“Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit [rechter] Erkenntnis” (Röm 10,2). Teil 2

Glaubensimpuls 370

Einige Gimleser schauen sich regelmässig “Fokus Jerusalem” an, ein Nachrichten Portal aus Israel, das regelmässig von Bibel TV ausgestrahlt wird. Für die biblischen Betrachtungen ist der Journalist und Theologe Johannes Gerloff zuständig. Er rechnet sich zu den ”Messianischen” Juden und ist mit seiner Familie Mitglied der “Messianisch”-jüdischen Gemeinde HaMelachim. Auch ich schaue mir die Sendungen an.

Wie alle “Messianischen” Juden versucht er zu verbinden, was vom biblisch-prophetischen Wort, vom TaNaCH her, nicht zu verbinden ist. Das müssten sich endlich, nach fast 2000 Jahren tragischer und traurigster Erfahrungen der Juden mit den Christen und nach einem intensiven und gewissenhaften Studium des biblisch-prophetischen Wortes alle Christen eingestehen, allen voran die “Messianischen” Judenchristen. Sie weigern sich aber hartnäckig diesen Schritt zu tun. Ein solcher Schritt würde dem verheissenen Segen Abrahams eine neue zusätzliche Lebensblüte verleihen. So wie Feuer und Wasser unmöglich miteinander verschmolzen werden können, so wenig können die prophetischen Inhalte des TaNaCH mit der christlichen Lehre verschmolzen werden. Das Ganze ist eine trickreiche fromme Philosophie, die viele Menschen in die Irre führt, bindet und an der Wahrnehmung ihrer Eigenverantwortung hindert.

Die christlich-hellenistische Bibelauslegung ist den Christen im Laufe der letzten 1600 Jahren mit allen erdenklichen Mitteln indoktriniert worden. Das geschah einerseits auf dem Weg der neuen Philosophie. Sie wurde aus der Vermischung uralter heidnischer Glaubenstraditionen mit dem lebensorientierten israelitisch-jüdischen Offenbarungsgut geboren. Das “Neue Testament” beweist dies eindeutig, ist es doch voller Widersprüche in sich und dem gesamtprophetischen Wort gegenüber!

Andererseits war es der konstante Weg der Gewaltanwendung der “neuen” römischen Reichsreligion gegenüber jenen, die sich diesem christlich-philosophischen Heils- und Machtdenken nicht unterwerfen wollten. Zu ihnen gehörten immer schon und ausnahmslos die Juden. Die Juden taten das aus berechtigten Gründen, denn ihnen wurde das prophetische Wort anvertraut und sie werden alle Menschen in den verheissenen Segen Abrahams führen, in Verbindung mit dem Messianischen Reich. Alle heute christlichen Völker sind der antijüdischen Auslegung der Bibel (Ersatztheologie) gewaltsam unterworfen worden. Dabei floss viel Blut. Über Folter und Kriege wurde die neue Religion (Ersatztheologie) etabliert. Diese Theologie, diese Lehre über JaHuWaH, über den Weg der Erlösung des Menschen, über das Heil und das ewige Leben ist voller Widersprüche. Nicht nur voller Widersprüche gegen das israelitisch-jüdische Wort, sondern auch gegen das menschliche Leben und seine gesunde Entwicklung in dieser Welt. Das beweist uns die geschichtliche Entwicklung der Menschen in den vergangenen 1600 Jahren.

Was Paulus und die Kirchengründer offenbar vergessen haben oder nicht wussten ist Folgendes: Innerhalb der Juden gab es immer schon Diskussionen darüber wie die Inhalte der Thora zu verstehen und zu leben sind. Es gab immer schon unterschiedliche Richtungen, doch das Shma Israel vereinigte sie immer alle! Wir denken an die Auslegungen Hillels und Shammais. Beide lebten im letzten Jahrhundert vor Jahushua von Nazareth. Sie hatten jüdische Schulen gegründet die sich mit den Fragen des Alltags auseinandersetzten. Es ging um Glaube und Ethik, sehr oft um angeblich bedeutungslose praktische Lebensfragen, die aber in gleichnishafter Weise etwas sehr Wichtiges für den Alltag beinhalten. Darüber unterhielten sie sich auch mit anderen Lehrern und ihren Jüngern. Jede Schule bezog ihre Jünger, Schüler, mit ein. Das war und ist immer gut. Das war auch zur Zeit Jahushuas von Nazareth nicht anders. Der Rabbi Jahushua von Nazareth war Lehrer und hatte Schüler (Jünger) um sich geschart wie viele andere auch. Er übte wie sie innerjüdische Kritik und das war sehr gut und heilsam. Wenn er auch harte Kritik an der bestehenden Priesterkaste ausübte, wie das andere pharisäische Lehrer auch taten, so hätte er doch niemals eine heidnisch-christliche Religion gegründet. Das zu glauben und zu lehren ist völlig absurd und entbehrt jeder biblischen und geschichtlichen Grundlage.

Die Juden kannten und kennen kein Kaisertum oder Papsttum, das willkürlich für alle entscheidet und damit alle die anderer Meinung sind zum Schweigen verurteilt. Im Christentum war es vom 4. Jh. an genau so. Der Mensch wurde von einem religiösen Denksystem vergewaltigt, jede gesunde persönliche Denkweise und Auseinandersetzung wurde im Keime erstickt und zerstört, mit unabsehbaren Folgen wie uns das die Geschichte beweist. Die so versklavten Menschen werden im Laufe der Jahrhunderte verformt und unfähig gemacht sich aus dieser kulturellen und ethischen Verformung zu befreien.

Was sich nun Paulus anmasst entbehrt jeder geschichtlichen Grundlage! Wie kann er rückblickend die Juden samt und sonders der Blindheit bezichtigen (Röm 10,1-3). Er spricht von wenigen Juden, die sich später zu der Gottheit Jesous Christos, auch Jesus Christus genannt, bekennen. Sie liessen sich durch ihn blenden. Sie beriefen sich allein auf seine Visionen, Erscheinungen und Offenbarungen, die er offenbar von Jesus Christus hatte. Wir bezeugen immer und immer wieder: anhand des biblisch-prophetischen Wortes, dass dieser Jesus Christus nicht der Messias war, ist und sein wird, weil er nichts mit dem Juden Jahushua von Nazareth zu tun hat. Paulus und die Kirchengründer (Kirchenväter) haben sich selbst zum Gott der Christen gemacht. Was sie lehren beherrscht die ganze Theologie der Christen. Das ist massgebend und entscheidend. Es ist gerade so wie beim Islam, der vieles von den Juden übernommen hat. Was aber die islamische Theologie betrifft werden Muhammad und die Gründer des Islam mit Gott identifiziert. Wenige sind fähig dies zu erkennen und den Fluch solcher religiösen Systeme zu durchbrechen.

Paulus hat vergessen was die israelitisch-jüdischen Zeugen bekennen? “Er verkündete Jakob sein Wort, Israel seine Ordnungen und seine Rechtsbestimmungen. So handelte er an keiner Nation.. Halleluja!” (Ps 147,19-20). Es braucht die ständige Herausforderung durch kritische Stimmen innerhalb des Judentums! Das ist völlig normal.

Allen wünsche ich einen gesegneten Shabbat. Mit herzlichen Grüssen und einem kraftvollen Shalom!

Gregor Dalliard