„Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Lk 24,26. Teil 2

Glaubensimpuls 238

Im letzten Gim sprachen wir etwas über den hebräischen Begriff „HaMashiach“ (deutsch: „Gesalbter“, lateinisch: „Christus“), im biblisch-prophetischen Kontext und dem Missbrauch dieses Begriffes durch die Gründer des Christentums. Der Jahushua von Nazareth war ein Gesalbter, ein Mashiach, ein Christus, im israelitisch-jüdischen Sinn, d.h. wie viele andere vor und nach ihm. Nun kommen wir zu der Aussage „Musste nicht der Mashiach, (Gesalbte, Christus) dies leiden..?„, (Lk 24,26b). Es geht um die Leiden, denen jeder Mashiach ausgesetzt ist! Ich möchte dieses heikle Thema in diesem und im nächsten Gim etwas erörtern.

Vor wenigen Tagen sandte mir jemand einen Artikel des evangelisch-lutherischer Pfarrers Theo Lehmann zu, der in der ehemaligen DDR als Pastor tätig war und heute noch recht aktiv ist: „Das Land ist still!“, erschienen in „fest und treu“ 01/2016, CLV-Verlag, Bielefeld. Er schreibt: „DAS LAND IST STILL … – bis auf ganz wenige. Noch nie gab es – weltweit betrachtet – so viele christliche Märtyrer wie heute. Noch nie haben so viele Christen für ihren Glauben mit ihrem Leben bezahlt. Noch nie gab es eine so weltweite, zunehmende Christenverfolgung. In dieser Hinsicht leben wir in Deutschland wie auf einer Insel der Seligen. Noch wird bei uns keiner, der sich als Christ bekennt, an die Wand gestellt. Noch praktizieren wir ungestört unsere christliche Aufkleberkultur. Noch ist der Fisch am Autoheck unser geheimes Erkennungszeichen und nicht der staatlich verordnete Aufnäher zur Kennzeichnung ausgegrenzter Christen wie seinerzeit der gelbe Davidsstern für die Juden.

Noch ist alles still. Die Situation kommt mir bekannt vor. Zur DDR-Zeit, als es unterirdisch überall brodelte, sang Wolf Biermann ein Lied, in dem er den äusseren Anblick der DDR beschrieb. Und dann, plötzlich, schrie er unter Aufbietung aller stimmlichen Kräfte mit ohrenbetäubender Lautstärke den Satz: „Das Land ist STILL!“ Soweit Theo Lehmann. Verfolgung, Folter und Vertreibung von Menschen, die einer andern Glaubensrichtung angehören, ist immer verwerflich.

Grösser, umfassender und anhaltender als jede Christenverfolgung jemals war, ist die Judenverfolgung durch die Christen. Die Leiden, denen die Juden in den letzten 2000 Jahre ausgesetzt waren, sind unbeschreiblich. Die Zahl der Juden, die ihren Glauben mit ihrem Leben bezahlten, ist wohl kaum zu zählen. Bis heute ignorieren die Führer Europas die Hintergründe des Judenhasses innerhalb des Christentums. M.a.W., die Christen sind STILL! Die Verfolgung und Vernichtung der Juden liegt in ihrer dogmatisch verankerten Verwerfung der Juden: Die Juden müssen zum Christentum bekehrt werden, sonst bleiben sie Untermenschen, Menschen, die der Vernichtung preisgegeben bleiben. Diese konstante Diskriminierung durch die Christen hält schon bald 2000 Jahre lang an.

Die Kirchenführer und Politiker Europas bleiben, was eine Analyse der Hintergründe, die zu dieser Ideologie führten, ganz einfach und zynisch, STILL, bewegungslos, bis zu dieser Stunde! Diese religiös-ideologische Diskriminierung und Ausgrenzung, die sich seit bald 2000 Jahren im Alltagsleben immer wieder Bahnen brach und bricht, ist in den tiefsten und letzten Fasern der christlichen Theologie, des christlichen Gedankengutes, verankert, präsent, aktuell. Diese Theologie des unbegrenzten Rassismus, der ständigen Ausgrenzung, der ewigen Diskriminierung der Juden, die in regelmässigen Zeitabständen zur Ermordung vieler führte, gehört zum fromm-etablierten Wesen des Christentums. Beinahe in jeder liturgischen Feier wird sie direkt oder indirekt zum Ausdruck gebracht. Wen berührt das heute noch?

Die ersten ökumenischen Kirchenkonzilien 325 und 381 n.u.Z. legten dieses Gedankengut als Ersatztheologie, bzw. Enterbungstheologie, ein für allemal fest. Das sind die Grundlehren (Dogmen) die nach dem christlichen Verständnis zu glauben sind, die allein zur Erlösung des Menschen führen. Sie gehören nun einmal, nach der Lehre der Vorsitzenden dieser Konzilien, d.h. der römisch-heidnischen Kaiser und einiger einflussreicher Kirchenväter, unumstösslich, zum aktiven Glauben der Christen, gerade so wie die Lunge zum menschlichen Körper gehört. Wer kann sich einen menschlichen Körper ohne Lunge vorstellen? Wie soll ich mir ein Christentum ohne seine Theologie der Judenverdammung vorstellen? Sie ist gültig und wirksam – bis zu dieser Stunde!

Es fand bis zu dieser Stunde keine offizielle lehramtliche Loslösung davon statt. Damit wäre ein lehramtliches Schreiben dringend notwendig, das die Streichung der religiös dogmatisierten Codices, die der theologisch festgelegten Ausgrenzung, dem Rassenhass und der Diskriminierung der Juden ein für alle Male ein Ende bereiten würden. Das Christentum besteht traurigerweise nur aus dieser Theologie. Es gibt keine andere Begründung für das Christentum. Wer das nicht glaubt möge doch, um der Ehrlichkeit, der Wahrheit und der Menschlichkeit willen, die Entstehung der heute noch dogmatisch verankerten und heilsverbindlichen Lehren dieser ersten Konzilien ein bisschen studieren. Wir können nicht genug daran erinnern, dass diese christlichen Lehren im vierten Jahrhundert hochoffiziell zum unveräusserlichen Fundament aller Christen, als Basis des Christentums, festgelegt worden sind. Sie bleiben dogmatisch verankert.

Ein Gemeindepräsident (Bürgermeister), äusserlich als Christ engagiert, nicht aber mit dem Herzen, der seinen Verstand, den er von JaHuWaH empfangen hat, gebraucht, sagte mir „wollten wir die Verdammung der Juden aufheben, dann müssten wir das Christentum begraben. Das aber würde eine unvorstellbare wirtschaftliche Krise auf der ganzen Welt auslösen. Der Vatikan stellt mit seinen Klerikern, seinen Kardinälen und Diplomaten, seinen Priestern, Nonnen und Mönchen und der Masse von Mitgliedern in allen wirtschaftlichen Einrichtungen ein nicht wegzudenkendes Weltimperium dar. Diese Masse von Menschen stützt das kirchliche Weltimperium durch zahllose Allianzen. Wie stellst du dir das vor? Weltweit würde das eine Welle der Arbeitslosigkeit auslösen? Noch mehr Kriege wären die Folge. Nein, das ginge beim besten Willen nicht. Eine Welt ohne Judenhass würde die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen“.

„Dann wollen wir die Juden also weiter theologisch ausgrenzen und sie im Alltag weiterhin der Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung aussetzen? Haben sich die Christen, in ihrer bald zweitausendjährigen Geschichte, nicht ganz gut an ihre bald zweitausend Jahre alte Doppelmoral gewöhnt und sich in dieser Welt bestens eingerichtet? Sie haben sich auf dem Buckel – auf Kosten – der Juden ein Weltimperium aufgebaut, das rücksichtslos fragwürdige und verwerfliche Erfolge verbucht und darum bis heute funktioniert, von Jahrhundert zu Jahrhundert. Und was Jahushua (Jesus) dazu sagt, das interessiert die Christen überhaupt nicht?„, antwortete ich ihm. „Schon rein aus wirtschaftlichen Gründen muss das so bleiben, so leid mir das tut“, gab er etwas nervös zur Antwort! Immerhin müssen wir diesem Gemeindepräsidenten zugute halten, dass er es wagt, darüber nachzudenken.

Die Christen können sich heute allerdings ihrer antijüdischen, ausgrenzenden und diskriminierenden Lehrdogmen getrost bleiben. Muhammad, der Gründer des Islam, übernahm im 7. Jh. in seinen Anfängen die Glaubensideologie der Christen gegen die Juden. Im Allgemeinen blieb er aber im Umgang mit den Juden gemässigter als die Christen, obwohl auch er Gräuel an den Juden beging. Rein äusserlich hat sich das Blatt gewendet. Die Islamisten greifen heute der christlichen Ideologie **mächtig unter die Arme.** Sie wissen um was es geht. Europa steht ihnen offen und sie reagieren entsprechend. Islamisten wie die Hamas in Gaza, die Hizbulla im Libanon und die Geistlichen des Irans, um nur einige zu nennen, sprechen sich offen für die Verfolgung und die Vernichtung der Juden aus. Wer aber von Politikern und Kirchenführern, innerhalb der christlichen Länder Europas, offizielle und konsequente Reaktionen erwartet, der wartet vergeblich. Es sind kaum kritische Stimmen aus der christlichen Welt zu hören.

Kaum hatte Präsident Obama mit den iranischen Islamisten einen wirtschaftlichen Deal vereinbart, übertrumpften sich die europäischen Politiker und Wirtschaftsmanager gegenseitig mit wirtschaftlichen Schmeicheleinheiten gegenüber den geistlichen Islamisten in Teheran. Die Gier nach wirtschaftlichem Erfolg, das Geld – heute – ist dieser Generation von Politikern und Kirchenführern wichtiger. Die wirtschaftlichen Umsätze, vermischt mit einem unberechenbaren Machtgehabe, müssen um jeden Preis vorangetrieben werden. Darum wird ihnen alles genommen werden! Was Morgen sein wird, was der Jugend und den Kindern Europas für ein Erbe hinterlassen wird, scheint sie nicht im geringsten zu beschäftigen.

Wie perfekt täuschen die Politiker und Kirchenführer Europas die Menschenmassen. Auf der einen Seite gaukeln sie den Menschenmassen vor, die Islamisten in Frankreich Belgien und anderswo gnadenlos zu verfolgen. Auf der anderen Seite schliessen sie mit ihnen, wie mit dem Iran, für Unsummen von Geld, wirtschaftliche Verträge ab. Sie unterstützen seit Jahren die Leiden an den Juden, indem sie die Judenhetze in den Schulbüchern der Hamas und der palästinensischen Führung, die ihre Unterworfenen bewusst ausbluten, kaltblütig finanzieren. Nicht zu fassen!

Jene islamischen Kinder die heute mit christlich-europäischen Mitteln in terroristische Netzwerke hinein erzogen werden, werden als Erwachsene die äusserst primitive Denkweise der christlichen Europäer verstehen und gegen sie zu Felde ziehen, was bereits traurige Wahrheit geworden ist. Welcher Moslem, geschweige denn welcher Islamist, kann ein solches Europa ernst nehmen? In Wirklichkeit sind unsere europäischen Politiker und Kirchenführer für jeden islamistischen Terrorakt in Europa haftbar zu machen. Das Leid, das über die Betroffenen hereingebrochen ist, haben sie zu verantworten! Sie sind verantwortlich für die rechts- und linksradikalen Kräfte in Europa, die flächendeckend aus dem Boden schiessen. Sie beschwören sie buchstäblich herauf.

Wie sollte jemand, unter diesen Gegebenheiten, ein theologisches Umdenken gegen die Juden erwarten können? Ein Umdenken das verbindlich festgehalten wird und dem Leid der Juden ein Ende setzen würde? Ein Umdenken, das sich an der Lehre des Juden und Rabbi Jahushua von Nazareth orientiertt, an Jahushua, der die Rechts- und Lebensordnungen der Thora und der jüdischen Propheten als unantastbar predigte (vgl. Mt 5,18) Die Juden haben die Folgen dieses traurigen Wirtschafts-Deal der Europäer mit den Islamisten längst durchschaut. Seit Jahr und Tag rufen sie die Europäer zum Umdenken auf, doch ohne Erfolg. Der islamistische Terror wird sich in Europa weiter durchsetzen und etablieren. Es gibt kein zurück mehr! Das wissen die Juden in Europa sehr gut. Ihre Konsequenzen sind eine prophetische Botschaft an uns. Wir sollten sie ernst nehmen: 2014 verließen 10.000 Juden Frankreich. Sie sind in Israel eingewandert. 2015 waren es bereits 15.000.

Mit dem wunderbaren Aufruf und dem vollen Bekenntnis aus dem Munde des Psalmisten grüsse ich alle herzlich und wünsche allen einen gesegneten Shabbat: „Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist dieser König der Herrlichkeit? JaHuWaH, stark und mächtig! JaHuWaH, mächtig im Segnen! Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? JaHuWaH der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit!“ (Ps 24,7-10). Shalom!

Gregor Dalliard