemütigt, ausgeraubt, verfolgt und umgebracht.

Warum werden trotzdem grosse Teile der Menschenrechte von all diesen Menschen eingefordert, die von JaHuWaH und seinem Recht nichts wissen wollen? Wir halten fest, nicht alle Rechte die als Menschenrechte gelten entsprechen den biblischen Ordnungen JaHuWaHs. Dennoch sind heute sehr viele biblische Grundrechte, Ordnungen und Rechtsbestimmungen JaHuWaHs als Grundrechte in die meisten Verfassungen der Staaten dieser Welt eingeflossen und regeln das Zusammenleben. Das ist eindeutig auf Juden zurückzuführen, die in ihrer Treue zu JaHuWaH und zu seinen Rechtsordnungen die übrige Welt beeinflussten und beeinflussen werden: “..und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde” (Mo 12,3b).

Darum wurden sie auch in die ganze Welt ausgestreut, wo sie jeweils sehr schnell Einfluss auf die Gesellschaft nahmen. Dies nach dem Motto: “Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch (gefangen) weggeführt habe, und betet für sie zu JaHuWaH! Denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben” (Jer 29,7). Das taten sie weitgehend in ihrer Geschichte. Das änderte sich aber einige Jahrhunderte später, als die Christen zur Macht kamen. Der dogmatisierte antijüdische Geist der Kirchenväter liess die Juden nicht mehr im Frieden unter den Völkern der Welt leben! Dieser Geist war und ist nicht mehr aufzuhalten. Seit sich die Christen in dieser Welt ausbreiteten wurden die Juden ausgeraubt, vertrieben, verfolgt, vernichtet.. Die Völker der Welt beraubten sich damit selbst um sehr viel Frieden und Entwicklung. Sie schufen sich viel Böses. Sie gaben der Bosheit mehr Raum als JaHuWaH und seinen Gesandten.

Das sollte uns nicht irritieren? Selbst wenn heute das ganze Weltgeschehen das Gegenteil signalisiert, die Menschheit strebt unaufhaltsam den Verheissungen JaHuWaHs entgegen. Die Botschaft aller Propheten lautet: “Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses JaHuWaHs feststehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg JaHuWaHs, zum Haus des Erlösers(Gottes) Jakobs, dass er uns auf Grund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort JaHuWaHs von Jerushalajim. Und er wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht mehr wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Haus Jakob, kommt, lasst uns im Licht JaHuwaHs leben!” (Jes 2,2-5).

Dieser Prozess läuft, trotz der momentanen grausamen Kriege. Diese Verheissung ist die Botschaft aller Propheten und Gerechten Israels. Sie bleibt atemberaubend! Darum, wie Eingangs gesagt: Lasst uns dankbar sein und bleiben, denn unsere Nöte sind im Lichte dieser gewaltigen Vision, an der wir heute konkret teilhaben und mitgestalten dürfen – und an der wir teilhaben werden – schnell vorüber. Lasst mich das alte Zeugnis der Weisen Israels zitieren: “Wer Dank opfert, verherrlicht mich und bahnt einen Weg; ihn werde ich das Heil JaHuWaHs (mein Heil) sehen lassen” (Ps 50,23).

Ein dankerfülltes Herz und einen gesegneten Shabbat wünsche ich allen von Herzen. Shalom!

Gregor Dalliard